Marketing Automation · Stand September 2026

Webinar-Funnel: das Geld liegt im Nachfassen

Das Webinar ist der einfache Teil. Entschieden wird danach – und zwar davon, ob alle dieselbe Aufzeichnung bekommen oder ob nach Signalstärke getrennt wird.

Ein Webinar-Funnel besteht aus Anmeldung, Erinnerung, Durchführung und Nachfassen – wobei das Nachfassen den Ausschlag gibt. Entscheidend ist, die Teilnehmer nach Signalstärke zu trennen: Wer bis zum Ende blieb und eine Frage gestellt hat, ist ein Anruf wert; wer sich nur angemeldet hat, bekommt die Aufzeichnung. Rechtlich wichtig: Eine kostenlose Anmeldung ist kein Verkauf und erlaubt deshalb keine Newsletter-Werbung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine kostenlose Webinar-Anmeldung ist kein Verkauf – die Bestandskunden-Ausnahme des § 7 Abs. 3 UWG greift dafür nicht.
  • Wer Anmeldungen anschließend in den Newsletter überführt, braucht dafür eine gesonderte Einwilligung. Das ist der häufigste Fehler im Webinar-Marketing.
  • Nach dem Webinar entstehen vier Gruppen mit sehr unterschiedlicher Signalstärke. Die übliche Praxis schickt allen dieselbe Aufzeichnung.
  • Angerufen wird die kleinste Gruppe: wer bis zum Ende blieb UND eine Frage gestellt hat. Für alle anderen ist ein Anruf zu früh.
  • Der Anruf gehört an denselben oder den Folgetag. Nach einer Woche ist die Bereitschaft weg, die im Webinar entstanden ist.
  • Erinnerungen entscheiden über die Teilnahmequote mehr als der Titel – eine Stunde vorher ist wichtiger als drei Tage vorher.

Stand der Angaben: 1. September 2026 · geprüft von Advertal, offizieller ActiveCampaign-Partner seit 2017

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Der Fehler, der fast überall gemacht wird

Der übliche Ablauf: Ein kostenloses Webinar sammelt zweihundert Anmeldungen ein. Danach wandern die Adressen in den Verteiler, und ab der Folgewoche bekommen alle den Newsletter. Das ist bequem, verbreitet – und ohne gesonderte Einwilligung nicht zulässig.

Der Grund steht im Wortlaut von § 7 Abs. 3 UWG. Die Bestandskunden-Ausnahme greift nur, wenn der Unternehmer die Adresse „im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung" erhalten hat – und unter Verkauf ist der tatsächliche Vertragsschluss zu verstehen. Eine kostenlose Anmeldung ist kein Verkauf.

Damit scheitert die Ausnahme schon an ihrer ersten von vier Voraussetzungen. Die übrigen drei – Werbung nur für eigene *ähnliche* Leistungen, kein Widerspruch des Kunden, und ein klarer Hinweis auf das Widerspruchsrecht bei der Erhebung und bei jeder Verwendung – kommen gar nicht mehr zum Tragen.

Die Lösung ist unspektakulär und funktioniert: eine getrennte, freiwillige Einwilligung im Anmeldeformular. Ein zweites, nicht vorangekreuztes Feld: „Ich möchte zusätzlich den Newsletter erhalten." Wer es ankreuzt, ist sauber im Verteiler. Wer nicht, bekommt die Webinar-Kommunikation – und danach nichts mehr.

Das kostet Anmeldungen im Verteiler und spart die Auseinandersetzung darüber. Und es hat einen Nebeneffekt, der oft übersehen wird: Wer sich aktiv für den Newsletter entscheidet, öffnet ihn auch – was der Zustellbarkeit des gesamten Versands zugutekommt.

Vier Gruppen, vier Reaktionen

Nach dem Webinar sind nicht alle gleich. Die übliche Praxis behandelt sie trotzdem gleich – und verschenkt damit die einzige Gruppe, bei der sich ein Anruf rechnet.

Vier Gruppen nach einem Webinar und die passende ReaktionAus einer Anmeldung entstehen vier Gruppen: nicht erschienen, kurz reingeschaut, bis zum Ende geblieben, und geblieben mit gestellter Frage. Nur die letzte Gruppe rechtfertigt einen Anruf; die übrigen bekommen abgestufte schriftliche Reaktionen.Anmeldungeneine ListeAngemeldet, nicht erschienenAufzeichnung schicken. Nicht anrufen.Kurz reingeschautAufzeichnung mit Sprungmarken. Nicht anrufen.Bis zum Ende gebliebenAngebot per Mail. Anruf möglich.Geblieben UND Frage gestelltAnrufen. Heute, nicht nächste Woche.Die übliche Praxis schickt allen vier Gruppen dieselbe Aufzeichnung – und ruft entweder niemanden an oder alle.
Wer eine Frage gestellt hat, hat sich selbst identifiziert. Das ist ein stärkeres Signal als jede Verweildauer – und es ist der Grund, warum diese Gruppe angerufen wird und die anderen nicht.

Warum die Frage mehr wiegt als die Verweildauer

Die meisten Webinar-Auswertungen sortieren nach Verweildauer. Das ist naheliegend und trotzdem das schwächere Kriterium: Jemand kann das Fenster offen lassen und nebenher etwas anderes tun.

Eine gestellte Frage ist etwas anderes. Sie kostet Überwindung, sie ist öffentlich, und sie sagt etwas über das konkrete Problem der Person aus. Wer fragt „Wie läuft das bei mehreren Standorten?", hat mehrere Standorte – und ein Problem damit.

Deshalb ist diese Gruppe die einzige, bei der ein Anruf sinnvoll ist. Nicht weil sie kaufbereiter wäre, sondern weil man weiß, worüber man spricht. Ein Anruf ohne diesen Anhaltspunkt ist ein Kaltakquise-Gespräch mit besserer Ausrede.

Und der Zeitpunkt entscheidet mit. Die Bereitschaft, die im Webinar entsteht, hält kurz. Ein Anruf am selben oder am Folgetag trifft jemanden, der das Thema noch im Kopf hat. Nach einer Woche erklärt man erst, wer man ist.

Praktisch heißt das: Die Fragen werden während des Webinars mitgeschrieben, nicht danach aus einer Aufzeichnung rekonstruiert. Wer das nachträglich macht, ruft übermorgen an – und übermorgen ist zu spät.

Der Ablauf, der trägt

Sechs Schritte. Die beiden Erinnerungen entscheiden über die Teilnahmequote, das Nachfassen über das Ergebnis.

  1. Anmeldung mit getrennter Newsletter-Einwilligung

    Ein Feld für die Anmeldung, ein zweites, nicht vorangekreuztes für den Newsletter. Ohne diese Trennung gibt es nach dem Webinar keine tragfähige Grundlage für weitere Werbung – eine kostenlose Anmeldung ist kein Verkauf im Sinne des § 7 Abs. 3 UWG.

  2. Bestätigung sofort, mit Kalendereintrag

    Die Bestätigungsmail enthält den Termin als Anhang zum Eintragen. Wer den Termin im Kalender stehen hat, erscheint häufiger – das ist der billigste Hebel auf die Teilnahmequote.

  3. Zwei Erinnerungen: einen Tag vorher, eine Stunde vorher

    Die Erinnerung eine Stunde vorher wirkt stärker als die einen Tag vorher, wird aber häufiger weggelassen. Beide enthalten den Zugangslink direkt – nicht den Hinweis, dass er in einer früheren Mail steht.

  4. Während des Webinars die Fragen mitschreiben

    Name und Frage, nichts weiter. Das ist die Grundlage für den einzigen Anruf, der sich rechnet – und es geht nur währenddessen. Wer es nachträglich aus der Aufzeichnung rekonstruiert, ruft zwei Tage später an.

  5. Am selben Tag nachfassen, nach Gruppe getrennt

    Nicht erschienen: Aufzeichnung. Kurz dabei: Aufzeichnung mit Sprungmarken zu den Stellen, die sie verpasst haben. Bis zum Ende: Aufzeichnung plus konkretes Angebot. Wer gefragt hat: Anruf, mit Bezug auf die Frage.

  6. Nach zwei Wochen ausräumen

    Wer auf keine der Nachfassmails reagiert hat, wird aus der Webinar-Strecke genommen. Ohne diesen Schritt sammelt sich mit jedem Webinar eine weitere Schicht inaktiver Kontakte an – und die kosten Geld und Zustellbarkeit.

Womit du weiterkommst

Die drei Stellen, an denen ein Webinar-Funnel typischerweise klemmt.

Was mit den Inaktiven passiert

Jedes Webinar hinterlässt eine Schicht Kontakte, die nie wieder reagieren. Warum Löschen oft besser ist als eine Reaktivierungskampagne.

Welche Automation zuerst dran ist

Der Webinar-Funnel ist selten die einzige offene Baustelle. Die Landkarte sortiert nach Wirkung und Aufwand.

Der Unterschied, den kaum jemand kennt

Gleicher Preis, gleicher Funktionsumfang – plus deutschsprachiger Ansprechpartner

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Häufige Fragen

Darf ich Webinar-Teilnehmer danach in den Newsletter aufnehmen?

Nicht ohne gesonderte Einwilligung. Die Bestandskunden-Ausnahme des § 7 Abs. 3 UWG setzt voraus, dass die Adresse „im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung" erhalten wurde – gemeint ist der tatsächliche Vertragsschluss. Eine kostenlose Anmeldung ist kein Verkauf. Die saubere Lösung ist ein zweites, nicht vorangekreuztes Feld im Anmeldeformular.

Darf ich Webinar-Teilnehmer anrufen?

Bei Verbrauchern braucht es dafür eine ausdrückliche Einwilligung; im geschäftlichen Verkehr gilt ein weniger strenger Maßstab, aber auch dort keine Freigabe für beliebige Anrufe. Unabhängig von der Rechtslage lohnt sich der Anruf ohnehin nur bei einer Gruppe: wer bis zum Ende blieb und eine Frage gestellt hat. Bei allen anderen fehlt der Anhaltspunkt, worüber man sprechen würde.

Wie viele Erinnerungen braucht ein Webinar?

Zwei: eine einen Tag vorher und eine eine Stunde vorher. Die zweite wirkt stärker und wird häufiger weggelassen. Beide sollten den Zugangslink direkt enthalten statt auf eine frühere Mail zu verweisen – jeder zusätzliche Schritt kostet Teilnehmer.

Was gehört in die Nachfassmail?

Das hängt von der Gruppe ab. Wer nicht erschienen ist, bekommt die Aufzeichnung. Wer kurz dabei war, die Aufzeichnung mit Sprungmarken zu den verpassten Stellen. Wer bis zum Ende blieb, zusätzlich ein konkretes Angebot. Und wer eine Frage gestellt hat, bekommt einen Anruf mit Bezug auf genau diese Frage – nicht dieselbe Mail wie alle anderen.

Warum ist eine gestellte Frage wichtiger als die Verweildauer?

Weil sie Überwindung kostet und etwas über das konkrete Problem der Person aussagt. Ein offenes Browserfenster sagt gar nichts – jemand kann nebenher arbeiten. Wer dagegen fragt, wie etwas bei mehreren Standorten funktioniert, hat mehrere Standorte und ein Problem damit. Das ist die Grundlage für ein Gespräch, das kein Kaltakquise-Anruf ist.

Wann sollte man nachfassen?

Am selben Tag, spätestens am Folgetag. Die Bereitschaft, die im Webinar entsteht, hält kurz. Deshalb werden die Fragen auch während des Webinars mitgeschrieben und nicht nachträglich aus der Aufzeichnung rekonstruiert – wer das tut, ruft zwei Tage später an, und dann erklärt man erst wieder, wer man ist.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH, im Gespräch mit dem ActiveCampaign-Team

Geprüft von

Tom Wenk, Gründer und Geschäftsführer von Advertal

Tom Wenk arbeitet seit 2017 ausschließlich mit ActiveCampaign. Mit Advertal betreut er heute über 200 Unternehmen im deutschsprachigen Raum, sitzt im ActiveCampaign Customer Advisory Board und im Partner Advisory Subcommittee und hat über 280 kostenlose Tutorials zur Plattform veröffentlicht. Die Angaben auf dieser Seite stammen aus dieser Praxis und aus Quellen, die wir am 1. September 2026 selbst geprüft haben.

Webinar-Funnel einmal sauber aufsetzen

Anmeldung mit tragfähiger Einwilligung, zwei Erinnerungen, vier Nachfass-Wege – für Accounts im Partner-Netzwerk bauen wir das gemeinsam auf.

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