ActiveCampaign Automation Recipes sind fertige Automatisierungsvorlagen, die du per Import in dein Konto überträgst und sofort anpassen kannst. Der Import-Assistent verdrahtet Trigger, Wartezeiten und Bedingungen für dich – du lieferst Texte, Absenderinformationen und deine Markensprache. Stand 2026 enthält die integrierte Bibliothek mehrere hundert Recipes, die meisten davon kostenlos.
Das Wichtigste in Kürze
- Die integrierte Bibliothek enthält mehrere hundert Recipes, erreichbar über Automationen → Neue Automatisierung erstellen → Recipes – keine zusätzlichen Kosten im Abo
- Der Import-Assistent trägt Listen, Tags, E-Mail-Namen und Absender ein; der Workflow ist danach strukturell fertig, E-Mail-Inhalte trägst du selbst nach
- Für den DACH-Markt brauchen fast alle importierten Recipes eine Lokalisierung: Timing, Tonalität und DSGVO-Konformität weichen von US-Vorlagen ab
- Wartezeiten ohne oberes Zeitlimit lassen Kontakte dauerhaft hängen – das ist der häufigste technische Fehler nach einem Recipe-Import
- Wer komplexe Custom Events, mehrere verzahnte Workflows oder individuelle CRM-Felder braucht, baut die Automation besser von Grund auf
Was eine Automation Recipe enthält – und was nicht
Eine Recipe ist kein fertiges Mailing. Sie ist ein vollständig verdrahteter Workflow: Eintrittspunkt, Bedingungen, Verzweigungen, Wartezeiten und Aktionsschritte sind bereits konfiguriert. Was fehlt, sind deine Inhalte. Wenn du eine Welcome-Serie importierst, findest du fünf E-Mail-Schritte im richtigen zeitlichen Abstand – aber die Betreffzeilen sind Platzhalter, die E-Mail-Körper leer. Du ergänzt deine Texte, bevor die Automation live geht.
Das ist bewusst so gebaut: ActiveCampaign kann keine Aussagen in deinem Namen verfassen. Der Teil, der Marketing-Profis beim Aufbau von Null die meiste Zeit kostet – wann die zweite E-Mail verschickt wird, unter welcher Bedingung jemand in den zweiten Zweig wechselt, welches Tag am Ende gesetzt wird – ist in der Recipe bereits gelöst. Du fängst nicht bei der Logik an, sondern beim Text.
Was der Import-Assistent abfragt
Nach dem Klick auf „Importieren“ führt der Assistent dich durch Zuordnungen. Er fragt, welche Liste oder welches Segment als Eintrittspunkt dient, welche Tags im Verlauf gesetzt oder entfernt werden, welche E-Mail-Namen du vergibst und welche Absenderadresse gilt. Bei Recipes mit CRM-Bezug kommen Pipeline-Felder und Deal-Status hinzu. Du kannst einzelne Zuordnungsschritte überspringen und direkt in der Automation nacharbeiten – das beschleunigt den Erst-Import.
Wo du Recipes findest und wie du sinnvoll filterst
Es gibt zwei Einstiegspunkte: die integrierte Bibliothek in deinem Konto und den öffentlichen ActiveCampaign Marketplace. Die integrierte Bibliothek erreichst du über Automationen → Neue Automatisierung erstellen → Recipes. Dort findest du die offiziellen ActiveCampaign-Templates, gefiltert nach Branche (E-Commerce, SaaS, Agenturen, Bildung), Anwendungsfall (Lead-Nurturing, Kundenbindung, Vertriebsnachverfolgung) und Erfahrungsstufe (Einsteiger, Fortgeschritten, Profi).
Der Marketplace unter marketplace.activecampaign.com ergänzt das Angebot um Recipes anderer Nutzer – kostenlos oder gegen Entgelt. Qualität und Dokumentation variieren stark. Achte auf Bewertungen und Anzahl der Importe; eine gut dokumentierte Recipe mit vielen Downloads ist zuverlässiger als eine mit null Reviews.
Welche Filterreihenfolge im DACH-Kontext hilft
Starte mit dem Filter nach Anwendungsfall, nicht nach Branche. „Vertriebsnachverfolgung B2B“ liefert nützlichere Ergebnisse als „SaaS“ allein. Dann nach Erfahrungsstufe: Einsteiger-Recipes haben weniger Verzweigungen und sind leichter durchzuarbeiten, bevor du sie anpasst. Wer eine Recipe als Lerngrundlage nutzen will, findet dort die klarere Struktur.
So importierst du eine Recipe aus der Bibliothek – Schritt für Schritt
Ziel dieses Blocks: eine Recipe aus der integrierten Bibliothek ist importiert, dem Konto zugeordnet und bereit zum Bearbeiten.
- Gehe in deinem ActiveCampaign-Konto auf Automationen in der linken Navigation.
- Klicke auf Neue Automatisierung erstellen.
- Wähle Recipes aus den angezeigten Optionen.
- Nutze Suchfunktion oder Filter, um eine passende Recipe zu finden.
- Klicke auf die Recipe, um die Detailansicht zu öffnen – dort siehst du den vollständigen Workflow und eine Beschreibung der Anwendungsfälle.
- Klicke auf Importieren.
- Durchlaufe den Import-Assistenten: weise Listen und Tags zu, lege den Absender fest, benenne die E-Mail-Kampagnen.
- Schließe den Assistenten ab. Die Automation steht im Entwurfs-Status.
- Öffne die Automation, prüfe jeden Schritt einzeln und fülle die leeren E-Mail-Templates mit deinen Inhalten.
- Teste die Automation mit einer eigenen E-Mail-Adresse als Test-Kontakt, bevor du sie aktivierst.
Import via Share-Link: Wenn du eine Recipe aus dem Marketplace oder von einem Kollegen erhältst, kopiere die Share-URL. Gehe auf Automationen → Neue Automatisierung erstellen, füge die URL in das Feld „Recipe importieren“ unten links ein und klicke Importieren. Der Import-Assistent läuft danach identisch ab wie bei einer Bibliotheks-Recipe.
Die häufigsten Recipe-Typen und worauf du im DACH-Markt achten musst
ActiveCampaign unterscheidet grob vier Automation-Kategorien mit fertigen Recipes. Die folgende Tabelle zeigt Trigger, Mindest-Plan und die Anpassungen, die im deutschsprachigen Raum regelmäßig nötig sind.
Recipe-Typ | Typischer Auslöser | Mindest-Plan | DACH-Anpassung |
|---|---|---|---|
Welcome-Serie | Formularabsendung, Listen-Subscription | Starter | Tonalität sachlicher, Abstände verlängern, Double-Opt-in-Bestätigung prüfen |
Lead Nurturing / Drip | Tag gesetzt, Segment-Beitritt | Plus | Lead-Scoring-Modell anpassen, kürzere E-Mail-Frequenz, mehr Vertrauensaufbau |
Abandoned Cart | Site Tracking / E-Commerce-Integration | Plus | DSGVO: Tracking-Einwilligung sicherstellen, Datenschutzhinweis in E-Mails ergänzen |
Vertriebsnachverfolgung (CRM) | Deal-Status-Änderung, Aufgabe erstellt | Professional | Pipeline-Namen und Deal-Felder an das eigene Konto anpassen, Standard-Felder prüfen |
Welcome-Serien aus US-Vorlagen lokalisieren
Der größte Zeitaufwand nach einem Recipe-Import ist die Lokalisierung. US-amerikanische Welcome-Serien arbeiten mit emotional aufgeladenen Betreffzeilen und höherer Kontaktfrequenz, als DACH-Empfänger gewöhnlich akzeptieren. „You're AMAZING – hier ist dein Willkommensgeschenk!“ wirkt im deutschen Kontext schnell befremdlich und lädt dazu ein, sich abzumelden.
Konkrete Anpassungen: Kürze eine fünfteilige Welcome-Serie auf drei E-Mails, wenn die vierte und fünfte inhaltlich nichts Neues bringen. Verschiebe die zweite E-Mail von Tag 2 auf Tag 4 – Einsteiger-Kontakte brauchen mehr Luft. Schreibe Betreffzeilen um: direkter Nutzen statt Ausrufezeichen. Prüfe, ob die Recipe einen Double-Opt-in-Schritt enthält oder ob du ihn ergänzen musst, bevor die erste Kampagne versendet wird.
Lead Nurturing mit Scoring kombinieren
Recipes für Lead Nurturing arbeiten häufig nur mit Tags als Fortschrittssignal: Tag X gesetzt → weiter in Schritt Y. Wer ActiveCampaign Plus oder Professional nutzt, kann das präziser bauen: Ersetze Tag-basierte Bedingungen durch Lead-Scoring-Bedingungen. Kontakte wechseln dann erst in den nächsten Nurturing-Abschnitt, wenn sie einen definierten Score-Schwellenwert erreicht haben – nicht einfach, weil eine bestimmte Zeit vergangen ist. Das reduziert Frühzeitkontakte und erhöht die Treffsicherheit der Botschaft. Wie ein Score-Modell in ActiveCampaign aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zu Lead Scoring in ActiveCampaign mit einem konkreten Beispiel-Setup.
Wann eine Recipe nicht reicht – und was dann besser funktioniert
Recipes lösen Standardprobleme zuverlässig. Sie stoßen an Grenzen, wenn der Eintrittspunkt komplex ist: Eine Recipe erwartet einen einfachen Trigger – Formularabsendung, Tag, Listen-Subscription. Wenn dein Eintrittspunkt ein benutzerdefiniertes Ereignis (Custom Event) aus deiner Applikation ist oder mehrere gleichzeitige Bedingungen prüft, passt keine Standardrecipe ohne tiefgreifende Umbauarbeit.
Recipes stoßen auch an Grenzen, wenn eine neue Automation mehrere bestehende Workflows verzahnen soll. Eine Recipe kennt dein bestehendes Konto nicht – sie enthält keinen Account-Audit und weiß nicht, welche Tags oder Datenfelder andere Automationen bereits setzen. Wenn du das nachträglich abgleichst, steigt der Aufwand schnell über den Aufwand eines Aufbaus von Null.
Dasselbe gilt für stark individuelle CRM-Setups. Vertriebsrecipes gehen von Standard-Pipeline-Feldern und -phasen aus. Wer eigene Deal-Felder oder mehrere Pipelines betreibt, baut die Automation in solchen Fällen schneller selbst. Eine Orientierung, welche Bausteine du von Hand konfigurierst und in welcher Reihenfolge, gibt der Überblick zu ActiveCampaign Marketing Automation.
Typische Fehler beim Anpassen von Recipes – und wie du sie vermeidest
Recipe aktiviert, bevor alle E-Mails befüllt sind
Recipes stehen nach dem Import je nach Kontoeinstellung auf „Aktiv“ oder „Entwurf“. Wer eine Automation aktiviert, bevor alle E-Mail-Schritte Inhalt haben, schickt leere oder unvollständige Nachrichten an Kontakte, die in den Workflow eintreten. Gegenmittel: Öffne nach dem Import jeden E-Mail-Schritt in der Automation und prüfe, ob Betreffzeile und Inhalt gesetzt sind. Erst dann auf „Aktiv“ klicken.
Tags aus der Recipe kollidieren mit bestehenden Tags
Recipes legen beim Import neue Tags an. Wenn du bereits Tags mit ähnlichen oder identischen Namen verwendest, entstehen Dopplungen oder Fehlzuordnungen – ein Kontakt landet in der falschen Segmentierung oder löst eine weitere Automation aus, die auf denselben Tag reagiert. Gegenmittel: Öffne vor dem Import die Tag-Verwaltung in deinem Konto und prüfe, welche Tags die Recipe anlegen will. Im Assistenten kannst du sie umbenennen, bevor sie geschrieben werden.
Wartezeiten ohne oberes Zeitlimit
Manche Recipes verwenden „Warte bis Bedingung erfüllt ist“-Schritte ohne ein oberes Zeitlimit. Kontakte, die die Bedingung nie erfüllen, bleiben dauerhaft in diesem Schritt und verstopfen den Workflow. ActiveCampaign empfiehlt, jede „Wait until“-Wartezeit mit einem Limit zu versehen – beispielsweise maximal 14 Tage warten, danach in einen alternativen Zweig wechseln. Das ist in Recipes oft nicht voreingestellt; du musst es nach dem Import manuell prüfen und ergänzen.
Falsche Listenauswahl im Assistenten
Der Import-Assistent fragt, welcher Liste der Eintrittspunkt zugeordnet wird. Wer hier versehentlich die falsche Liste wählt und zusätzlich „Für bestehende Kontakte aktivieren“ aktiviert hat, löst die Automation sofort für alle Kontakte dieser Liste aus – auch für solche, die nie für diesen Workflow gedacht waren. Gegenmittel: Lese die Beschreibung des Eintrittspunkts sorgfältig, bevor du die Liste im Assistenten bestätigst, und lass „Für bestehende Kontakte“ zunächst deaktiviert.
Häufige Fragen
Sind ActiveCampaign Automation Recipes wirklich kostenlos?
Die Recipes in der integrierten Bibliothek sind im Abo enthalten und kosten nichts extra. Im öffentlichen Marketplace gibt es zusätzlich kostenpflichtige Recipes von Drittanbietern. Manche Recipes setzen bestimmte Plan-Features voraus – Lead Scoring oder Site Tracking sind ab Plus verfügbar, CRM-Automationen ab Professional. Die Recipe selbst kostet nichts; du brauchst aber den passenden Plan, damit alle Schritte funktionieren.
Kann ich eine selbst erstellte Automation als Recipe teilen?
Ja. Gehe in deinem Konto zur Automation, klicke auf das Menü oben rechts und wähle „Automation teilen“. Du erhältst eine Share-URL, die du direkt weitergeben kannst. Wer über den Marketplace teilen will, reicht die Recipe dort mit Beschreibung, Screenshot und optionalem Preis ein. Kostenlose Einreichungen werden deutlich häufiger importiert als kostenpflichtige – das ist relevant, wenn du Sichtbarkeit in der Community aufbauen willst.
Was passiert, wenn eine Recipe Features meines Plans nicht unterstützt?
ActiveCampaign zeigt beim Import einen Hinweis, welche Schritte Features benötigen, die dein Plan nicht enthält. Diese Schritte werden deaktiviert oder übersprungen; die Automation lässt sich trotzdem importieren. Prüfe nach dem Import, welche Schritte betroffen sind, und entscheide, ob du den Plan anpassen oder den Schritt durch eine plankompatible Alternative ersetzen willst.
Wie viele Recipes kann ich gleichzeitig aktiv haben?
ActiveCampaign begrenzt die Zahl aktiver Automationen nicht per Plan. Die Grenze liegt bei der Kontoübersichtlichkeit: Viele parallele Automationen mit ähnlichen Tags oder Eintrittspunkten lassen sich schwer pflegen und debuggen. Bereinige regelmäßig – veraltete Recipes, die niemand mehr durchläuft, hinterlassen Tags und Segmente, die spätere Importe verwirren.
Kann ich eine importierte Recipe nach der Aktivierung noch ändern?
Ja, aber mit Bedacht. Änderungen an einer aktiven Automation wirken sich sofort auf Kontakte aus, die sich gerade darin befinden. Wenn du einen Warteschritt verkürzt, springen Kontakte früher weiter. Wenn du einen Schritt löschst, durchlaufen sie ihn nicht mehr. Umfangreichere Umbauarbeiten machst du deshalb besser an einer duplizierten Kopie der Automation und schaltest erst nach dem Test die Original-Automation ab.
Wer mit Recipes startet, baut sich am schnellsten ein Gefühl für funktionierende Automation-Logik auf – nicht durch Lesen, sondern durch Durchklicken einer fertigen Struktur. Nach dem ersten Import lohnt es sich, die Wartezeiten und Bedingungsschritte genau anzuschauen: Dort steckt das meiste Lernpotenzial. Wer seine Welcome-Serie danach weiterentwickeln und um Follow-up-Sequenzen ergänzen will, findet die nächsten Bausteine im Leitfaden zu Follow-up-Sequenzen in ActiveCampaign.


