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ActiveCampaign für Finanzdienstleister: CRM und Automation in der Beratungspraxis

Tom
Tom
4. April 2025 · 13 Min. Lesezeit

ActiveCampaign verbindet CRM, E-Mail-Automation und Website-Tracking in einer Plattform – und passt damit gut auf die Besonderheiten der Finanzberatung: lange Verkaufszyklen, viele Bestandskunden, hoher Beziehungsaufwand. Du automatisierst Kontaktpunkte, qualifizierst Interessenten über Lead Scoring und bleibst im Gedächtnis deiner Kunden, ohne jeden Kontakt manuell anzustoßen.

Das Wichtigste in Kürze

  • ActiveCampaign eignet sich für Finanzdienstleister, weil es CRM, Automation und Tracking in einem System vereint – kein Flickenteppich aus Einzeltools.
  • Das Double-Opt-in-Verfahren ist für neue Kontakte Pflicht; für Bestandskunden gilt eine enge Ausnahme nach § 7 Abs. 3 UWG, die klare Voraussetzungen hat.
  • Die wirksamsten Automationen für Finanzberater sind keine komplexen Funnels, sondern einfache Pflege-Mails: Geburtstag, Quartals-Check, Status-Abfrage ohne Verkaufsdruck.
  • Lead Scoring lohnt sich ab etwa 200 aktiven Kontakten und einem klaren Qualifizierungskriterium – vorher ist manuelle Einschätzung schneller.

Was CRM-Automation für Finanzberater anders macht als ein allgemeines Newsletter-Tool

Ein einfaches Newsletter-Tool kann E-Mails verschicken. Das reicht für eine Webshop-Strategie, aber nicht für die Finanzberatung. Finanzberater haben Beziehungen, die sich über Jahre erstrecken: ein Erstgespräch, eine Vertragsanbahnung, ein Vertragsabschluss, dann jahrelange Bestandskundenpflege mit gelegentlichem Bedarf an Nachprodukten. Diese Zeitstruktur braucht ein System, das sich an den Status eines Kontakts erinnert und darauf reagiert – nicht nur zum Zeitpunkt des Klicks, sondern Wochen oder Monate später.

ActiveCampaign unterscheidet sich hier durch drei Eigenschaften, die für diese Branche relevant sind. Erstens: Das integrierte CRM speichert die vollständige Kontakthistorie – Beratungsgespräche als Notizen, Vertragsdaten als benutzerdefinierte Felder, Lifecycle-Status als Tags. Du siehst auf einem Blick, wann du zuletzt Kontakt hattest, welche Produkte ein Kunde bereits hat und wie er auf E-Mails reagiert. Zweitens: Das Website-Tracking zeigt dir, welche Seite ein Kontakt gerade aufruft – wenn ein Bestandskunde plötzlich deine Seite zur betrieblichen Altersvorsorge besucht, kannst du das als Trigger für eine persönliche Nachfrage nutzen. Drittens: Automationen laufen nach selbst definierten Regeln, nicht nach starren Zeitplänen – eine E-Mail geht raus, wenn ein Kontakt die richtige Kombination aus Status, Verhalten und Zeitabstand erfüllt, nicht einfach jeden Dienstag um 10 Uhr.

Der praktische Unterschied zeigt sich vor allem im Bestandskundenmanagement. Wer 300 oder 500 Bestandskunden betreut, kann nicht jede Jahres- oder Quartalsvorsorge manuell im Kalender nachhalten. ActiveCampaign nimmt dir diese Verwaltungsaufgabe ab: Du definierst einmal, nach welcher Laufzeit welche Nachfrage kommen soll, und das System führt die Kontakte zuverlässig durch diese Sequenz – ohne dass du daran erinnert werden musst.

Die drei Kommunikationsphasen, die du mit ActiveCampaign automatisierst

Neukundengewinnung und Lead-Nurturing

Ein Interessent füllt ein Kontaktformular aus, lädt ein Whitepaper herunter oder registriert sich für ein Webinar. Das ist der Eintrittspunkt in deine Automation. Was danach passiert, entscheidet darüber, ob aus dem Kontakt eine Beratungsanfrage wird oder nicht.

Eine funktionierende Nurturing-Sequenz für Finanzdienstleister beginnt mit einer einfachen Begrüßungsmail, die keine Produktempfehlung enthält, sondern erklärt, was der Kontakt als Nächstes erwarten kann. Danach folgen zwei bis vier inhaltliche Mails, die ein konkretes Thema vertiefen – je nach dem, was der Kontakt ursprünglich angefragt hat. Wer sich für Berufsunfähigkeitsversicherung interessiert, bekommt keine Mail über betriebliche Altersvorsorge. Die Segmentierung nach Eintrittspunkt ist die wichtigste Weiche in dieser Phase.

Nach der inhaltlichen Sequenz folgt eine Abfrage: Hat der Kontakt ein konkretes Anliegen, oder ist das Interesse eher allgemeiner Natur? Statt diesen Schritt manuell zu prüfen, kannst du ihn über eine einfache Ein-Frage-Mail automatisieren. Wer antwortet, bekommt einen anderen Pfad als wer nicht reagiert. Das hält die Sequenz relevant und verhindert, dass du Interessenten mit zu vielen Mails übersättigst.

Bestandskundenpflege: Kontaktpunkte ohne Verkaufsdruck

Bestandskunden zu halten kostet deutlich weniger Aufwand als Neukunden zu gewinnen – aber sie brauchen regelmäßige, persönliche Kontaktpunkte, um nicht abzuwandern. In der Finanzberatung ist das besonders relevant, weil Kunden ihren Berater oft nur beim Jahresgespräch oder bei akutem Bedarf wahrnehmen. Alles dazwischen ist stille Bindung oder schleichendes Vergessen.

Die wirksamsten Automationen für Bestandskunden sind nicht die aufwändigen. Eine Geburtstagsnachricht, einmal eingerichtet, läuft dauerhaft automatisch und erzeugt einen positiven Kontaktpunkt ohne Aufwand. Ein Jahrestag der Vertragslaufzeit ist ein natürlicher Anlass, den Stand des Vertrags zu besprechen. Eine Statusabfrage-Mail – kurz, ohne Produktangebot, nur die Frage, ob alles noch passt – erzeugt eine hohe Antwortrate und öffnet Gespräche, ohne dass du aktiv akquirieren musst.

Für Finanzberater mit Firmenkunden lohnt ein Quartals-Check-Automation: ActiveCampaign prüft automatisch, für welche Firmenkunden in den nächsten drei Monaten Verträge ablaufen oder Mitarbeiterdaten aktualisiert werden müssen. Du bekommst eine interne Aufgabe im CRM, nicht eine unstrukturierte Erinnerungsliste. Dieser Baustein spart mehrere Stunden Verwaltungsaufwand pro Quartal und gibt dir die nötige Übersicht, um proaktiv zu agieren statt reaktiv.

Upselling und Cross-Selling zur richtigen Zeit

Upselling in der Finanzberatung funktioniert nicht über Broadcasting: Eine E-Mail mit "Das könnte für dich interessant sein" an alle Bestandskunden ist selten der richtige Weg. Es funktioniert über Timing und Relevanz. ActiveCampaign ermöglicht beides.

Wenn ein Bestandskunde eine Produktseite auf deiner Website besucht, ändert sich sein Score oder es wird ein Tag gesetzt. Du entscheidest dann, ob du direkt eine gezielte E-Mail sendest oder ein internes To-do im CRM erzeugst, damit du persönlich nachfasst. Letzteres ist in der Finanzberatung oft der bessere Weg – Finanzentscheidungen werden selten per E-Mail getroffen, aber ein Anruf zum richtigen Zeitpunkt hat eine hohe Relevanz.

Cross-Selling-Automationen bauen darauf auf, welche Produkte ein Kunde bereits hat und wie lange er diese hält. Ein Kunde, der seit zwei Jahren eine Risikolebensversicherung hat, passt als nächster logischer Schritt vielleicht zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Das lässt sich in ActiveCampaign als Bedingung abbilden: Wenn Tag "Produkt_Risikoleben" gesetzt ist und das Feld "Vertragsdauer" über 24 Monate liegt, wird eine spezifische Sequenz gestartet. Du musst diese Logik einmal aufbauen – danach läuft sie für jeden Kunden, der die Bedingungen erfüllt.

DSGVO im E-Mail-Marketing für Finanzdienstleister: Was gilt und was viele falsch machen

E-Mail-Marketing in der Finanzbranche ist stärker reguliert als in vielen anderen Branchen. Neben der DSGVO greift in Deutschland das UWG, und für BaFin-regulierte Unternehmen kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Wer das nicht korrekt aufsetzt, riskiert Abmahnungen und Bußgelder – nicht nur theoretisch.

Double-Opt-in ist Pflicht für neue Kontakte

Für alle neuen Kontakte, die sich über Formulare, Landing Pages oder Lead Magnets eintragen, gilt das Double-Opt-in-Verfahren als Standard. Das bedeutet: Nach der Eintragung bekommen Kontakte eine Bestätigungsmail mit einem Link, den sie aktiv klicken müssen. Erst nach dieser Bestätigung darf die Kommunikation starten. ActiveCampaign bildet das über das eingebaute Bestätigungssystem für Formulare ab – du musst diesen Schritt in den Formulareinstellungen aktiv aktivieren und den Bestätigungstext rechtssicher formulieren.

Wichtig: Die Einwilligung muss dokumentiert sein. ActiveCampaign speichert den Zeitpunkt der Eintragung und den Klick auf den Bestätigungslink als Kontaktaktivität. Diese Logs solltest du nicht manuell löschen – sie sind im Streitfall dein Nachweis. Stelle sicher, dass dein Account so konfiguriert ist, dass diese Daten nicht durch automatische Bereinigungen verloren gehen.

Die Bestandskundenausnahme nach § 7 Abs. 3 UWG

Für bestehende Kunden gibt es eine wichtige Ausnahme: Nach § 7 Abs. 3 UWG dürfen Unternehmen E-Mails an Bestandskunden ohne vorherige Einwilligung senden, wenn vier Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Erstens besteht ein direktes Käufer-Verkäufer-Verhältnis. Zweitens bewirbt die Mail ähnliche Produkte wie der ursprüngliche Kaufvorgang. Drittens wurde der Kunde bei der Datenerhebung auf die Nutzung seiner E-Mail-Adresse für Werbung hingewiesen. Viertens hat der Kunde nicht widersprochen.

Diese Ausnahme ist enger als sie klingt. Ein Kfz-Versicherungskunde darf nicht mit Angeboten für Krankenversicherung angeschrieben werden, wenn das ein klar anderes Produktsegment ist. In der Praxis empfiehlt sich deshalb der Weg über eine saubere Einwilligung auch bei Bestandskunden – das vermeidet Interpretationsspielräume und schützt dich langfristig.

Was BaFin-regulierte Häuser zusätzlich beachten müssen

Für Unternehmen, die unter die BaFin-Aufsicht fallen – Wertpapierdienstleister, Versicherungsvermittler mit §34d GewO oder Anlageberater – gibt es weitere Anforderungen. Werbliche E-Mails müssen klar als solche erkennbar sein, Risiken dürfen nicht im Fließtext versteckt werden, und bestimmte Aussagen zur Wertentwicklung unterliegen Einschränkungen. Stand 2026 hat die BaFin die Anforderungen an digitale Kommunikation weiter präzisiert: Wer E-Mail-Marketing für Kapitalanlageprodukte betreibt, sollte die aktuellen Publikationen der BaFin zu Werbebeschränkungen kennen.

In der Praxis bedeutet das: Trenne in ActiveCampaign klar zwischen informativen Newslettern – Marktkommentare, Steuertipps, Produktupdates – und werblichen Angeboten. Für Letztere gelten striktere Einwilligungsanforderungen und Dokumentationspflichten. Tags und benutzerdefinierte Felder in ActiveCampaign helfen dir, diese Kategorien sauber zu trennen und nur die passenden Kontakte für bestimmte Sendungen freizugeben.

So richtest du Lead Scoring für Finanzberatungs-Leads ein

Lead Scoring hilft dir, aus einer Liste von Interessenten diejenigen herauszufiltern, die gerade gesprächsbereit sind. Die Einrichtung ist nicht komplex, aber du brauchst vorher eine klare Vorstellung davon, was bei einem Finanzberatungs-Interessenten ein echtes Kaufsignal ist.

  1. Scoring-Modell definieren: Lege fest, welche Aktionen welche Punkte bedeuten. Starke Signale – wie das Ausfüllen eines Beratungsanfrage-Formulars oder das Öffnen einer Mail zu einer spezifischen Produktkategorie – bekommen hohe Punktzahlen (10–20 Punkte). Schwache Signale wie das Öffnen eines allgemeinen Newsletters bekommen niedrige Werte (1–3 Punkte). Definiere auch negative Punkte: Wer sich abmeldet oder einen langen Zeitraum nicht reagiert, verliert Score.
  2. Score-Felder anlegen: In ActiveCampaign navigierst du zu Kontakte → Lead Scoring → Neues Score-Modell. Vergib einen Namen, zum Beispiel "Beratungsbereitschaft", und lege die Scoring-Regeln an. Du kannst mehrere Modelle für verschiedene Produktbereiche anlegen – sinnvoll, wenn du Kunden in mehreren Segmenten betreust.
  3. Trigger-Automationen bauen: Sobald ein Kontakt einen definierten Schwellenwert erreicht – zum Beispiel 30 Punkte – greift eine Automation. Sie setzt einen Tag, weist dem Vertrieb eine Aufgabe zu oder startet eine gezielte Sequenz. Das hält die manuelle Nacharbeit minimal.
  4. Website-Tracking verbinden: Binde das ActiveCampaign-Tracking-Script auf deiner Website ein. Dann fließen Seitenbesuche in das Scoring ein: Wer deine Seite zur betrieblichen Altersvorsorge dreimal besucht, hat mehr Kaufabsicht als jemand, der einmal auf der Startseite war. Das Script wird in ActiveCampaign unter Einstellungen → Tracking generiert und muss im globalen Template deiner Website eingebunden sein, damit es auf allen Unterseiten aktiv ist.
  5. Score verfallen lassen: Aktiviere in den Scoring-Regeln das automatische Verfallen von Punkten nach inaktiven Zeiträumen. Wer sechs Monate nicht auf deine Mails reagiert hat, ist kein heißer Lead – auch wenn er vor einem Jahr mal einen hohen Score hatte. Ein wöchentlicher Punktabzug für Inaktivität hält das Modell aktuell und verhindert, dass alte Kontakte dauerhaft ganz oben in der Priorisierung bleiben.

Eine detailliertere Anleitung mit konkreten Schwellenwerten und Beispielmodellen findest du im Lead-Scoring-Guide für ActiveCampaign.

ActiveCampaign-Features für Finanzdienstleister im Überblick

Feature

Nutzen für Finanzdienstleister

Wann relevant

Integriertes CRM

Vollständige Kontakthistorie, Notizen, benutzerdefinierte Felder für Vertragsdaten

Immer; Basis des Systems

Automationen

Geburtstagsmails, Jahrestage, Quartals-Checks, Nurturing-Sequenzen

Ab dem ersten Bestandskunden

Website-Tracking

Seitenbesuche als Trigger für Follow-up oder Lead-Scoring-Punkte

Wenn Website Produktseiten hat

Lead Scoring

Interessenten nach Kaufbereitschaft priorisieren, Vertriebszeit gezielt einsetzen

Ab ca. 200 aktiven Kontakten

Deals / Sales Pipeline

Beratungsanfragen durch den Abschlussprozess führen, Wiedervorlagen automatisieren

Wenn mehrere Mitarbeiter im Vertrieb

Segmentierung

Produktspezifische Kommunikation ohne Streuverlust

Wenn Kundenstamm heterogen

Double-Opt-in-Formulare

DSGVO-konforme Einwilligung mit automatischer Dokumentation

Für alle neuen Kontakte

Typische Fehler beim Aufbau und wie du sie vermeidest

Zu viele Tags, kein klares System

Ein häufiger Fehler beim Start mit ActiveCampaign: Tags werden spontan vergeben, ohne ein klares Namensschema. Nach drei Monaten gibt es "Newsletter", "nl", "Newsletter2026" und "NL aktiv" im System – keiner weiß mehr, was was bedeutet. Für Finanzberater empfiehlt sich ein dreigliedriges Tag-Schema: Kategorie, Produkt, Status. Beispiel: "Produkt_BU", "Status_Interessent", "Kanal_Webinar". Das lässt sich in Automationen sauber auswerten und verhindert Datenmüll über Zeit.

Automationen ohne klare Austrittsbedingung

Jede Automation braucht nicht nur einen Eintrittspunkt, sondern auch eine klare Definition, wann ein Kontakt herausfällt. Wer eine Nurturing-Sequenz startet und nicht definiert, dass Kontakte nach einem Beratungsgespräch oder Vertragsabschluss aus der Sequenz entfernt werden, bekommt Bestandskunden, die weiterhin Erstinteressenten-Mails erhalten. Das wirkt inkompetent und kostet Vertrauen.

Tracking-Script nicht auf allen relevanten Seiten

Website-Tracking funktioniert nur auf Seiten, auf denen das Script eingebunden ist. Wer das Script nur auf der Startseite einfügt, sieht nicht, dass ein Kontakt gerade die Produktseite zur Berufsunfähigkeitsversicherung besucht. Stelle sicher, dass das Script im globalen Template deiner Website sitzt und damit auf jeder Unterseite aktiv ist.

E-Mail-Einwilligung nicht dokumentiert

Einige Finanzberater importieren bestehende Kontaktlisten aus Excel oder aus alten CRM-Systemen, ohne den Einwilligungsnachweis mitzuführen. In ActiveCampaign fehlt dann das Datum und der Kanal der Einwilligung. Ohne diesen Nachweis ist jede Werbemail an diese Kontakte rechtlich angreifbar. Bereinige Listen vor dem Import: Nur Kontakte aufnehmen, für die du eine dokumentierte Einwilligung hast oder die klar unter die Bestandskundenausnahme fallen.

Zu früh zu viel aufbauen

Ein anderer verbreiteter Fehler: In den ersten Wochen werden zehn Automationen aufgebaut, von denen acht nie getriggert werden, weil die Kontaktbasis fehlt. Starte mit zwei bis drei Kernautomationen, die sofort laufen – Geburtstagsmails, Willkommenssequenz, Quartals-Check – und baue dann schrittweise aus, wenn du siehst, welche Kontaktpunkte tatsächlich Wirkung haben.

Wann ActiveCampaign für Finanzdienstleister nicht die richtige Wahl ist

ActiveCampaign ist kein spezialisiertes Finanzberater-CRM. Es gibt keine native MiFID-II-Dokumentationsvorlage, kein automatisches BaFin-Reporting und keine integrierte Vertragsverwaltung. Wer eine vollständige regulatorische Dokumentationslösung sucht, ist mit spezialisierten Compliance-CRMs besser bedient – ActiveCampaign ist dann das Marketing-Werkzeug daneben, nicht die Hauptlösung.

Auch bei sehr kleinen Portfolios rechnet sich der Aufbauaufwand selten. Wer unter 100 Kontakte betreut und hauptsächlich persönlich berät, bekommt mit einem einfachen Kalender und einem E-Mail-Tool mehr Wirkung für weniger Aufwand. ActiveCampaign entfaltet seinen Nutzen, wenn du mehr als 150 bis 200 aktive Kontakte hast, regelmäßige E-Mail-Kommunikation planst und Prozesse standardisieren willst, die heute manuell laufen.

Wer ein Team hat und komplexe Vertriebsprozesse mit mehreren Deals parallel koordiniert, sollte außerdem prüfen, ob die CRM-Funktionen für das Teammanagement ausreichen. Eine detaillierte Ansicht der Deals- und CRM-Funktionalität, speziell für B2B-Beratungsprozesse, zeigt der Beitrag zu Unternehmenskonten und CRM-Vertrieb in ActiveCampaign.

Häufige Fragen

Kann ich bestehende Kundenverträge in ActiveCampaign verwalten?

Nicht als Vertragsverwaltung im rechtlichen Sinne – dafür ist ActiveCampaign nicht ausgelegt. Du kannst Vertragsinformationen als benutzerdefinierte Felder speichern: Vertragsbeginn, Laufzeit, Produktkategorie, Versicherungssumme. Diese Felder lassen sich in Automationen auswerten und als Grundlage für Erinnerungsmails oder Wiedervorlagen nutzen. Eine revisionssichere Dokumentenablage bietet ActiveCampaign nicht – dafür brauchst du ein separates System.

Wie gehe ich mit abgewanderten Kunden in ActiveCampaign um?

Setze für Kontakte ohne aktuellen Vertrag einen Tag wie "Status_Ehemalig" und entferne sie aus aktiven Sequenzen. Gleichzeitig kannst du eine separate Reaktivierungssequenz bauen: Nach sechs oder zwölf Monaten eine neutrale Statusabfrage, dann eine inhaltliche Mail, dann eine direkte Einladung zum Gespräch. Diese Sequenz läuft ohne manuelle Eingriffe und erzeugt regelmäßig Kontaktpunkte mit einer Zielgruppe, die du sonst gar nicht mehr anfassen würdest.

Wie lange dauert die Einrichtung von ActiveCampaign für eine Finanzberatung?

Eine funktionsfähige Grundkonfiguration – Kontaktfelder anlegen, erste Automation aufbauen, Double-Opt-in-Formular einrichten – dauert realistisch drei bis fünf Stunden, wenn du konzentriert arbeitest. Ein vollständig ausgebautes System mit Lead Scoring, Bestandskunden-Sequenzen und Website-Tracking braucht eher zwei bis vier Tage Aufbauzeit, verteilt über mehrere Wochen. Rechne außerdem damit, dass die ersten Automationen nach zwei bis drei Monaten überarbeitet werden – erst nach echten Laufdaten siehst du, was wirklich funktioniert.

Welchen ActiveCampaign-Plan brauche ich als Finanzberater?

Für die meisten Einzelberater und kleinen Teams reicht der Starter-Plan zum Einstieg. Sobald du Website-Tracking, Lead Scoring und benutzerdefinierte Felder in Automationen brauchst, wechselst du auf den Plus-Plan. Die Deals-Pipeline und erweiterte Benutzerrollen – sinnvoll ab zwei Personen im Vertrieb – sind erst ab dem Professional-Plan vollständig verfügbar. Vergleiche die Pläne anhand der Kontaktzahl und der Features, die für deine konkrete Situation entscheidend sind.

Darf ich Kontaktdaten aus meinem alten CRM nach ActiveCampaign importieren?

Das hängt davon ab, welche Einwilligung du bei der ursprünglichen Datenerhebung dokumentiert hast. Kontakte, die aktiv in einen Newsletter eingewilligt haben, kannst du übertragen – sofern du den Nachweis der Einwilligung mitführst. Kontakte aus einer Excel-Liste ohne dokumentierten Zustimmungsnachweis dürfen in Deutschland nicht einfach für werbliche E-Mails genutzt werden. Im Zweifel: Starte eine Reaktivierungskampagne mit einer klaren Einwilligungsanfrage, bevor du diese Kontakte in reguläre Automationen aufnimmst.

Wie binde ich mein Terminbuchungstool an ActiveCampaign an?

Gängige Terminbuchungstools wie Calendly oder Tidycal lassen sich über Zapier oder Make mit ActiveCampaign verbinden. Wenn ein Interessent einen Termin bucht, wird automatisch ein Kontakt angelegt, ein Tag gesetzt und eine Bestätigungs- oder Vorbereitungsmail versendet. Calendly bietet auch eine native Zapier-Vorlage, die direkt Felder wie Name, E-Mail und Terminzeitpunkt überträgt. Prüfe vor der Einrichtung, ob die Einwilligung zur E-Mail-Kommunikation im Buchungsprozess korrekt abgefragt wird.

Wer ActiveCampaign für seine Finanzberatung einrichten will und dabei Unterstützung sucht, findet auf der Advertal-Serviceseite für B2B-Unternehmen als offizieller ActiveCampaign-Partner den passenden Einstieg.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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