ActiveCampaign, Brevo und Mailchimp lösen unterschiedliche Probleme. Mailchimp ist das bekannteste Einstiegs-Tool, aber die Gratis-Kontingente wurden im Januar 2026 stark eingeschränkt. Brevo rechnet nach versendeten E-Mails statt nach Kontakten und ist bei niedrigem Versandvolumen günstiger. ActiveCampaign kostet mehr, bietet dafür ein Automations- und CRM-System, das die anderen beiden nicht erreichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mailchimp und ActiveCampaign berechnen nach Kontaktzahl; Brevo berechnet nach versendeten E-Mails – das Preismodell entscheidet mehr als der Listenpreis.
- Mailchimp hat den Free-Plan im Januar 2026 auf 250 Kontakte und 500 E-Mails pro Monat gekürzt; damit ist er für den produktiven Einsatz nicht mehr geeignet.
- Brevo schaltet Automationen erst ab dem Business-Plan frei; der günstigere Starter-Plan enthält keine Marketing-Automationen.
- ActiveCampaign zählt seit November 2025 auch abgemeldete und gebouncte Kontakte – wer einen großen, ungepflegten Verteiler hat, sollte das vor dem Kauf einkalkulieren.
- Für skalierbare Funnels mit CRM-Anbindung bleibt ActiveCampaign die überlegene Plattform; für sporadische Newsletter ist Brevo preisgünstiger.
Preismodelle im Vergleich: Was du wirklich zahlst
Die drei Tools unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern schon in der Logik, nach der abgerechnet wird. Das hat praktische Konsequenzen, die erst beim zweiten Blick auf die Kalkulation sichtbar werden.
ActiveCampaign: kontaktbasiert mit vier Plänen
ActiveCampaign bietet vier Pläne an: Starter, Plus, Professional und Enterprise. Die Preise skalieren mit der Kontaktzahl. Stand 2026 kostet der Starter-Plan für 1.000 Kontakte rund 19 US-Dollar pro Monat; bei 5.000 Kontakten liegt Starter bei 99 Dollar und Plus bei 179 Dollar. Bei 10.000 Kontakten zahlt man für Plus rund 239 Dollar und für Professional rund 419 Dollar monatlich. Jährliche Vorauszahlung spart etwa 20 Prozent gegenüber dem Monatsabo.
Seit November 2025 gilt für alle Neukunden eine veränderte Zählweise: ActiveCampaign berechnet alle Kontakte inklusive Abgemeldeter und Bounces. Wer einen Verteiler aus mehreren Jahren mitbringt, in dem viele inaktive Einträge stecken, sollte die Liste vor dem Wechsel bereinigen – sonst zahlt man für Kontakte, an die man ohnehin nicht mehr schreibt.
Brevo: volumenbasiert ohne Kontaktlimit
Brevo rechnet nach dem E-Mail-Volumen, nicht nach der Kontaktzahl. Das Free-Paket erlaubt 300 E-Mails täglich (rund 9.000 im Monat), aber ohne Automationen. Der Starter-Plan beginnt bei etwa 9 Dollar im Monat für 5.000 versendete E-Mails. Ab dem Business-Plan, der ebenfalls bei 18 Dollar startet, sind Automationen und A/B-Tests freigeschaltet. Für 100.000 E-Mails liegt Starter bei rund 65 Dollar.
Der Vorteil des volumenbasierten Modells: Wer 50.000 Kontakte in der Datenbank hat, aber nur zweimal im Monat schreibt, zahlt bei Brevo deutlich weniger als bei Mailchimp oder ActiveCampaign. Der Nachteil: Wer täglich automatisierte E-Mails aussendet – Willkommenssequenzen, Reaktivierungskampagnen, verhaltensbasierte Trigger-Mails – summiert das Volumen schnell auf und zahlt dann mehr als erwartet.
Mailchimp: günstig am Anfang, teuer mit Wachstum
Mailchimp hat im Januar 2026 den Free-Plan stark eingeschränkt: Er deckt jetzt nur noch 250 Kontakte und 500 E-Mails pro Monat ab. Wer mehr braucht, steigt auf Essentials (ab 13 Dollar für 500 Kontakte) oder Standard (ab 20 Dollar) um. Bei 5.000 Kontakten kostet Essentials rund 75 Dollar und Standard rund 100 Dollar. Premium beginnt bei 350 Dollar für 10.000 Kontakte – auf dieser Preisstufe bietet ActiveCampaign deutlich mehr Funktionstiefe.
Mailchimp zählt wie ActiveCampaign nach Kontakten inklusive Abgemeldeter. Transaktionale E-Mails sind nicht im Kernpreis enthalten und werden separat über Mailchimp Transactional abgerechnet. Das treibt die Gesamtkosten bei gemischtem Versand spürbar nach oben.
Wo sich die drei Tools beim Funktionsumfang wirklich unterscheiden
Alle drei Anbieter nennen sich heute Automation-Plattformen. Was das konkret bedeutet, unterscheidet sich erheblich. Ein direkter Vergleich ergibt erst dann ein vollständiges Bild, wenn man die Tiefe der Implementierung berücksichtigt – nicht nur ob ein Feature vorhanden ist, sondern wie weit es trägt.
Funktion | Mailchimp | Brevo | ActiveCampaign |
|---|---|---|---|
Newsletter-Versand | ja | ja | ja |
Tag-basierte Segmentierung | nein | eingeschränkt | ja, vollständig |
Marketing-Automationen | ab Essentials-Plan | ab Business-Plan | ab Starter vollständig |
Verzweigte Automation-Logik | rudimentär | eingeschränkt | beliebig tief |
Sales-CRM | nein | Basis-CRM | vollständig integriert |
nein | nein | ja | |
Attribution Tracking | eingeschränkt | eingeschränkt | ja |
Transaktionale E-Mails | kostenpflichtig extra | im Kernprodukt enthalten | über Postmark-Integration |
EU-Serverstandort | nein (USA) | ja (Frankreich) | nein (USA, SCCs vorhanden) |
Native Integrationen | mittel | wenige | sehr viele (900+) |
Das Grundmuster: Mailchimp und Brevo sind für einfachere Anwendungsfälle ausgelegt. ActiveCampaign richtet sich an Teams, die E-Mail-Marketing mit Sales-Prozessen verknüpfen und das Kontaktverhalten systematisch auswerten wollen.
Automationen: wo der Unterschied in der Praxis spürbar ist
Mailchimp bietet Automationen ab dem Essentials-Plan, aber die Logik ist linear: Eine Aktion löst eine Folge aus. Verzweigungen nach Bedingungen – wenn Kontakt Tag X hat und E-Mail Y nicht geöffnet hat, dann Pfad A, sonst Pfad B – sind in Mailchimp nur rudimentär umsetzbar. Das reicht für Willkommens-E-Mails und einfache Geburtstagsmails, aber nicht für Funnels, die auf Verhalten reagieren.
Brevo hat in den letzten Jahren den Automation Builder ausgebaut und bietet im Business-Plan brauchbare Wenn-Dann-Logiken. Multi-Trigger-Automationen, die auf Website-Verhalten, CRM-Feldern und E-Mail-Engagement gleichzeitig reagieren, sind in Brevo aber schwerer umzusetzen als in ActiveCampaign.
ActiveCampaign wurde für komplexe Automationen gebaut. Der Automation Builder erlaubt beliebig tiefe Verzweigungen, Goal-Schritte, Wartezeiten mit Bedingungen und Kontakt-zu-Kontakt-Aktionen. Das hat einen Preis: Die Lernkurve ist steiler. Wer ActiveCampaign zum ersten Mal öffnet und sofort produktiv sein will, braucht Zeit oder Einarbeitung. Der Guide zum ActiveCampaign Automation Builder zeigt den Aufbau Schritt für Schritt.
DSGVO und Serverstandort: was DACH-Unternehmen berücksichtigen müssen
Brevo hat einen klaren Vorteil für Unternehmen, die DSGVO-Konformität über den Serverstandort absichern wollen: Die Infrastruktur steht in Frankreich, also innerhalb der EU. Damit entfallen die Diskussionen über Standardvertragsklauseln (SCCs) und das Drittlandtransfer-Risiko, die bei US-Anbietern regelmäßig auftauchen.
ActiveCampaign und Mailchimp betreiben ihre Server in den USA und schließen mit DSGVO-pflichtigen Kunden Standardvertragsklauseln ab. Das ist eine rechtlich zulässige Grundlage – aber nicht alle internen Compliance-Teams oder Auftraggeber akzeptieren SCCs ohne Weiteres. Wer in sensiblen Branchen tätig ist, sollte das vorab klären und im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten dokumentieren.
In den Projekten, die Advertal begleitet, ist DSGVO-Konformität über SCCs bei ActiveCampaign erfahrungsgemäß kein Hinderungsgrund – aber sie sollte dokumentiert sein, nicht stillschweigend vorausgesetzt werden.
Praxisbeispiel: Kostenvergleich für drei typische DACH-Szenarien
Abstrakte Preistabellen sagen wenig darüber aus, was ein Unternehmen tatsächlich zahlt. Die folgenden drei Szenarien machen den Unterschied greifbar. Die Preise beziehen sich auf Stand 2026 und monatliche Abrechnung ohne Jahresrabatt.
- Szenario A – kleines B2C-Unternehmen: 5.000 Kontakte, 2 Newsletter im Monat. Das Versandvolumen liegt bei 10.000 E-Mails. Brevo Business: rund 18 Dollar. Mailchimp Standard: rund 100 Dollar. ActiveCampaign Starter: rund 99 Dollar. Hier liegt Brevo klar vorne, sofern keine komplexen Automationen benötigt werden.
- Szenario B – B2B-Agentur: 2.000 Kontakte, tägliche Trigger-Mails und Nurturing-Sequenzen (ca. 30.000 E-Mails/Monat). Brevo Business: rund 45 Dollar für das Volumen. ActiveCampaign Plus: rund 49 Dollar für 2.000 Kontakte. Bei diesem Szenario liegt ActiveCampaign preislich auf Augenhöhe – und bietet deutlich mehr Automation-Tiefe, CRM-Integration und Lead Scoring.
- Szenario C – E-Commerce: 15.000 Kontakte, wöchentliche Kampagnen plus automatisierte Strecken (ca. 80.000 E-Mails/Monat). Brevo Business: rund 65 Dollar für das Volumen. Mailchimp Standard: rund 180 Dollar. ActiveCampaign Plus: rund 299 Dollar. Brevo ist hier am günstigsten – aber nur, wenn die Shop-Integration ausreicht und kein tiefes Segmentierungs-Setup nötig ist.
Das Muster: Brevo ist preisgünstig bei niedrigem Versand-zu-Kontakt-Verhältnis. Sobald Automationen und Sales-Prozesse ins Bild kommen, wird die Kalkulation für ActiveCampaign ausgeglichener – oder der Mehrpreis durch die Funktionstiefe gerechtfertigt.
Wann welches Tool die falsche Wahl ist
Die Entscheidung zwischen drei Tools wird oft als Frage formuliert: Welches ist besser? Die ehrlichere Frage lautet: Für wen ist welches ungeeignet?
Mailchimp ist die falsche Wahl, wenn...
...du Automationen brauchst, die auf mehrere Bedingungen gleichzeitig reagieren. Mailchimp eignet sich für einmalige Newsletter-Aussendungen und einfache Willkommens-E-Mails – aber nicht für Funnels, die nach Verhalten verzweigen. Der Free-Plan ist seit Januar 2026 so stark eingeschränkt, dass er für den ernsthaften Einstieg nicht mehr taugt. Wer wächst, stößt bei Mailchimp schnell an Funktionsgrenzen, die nur durch teure Plan-Upgrades zu überwinden sind.
Brevo ist die falsche Wahl, wenn...
...du ein Sales-CRM brauchst, das mit dem E-Mail-Marketing zusammenwächst. Brevo hat ein Basis-CRM eingebaut, aber es reicht nicht an das integrierte Deal-Management und Lead Scoring von ActiveCampaign heran. Wer Kontakte von der ersten E-Mail bis zum Abschluss verfolgen will, stößt bei Brevo an Grenzen. Außerdem: Wer hohe Versandfrequenzen mit großen Listen kombiniert, zahlt bei Brevo überraschend viel – das volumenbasierte Modell kehrt seinen Vorteil dann um.
ActiveCampaign ist die falsche Wahl, wenn...
...du gelegentlich Newsletter verschickst und keine Automationen planst. Dann zahlst du einen Preis für Funktionen, die du nie nutzen wirst. Auch für Teams, die noch keine klare Kontaktstrategie haben und erst ausprobieren wollen, ist ActiveCampaign zu komplex für den Einstieg. Die Lernkurve amortisiert sich erst, wenn Automationen, CRM und Segmentierung tatsächlich eingesetzt werden.
Typische Fehler beim Tool-Wechsel
Ein Wechsel von Mailchimp oder Brevo zu ActiveCampaign wird oft unterschätzt. Die häufigsten Probleme, die in der Praxis auftauchen:
- Kontakte werden ohne Bereinigung übertragen. Abgemeldete, gebouncte und inaktive Kontakte landen im neuen System und treiben den Kontaktpreis in die Höhe – besonders bei ActiveCampaign, das seit November 2025 alle Kontakte berechnet.
- Tags werden nicht systematisch geplant. Wer aus einem listenbasierten System kommt und die Tag-Logik nicht im Vorfeld strukturiert, baut in ActiveCampaign denselben Wildwuchs nach, den er verlassen hat.
- Automationen werden 1:1 übertragen statt neu gebaut. Was in Mailchimp als linearer Workflow existierte, lässt sich in ActiveCampaign mächtiger umsetzen – aber das erfordert einen Neubau, keine Kopie.
- Der Wechsel passiert mitten in einer aktiven Kampagne. Wenn beide Systeme gleichzeitig laufen und Kontakte in beiden stecken, erhalten sie Doppel-E-Mails. Das kostet Vertrauen in der Kontaktliste.
Häufige Fragen
Kann ich von Mailchimp zu ActiveCampaign wechseln, ohne Daten zu verlieren?
Der Wechsel ist technisch problemlos: ActiveCampaign importiert Kontakte als CSV-Datei inklusive Tags und Custom Fields. Was beim Wechsel nicht mitkommt, sind Kampagnen-Historien und Öffnungsraten aus Mailchimp. Plane den Wechsel außerhalb aktiver Kampagnenphasen und migriere zunächst nur aktive Kontakte, nicht den gesamten Verteiler inklusive Abgemeldeter.
Bietet Brevo denselben Automations-Umfang wie ActiveCampaign?
Nein. Brevo hat im Business-Plan brauchbare Wenn-Dann-Logiken, aber Multi-Trigger-Automationen, Goal-Steps und tiefes CRM-Tracking sind ActiveCampaign-Features, die Brevo nicht repliziert. Für einfache Nurturing-Sequenzen reicht Brevo; für komplexe Sales-Funnels mit CRM-Anbindung nicht.
Welches Tool eignet sich am besten für DSGVO-konformen Betrieb in Deutschland?
Brevo hat als einziger der drei Anbieter seinen primären Serverstandort in der EU (Frankreich). Das vereinfacht die DSGVO-Dokumentation erheblich. ActiveCampaign und Mailchimp sind US-Anbieter und arbeiten über Standardvertragsklauseln (SCCs) als Rechtsgrundlage für Drittlandtransfers. Das ist rechtlich zulässig, erfordert aber eine explizite Dokumentation im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten.
Lohnt sich ActiveCampaign schon bei kleiner Kontaktliste?
Der Starter-Plan beginnt bei 1.000 Kontakten für rund 19 Dollar im Monat und ist damit erschwinglich. Ob er sich lohnt, hängt nicht von der Kontaktzahl ab, sondern davon, was du mit der Liste machst. 500 gut segmentierte Kontakte mit einem durchdachten Automation-Setup bringen mehr als 5.000 Kontakte in einer undifferenzierten Liste. Wenn Automationen und CRM tatsächlich genutzt werden, rentiert sich ActiveCampaign auch bei kleiner Liste.
Was passiert, wenn ich bei Brevo mehr E-Mails sende als mein Plan erlaubt?
Brevo blockiert den Versand, wenn das monatliche Volumen-Limit erreicht ist – E-Mails werden nicht einfach weitergeleitet und später abgerechnet. Du musst entweder auf einen höheren Plan upgraden oder bis zum nächsten Monat warten. Wer schwankende Versandvolumen hat, sollte das bei der Planung berücksichtigen und genug Puffer einkalkulieren.
Wer die Entscheidung für ActiveCampaign getroffen hat und wissen will, wie der Einstieg konkret aussieht, findet in der ActiveCampaign-Anleitung für DACH-Unternehmen einen vollständigen Überblick über Setup, Struktur und erste Automationen.


