Warum Öffnungsraten-Benchmarks nichts mehr taugen
Bis 2021 war die Öffnungsrate eine brauchbare Näherung. Sie wurde über ein winziges, unsichtbares Bild gemessen: Lädt der Empfänger es, gilt die Mail als geöffnet. Das war nie exakt – wer Bilder abschaltet, wurde nie gezählt –, aber es war brauchbar.
Mit iOS 15 hat sich das geändert. Apple beschreibt Mail Privacy Protection in der eigenen Dokumentation so: Entfernte Inhalte werden im Hintergrund vorgeladen statt erst beim Öffnen, und die Funktion verhindert, dass Absender sehen, ob eine Nachricht geöffnet wurde.
Damit feuert der Zählpixel, ob jemand hinsieht oder nicht. Was danach in der Auswertung steht, ist keine Öffnungsrate mehr, sondern eine Mischung aus Menschen und Technik – in einem Verhältnis, das niemand kennt und das von der Geräteverteilung des eigenen Bestands abhängt.
Für Benchmark-Tabellen ist das das Ende. Eine Zahl wie „durchschnittliche Öffnungsrate in der Branche X" mischt Listen mit unterschiedlichem Apple-Anteil, unterschiedlicher Einwilligungspraxis und unterschiedlicher Größe. Sie sieht nach Orientierung aus und gibt keine.
Und ein Nebeneffekt, der in der Praxis regelmäßig für Verwirrung sorgt: Ein plötzlicher Anstieg der Öffnungsrate ist meist kein Erfolg. Wenn ein Anbieter sein Vorladen ändert, ändert sich die Zahl, ohne dass sich am Verhalten irgendetwas geändert hätte. Wer das für eine Verbesserung hält, optimiert in die falsche Richtung.