Zurück zu Wissen

E-Commerce E-Mail-Marketing für Online-Shops: DACH-Leitfaden 2026

Tom
Tom
13. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

E-Commerce-E-Mail-Marketing funktioniert dann messbar, wenn drei Systeme zusammenlaufen: eine Welcome-Sequenz, die neue Kontakte direkt qualifiziert, eine Abandoned-Cart-Automation, die verlorene Warenkörbe zurückholt, und eine Post-Purchase-Strecke, die Stammkunden aufbaut. Dieser Beitrag zeigt, wie du diese Systeme in ActiveCampaign aufbaust und worauf es im DACH-Kontext ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Automationen haben im E-Commerce den größten Hebel: Welcome-Sequenz, Abandoned-Cart-Serie und Post-Purchase-Flow.
  • ActiveCampaign verknüpft per Deep Data Integration Kaufverhalten direkt mit Kontaktprofilen – die Basis für verhaltensbasierte Kampagnen ohne manuelle Exporte.
  • Im DACH-Raum ist Double-Opt-in rechtlich vorgeschrieben; ActiveCampaign dokumentiert jede Einwilligung automatisch mit Zeitstempel.
  • KPIs wie Revenue per Email und Customer Lifetime Value zeigen den tatsächlichen Umsatzbeitrag – Öffnungsraten allein reichen nicht.
  • Segmentierung nach Kaufstatus – Noch-nicht-Käufer, Erstkäufer, Wiederkäufer – erhöht die Relevanz jeder Kampagne erheblich.

Welche E-Mail-Automationen jeder Online-Shop braucht

Im E-Commerce laufen die umsatzstärksten E-Mails automatisiert. Sie sind keine Broadcasts, sondern Reaktionen auf konkretes Verhalten: jemand meldet sich an, legt Produkte in den Warenkorb, kauft, bleibt dann lange inaktiv. Vier Automationen decken die wichtigsten Punkte dieser Customer Journey ab und laufen nach einmaliger Einrichtung dauerhaft ohne weiteren Aufwand.

Welcome-Sequenz: Neue Kontakte sofort qualifizieren

Die ersten Stunden nach der Anmeldung sind entscheidend. Neue Abonnenten haben gerade aktiv zugestimmt und sind in diesem Moment am aufmerksamsten – dieses Fenster schließt sich schnell. Eine viergliedrige Welcome-Sequenz beginnt noch am selben Tag der Anmeldung und führt den Kontakt systematisch zur ersten Bestellung.

  • E-Mail 1 (direkt nach Anmeldung): Sofortige Einlösung des Anreizes aus dem Anmeldeformular – kein Willkommenstext, sondern unmittelbarer Mehrwert, damit die Erwartung erfüllt wird.
  • E-Mail 2 (nach 24 Stunden): Produktwelt vorstellen, ohne Verkaufsdruck – welche Kategorien gibt es, was unterscheidet deinen Shop von generischen Anbietern.
  • E-Mail 3 (nach 72 Stunden): Bestseller mit konkretem Social Proof – was andere Kunden kaufen, was sie darüber sagen und warum es passt.
  • E-Mail 4 (nach sieben Tagen): Kaufanreiz für alle Kontakte, die in den ersten sechs Tagen noch nicht konvertiert haben – in Form eines zeitlich befristeten Angebots.

In ActiveCampaign richtest du das als Automation ein: Der Trigger ist Kontakt abonniert Liste oder das Absenden eines bestimmten Formulars. Die Schritte dazwischen sind Wartezeiten. Wer innerhalb der Sequenz kauft, verlässt die Automation automatisch, wenn du nach jeder E-Mail eine Bedingung Hat Bestellung aufgegeben (in den letzten X Tagen) einfügst. Wer kauft, braucht keine weitere Welcome-E-Mail – er braucht eine Post-Purchase-E-Mail.

Abandoned-Cart-Serie: Verlorene Käufe zurückgewinnen

Nicht abgeschlossene Warenkörbe gehören zu den häufigsten Umsatzverlusten im Online-Handel. Eine dreiteilige E-Mail-Serie holt einen Teil dieser Kontakte zurück – vorausgesetzt, das Site Tracking ist korrekt eingerichtet und der Kontakt ist in ActiveCampaign bekannt (also nicht anonym). Anonyme Besucher sind nicht erreichbar, weshalb eine starke Opt-in-Strategie die Grundlage jeder Abandoned-Cart-Automation ist.

  • E-Mail 1 (nach zwei Stunden): Sachliche Erinnerung ohne Druck – Produktbild, kurze Produktbeschreibung und direkter Link zurück in den Warenkorb.
  • E-Mail 2 (nach 24 Stunden): Nutzenorientierter Aufbau, unterstützt durch Kundenfeedback zum betroffenen Produkt oder zur Produktkategorie.
  • E-Mail 3 (nach 72 Stunden): Kleiner Kaufanreiz für Kontakte, die auf die ersten beiden E-Mails nicht reagiert haben.

Beim Einsatz von Rabatten in E-Mail 3 ist Vorsicht geboten. Kunden, die dieses Muster erkennen, brechen Warenkörbe absichtlich ab, um auf den Rabatt zu warten. Setze den Anreiz deshalb nur nach klarer Inaktivität ein und nicht als Standardbestandteil jeder Abandoned-Cart-Serie. Alternativ funktionieren auch Argumente wie nur noch X Stück verfügbar oder Bestseller dieser Woche, ohne einen direkten Preisnachlass zu gewähren.

Post-Purchase-Flow: Die Beziehung nach dem Kauf gestalten

Der Kauf ist der Anfang einer Kundenbeziehung, nicht ihr Abschluss. Ein Post-Purchase-Flow hat zwei Ziele gleichzeitig: Kundenzufriedenheit sichern und den Customer Lifetime Value erhöhen. Er beginnt mit der Bestellbestätigung und zieht sich über mehrere Wochen, ohne aufdringlich zu wirken.

  • Tag 1: Bestellbestätigung mit vollständiger Auftragsübersicht – keine Werbung in dieser E-Mail, nur sachdienliche Informationen zur Bestellung.
  • Tag 7: Nachfrage zur Liefererfahrung und Bewertungsanfrage, wenn das Produkt zu diesem Zeitpunkt angekommen sein sollte.
  • Tag 14: Tipps zur Nutzung oder Pflege des Produkts, kombiniert mit thematisch passenden Ergänzungsprodukten aus dem Sortiment.
  • Tag 30: Cross-Sell-Empfehlung basierend auf der Kaufkategorie – kein generischer Newsletter, sondern ein logisch aufbauender Vorschlag auf Basis des getätigten Kaufs.

Die Bewertungsanfrage an Tag 7 ist besonders wertvoll, weil sie zu einem Zeitpunkt kommt, an dem die Kauferfahrung noch frisch ist. Viele Shops versäumen es, systematisch nach Bewertungen zu fragen, und lassen damit kontinuierliches Social Proof liegen, das alle anderen Kampagnen stützt.

Reaktivierungskampagne: Inaktive Kontakte ansprechen

In jeder längeren E-Mail-Liste gibt es Kontakte, die früher aktiv waren und gekauft haben, seit Monaten aber nicht mehr reagieren. Diese Kontakte verdienen eine eigene Kampagne, bevor sie aus der aktiven Liste entfernt werden. Eine Reaktivierungsserie hält die Liste sauber und holt einen Teil zurück, ohne die Zustellbarkeit der Gesamtliste zu gefährden.

  • E-Mail 1: Direkter Ton, kein Vorwurf – du merkst, dass der Kontakt eine Weile nicht mehr aktiv war, und fragst, ob er weiterhin von dir hören möchte.
  • E-Mail 2 (nach sieben Tagen): Konkreter Anreiz, der auf vergangenen Käufen basiert oder auf neue Produkte hinweist, die seit dem letzten Kauf hinzugekommen sind.
  • E-Mail 3 (nach weiteren sieben Tagen): Abschlussnachricht mit klarer Option – bleiben oder abmelden. Formuliere es so, dass eine Nicht-Reaktion klar als Entscheidung zum Austragen gewertet wird.

Kontakte, die auf alle drei E-Mails nicht reagieren, trägst du aus der aktiven Liste aus oder verschiebst sie in ein inaktives Segment. Das verbessert die Zustellbarkeit für alle anderen Empfänger, weil Mailbox-Anbieter das Engagement der Gesamtliste bei der Bewertung der Absenderreputation berücksichtigen.

Cross-Sell und Upsell über ActiveCampaign Deep Data steuern

ActiveCampaign kann über die Deep Data Integration direkt auf Kaufdaten aus deinem Shop-System zugreifen – native Verbindungen bestehen für Shopify, WooCommerce und BigCommerce, für andere Systeme existieren Anbindungen über Zapier oder Make. Das bedeutet konkret: ActiveCampaign kennt, was ein Kontakt gekauft hat, welche Kategorien er bevorzugt, wann er zuletzt bestellt hat und wie hoch sein kumulierter Umsatz ist.

Diese Daten ermöglichen Segmentierungen, die ohne manuellen Datenexport entstehen. Du baust Segmente wie hat Kategorie X gekauft, aber noch nie Kategorie Y direkt in ActiveCampaign auf. Automationen starten automatisch, wenn ein Kontakt in dieses Segment eintritt oder es verlässt.

Ein konkretes Beispiel: Du betreibst einen Shop für Outdoor-Ausrüstung. Wer ein Zelt kauft, bekommt nach 14 Tagen eine E-Mail mit Schlafsäcken und Isomatten aus dem Sortiment – keine allgemeine Produktwerbung, sondern eine logisch passende Empfehlung. In ActiveCampaign baust du das als Automation: Der Trigger ist Kauf in Kategorie Zelte, die Wartezeit beträgt 14 Tage, dann folgt eine E-Mail mit dynamischen Inhaltsblöcken, die Produkte aus den verknüpften Kategorien anzeigen.

Für Upsell-Kampagnen eignet sich das Modell der Ausgabenschwellen. Kunden, die bisher ausschließlich Produkte im Einstiegssegment gekauft haben, erhalten gezielt ein Angebot aus dem mittleren Preissegment – mit einem konkreten Nutzenargument, warum das teurere Produkt in ihrer Situation die bessere Wahl ist. Dieses Argument muss auf dem tatsächlichen Kaufverhalten beruhen, nicht auf generischen Formulierungen. Wer bisher Einsteiger-Kletterausrüstung gekauft hat, wird mit einem konkreten Vergleich zwischen seiner bisherigen und der nächsten Ausstattungsstufe angesprochen.

Deep Data macht auch die Häufigkeit von Wiederkäufen sichtbar. Wer regelmäßig in kurzen Abständen kauft, reagiert auf andere Inhalte als jemand, der einmal im Quartal bestellt. Diese Unterschiede lassen sich in ActiveCampaign als separate Segmente abbilden und jeweils mit eigener Kampagnenlogik versehen.

So richtest du Abandoned-Cart in ActiveCampaign ein

Bevor du die Automation aufbaust, müssen zwei technische Voraussetzungen erfüllt sein: Site Tracking läuft auf allen Seiten deines Shops, und die Deep Data Integration mit deinem Shop-System ist verbunden. Ohne beides kann ActiveCampaign keine Warenkorbdaten empfangen und keine Kontakte identifizieren. Richte beide Elemente zuerst ein und teste sie, bevor du mit dem Automation-Aufbau beginnst.

  1. Site Tracking aktivieren: In ActiveCampaign unter Einstellungen > Tracking den Tracking-Code kopieren und auf allen Shop-Seiten einbinden, idealerweise über den Tag Manager deiner Wahl. Der Code identifiziert bekannte Kontakte, wenn sie deine Seite besuchen, und verknüpft ihr Verhalten mit ihrem Kontaktprofil.
  2. Deep Data Integration einrichten: Unter Einstellungen > Integrationen die passende Shop-Verbindung wählen und die Zugangsdaten eingeben. Nach der Verbindung synchronisiert ActiveCampaign Bestelldaten rückwirkend und zeigt bisherige Käufe in jedem Kontaktprofil an.
  3. Automation erstellen: Unter Automationen > Erstellen einen neuen Workflow anlegen. Als Startpunkt Besucht eine Seite wählen und die URL der Warenkorbseite eintragen. Stelle sicher, dass die Automation nur für bekannte Kontakte greift, nicht für alle anonymen Besucher.
  4. Bedingung einbauen: Als nächsten Schritt im Workflow eine Bedingung einfügen: Hat Bestellung aufgegeben (in der letzten Stunde). Wenn Ja, endet die Automation für diesen Kontakt – er hat bereits gekauft. Wenn Nein, läuft er weiter in die Wartezeit.
  5. Wartezeit und erste E-Mail: Nach der Bedingung eine Wartezeit von zwei Stunden einfügen, dann die erste Abandoned-Cart-E-Mail senden. E-Mail enthält Produktbild, kurze Produktbeschreibung und direkten Link zurück zum Warenkorb.
  6. Weitere Schritte aufbauen: Die Bedingungsprüfung nach jeder E-Mail wiederholen. Nach E-Mail 1: wieder prüfen, ob Kauf erfolgt ist. Wenn Nein: 22 Stunden warten (gesamt 24 Stunden seit Warenkorbabbruch), dann E-Mail 2 senden. Wieder prüfen, dann 48 Stunden warten, dann E-Mail 3.
  7. Endpunkt definieren und testen: Am Ende der Automation den Kontakt aus dem Abandoned-Cart-Segment entfernen, damit er bei einem erneuten Warenkorbbesuch ohne vorherigen Kauf neu in die Automation eintreten kann. Teste die Automation vollständig mit einem eigenen Kontakt, bevor du sie aktivierst.

Beim Testen legst du ein Produkt in den Warenkorb deines Shops, ohne zu kaufen, und prüfst nach zwei Stunden, ob die E-Mail an deine Testadresse angekommen ist. Prüfe auch, ob die E-Mail ausbleibt, wenn du den Kauf tatsächlich abschließt – die Bedingungsprüfung muss dann greifen und die Automation beenden.

DSGVO-Compliance und DACH-Besonderheiten

Im deutschsprachigen Raum gelten für E-Mail-Marketing strengere Anforderungen als in vielen anderen Märkten. Wer sie nicht beachtet, riskiert Abmahnungen. Gleichzeitig gibt es kulturelle Gewohnheiten im Empfangsverhalten, die sich direkt auf die Kampagnenleistung auswirken.

Rechtliche Anforderungen im Überblick

Double-Opt-in ist im DACH-Raum de facto Pflicht. Ohne dokumentierte Einwilligung darf kein Werbemailing verschickt werden. ActiveCampaign setzt Double-Opt-in nativ um: Nach dem Absenden des Formulars erhält der Kontakt eine Bestätigungs-E-Mail, erst nach dem Klick wird er als aktiver Abonnent geführt. Der Zeitstempel dieser Bestätigung wird gespeichert und kann bei einer Prüfung durch Wettbewerber oder Behörden nachgewiesen werden.

Die Bestätigungs-E-Mail selbst darf noch keine Werbung enthalten – sie ist ausschließlich dazu da, die Einwilligung zu bestätigen. Was in das Anmeldeformular gehört, ist ebenfalls geregelt: Der Nutzer muss vor der Anmeldung wissen, welche Art von E-Mails er bekommt und wie er sich wieder austragen kann. Der Paragraph 7 UWG regelt die Anforderungen an die ausdrückliche Einwilligung; dort ist auch definiert, dass vorausgekreuzte Checkboxen keine wirksame Einwilligung darstellen.

Für die Verarbeitung personenbezogener Daten in E-Mail-Marketing-Tools gilt zusätzlich die DSGVO. Wenn du ActiveCampaign nutzt, schließt du einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) ab, der die Datenverarbeitung auf europäischen Servern regelt. ActiveCampaign bietet diesen Vertrag im Konto-Bereich an.

Kulturelle Besonderheiten im DACH-Kontext

Empfänger im deutschsprachigen Raum reagieren auf andere Signale als beispielsweise im US-amerikanischen Markt. Wer seine Kampagnen ohne diese Anpassungen direkt aus englischsprachigen Playbooks übernimmt, wird mit anderen Ergebnissen rechnen müssen als erwartet.

  • Frequenz: Im DACH-Raum werden weniger, dafür inhaltlich dichtere E-Mails bevorzugt. Tägliche Mailings gelten schnell als Spam, besonders wenn der Inhalt sich wiederholt oder keinen konkreten Mehrwert bietet.
  • Direktheit: Deutsche Empfänger erwarten klare, auf den Punkt gebrachte E-Mails ohne Marketing-Sprech und ohne übermäßige Begeisterungsrhetorik, die im US-amerikanischen Stil normal wäre.
  • Datensensibilität: Personalisierungshinweise wie basierend auf deinen letzten Besuchen sollten transparent formuliert sein. Empfänger im DACH-Raum reagieren empfindlicher auf das Gefühl, gläsern zu sein – eine sachliche Formulierung wie Du hast zuletzt Produkte aus Kategorie X angeschaut wirkt oft besser als eine zu vertraulich klingende Ansprache.

Typische Fehler beim E-Commerce-E-Mail-Marketing

Einblicke aus der Arbeit mit Online-Shops zeigen: Dieselben Fehler kosten immer wieder Umsatz und Zustellbarkeit. Wer sie kennt, vermeidet die Nacharbeit.

Alle Kontakte bekommen dieselbe E-Mail

Der häufigste Fehler im E-Commerce-E-Mail-Marketing: Broadcasts an die gesamte Liste, egal ob der Empfänger gerade erst seine erste Bestellung aufgegeben hat, seit einem Jahr inaktiv ist oder noch nie etwas gekauft hat. Diese Gleichbehandlung führt zu sinkenden Öffnungsraten, mehr Abmeldungen und einer verschlechterten Absenderreputation. Starte mit drei Basis-Segmenten: Noch-nicht-Käufer, Erstkäufer und Wiederkäufer. Jede dieser Gruppen braucht eigene Inhalte, eigene Versandfrequenzen und eigene Kampagnenziele.

Site Tracking zu spät einrichten

Site Tracking liefert nur dann Daten, wenn es vor dem Besuch eines identifizierten Kontakts aktiv war. Wer das Tracking erst Monate nach dem Start einschaltet, hat keine historischen Verhaltensdaten und muss mit einem leeren Profil für alle bisherigen Kontakte arbeiten. Richte Site Tracking deshalb als eines der ersten Elemente in ActiveCampaign ein – noch bevor du Automationen aufbaust, die auf Seitenbesuche oder Produktinteressen reagieren sollen.

Mobile Darstellung nicht geprüft

E-Mails werden überwiegend auf mobilen Geräten geöffnet. Wenn dein Template auf dem Desktop gut aussieht, auf dem Smartphone aber unleserlich ist oder die Buttons zu klein zum Antippen sind, verlierst du einen Großteil der Öffnungen ohne jede Reaktion. Teste jede E-Mail-Vorlage mit dem eingebauten Vorschau-Tool von ActiveCampaign in der mobilen Ansicht, bevor du die Automation aktivierst. Einspaltige Layouts, ausreichend große Schriftgröße und gut erkennbare Buttons sind keine Kür, sondern Grundvoraussetzung.

Automationen nie kontrollieren

Automationen laufen im Hintergrund, oft monatelang ohne manuelle Eingriffe. Wenn ein Schritt falsch konfiguriert ist – eine Bedingung greift nicht, eine Wartezeit fehlt, ein Link zeigt auf eine gelöschte Produktseite – bemerkt es niemand, bis Kontakte sich beschweren oder der Umsatz aus dieser Automation unerwartet einbricht. Lege dir eine monatliche Prüfung für alle aktiven Automationen an: Laufen die richtigen Kontakte durch? Sind alle Links noch gültig? Sind die Kennzahlen im erwarteten Bereich?

Welche KPIs wirklich zählen

Öffnungsrate und Klickrate sagen wenig über den tatsächlichen Umsatzbeitrag einer E-Mail-Kampagne aus. Im E-Commerce gibt es drei Kennzahlen, die deutlich aussagekräftiger sind, weil sie den Kampagnenerfolg direkt mit dem Geschäftsergebnis verbinden.

Revenue per Email

Revenue per Email (RPE) setzt den einer Kampagne zugeordneten Umsatz in Beziehung zur Anzahl versendeter E-Mails. Du berechnest ihn, indem du den E-Mail-zugeordneten Umsatz durch die Zahl der abgesendeten E-Mails teilst. Der Wert variiert stark nach Branche, Produktpreis und Segmentierung. Er ist aber die einzige Kennzahl, die direkt mit dem Geschäftsergebnis verbunden ist und dir erlaubt, verschiedene Kampagnen und Automationen miteinander zu vergleichen.

Um RPE korrekt zu messen, brauchst du Attribution: ActiveCampaign zeigt in der Automation-Übersicht, welche Kontakte nach einer E-Mail konvertiert haben. Wenn du diesen Umsatz durch alle E-Mails der Automation teilst, hast du den RPE dieser Automation. Vergleiche den RPE deiner Abandoned-Cart-Automation mit dem deiner regulären Newsletter, um zu sehen, welcher Kanal mehr trägt.

Customer Lifetime Value nach Einstiegskanal

Wenn du den Customer Lifetime Value (CLV) von Kunden, die über E-Mail konvertiert haben, mit dem CLV anderer Kanäle vergleichst, siehst du, ob E-Mail-generierte Kunden langfristig wertvoller sind. E-Mail-Kontakte, die durch eine mehrstufige Welcome-Sequenz geführt wurden, haben oft eine stärkere Bindung als Kunden, die über einen einzelnen Paid-Ads-Klick konvertiert sind – das ist aber kein Automatismus, sondern das Ergebnis einer Sequenz, die tatsächlich inhaltlichen Mehrwert bietet und nicht nur auf Rabatt setzt.

Automation Recovery Rate

Die Recovery Rate misst, wie viele Kontakte eine Automation mit einem Kauf abschließen. Sie ist besonders relevant für Abandoned-Cart und Reaktivierungskampagnen. Du berechnest sie, indem du die Kontakte mit Kauf durch alle Kontakte teilst, die die Automation durchlaufen haben. Eine niedrige Recovery Rate in der Abandoned-Cart-Automation zeigt entweder ein Timing-Problem – E-Mails kommen zu früh oder zu spät – ein Angebotsproblem oder dass die Automation Kontakte erfasst, die den Warenkorb gar nicht wirklich kaufen wollten, sondern nur versehentlich die Tracking-Seite ausgelöst haben. Alle drei Ursachen lassen sich in ActiveCampaign gezielt beheben.

Häufige Fragen

Welche Shop-Systeme lassen sich mit ActiveCampaign für E-Commerce-Automationen verbinden?

ActiveCampaign bietet native Deep Data Integrationen für Shopify, WooCommerce und BigCommerce. Für andere Shop-Systeme – etwa Magento oder Shopware – existieren Anbindungen über Zapier oder Make, die Bestelldaten übertragen. Die native Integration ist vorzuziehen, weil sie Kaufdaten in Echtzeit synchronisiert und direkt in Segmentierungen und Automationen verwendbar macht, ohne Umwege über externe Dienste.

Wie viele E-Mails sollte eine Abandoned-Cart-Serie haben?

Drei E-Mails sind der bewährte Rahmen: eine sachliche Erinnerung nach zwei Stunden, eine nutzenorientierte E-Mail nach 24 Stunden und eine letzte mit einem kleinen Anreiz nach 72 Stunden. Mehr als drei E-Mails erhöhen Abmeldungen, ohne dass die Recovery Rate proportional steigt. Wer weniger Kontaktdruck will, kann mit zwei E-Mails beginnen und die dritte nur an Kontakte senden, die die ersten beiden nicht geöffnet haben.

Muss für jede Automation in ActiveCampaign eine eigene Liste angelegt werden?

Nein. Im aktuellen Modell von ActiveCampaign arbeitest du mit einer zentralen Liste und steuerst alles über Tags und Segmente. Separate Listen für jede Automation erzeugen doppelte Kontakte, erschweren die Bereinigung und verzerren die Kontaktzahlen im Konto. Nutze Tags wie welcome-abgeschlossen oder abandoned-cart-gesendet, um den Automation-Status zu verfolgen, und halte die Liste selbst bereinigt.

Ab welcher Listengröße lohnen sich Automationen im E-Commerce?

Automationen lohnen sich von der ersten E-Mail an, weil der Einrichtungsaufwand einmalig ist und die Automation danach dauerhaft ohne zusätzliche Ressourcen läuft. Eine Welcome-Sequenz ist auch für eine Liste mit 200 Kontakten sinnvoll. Der absolute Rückgewinn aus einer Abandoned-Cart-Automation steigt mit dem durchschnittlichen Warenkorbwert – bei niedrigpreisigen Produkten ist der Umsatz pro zurückgewonnenem Kontakt entsprechend geringer, der prozentuale Hebel bleibt aber ähnlich.

Wie vermeide ich, dass Kunden nach jedem Kauf in dieselbe Post-Purchase-Automation eintreten?

In ActiveCampaign kontrollierst du das über die Automation-Einstellungen: Du legst fest, ob ein Kontakt die Automation einmal insgesamt, einmal pro Kauf oder mehrfach eintreten darf. Für eine Post-Purchase-Serie, die pro Bestellung einmal laufen soll, wählst du einmal pro Kauf als Eintrittsregel. Für die Welcome-Serie reicht einmal insgesamt. Wenn du das nicht explizit konfigurierst, kann ein Kontakt dieselbe Serie mehrfach durchlaufen.

Wer die beschriebenen Automationen in ActiveCampaign aufbauen möchte, findet in unserem ActiveCampaign-Kurs die konkreten Schritt-für-Schritt-Anleitungen für E-Commerce-Setups. Wer eine individuelle Implementierung für seinen Shop bevorzugt, kann das mit unserer ActiveCampaign-Agentur angehen.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

Kostenloses Erstgespräch

Du weißt jetzt, wie es geht. Sollen wir dir bei der Umsetzung helfen?

Zwanzig Minuten, ohne Verkaufsgespräch: Wir schauen gemeinsam auf dein Marketing – was schon trägt, was liegen geblieben ist und was sich automatisieren lässt. Du hast danach drei konkrete nächste Schritte. Ob du ActiveCampaign schon nutzt oder noch nach dem passenden Werkzeug suchst: Wir richten es so ein, dass es zu deinem Unternehmen passt – und zeigen deinem Team, wie es damit weiterarbeitet.

Jetzt kennenlernen

Kostenlos und unverbindlich · Offizieller ActiveCampaign-Partner · über 200 Unternehmen im Advertal Partner-Netzwerk