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Power-Wörter im E-Mail-Marketing: Wirkung, Platzierung und Testing

Tom
Tom
12. März 2026 · 13 Min. Lesezeit

Power-Wörter sind Begriffe, die in E-Mail-Betreffzeilen, Call-to-Action-Schaltflächen und der ersten Zeile einer E-Mail emotionale Reaktionen auslösen und dadurch Öffnungs- sowie Klickraten beeinflussen. Ob ein Power-Wort wirkt, hängt von der Position im Text, der Branche und der Zielgruppe ab. Dieser Leitfaden zeigt, welche Kategorien es gibt, wo sie hingehören und wie du sie in ActiveCampaign systematisch testest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Power-Wörter entfalten ihre Wirkung vor allem an drei Stellen: Betreffzeile, erster Satz und Call-to-Action-Schaltfläche.
  • Im DACH-Raum reagieren Empfänger stärker auf Wörter aus den Bereichen Sicherheit, Beweis und konkreter Nutzen als auf emotionale Übertreibungen.
  • Jedes Power-Wort sollte getestet werden – was in einer Branche die Klickrate erhöht, kann in einer anderen die Abmelderate steigern.
  • Eine hohe Dichte an Power-Wörtern in einer E-Mail wirkt wie Spam und schadet der Zustellbarkeit.
  • In Transaktions-E-Mails, Krisenkommunikation und Hochvertrauens-Branchen sind Power-Wörter fehl am Platz.

Warum bestimmte Wörter die Entscheidung zum Öffnen beeinflussen

E-Mails werden nicht gelesen – sie werden gescannt. Wer täglich Dutzende Nachrichten im Postfach hat, entscheidet in Bruchteilen einer Sekunde, ob eine E-Mail geöffnet, übersprungen oder gelöscht wird. Power-Wörter greifen genau in diesen Moment ein: Sie sind Begriffe, die das kognitive System schneller verarbeitet, weil sie eine emotionale Reaktion auslösen.

Dahinter stehen drei gut beschriebene Mechanismen der Verhaltenspsychologie:

Dringlichkeit signalisiert, dass eine Entscheidung jetzt getroffen werden muss. Wörter wie "begrenzt", "nur noch" oder "läuft ab" aktivieren die Befürchtung, etwas zu verpassen. Menschen meiden Verluste stärker, als sie Gewinne anstreben – dieses Muster zeigt sich auch in der Reaktion auf zeitlich begrenzte Angebote.

Neugier entsteht, wenn ein Informationsgefälle erzeugt wird. Die Betreffzeile verrät, dass es etwas Relevantes gibt – aber noch nicht was. "Das Ergebnis hat uns überrascht" oder "Was die meisten Marketer falsch verstehen" öffnen eine Frage, die der Leser schließen will.

Exklusivität vermittelt, dass der Empfänger Zugang zu etwas bekommt, das nicht alle haben. Das spricht das Bedürfnis nach Status und Zugehörigkeit an. Wörter wie "exklusiv", "VIP" oder "nur für Abonnenten" bauen diesen Rahmen auf.

Diese Mechanismen wirken aber nur, wenn das, was danach kommt, den Rahmen einlöst. Wer Dringlichkeit verspricht und eine E-Mail ohne zeitlich begrenztes Angebot schickt, verliert Glaubwürdigkeit. Die Öffnungsrate steigt vielleicht einmalig – die Abmelderate steigt mittelfristig stärker.

Vier Kategorien von Power-Wörtern für E-Mails

Die Wörter, die in E-Mail-Marketing-Texten besonders häufig diskutiert werden, lassen sich in vier Kategorien einteilen. Innerhalb jeder Kategorie gibt es Wörter, die im deutschsprachigen Raum gut funktionieren, und Wörter, die dort weniger ziehen als im anglophonen Marketing-Kontext.

Dringlichkeit: Wörter, die sofortiges Handeln auslösen

Dringlichkeitswörter sind am häufigsten in Betreffzeilen zu finden, weil sie direkten Einfluss auf die Öffnungsrate haben. Sie entfalten ihre Wirkung aber nur, wenn das Angebot dahinter tatsächlich zeitlich begrenzt ist. Permanente Dringlichkeit, die nicht der Realität entspricht, verliert ihren Effekt schnell – und senkt langfristig das Vertrauen der Liste.

  • Nur noch – "Nur noch bis Freitag: kostenlose Erstberatung" setzt eine klare Grenze, die der Empfänger überprüfen kann.
  • Läuft ab – "Dein Zugang läuft heute Nacht ab" ist konkret und zeitlich auflösbar.
  • Begrenzt – "Begrenzte Teilnehmerzahl: 5 Plätze frei" macht die Knappheit nachvollziehbar und glaubwürdig.
  • Countdown – "Countdown läuft: Anmeldung bis 20 Uhr" kombiniert Dringlichkeit mit einem messbaren Ende.
  • Deadline – "Deadline für deine Anfrage: Donnerstag 12 Uhr" gibt dem Empfänger eine Entscheidungsgrundlage.
  • Jetzt – Im CTA-Button der einfachste Schritt: "Jetzt Termin sichern" statt "Termin sichern".
  • Heute – "Nur heute: Versandkosten entfallen" hat einen klaren zeitlichen Rahmen, der nachprüfbar ist.

Neugier: Wörter, die zum Weiterlesen einladen

Neugier-Wörter stehen häufig am Anfang der Betreffzeile oder der ersten E-Mail-Zeile, weil sie eine offene Frage aufwerfen. Sie funktionieren besonders gut, wenn das Thema der E-Mail für die Zielgruppe relevant ist. Ohne diese Relevanz wirkt Neugier wie Clickbait – und wird als solcher auch wahrgenommen.

  • Überraschend – "Das überraschende Ergebnis unseres Tests" deutet eine konkrete Aussage an, ohne sie vorwegzunehmen.
  • Entdecke – "Entdecke, warum deine Betreffzeilen nicht geöffnet werden" spricht ein konkretes Problem an.
  • Hinter den Kulissen – Zeigt Einblicke, die der Empfänger sonst nicht bekommt, und schafft damit echten Mehrwert.
  • Was die meisten übersehen – Klassische Formulierung für die erste Zeile; wirkt, wenn der Inhalt das Versprechen einlöst.
  • Das haben wir nicht erwartet – Weckt Neugier durch eine angedeutete Überraschung mit eigenem Erfahrungsbezug.

Vorsicht bei Wörtern wie "Geheimnis" und "enthüllt": Sie sind so verbreitet, dass sie ihren Neugier-Effekt in vielen Zielgruppen bereits verloren haben. Im B2B-Bereich wirken sie zudem unprofessionell.

Nutzen und Wert: Was der Leser konkret bekommt

Diese Kategorie kommuniziert einen direkten Vorteil für den Empfänger. "Kostenlos" gilt im Direktmarketing seit Jahrzehnten als besonders starker Auslöser. Bei der Zustellbarkeit gibt es jedoch einen Haken: Spam-Filter gewichten es hoch. Die Lösung ist Kontext: "Kostenloser Leitfaden" in einem Newsletter mit guter Engagement-History ist unproblematisch.

  • Kostenlos / Gratis – Stärkster Nutzen-Trigger; Zustellbarkeit im Blick behalten.
  • Bonus – "Als Bonus: die Vorlage als Download" macht den Mehrwert konkret und greifbar.
  • Garantiert – Nur verwenden, wenn eine echte Garantie dahintersteht; sonst Glaubwürdigkeitsproblem.
  • Bewährt – Besonders stark im B2B und in beratungsintensiven Branchen.
  • Getestet – Signalisiert Erfahrung, ohne eine konkrete Zahl behaupten zu müssen.
  • Spare – Mit konkretem Betrag wirksamer als allein stehend: "Spare 120 Euro" zieht mehr als "Spare Geld".
  • Inklusive / inkl. – Macht transparent, was mitgeliefert wird, ohne zusätzlichen Erkläraufwand.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Kategorien: Nutzen-Wörter brauchen immer eine konkrete Ergänzung. "Kostenlos" allein zieht weniger als "Kostenloser 30-Minuten-Check deiner E-Mail-Strecke".

Vertrauen und Sicherheit: besonders relevant im DACH-Raum

Diese Kategorie fehlt in den meisten englischsprachigen Power-Wort-Listen. Im DACH-Raum trägt sie oft mehr als die anderen drei zusammen. Empfänger in Deutschland, Österreich und der Schweiz reagieren stärker auf Sicherheitssignale als auf Begeisterungsworte – das zeigt sich besonders deutlich bei Erst-Kontakten und in der Conversion von Interessenten zu Kunden.

  • Unverbindlich – "Jetzt unverbindlich anfragen" reduziert die Hemmschwelle für eine erste Kontaktaufnahme erheblich.
  • Ohne Risiko – Spricht die Verlustangst direkt an und entkräftet sie durch eine explizite Zusicherung.
  • Offiziell – Relevant für Partnerschaften und Zertifizierungen, die belegt sind und nachvollziehbar sind.
  • Erprobt – Schlichter als "bewährt", klingt weniger nach Marketingsprache.
  • Transparent – Zieht in Branchen, in denen Vertrauen das Kernproblem ist: Finanzen, Recht, Gesundheit.

Wo Power-Wörter tatsächlich wirken

Die Frage "Welches Wort soll ich nehmen?" ist weniger entscheidend als "Wo im Text platziere ich es?" Die Position bestimmt die Wirkung stärker als das Wort selbst – weil an verschiedenen Stellen andere Ziele verfolgt werden und die Lesegewohnheiten des Empfängers unterschiedlich sind.

Betreffzeile

Die Betreffzeile ist der Ort, an dem Power-Wörter die direkt messbare Wirkung haben: die Öffnungsrate. Ein Power-Wort am Anfang der Betreffzeile ist auch in der mobilen Vorschau sichtbar, wenn die Zeile nach 30–40 Zeichen abgeschnitten wird. Am Ende geht es häufig verloren, noch bevor der Empfänger entschieden hat.

Dringlichkeitswörter wirken in der Betreffzeile, wenn ein echtes Angebot dahintersteht. Neugier-Formulierungen funktionieren, wenn das Thema für die Liste relevant ist. Personalisierung kombiniert mit Nutzen-Wörtern – "Dein kostenloser Leitfaden wartet" – läuft meist besser als ein anonymes "Kostenloser Leitfaden", weil die Ansprache den persönlichen Bezug herstellt.

Was in der Betreffzeile nicht funktioniert: Zu viele Power-Wörter in einer Zeile lösen Filter-Alarm aus. Kombinationen wie "Jetzt kostenlos exklusiven geheimen Bonus sichern" klingen nach Spam – weil sie es aus Filtersicht sind. Und Versprechen, die der E-Mail-Inhalt nicht einlöst, kosten Abonnenten.

Erste Zeile der E-Mail

Die erste Zeile erscheint in den meisten E-Mail-Clients als Preheader – der kurze Text, der neben oder unter dem Betreff in der Postfachansicht steht. Dieser zweite Leseimpuls wird häufig unterschätzt, obwohl er die Öffnungsentscheidung ergänzen oder sogar umkehren kann.

Wenn du in der Betreffzeile Neugier erzeugt hast, kann die erste Zeile die Brücke zur Botschaft bauen: "Wir haben unsere letzten Automatisierungsprojekte ausgewertet – und das Muster war eindeutig." Das ist kein Power-Wort im klassischen Sinne, aber eine Formulierung, die eine konkrete Erwartung erzeugt, die eingelöst werden kann.

Emotionale Power-Wörter wie "Endlich" oder "Nie wieder" passen in die erste Zeile, wenn die E-Mail eine Problemlösung im Mittelpunkt hat. Für B2B-Sequenzen oder technische Inhalte passen sie weniger – dort sind konkrete Aussagen, die den Nutzen benennen, wirksamer.

Call-to-Action-Schaltfläche

Der CTA-Button ist der Ort, an dem der Leser seine Entscheidung umsetzt. Power-Wörter im CTA beschleunigen diese Entscheidung, indem sie Dringlichkeit oder den Nutzen der Handlung benennen.

Die einfachste Verbesserung: Das Verb in den Vordergrund stellen und mit einem Verstärker kombinieren. "Anmelden" wird zu "Jetzt anmelden". "Kurs anfragen" wird zu "Kurs unverbindlich anfragen". Im DACH-Raum ist "unverbindlich" im CTA-Button besonders stark, weil es die wichtigste Hemmschwelle adressiert: Was kostet das, und worauf lasse ich mich ein?

DACH-Kontext: Was im deutschsprachigen Raum anders funktioniert

Englischsprachige Power-Wort-Listen entstammen meist dem amerikanischen Direct-Marketing-Kontext. Dieser Kontext funktioniert im DACH-Raum nur eingeschränkt, weil das Publikum einen anderen Kommunikationsstil erwartet und Werbebotschaften stärker hinterfragt.

Was im US-Kontext zieht und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz eher Skepsis erzeugt:

  • Superlative ohne Beleg: "Das beste System", "der mächtigste Weg", direkt ins Deutsche übertragene Superlative aus dem US-Marketing.
  • Emotionale Übertreibungen: "Unglaublich", "Schockierend", "Crush it" – klingen importiert und erzeugen Distanz statt Engagement.
  • Hochdruck-Dringlichkeit: "LETZTER TAG" in Großbuchstaben, mehrfach wiederholt, löst im DACH-Raum eher Misstrauen als Handlungsbereitschaft aus.

Was im DACH-Raum stärker zieht als in anderen Märkten:

  • Sachlich-konkrete Nutzenversprechen: "7 Schritte" statt "der mächtige Weg".
  • Beweis vor Versprechen: "Erprobt in B2B-Projekten" statt "Garantiert der beste Ansatz".
  • Reduktion von Risiko und Aufwand: "10 Minuten", "ohne Vorkenntnisse", "unverbindlich".
  • Präzision statt Begeisterung: "3 häufige Fehler" statt "die erschreckende Wahrheit".

Das hat einen kulturellen Hintergrund: Im DACH-Raum ist das Misstrauen gegenüber Werbebotschaften ausgeprägt. Das bedeutet nicht, dass Emotion nicht funktioniert – aber sie braucht eine Grundlage aus konkreten Fakten oder nachvollziehbaren Versprechen. "Wie B2B-Teams ihre Leadliste in 4 Wochen aufgebaut haben" läuft im DACH-Kontext häufig besser als "Stell dir vor, du hättest 100 neue Kunden", weil es das Versprechen konkret macht, ohne eine Zahl zu setzen, die der Leser sofort hinterfragt.

So testest du Power-Wörter in ActiveCampaign

Kein Power-Wort sollte ohne Test eingesetzt werden. Was für eine Liste mit überwiegend E-Commerce-Empfängern funktioniert, muss für eine B2B-Liste mit Fachanwendern nicht stimmen. ActiveCampaign bietet native A/B-Tests für Kampagnen, mit denen du Betreffzeilen direkt gegeneinander ausspielen kannst.

  1. Öffne in ActiveCampaign "Campaigns" und wähle "Create a campaign".
  2. Wähle den Typ "A/B Split Test" aus.
  3. Entscheide dich für eine Variable: entweder die Betreffzeile oder den Preheader – nie beides gleichzeitig. Mehrere Variablen erzeugen nicht auswertbare Ergebnisse.
  4. Lege zwei Varianten an: Variante A ohne Power-Wort als Baseline, Variante B mit Power-Wort.
  5. Stelle die Gewichtung auf 50/50, damit beide Gruppen gleich groß sind und das Ergebnis vergleichbar bleibt.
  6. Wähle "Öffnungsrate" als Gewinner-Metrik für Betreffzeilen-Tests.
  7. Lege die Laufzeit fest: 4–24 Stunden, je nachdem wie schnell deine Liste öffnet. Zu frühes Auswerten liefert keine belastbaren Daten.
  8. Prüfe nach Abschluss sowohl Öffnungsrate als auch Klickrate. Wenn die Öffnungsrate steigt, aber die Klickrate fällt, hat das Power-Wort einen falschen Eindruck erzeugt, der im Inhalt nicht eingelöst wurde.

Für Tests auf CTA-Buttons benötigst du entweder eine Automation mit zwei Zweigen oder du vergleichst verschiedene Kampagnen im Report-Bereich von ActiveCampaign unter Campaigns → Reports. Die genaue Einrichtung solcher A/B-Tests in ActiveCampaign ist in einem eigenen Beitrag ausführlicher beschrieben.

Was du über jeden Test dokumentieren solltest: das getestete Power-Wort, seine Position im Text, Listengröße und Segment, Öffnungsrate und Klickrate beider Varianten sowie Versandzeitpunkt. Diese Dokumentation ist wertvoller als jede generische Power-Wort-Liste, weil sie dir zeigt, was für deine spezifische Liste und Branche tatsächlich funktioniert.

Typische Fehler beim Einsatz von Power-Wörtern

In der Praxis treten beim Audit von E-Mail-Strecken immer wieder dieselben Muster auf. Hier die häufigsten Fehler mit Ursache und Gegenmittel.

Inflation: zu viele Power-Wörter in einer E-Mail

Wer eine Liste von Power-Wörtern hat, neigt dazu, sie alle zu verwenden. Das Ergebnis: Spam-Filter bewerten E-Mails anhand von Mustern – eine Betreffzeile mit Großschreibungen, Ausrufezeichen und mehreren bekannten Trigger-Wörtern landet im Junk. Selbst wenn die E-Mail den Filter passiert: Ein Leser, bei dem jedes zweite Wort Aufmerksamkeit fordert, schließt sie schnell. Gegenmittel: höchstens ein Power-Wort pro Betreffzeile, zwei bis drei pro E-Mail-Text – und das als Ausgangspunkt zum Testen, nicht als starre Regel.

Versprechen, die der Inhalt nicht einlöst

Das Power-Wort in der Betreffzeile erzeugt eine Erwartung, die der Inhalt nicht erfüllt. Das ist die häufigste Ursache für steigende Abmelderaten nach scheinbar erfolgreichen A/B-Tests: Die Öffnungsrate stieg, weil das Power-Wort Neugier erzeugte – aber der Inhalt hielt nicht, was der Betreff andeutete. Gegenmittel: Die Betreffzeile immer nach dem Inhalt schreiben, nicht davor. Das Power-Wort beschreibt, was drinsteht.

Kulturelle Fehlanpassung

Englischsprachige Power-Wort-Listen werden übersetzt, ohne zu prüfen, ob der Begriff im deutschsprachigen Kontext dieselbe Wirkung hat. "Amazing" oder "Badass" klingen in deutschen E-Mails fremd. Auch "Unglaublich" oder "Bahnbrechend" wirken im DACH-Raum häufig als Übertreibung. Gegenmittel: Die Kategorie Vertrauen und Sicherheit als Ergänzung einsetzen und jedes Power-Wort im Kontext der eigenen Branche und Zielgruppe prüfen.

Kein Baseline-Test

Das neue Power-Wort wird eingesetzt, ohne die Ausgangslage zu messen. Dann ist nicht feststellbar, ob es geholfen oder geschadet hat – saisonale Schwankungen oder ein anderer Versandzeitpunkt könnten die Zahlen genauso erklären. Gegenmittel: Jeder Test braucht eine Kontrollgruppe ohne Power-Wort, die zum selben Zeitpunkt versendet wird.

Gewöhnungseffekt durch Wiederholung

Ein Test hat gezeigt, dass "Jetzt" im CTA-Button die Klickrate erhöht – also steht "Jetzt" von da an in jedem CTA. Was im ersten Monat dringlich wirkte, ist nach drei Monaten Standard. Der Begriff verliert seinen Effekt. Gegenmittel: Power-Wörter rotieren, auch wenn ein Wort gut funktioniert. Das gilt besonders für wiederkehrende Empfänger in einer Nurturing-Sequenz, die dieselben Formulierungen mehrfach sehen.

Wann Power-Wörter der falsche Ansatz sind

Power-Wörter sind ein Werkzeug für Aufmerksamkeit und emotionale Aktivierung. In manchen Kontexten ist genau das kontraproduktiv – weil der Empfänger keine Aktivierung sucht, sondern Klarheit oder Sicherheit.

Transaktions-E-Mails: Bestellbestätigungen, Rechnungen, Passwort-Resets und ähnliche E-Mails erfüllen einen klar definierten Zweck. Wer eine Bestellbestätigung öffnet, sucht eine Information, keine emotionale Stimulation. Power-Wörter in der Betreffzeile wirken hier fehl am Platz und können Verwirrung erzeugen.

Krisenkommunikation: Wenn eine E-Mail schlechte Nachrichten überbringt, erzeugen Dringlichkeits- oder Begeisterungswörter einen falschen Ton. Bei Produktfehlern, Datenpannen oder Stornierungen sind klare, sachliche Betreffzeilen die bessere Wahl.

Hochvertrauens-Branchen: In Bereichen wie Gesundheit, Recht, Steuerberatung oder Finanzberatung ist Vertrauen das primäre Gut. Übertriebene Power-Wörter schaden der Autorität. Hier helfen Präzisions-Wörter mehr als emotionale Auslöser: "konkret", "geprüft", "aktuell".

Lang aufgebaute Beziehungssequenzen: Wer über Monate hochwertige Inhalte in einem Newsletter verschickt hat, muss nicht jede E-Mail mit Dringlichkeitswörtern eröffnen. Das Vertrauen der Liste ist bereits vorhanden; aggressives Power-Wort-Marketing kann dieses Kapital abtragen, statt es zu nutzen.

Häufige Fragen

Macht es einen Unterschied, ob ein Power-Wort am Anfang oder am Ende der Betreffzeile steht?

Ja, und der Unterschied ist praxisrelevant. Betreffzeilen werden auf mobilen Geräten häufig nach 30–40 Zeichen abgeschnitten. Ein Power-Wort am Anfang ist auch dann sichtbar, wenn die Zeile in der Vorschau verkürzt wird. Am Ende der Betreffzeile geht es verloren, bevor der Empfänger entschieden hat, ob er öffnet. Wenn du ein Dringlichkeits- oder Nutzen-Wort verwenden willst, stelle es nach vorne.

Funktionieren Power-Wörter in Automations-E-Mails genauso wie in Kampagnen?

Sie können eingesetzt werden, aber mit einem wichtigen Unterschied: In einer Automation laufen E-Mails über Monate oder Jahre. Wörter wie "Nur heute" oder "Deadline" wirken falsch, wenn der Empfänger die E-Mail ein Jahr nach der Einrichtung erhält. Für Automations eignen sich zeitlose Nutzen- und Vertrauen-Wörter besser als Dringlichkeitswörter, die einen konkreten Zeitbezug voraussetzen.

Beeinflussen Power-Wörter in der Betreffzeile die Spam-Bewertung?

Einige Power-Wörter sind in Spam-Filtern bekannt und können den Score erhöhen – besonders Kombinationen aus Dringlichkeit, Großschreibung und Sonderzeichen. Der Spam-Score hängt aber von vielen Faktoren ab: Domain-Reputation, Engagement-History der Liste, HTML-Qualität der E-Mail. Ein einzelnes Power-Wort in einer E-Mail von einer sauberen Domain an eine engagierte Liste ist in der Regel unproblematisch. Problematisch wird es, wenn mehrere bekannte Trigger-Wörter gestapelt werden.

Wie viele Power-Wörter pro E-Mail sind sinnvoll?

Es gibt keinen allgemeingültigen Richtwert, aber ein pragmatischer Rahmen: In der Betreffzeile höchstens ein Power-Wort, im E-Mail-Text zwei bis drei Stellen mit erhöhter Wirkkraft. Je intensiver das Power-Wort – Dringlichkeit ist intensiver als Neugier, Neugier ist intensiver als Nutzen –, desto sparsamer der Einsatz. Das Power-Wort fällt nur auf, wenn es nicht von weiteren Power-Wörtern umgeben ist.

Soll ich Power-Wörter auf Deutsch oder auf Englisch verwenden?

Im DACH-Markt in aller Regel auf Deutsch. Eingedeutschte englische Begriffe wie "VIP", "Bonus" oder "Countdown" sind etabliert und funktionieren. Andere englische Begriffe wie "Amazing" oder "Badass" klingen importiert und können die Glaubwürdigkeit schwächen. Eine Faustregel: Ein englisches Wort verwenden, wenn es im Deutschen keine gleichwertige, knappe Alternative gibt. Alles andere übersetzt du.

Power-Wörter sind ein Feintuning-Werkzeug, das dann wirkt, wenn der Rest stimmt: eine saubere Liste, relevante Inhalte, ein klares Angebot. Wer mit dem Testen beginnen will, fängt sinnvollerweise mit der Betreffzeile an, weil der Effekt dort am direktesten messbar ist. Wer dabei Unterstützung bei der Einrichtung und Auswertung in ActiveCampaign sucht, findet bei Advertal als offizieller ActiveCampaign-Partner einen geeigneten Ansprechpartner im DACH-Raum.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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