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AirCall vs. JustCall mit ActiveCampaign als Sales-CRM - der Vergleich

Tom
Tom
4. April 2025 · 9 Min. Lesezeit

Aircall und JustCall binden sich beide nativ in ActiveCampaign ein und schreiben Anrufe als Custom Object ins Kontaktprofil. Der Unterschied liegt im Fokus: Aircall optimiert die Datenstruktur für Automationen und Lead-Scoring, JustCall ergänzt das mit Auto-Dialern und SMS-Automation für große Kontaktmengen. Welches Tool passt, hängt davon ab, was dein Team täglich tut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aircall schreibt Anrufdatum, Dauer, Richtung, Disposition, Aufzeichnungslink, Tags und Kommentare als Custom Object in ActiveCampaign – diese Felder lassen sich direkt für Automationen und Lead-Scoring verwenden.
  • JustCall bietet seit 2026 ebenfalls Custom Objects in ActiveCampaign und ergänzt das mit Power-, Dynamic- und 10-Line-Predictive-Dialern sowie SMS-Automation.
  • Beide Tools ermöglichen Click-to-Call direkt aus dem ActiveCampaign-Interface, ohne zwischen Anwendungen wechseln zu müssen.
  • Deutsche Rufnummern lassen sich in Aircall nicht direkt kaufen – sie müssen über Drittanbieter wie Twilio bezogen und dann in Aircall migriert werden.
  • Aircall setzt mindestens drei Nutzer voraus, was den Einstieg für kleine Teams bei etwa 90 Euro pro Monat beginnen lässt.

Was Aircall in ActiveCampaign speichert – und warum das für Automationen entscheidend ist

Das Herzstück der Aircall-Integration ist das Custom Object, das Aircall automatisch in ActiveCampaign anlegt. Jeder Anruf wird dort als eigener Datensatz erfasst, verknüpft mit dem entsprechenden Kontakt. Dieses Custom Object enthält folgende Felder: Anrufdatum und -uhrzeit, Anrufdauer, Richtung (eingehend oder ausgehend), Disposition (das vom Agenten gesetzte Ergebnis wie Termin vereinbart, nicht erreicht oder Rückruf erbeten), den Link zur Aufzeichnung sowie alle im Anruf gesetzten Tags und Kommentare.

Seit dem Frühjahr 2026 kommen weitere Felder hinzu: der Name und die E-Mail-Adresse des Agenten, die verwendete Rufnummer inklusive Bezeichnung und Ziffern, der Grund für einen verpassten Anruf sowie die Wartezeit vor der Annahme. Das bedeutet in der Praxis: Du kannst eine Automation erstellen, die genau dann ausgelöst wird, wenn ein Anruf die Disposition Termin vereinbart trägt – und daraufhin automatisch die Deal-Pipeline verschiebt, eine Bestätigungsmail sendet oder den Lead-Score anhebt.

Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Telefonie-Log, das viele Tools nur als Freitext-Notiz speichern. Strukturierte Felder im Custom Object sind maschinenlesbar: ActiveCampaign kann sie filtern, auswerten und als Trigger verwenden. Ein Sales-Team, das täglich zehn bis zwanzig qualifizierte Gespräche führt und danach automatisch Follow-up-Sequenzen auslösen will, profitiert direkt davon – ohne manuelle Nacharbeit im CRM.

Zusätzlich erlaubt Aircall seit 2026 den Aufbau von Workflows in Active Intelligence, die automatisch ausgelöst werden, wenn in der Anrufverfolgung bestimmte Ereignisse eintreten – etwa wenn ein neuer Aircall-Anruf protokolliert wird und ein bestimmtes Disposition-Label gesetzt wurde. Das öffnet eine weitere Automatisierungsschicht über das Custom Object hinaus.

JustCall in ActiveCampaign: Auto-Dialer, SMS und das neue Custom-Objects-Modell

JustCall verfolgte lange einen anderen Ansatz und speicherte Anrufnotizen als Freitext im Kontaktprofil. Seit 2026 hat JustCall nachgezogen und ebenfalls ein Custom Object in ActiveCampaign eingeführt. Damit lassen sich Anrufe, SMS, Voicemails und Aufzeichnungen strukturiert ablegen und für automatisierte Aktionen nutzen. Grundlage ist der Team-Plan oder höher – im Einsteigertarif bleibt die Custom-Objects-Anbindung gesperrt.

Was JustCall gegenüber Aircall klar differenziert, sind die Dialer-Funktionen. JustCall bringt einen Power Dialer, der eine Liste automatisch der Reihe nach abarbeitet, einen Dynamic Dialer, der Kontakte nach Priorität zieht, und einen 10-Line Predictive Dialer, der mehrere Nummern parallel wählt und den Agenten verbindet, sobald jemand abnimmt. Das ist vor allem für Teams sinnvoll, die täglich große Kontaktmengen bearbeiten müssen – etwa im Outbound-Vertrieb oder beim Reaktivieren inaktiver Leads.

Dazu kommt SMS-Automation: JustCall kann Textnachrichten automatisch versenden, wenn bestimmte Ereignisse in ActiveCampaign eintreten – zum Beispiel nach einem verpassten Anruf oder wenn ein bestimmtes Tag am Kontakt gesetzt wird. KI-gestützte Gesprächsanalyse ist ebenfalls verfügbar und liefert automatische Zusammenfassungen sowie Stimmungsauswertungen direkt im Kontaktprofil, ohne dass der Agent manuell Notizen führen muss.

In der Praxis zeigt sich, dass Teams, die täglich 50 oder mehr Outbound-Anrufe führen, mit den JustCall-Dialern erheblich effizienter arbeiten. Wer eher qualifizierte Einzelgespräche führt und Wert auf saubere Automationsdaten legt, profitiert stärker vom strukturierten Custom-Objects-Modell von Aircall.

Aircall vs. JustCall: Direkte Gegenüberstellung der Kernfunktionen

Die folgende Tabelle zeigt, welche Funktionen in der ActiveCampaign-Integration verfügbar sind und wo die Unterschiede liegen. Stand: August 2026.

Funktion

Aircall

JustCall

Custom Object in ActiveCampaign

Ja, vollständig

Ja, ab Team-Plan

Anruf-Trigger für Automationen

Ja, über Custom Object

Ja, über Custom Object

Click-to-Call aus ActiveCampaign

Ja

Ja

Power Dialer / Predictive Dialer

Nein

Ja (Power, Dynamic, 10-Line Predictive)

SMS-Automation mit ActiveCampaign

Eingeschränkt

Ja, vollständig

KI-Gesprächsanalyse

Ja (Aircall AI)

Ja (JustCall AI)

Deutsche Rufnummern direkt buchbar

Nein (Umweg via Twilio o.Ä.)

Ja

Mindestnutzer

3 Nutzer (ca. 90 Euro/Monat)

Ab 1 Nutzer möglich

Kostenloser Test

7 Tage

14 Tage

Deutsche Rufnummern in Aircall: Warum das ein echter Mehraufwand ist

Wer in Deutschland eine lokale Rufnummer nutzen möchte, stößt bei Aircall auf eine Hürde, die beim Setup oft unterschätzt wird. Aircall ermöglicht es nicht, deutsche Nummern direkt im Tool zu kaufen. Stattdessen muss die Nummer über einen Anbieter wie Twilio oder einen anderen regulierten Telekommunikationsanbieter bezogen werden. Anschließend wird sie in Aircall portiert, was je nach Anbieter mehrere Werktage dauern kann.

Das ist kein technisches Versagen, sondern eine regulatorische Realität: Deutsche Rufnummern unterliegen der Bundesnetzagentur, und nicht alle VoIP-Plattformen halten die nötige Registrierung vor. Der Umweg ist bewältigbar, aber er bedeutet einen zusätzlichen Einrichtungsschritt und eine weitere Vertragsbeziehung zu einem Drittanbieter. Für Teams, die schnell starten wollen oder keine IT-Ressource für das Setup haben, ist das ein relevanter Faktor.

JustCall bietet deutsche Rufnummern direkt im Tool an. Das reduziert den Setup-Aufwand erheblich und macht JustCall für kleinere Teams oder schnelle Pilotprojekte oft zur unkomplizierteren Wahl. Wer eine bestehende Festnetznummer portieren will, sollte bei beiden Anbietern die Portierungszeiten im Voraus klären, da sie stark variieren.

So richtest du die Aircall-Integration in ActiveCampaign ein – Schritt für Schritt

Die folgende Anleitung richtet die native Aircall-Integration ein, sodass Anrufe automatisch als Custom Object in ActiveCampaign erscheinen und als Automations-Trigger nutzbar sind. Voraussetzung: aktiver Aircall-Account ab Essentials-Plan und Adminrechte in ActiveCampaign.

  1. Öffne das Aircall Dashboard und navigiere zu Einstellungen → Integrationen → Marketplace.
  2. Suche nach ActiveCampaign und klicke auf Verbinden.
  3. Gib deinen ActiveCampaign-API-Key und die Account-URL ein. Den API-Key findest du in ActiveCampaign unter Einstellungen → Entwickler → API-Zugang.
  4. Wähle aus, welche Felder Aircall in das Custom Object schreiben soll. Aktiviere mindestens: Anrufdatum, Dauer, Richtung, Disposition und Aufzeichnungslink.
  5. Speichere die Verbindung. Aircall legt das Custom Object Aircall automatisch in deinem Account an – zu finden unter Kontakte → Custom Objects.
  6. Führe einen Test-Anruf durch und öffne danach das Kontaktprofil in ActiveCampaign. Prüfe, ob der Anruf im Custom-Object-Tab erscheint und alle Felder befüllt sind.
  7. Erstelle eine erste Automation: Automationen → Erstellen → Trigger Custom Object aktualisiert → Objekt Aircall → Bedingung: Disposition enthält Termin vereinbart.
  8. Definiere die Folgeaktion: Deal-Pipeline-Stufe ändern, interne Benachrichtigung senden oder eine E-Mail-Sequenz starten.

Wer die Deal-Automationen in ActiveCampaign bereits eingerichtet hat, kann die Aircall-Disposition direkt als Trigger für Pipeline-Verschiebungen nutzen – ohne manuelle Nacharbeit nach jedem Gespräch.

Typische Fehler beim Setup der Telefonie-Integration

Die meisten Probleme beim Einrichten von Aircall oder JustCall in ActiveCampaign entstehen an denselben drei Stellen. Wer sie kennt, spart sich Stunden bei der Fehlersuche.

Fehlende Kontaktübereinstimmung zwischen Telefonie-Tool und ActiveCampaign

Aircall und JustCall ordnen Anrufe einem ActiveCampaign-Kontakt über die Rufnummer zu. Stimmt das Format nicht überein – etwa wenn ActiveCampaign +4989123456 speichert, Aircall aber 004989123456 übermittelt – wird kein Kontakt gefunden und der Anruf landet ohne Verknüpfung im Nirgendwo. Lösung: Rufnummern in ActiveCampaign konsequent im E.164-Format speichern – +49 ohne Klammern, ohne Leerzeichen, ohne führende Null nach der Ländervorwahl.

Custom Object ist angelegt, erscheint aber nicht im Automation-Builder

Das passiert, wenn das Custom Object in ActiveCampaign zwar existiert, aber noch keinen vollständig definierten Datensatz enthält. ActiveCampaign zeigt Custom Objects im Automation-Builder als Trigger erst zuverlässig an, wenn mindestens ein Datensatz vorhanden ist. Lösung: Nach dem Setup sofort einen Test-Anruf führen, damit ein erster Eintrag im Custom Object entsteht, bevor die Automation gebaut wird.

Disposition wird nicht übertragen, obwohl Aircall sie zeigt

Manche Teams setzen Disposition-Labels in Aircall erst nach dem Gespräch – manchmal Minuten oder Stunden später. ActiveCampaign empfängt den Custom-Object-Eintrag beim Ende des Anrufs, nicht bei nachträglichen Änderungen des Labels. Wird die Disposition also nicht unmittelbar beim Auflegen gesetzt, fehlt sie im Custom Object. Lösung: Agenten so einweisen, dass die Disposition während oder direkt beim Beenden des Gesprächs gesetzt wird – als fester Bestandteil des Call-Closing-Prozesses.

Wann Aircall oder JustCall nicht die richtige Wahl sind

Beide Tools setzen eine stabile Internetverbindung und eine VoIP-fähige Infrastruktur voraus. Wer in Regionen mit schwankender Leitungsqualität telefoniert, wird Gesprächsqualitätsprobleme erleben, die kein CRM-Setup löst. In diesem Fall ist ein klassischer Festnetzanschluss mit CTI-Kopplung die stabilere Grundlage.

Aircall ist als vollständiges Callcenter-Tool konzipiert. Wer nur gelegentlich telefoniert – etwa ein Solo-Vertrieb mit wenigen Gesprächen pro Woche – zahlt für die Mindestabnahme von drei Nutzern mehr als nötig. Für diesen Anwendungsfall kann eine einfachere Lösung mit Zapier-Anbindung kosteneffizienter sein, auch wenn die Datenstruktur flacher bleibt und Automationen entsprechend eingeschränkter sind.

JustCall mit Predictive Dialer ist nicht ohne weiteres für regulierte Branchen im DACH-Raum geeignet. Der Predictive Dialer wählt Nummern, bevor ein Agent frei ist, was zu kurzen Stummverbindungen führen kann. In Deutschland ist das nur unter bestimmten Bedingungen zulässig und sollte vor dem produktiven Einsatz juristisch geprüft werden.

Wer ActiveCampaign primär für E-Mail-Marketing und weniger als echtes Sales-CRM nutzt, braucht weder Aircall noch JustCall. Eine Telefonie-Integration entfaltet ihren Nutzen erst, wenn Anrufdaten wirklich in Automationen einfließen – also wenn das ActiveCampaign CRM für Vertriebsprozesse als zentrale Plattform eingesetzt wird.

Häufige Fragen

Kann ich Aircall und JustCall gleichzeitig in ActiveCampaign nutzen?

Technisch ist das möglich, da beide Tools separate Custom Objects anlegen. In der Praxis führt es zu unübersichtlichen Kontaktprofilen und erschwert die Auswertung, weil Anrufdaten in zwei verschiedenen Objekten liegen. Die klare Empfehlung: ein Tool pro Team, konsequent eingesetzt. Wer beide ausprobieren will, sollte das in getrennten Kontaktsegmenten oder in einer Testumgebung tun.

Wie viel kostet Aircall im Vergleich zu JustCall?

Aircall startet im Essentials-Plan bei etwa 30 Euro pro Nutzer und Monat mit einer Mindestabnahme von drei Nutzern – der Monatseinstieg liegt also bei rund 90 Euro. Der Professional-Plan liegt höher und bringt erweiterte Analytics. JustCall hat gestaffelte Pläne ohne Pflicht-Mindestnutzerzahl im Einstiegssegment, verlangt aber für Custom Objects und erweiterte Dialer-Funktionen den Team-Plan oder höher. Aktuelle Preise ändern sich regelmäßig – direkt beim Anbieter prüfen.

Werden Anrufaufzeichnungen in ActiveCampaign gespeichert oder nur verlinkt?

Weder Aircall noch JustCall speichern die Audiodatei in ActiveCampaign. Im Custom Object wird ein Link zur Aufzeichnung hinterlegt, die auf den Servern des jeweiligen Anbieters liegt. Zugriff auf die Aufzeichnung setzt einen aktiven Account beim Telefonie-Tool voraus. DSGVO-seitig bedeutet das: Aufbewahrungsfristen und Löschprozesse müssen beim Telefonie-Anbieter konfiguriert werden, nicht nur in ActiveCampaign.

Kann ActiveCampaign selbstständig einen Anruf über Aircall oder JustCall auslösen?

Nein – der Informationsfluss ist einseitig. Anrufe entstehen im Telefonie-Tool und werden nach ActiveCampaign übertragen, nicht umgekehrt. Das Click-to-Call-Feature startet einen Anruf, wenn ein Nutzer aktiv auf eine Telefonnummer in der ActiveCampaign-Oberfläche klickt – das ist manuell initiiert und keine automatisierte Aktion aus einer Automation heraus.

Welches Tool passt besser für ein kleines Team mit zwei bis drei Vertrieblern?

Bei zwei bis drei Nutzern kommt Aircall mit seiner Drei-Nutzer-Mindestabnahme gerade noch ohne Aufpreis durch. JustCall ist in diesem Segment oft flexibler, wenn keine erweiterten Dialer-Funktionen gebraucht werden. Entscheidend ist außerdem die Frage nach der Rufnummer: Wer eine bestehende deutsche Festnetznummer portieren oder direkt kaufen will, hat mit JustCall deutlich weniger Aufwand.

Wer die Integration produktiv nutzen will, sollte mit einer klaren Frage starten: Sollen Anrufdaten hauptsächlich in Automationen fließen, oder geht es darum, große Kontaktlisten systematisch abzuarbeiten? Die Antwort entscheidet zwischen Aircall und JustCall zuverlässiger als jede Feature-Liste. Einen guten Überblick, welche Automations-Trigger in ActiveCampaign verfügbar sind, bietet der Trigger-Guide – er hilft dabei, die richtigen Auslösepunkte für anrufbasierte Workflows zu definieren.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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