ActiveCampaign erlaubt Agenturen im Enterprise-Plan, die Plattform vollständig unter eigener Marke zu betreiben: eigene Domain, eigenes Logo, eigene Farben, kein sichtbarer Verweis auf ActiveCampaign. Kunden arbeiten täglich in einem Tool mit der Agenturmarke, ohne die zugrundeliegende Technologie zu kennen. Das White Labeling setzt technische Konfiguration voraus und verändert, wer gegenüber den Kunden als Software-Anbieter auftritt.
Das Wichtigste in Kürze
- White Labeling ist ausschließlich im Enterprise-Plan verfügbar und umfasst Custom Domain, Logo-Ersatz, CSS-Anpassungen und vollständige Entfernung aller ActiveCampaign-Referenzen.
- Die Custom Domain läuft technisch über einen CNAME-Eintrag, der auf die ActiveCampaign-Infrastruktur zeigt, inklusive eigenem SSL-Zertifikat.
- Agenturen, die White Labeling einsetzen, werden für Kunden zur einzigen Support-Instanz – das erfordert eigene Dokumentation und klar definierte Support-Prozesse.
- White Labeling lohnt sich erst dann, wenn ein dauerhafter Betreuungsauftrag besteht und Kunden regelmäßig selbst in der Plattform arbeiten.
- Im DACH-Raum gelten rechtliche Besonderheiten zur Impressumspflicht und zur Auftragsverarbeitersituation.
Was White Labeling in ActiveCampaign genau umfasst
ActiveCampaign unterscheidet zwischen kosmetischem Branding und vollständigem White Labeling. Im Enterprise-Plan geht das deutlich weiter als das bloße Austauschen eines Logos. Du kannst das gesamte Interface so anpassen, dass kein Hinweis auf ActiveCampaign sichtbar bleibt.
Folgende Elemente lassen sich anpassen:
- Die Login-URL und alle internen URLs laufen über eine Subdomain deiner Wahl, etwa marketing.deineagentur.de, statt über die Standard-activehosted.com-Domain.
- Logo, Primärfarben und Schriftarten folgen deiner Corporate Identity, umgesetzt über eigenes CSS, das du direkt im Interface einträgst.
- Alle Texte, E-Mail-Fußzeilen und Support-Links, die auf ActiveCampaign verweisen, lassen sich entfernen oder durch deine eigenen ersetzen.
- Für jeden Kunden-Account kannst du die Branding-Einstellungen individuell vornehmen, sodass verschiedene Kunden unterschiedliche Farb- und Logo-Welten erhalten.
Eingeschränkter sind die Möglichkeiten in niedrigeren Plänen. Dort lässt sich das Logo tauschen und das ActiveCampaign-Branding ausblenden, Custom Domains und CSS-Eingriffe sind jedoch nicht möglich. Für Agenturen, die eine eigenständig wirkende Plattform anbieten wollen, ist der Enterprise-Plan die einzige sinnvolle Grundlage.
Was sich nicht vollständig verbergen lässt
Auch im Enterprise-Plan gibt es technische Grenzen. E-Mail-Header, die für die Zustellungsinfrastruktur notwendig sind, enthalten weiterhin Informationen über die sendende Plattform. Für den durchschnittlichen E-Mail-Empfänger ist das nicht sichtbar, aber technisch versierte Empfänger oder Deliverability-Prüftools erkennen die Infrastruktur dahinter. Wer das im Kundengespräch offen anspricht, setzt realistische Erwartungen und wirkt dadurch glaubwürdiger als jemand, der die Grenzen des White Labelings verschweigt.
Für wen White Labeling tatsächlich sinnvoll ist
White Labeling funktioniert nicht für jede Agentur und nicht in jeder Kundenkonstellation. Der Ansatz trägt, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind.
Agenturen mit dauerhaftem Betreuungsmodell
Wer ActiveCampaign für Kunden dauerhaft bereitstellt und als Teil eines Retainer-Modells betreibt, zieht den größten Nutzen. Die Markengewöhnung entsteht nicht durch das einmalige Setup, sondern durch die tägliche Arbeit der Kunden-Teams in "deiner" Software. Wer mehrere Kunden auf einer gemeinsamen ActiveCampaign-Infrastruktur betreut, findet im Beitrag zur strategischen Nutzung von ActiveCampaign für Agenturen weitere Hinweise zur Strukturierung solcher Setups.
Franchisesysteme und Konzerne mit einheitlichem Markenauftritt
Große Unternehmen setzen White Labeling intern ein, um ActiveCampaign wie eine hausinterne Lösung aussehen zu lassen. Das ist besonders relevant für Franchisesysteme, die vielen Standorten dieselbe Plattform bereitstellen, dabei aber ein einheitliches Design einhalten müssen. Hier ist die Agentur häufig Dienstleister bei der Einrichtung, betreibt das System aber nicht selbst unter eigener Marke.
Kunden, die keine Eigenverantwortung für das Tool übernehmen
Wenn ein Kunden-Team das Tool aktiv selbst bedient und Fragen hat, wird die Agentur automatisch zur einzigen Anlaufstelle. Das ist eine Chance, aber auch ein Aufwandstreiber. White Labeling lohnt sich in dieser Konstellation nur, wenn die Agentur den Support strukturiert hat und die Mehrkosten im Retainer eingepreist sind.
So richtest du White Labeling in ActiveCampaign ein
Das Setup gliedert sich in zwei Teile: die DNS-Konfiguration auf deiner Seite und die Branding-Einstellungen im ActiveCampaign-Account. Beides muss abgeschlossen sein, bevor Kunden auf die White-Label-URL zugreifen können.
- Wechsle im Account zu Einstellungen > Darstellung. Dort findest du die Option, alle ActiveCampaign-Referenzen zu entfernen – eine einzelne Checkbox schaltet das ein.
- Richte eine Subdomain ein, die du vollständig kontrollierst, etwa kunde.deineagentur.de. Nutze keine Domains des Kunden selbst, damit du die Kontrolle behältst, wenn das Mandat endet.
- Erstelle einen CNAME-Eintrag in den DNS-Einstellungen deiner Domain, der auf die von ActiveCampaign genannte Zieladresse zeigt. Den genauen Wert findest du in den Domain-Einstellungen des jeweiligen Accounts.
- Stelle sicher, dass für die Subdomain ein gültiges SSL-Zertifikat vorliegt. ActiveCampaign stellt das in der Regel automatisch bereit, sobald der CNAME korrekt aufgelöst wird. Die DNS-Ausbreitung dauert je nach Registrar einige Minuten bis zu 24 Stunden.
- Lade Logo und Favicon in der Corporate Identity deiner Agentur hoch und passe die Primärfarbe im Branding-Bereich an.
- Ergänze eigenes CSS im dafür vorgesehenen Feld, um Schriftarten, Button-Stile oder Navigationselemente anzupassen. Teste die Darstellung in verschiedenen Browsern, bevor Kunden Zugang erhalten.
- Richte Single Sign-On über die ActiveCampaign-API ein, wenn Kunden sich über ein zentrales Agentur-Portal anmelden sollen. Das erspart separate Login-Seiten und stärkt den Eindruck einer zusammenhängenden Lösung.
Dokumentiere das Setup für jeden Kunden-Account separat: DNS-Einträge, CSS-Konfiguration, Branding-Entscheidungen. Wenn du das Setup für einen weiteren Kunden wiederholst, hast du eine verlässliche Vorlage.
Wie White Labeling die Kundenbindung verändert
Die Wirkung entsteht nicht durch das Setup, sondern durch Wiederholung: Kunden, die täglich in einem Tool mit deiner Marke arbeiten, verbinden Kompetenz und Verlässlichkeit nicht mit ActiveCampaign, sondern mit dir. Das verändert, wie sie über einen möglichen Agenturwechsel nachdenken.
Ein Wechsel zu einer anderen Agentur bedeutet aus Kundensicht nicht nur einen neuen Ansprechpartner, sondern eine neue Plattform, ein neues Login, neue Schulungen und das Risiko, dass aufgebaute Automationen neu aufgesetzt werden müssen. Diese Hürde ist real, keine wahrgenommene. Kunden mit etablierten Prozessen in deiner Software wägen das ab.
Template-Systeme als Skalierungshebel
White Labeling wird strategisch wertvoller, wenn du es mit einem durchdachten Template-System kombinierst. Agenturen, die viele ähnlich strukturierte Kundenprojekte kennen, können wiederverwendbare Automation-Bausteine entwickeln: Welcome-Serien für bestimmte Branchen, Lead-Nurturing-Sequenzen für unterschiedliche Kaufzyklen, Reaktivierungskampagnen für inaktive Kontakte. Diese Templates laufen unter deiner Marke und werden kundenspezifisch angepasst, aber das Grundgerüst entsteht nur einmal.
Der Effekt für die Kundenbindung: Kunden sehen eine konsistente Qualität und eine funktionsfähige Ausgangslage, nicht eine leere Plattform. Das senkt die Hemmschwelle für neue Projekte und macht den Einstieg in weitere Automationsbereiche einfacher.
White Labeling vs. Standard-Setup im Vergleich
Aspekt | Standard-Setup | White-Label-Setup |
|---|---|---|
Sichtbare Marke im Interface | ActiveCampaign | Deine Agentur |
Login-URL | kunde.activehosted.com | kunde.deineagentur.de |
Support-Anlaufstelle für den Kunden | ActiveCampaign und Agentur | Ausschließlich Agentur |
Aufwand für Agenturwechsel aus Kundensicht | Gering (Tool bleibt gleich) | Hoch (Plattform wechselt mit) |
Erforderlicher Plan | Ab Small Business | Enterprise |
Typische Fehler beim White-Label-Setup, die du vermeiden kannst
Die häufigsten Probleme entstehen nicht bei der technischen Einrichtung, sondern bei der Planung des Betriebsmodells. Drei Konstellationen tauchen regelmäßig auf.
Die Kundendomain als Basis verwenden
Wenn das White-Label-Setup auf einer Subdomain des Kunden läuft, verlierst du die Kontrolle, sobald das Mandat endet oder der Kunde abwandert. Der Kunden-DNS-Verwalter kann den CNAME-Eintrag löschen oder auf eine andere Plattform umleiten. Die Abhilfe ist einfach: Alle White-Label-Domains laufen auf Domains, die ausschließlich der Agentur gehören, und verweisen über einen CNAME auf die jeweilige ActiveCampaign-Infrastruktur.
Den Support-Aufwand unterschätzen
Als White-Label-Betreiber bist du die erste Anlaufstelle für alle Fragen – nicht ActiveCampaign. Aus der Betreuung von über 200 Unternehmen im Advertal-Partnernetzwerk wissen wir: Ohne eigene Dokumentation, ohne Screenshots im richtigen Branding und ohne definierte Reaktionszeiten führt das zu Supportaufwand, der die Marge aufzehrt. Erstelle für jeden White-Label-Account eine Basisdokumentation mit den häufigsten Aufgaben des Kunden-Teams, inklusive Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Routineaufgaben.
Das Branding-Setup nicht sichern
CSS-Anpassungen und Branding-Einstellungen lassen sich im ActiveCampaign-Interface nicht versionieren oder exportieren. Wenn etwas überschrieben wird oder ein Fehler eingebaut wird, gibt es keinen automatischen Rollback. Führe deshalb ein eigenes Dokument, in dem das aktuelle CSS und die aktuellen Logo-Assets für jeden Account abgelegt sind. Das schützt dich auch dann, wenn ein Teammitglied versehentlich Einstellungen überschreibt.
Wann White Labeling nicht die richtige Wahl ist
White Labeling erzeugt Mehraufwand: Enterprise-Plan, DNS-Konfiguration, eigene Support-Strukturen, eigene Dokumentation. Für manche Konstellationen ist dieser Aufwand nicht gerechtfertigt, selbst wenn das Ergebnis optisch überzeugend wäre.
Wer nur einzelne Kampagnen für Kunden aufsetzt und keinen dauerhaften Betreuungsauftrag hat, braucht kein White Labeling. Der Kunde arbeitet nicht regelmäßig selbst in der Plattform, die Markengewöhnung entsteht nicht, und der höhere Plantarif rechnet sich nicht gegenüber dem tatsächlichen Mehrwert.
Ähnliches gilt für Kunden, die ActiveCampaign bereits selbst nutzen und einen eigenen Vertrag haben. Das White-Label-Modell setzt voraus, dass du den Account bereitstellst. Wenn der Kunde selbst Vertragsinhaber ist, stellt sich die Frage nach Kontrolle und Datenverantwortung ganz anders.
Schließlich ist White Labeling keine Antwort auf Deliverability-Probleme. Custom Domains verbessern die Konsistenz von Tracking-Links und Login-URLs, ersetzen aber kein sauberes Listenmanagement, keine korrekte E-Mail-Authentifizierung und kein kontrolliertes Sendevolumen. Wer mit E-Mail-Zustellbarkeit kämpft, sollte zunächst das strukturierte Deliverability-Setup für ActiveCampaign angehen, bevor er das Interface umbenennt.
Häufige Fragen
Brauche ich für White Labeling zwingend den Enterprise-Plan?
Für vollständiges White Labeling mit Custom Domain, CSS-Anpassungen und Entfernung aller ActiveCampaign-Referenzen ja. Niedrigere Pläne ermöglichen das Austauschen des Logos und das Ausblenden des ActiveCampaign-Brandings, aber keine eigene Domain und keine tiefgreifenden Interface-Änderungen. Wer professionelles White Labeling für Kunden anbieten will, kommt am Enterprise-Plan nicht vorbei.
Was passiert mit dem White-Label-Account, wenn der Kunde das Mandat kündigt?
Da du Vertragsinhaber des ActiveCampaign-Accounts bist, bleibt der Account unter deiner Kontrolle. Du kannst ihn für einen anderen Kunden nutzen oder schließen. Die Daten des ausscheidenden Kunden musst du gemäß den vertraglichen Vereinbarungen und den Anforderungen der DSGVO behandeln. Ein sauberer Offboarding-Prozess ist deshalb Teil eines professionellen White-Label-Betriebsmodells.
Kann ein Kunde erkennen, dass er ActiveCampaign nutzt?
Im Interface selbst nicht, wenn das Setup vollständig ist. In E-Mail-Headern und Tracking-Parametern sind jedoch technische Spuren erkennbar, die auf die ActiveCampaign-Infrastruktur hinweisen. Für den durchschnittlichen Nutzer ist das nicht sichtbar. Technisch versierte Empfänger oder Deliverability-Tools erkennen die zugrundeliegende Plattform, weil bestimmte Header-Informationen zur Infrastruktur gehören und sich nicht ausblenden lassen.
Welche datenschutzrechtlichen Besonderheiten gelten im DACH-Raum?
Als Agentur, die einen ActiveCampaign-Account betreibt und Kunden darüber Zugang gibt, bist du in der Regel Auftragsverarbeiter gegenüber deinen Kunden und gleichzeitig Vertragspartner von ActiveCampaign. Diese Konstellation erfordert einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit deinen Kunden und eine klare Datenschutzdokumentation. Das Impressum muss deine Kontaktdaten enthalten, auch wenn das Interface optisch im Branding des Kunden gehalten ist.
Wie lange dauert die Einrichtung der Custom Domain?
Den CNAME-Eintrag zu setzen dauert wenige Minuten. Die DNS-Ausbreitung dauert je nach Registrar zwischen wenigen Minuten und 24 Stunden. SSL-Zertifikate werden nach korrekter DNS-Auflösung in der Regel automatisch ausgestellt. Plane für den ersten White-Label-Account einen Puffer von einem Werktag ein, bevor Kunden die neue URL erhalten, und prüfe vorher mit einem DNS-Lookup-Tool, ob der CNAME korrekt aufgelöst wird.
Lässt sich White Labeling mit dem ActiveCampaign-Partnermodell kombinieren?
Ja. Als offizieller ActiveCampaign-Partner hat Advertal Zugang zu Ressourcen und Ansprechpartnern bei ActiveCampaign, die bei Enterprise-Setups und White-Label-Fragen helfen. Das Partnermodell und das White-Label-Setup schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich: Partner können Konditionen und Support-Zugänge nutzen, die im Direktvertrag nicht verfügbar wären.
Wer White Labeling in seiner Agentur aufbauen will, beginnt am besten mit einem Pilotkunden: ein überschaubares Mandat, strukturiertes Setup, dokumentierter Support-Prozess. Was in diesem ersten Projekt an Abläufen und Vorlagen entsteht, lässt sich auf weitere Kunden übertragen. Wer dabei die Erfahrung eines offiziellen ActiveCampaign-Partners nutzen möchte, findet bei Advertal als Reseller und Supportpartner den richtigen Einstiegspunkt für den Aufbau solcher Strukturen.


