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Warenkorbabbrecher-E-Mails: Sequenz, Timing und Setup

Tom
Tom
12. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

Eine Warenkorbabbrecher-E-Mail-Sequenz holt Kaufinteressenten zurück, die den Bestellvorgang abgebrochen haben – automatisch und personalisiert. Das Grundmuster ist eine Drei-E-Mail-Abfolge: erste E-Mail zwei bis vier Stunden nach dem Abbruch, zweite nach 24 bis 48 Stunden, dritte nach vier bis fünf Tagen. Wer das in ActiveCampaign sauber einrichtet, erschließt einen der rentabelsten Hebel im E-Commerce-E-Mail-Marketing.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Warenkorbabbruchrate im E-Commerce ist hoch – als häufigster Einzelgrund nennen Abbrecher unerwartete Zusatzkosten, die erst im Checkout sichtbar werden.
  • Drei E-Mails mit festem Timing reichen für die meisten Shops aus: zwei bis vier Stunden nach dem Abbruch, dann 24 bis 48 Stunden, dann nach vier bis fünf Tagen.
  • In der ersten E-Mail kein Rabatt: Die Erinnerung allein holt Kaufinteressenten zurück, die ohnehin bereit waren – den Nachlass erst im letzten Schritt einsetzen, wenn alles andere nicht gewirkt hat.
  • ActiveCampaign verbindet sich über die Deep Data Integration mit Shopify, WooCommerce und anderen Shopsystemen und macht Warenkorb- und Produktdaten als Personalisierungsfelder verfügbar.
  • In Deutschland erlaubt § 7 Abs. 3 UWG Warenkorbabbrecher-E-Mails ohne ausdrückliche Einwilligung, wenn die Adresse im Kaufvorgang erhoben wurde, das Produkt passt und jede E-Mail eine Abmeldemöglichkeit enthält.

Warum bricht mehr als jeder zweite Kaufinteressent vor dem Abschluss ab?

Sieben von zehn Besuchern, die ein Produkt aktiv in den Warenkorb legen, kaufen es letztlich nicht. Die Kaufabsicht war da – irgendetwas hat sie zerstört, bevor die Bestellung abgeschlossen wurde. Warenkorbabbruch ist damit eines der größten Umsatzlecks im E-Commerce, das sich mit automatisierten E-Mails direkt adressieren lässt.

Die Abbruchgründe sind gut dokumentiert und für den Aufbau der Sequenz unmittelbar nützlich: Unerwartete Zusatzkosten – Versand, Gebühren oder Steuern, die erst im Checkout sichtbar werden – sind der häufigste Einzelgrund. Dahinter folgen zu lange Lieferzeiten, Misstrauen gegenüber dem Zahlungsprozess, die Pflicht zur Kontoanmeldung und ein zu aufwändiger Bestellvorgang.

Jeder dieser Punkte lässt sich in der E-Mail-Sequenz direkt adressieren: Die erste E-Mail macht Versandkosten und Rückgabebedingungen transparent. Die zweite baut Vertrauen mit Bewertungen und Kontaktmöglichkeiten auf. Die dritte greift mit einem konkreten Angebot ein, wenn alles andere nicht gewirkt hat.

Diese Aufschlüsselung ist für den Aufbau deiner E-Mail-Sequenz direkt nützlicher als die Gesamtzahl. Jede E-Mail kann auf einen dieser Punkte eingehen: Die erste räumt den häufigsten Zweifel aus, indem sie Versandkosten und Rückgabebedingungen transparent macht. Die zweite adressiert Vertrauensfragen mit Kundenbewertungen und Kontaktinformationen. Die dritte greift mit einem konkreten Angebot ein, wenn alle anderen Mittel nicht gewirkt haben.

Entscheidend ist außerdem der Zeitfaktor: Kaufabsichten verfallen schnell. Ein bis zwei Stunden nach dem Abbruch ist der Kaufinteressent häufig noch online und denkt ans Produkt. Nach 24 Stunden hat der Alltag diesen Kontext bereits überlagert. Die erste E-Mail ist deshalb die wirkungsstärkste der gesamten Sequenz – nicht die dritte mit dem Rabatt.

Wie eine Drei-E-Mail-Sequenz aufgebaut ist

Drei E-Mails über einen Zeitraum von fünf bis sieben Tagen bilden das bewährte Grundmuster. Jede hat eine andere Funktion – wer diese Rollen vermischt oder jede E-Mail gleich gestaltet, verliert an beiden Fronten: zu früh Rabatt gegeben, zu wenig Vertrauen aufgebaut.

Die erste E-Mail erinnert freundlich und ohne Nachlass

Die erste E-Mail geht davon aus, dass der Abbruch keine bewusste Entscheidung war. Ablenkung, schlechtes WLAN, ein klingelndes Telefon – die meisten Abbrecher haben kein grundlegendes Problem mit dem Produkt. Du erinnerst freundlich, ohne Druck und ohne Rabatt. Wer nach dieser E-Mail kauft, hätte das auch ohne Nachlass getan; der Rabatt wäre reiner Umsatzverlust gewesen.

Was in die erste E-Mail gehört:

  • Die Betreffzeile enthält den Produktnamen und den Vornamen des Kontakts und bezieht sich konkret auf den verlassenen Warenkorb, statt generisch formuliert zu sein.
  • Produktbild, Produktname und Preis sind prominent platziert, damit der Interessent sofort weiß, worum es geht, ohne scrollen oder aktiv nachdenken zu müssen.
  • Ein einziger, klarer Call-to-Action – "Zum Warenkorb zurückkehren" oder "Bestellung fortsetzen" – hält die Aufmerksamkeit auf das einzige Ziel dieser E-Mail.

Was nicht in die erste E-Mail gehört: Cross-Selling-Produkte, Rabattcodes, Markengeschichten oder allgemeine Shop-Bewertungen. Die erste E-Mail ist so kurz und fokussiert wie möglich – ein Produkt, ein Button, eine Botschaft.

Die zweite E-Mail adressiert die wahrscheinlichsten Einwände

Wer nach der ersten E-Mail nicht gekauft hat, hatte einen Grund. Die zweite E-Mail benennt diesen Grund nicht direkt, liefert aber, was den letzten Schritt erleichtert: verifizierte Bewertungen zu genau diesem Produkt, ein expliziter Hinweis auf das Rückgaberecht, Antworten auf häufige Fragen oder der direkte Kontakt zum Kundendienst. Das Ziel ist Vertrauen, nicht Druck.

Was in die zweite E-Mail gehört:

  • Das Produkt wieder prominent zeigen, diesmal ergänzt durch eine kurze inhaltliche Aussage: Was schätzen Käufer an diesem Produkt besonders, und was unterscheidet es von Alternativen?
  • Drei bis vier verifizierte Kundenstimmen spezifisch zu diesem Produkt oder dieser Produktkategorie – allgemeine Shop-Bewertungen wirken weniger glaubwürdig als konkret produktbezogene Aussagen.
  • Kontaktinformationen für Rückfragen – Telefonnummer mit Öffnungszeiten oder ein direkter Link zum Live-Chat – damit Kaufhemmnisse, die sich nicht per E-Mail lösen lassen, trotzdem ausgeräumt werden können.

Die dritte E-Mail macht ein zeitlich begrenztes Angebot

Die dritte E-Mail ist das letzte Mittel der Sequenz. Wer bis hier noch nicht gekauft hat, braucht einen anderen Impuls. Erst jetzt ist ein Rabatt oder ein Zusatzvorteil sinnvoll – zeitlich begrenzt, klar begründet und nicht höher als nötig. Ein Gutschein ohne Ablaufdatum lädt ein, auf den nächsten zu warten. Ob ein Rabatt in dieser Position insgesamt sinnvoll ist oder den Deckungsbeitrag zu stark belastet, hängt von deiner Kalkulation ab – der Beitrag ob Warenkorbgutscheine mehr bringen als sie kosten geht darauf genauer ein.

Was in die dritte E-Mail gehört:

  • Das Produkt nochmals mit allen relevanten Details zeigen – einige Empfänger sehen diese E-Mail als erste, weil die vorherigen im Spam-Ordner gelandet sind.
  • Ein konkretes Angebot mit klarem Ablaufdatum: Ein Rabattcode oder kostenloser Versand mit 48-Stunden-Frist erzeugt mehr Dringlichkeit als ein dauerhaft verfügbarer Nachlass.
  • Ein kurzer Hinweis, dass danach keine weiteren Erinnerungen zu diesem Warenkorb folgen – das nimmt den Druck weg und respektiert die Entscheidung des Empfängers.

Was in jede E-Mail der Sequenz gehört

Unabhängig von der Position in der Sequenz gibt es Bausteine, die in jede Warenkorbabbrecher-E-Mail gehören. Sie entscheiden über Öffnungsrate, Klickrate und darüber, ob die E-Mail als Spam markiert wird – was die Zustellbarkeit der gesamten Sequenz dauerhaft beschädigt.

Wie die Betreffzeile Öffnungen gewinnt

Die Betreffzeile ist der einzige Text, den du ohne Gegenleistung bekommst – der Empfänger liest ihn vor dem Öffnen und entscheidet in Sekunden. Personalisierung mit Vorname und Produktname erhöht die Relevanz gegenüber generischen Formulierungen wie "Du hast etwas vergessen" deutlich. Der konkrete Produktname macht den Inhalt sofort klar und unterscheidet die E-Mail von Newslettern, die kein konkretes Anliegen haben. Knappheit oder Verfügbarkeitsdruck, der nicht der Wahrheit entspricht, zerstört Vertrauen dauerhaft, wenn der Empfänger ihn durchschaut.

Betreffzeilen, die in der Praxis funktionieren:

  • "[Vorname], dein [Produktname] wartet noch auf dich" ist persönlich, vermeidet Druck und erklärt sich unmittelbar.
  • "Dein Warenkorb läuft heute ab" sollte nur verwendet werden, wenn der Warenkorb tatsächlich abläuft – echte Knappheit funktioniert, erfundene Knappheit kostet Vertrauen.
  • "[Produktname] + 10 % auf deine erste Bestellung" eignet sich für die dritte E-Mail, wenn ein Angebot gemacht wird, und kommuniziert den Vorteil direkt ohne Verpflichtungssprache.

Warum das Produktbild nicht fehlen darf

Das verlassene Produkt muss in jeder E-Mail sofort erkennbar sein: Produktbild in guter Qualität, Produktname als Überschrift, Preis und ein direkter Link zurück in den Warenkorb. Wer mehrere Artikel im Warenkorb hatte, bekommt idealerweise das teuerste oder das zuletzt hinzugefügte als Hauptprodukt angezeigt. ActiveCampaign zieht diese Daten automatisch aus der Deep Data Integration, sobald die Verbindung zum Shopsystem korrekt eingerichtet ist. Fehlt das Bild, sinkt die Klickrate: Der visuelle Anker erinnert den Empfänger schneller an den Kontext als Text allein.

Ein Call-to-Action reicht – welcher der richtige ist

Jede Warenkorbabbrecher-E-Mail hat genau einen primären CTA. "Jetzt kaufen" wirkt in der ersten Erinnerungs-E-Mail zu drängend; "Zum Warenkorb" oder "Bestellung fortsetzen" treffen den richtigen Ton und spiegeln wider, was der Empfänger tun soll, ohne Druck auszuüben. Erst wenn in der dritten E-Mail ein Angebot gemacht wird, passt "Jetzt sichern" oder "Angebot einlösen". Der Button muss auf jedem Gerät sofort anklickbar sein: mindestens 44 Pixel hoch, ausreichend Abstand zu anderen Elementen, kontraststark gegenüber dem Hintergrund.

Mobiloptimierung ist kein optionaler Schritt

Warenkorbabbrecher-E-Mails werden überwiegend auf Smartphones geöffnet. Ein Layout, das auf dem Desktop gut aussieht, kann auf einem 375-Pixel-Display unleserlich oder unklickbar sein. Single-Column-Layouts, ausreichend große Schrift und Buttons, die mit dem Daumen bedienbar sind, sind keine optionalen Extras, sondern Grundvoraussetzung für Klicks. ActiveCampaign bietet im E-Mail-Editor eine Mobilvorschau; die Automation sollte erst nach einem Test auf mindestens zwei verschiedenen Geräteklassen aktiviert werden.

Ein Abmeldelink ist in jeder Werbe-E-Mail gesetzlich vorgeschrieben. Zusätzlich hilft ein kurzer Satz wie "Du erhältst keine weiteren Erinnerungen zu diesem Warenkorb, wenn du dich hier abmeldest" – das kommuniziert, dass die Sequenz zeitlich begrenzt ist, und reduziert Spam-Markierungen. Spam-Markierungen beschädigen die Absenderreputation der Domain und damit die Zustellbarkeit aller E-Mails, die danach aus derselben Absenderadresse gesendet werden.

So richtest du die Warenkorbabbrecher-Automation in ActiveCampaign ein

ActiveCampaign verbindet sich über die Deep Data Integration direkt mit Shopify, WooCommerce, BigCommerce und weiteren Shopsystemen. Diese Verbindung überträgt Warenkorb-, Produkt- und Kaufdaten in Echtzeit und macht sie als Automations-Trigger, Segmentierungsbedingungen und Personalisierungsfelder verfügbar. Was diese Integration im Detail liefert und wie du Echtzeit-Kaufdaten für Segmentierung nutzt, erklärt der Beitrag zur Deep Data Integration von ActiveCampaign für E-Commerce-Shops.

  1. Verbinde deinen Shop unter Einstellungen > Integrationen > E-Commerce mit ActiveCampaign. Nach der Verbindung beginnt ActiveCampaign, Kauf- und Warenkorbereignisse zu empfangen. Warte mindestens 24 Stunden, bevor du die Automation aktivierst, damit ausreichend Ereignisdaten vorhanden sind.
  2. Lege unter Automationen > Neue Automation erstellen eine neue Automation an und wähle als Auslöser das Ereignis "Warenkorb verlassen". ActiveCampaign bietet dafür Rezeptvorlagen an, die du als Ausgangspunkt nutzen und anpassen kannst.
  3. Füge direkt nach dem Trigger eine Bedingung ein, die prüft, ob seit dem Abbruchereignis kein Kauf stattgefunden hat. Ohne diese Bedingung startet die Sequenz auch für Kontakte, die kurz nach dem Abbruch doch noch bestellt haben – und du sendest Erinnerungen an Personen, die bereits Kunden sind.
  4. Setze eine Wartezeit von zwei Stunden vor der ersten E-Mail. Wer die E-Mail zu früh schickt – innerhalb weniger Minuten nach dem Abbruch – wirkt überwachend statt hilfreich, was die Öffnungsrate der ersten E-Mail belastet.
  5. Erstelle die erste E-Mail mit den Personalisierungsfeldern für Vorname, Produktname, Produktbild und direktem Warenkorb-Link. Diese Felder sind über die Deep Data Integration verfügbar, sobald der Shop korrekt verbunden ist und Ereignisdaten übertragen werden.
  6. Baue vor jeder weiteren E-Mail in der Sequenz eine Kaufbedingung ein: Wenn der Kontakt seit dem Abbruch gekauft hat, beendet er die Automation sofort. Diese Prüfung verhindert, dass Kontakte nach dem Kauf weitere Erinnerungen erhalten.
  7. Füge nach der ersten E-Mail eine Wartezeit von 24 bis 48 Stunden ein, dann die zweite E-Mail, dann zwei bis drei Tage Wartezeit, dann die dritte E-Mail – mit Kaufbedingung vor jeder. Das Gesamtfenster der Sequenz liegt damit zwischen fünf und sieben Tagen.
  8. Teste die Automation mit einem Testkontakt unter Automationen > Test, bevor du sie aktivierst. ActiveCampaign erlaubt dabei, Wartezeiten zu überspringen, damit du die vollständige Sequenz in wenigen Minuten durchlaufen kannst, ohne Tage zu warten.

Was du bei DSGVO und UWG nicht übersehen darfst

Warenkorbabbrecher-E-Mails bewegen sich rechtlich zwischen zwei Regelwerken: Die DSGVO regelt, wie du Daten erheben und verarbeiten darfst; das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) legt fest, wann du Werbe-E-Mails ohne ausdrückliche Einwilligung versenden darfst. Beide müssen gleichzeitig erfüllt sein – wer nur eines beachtet, riskiert Abmahnungen oder Bußgelder.

Wann ist kein Opt-in für Warenkorbabbrecher-E-Mails nötig?

Das UWG erlaubt in § 7 Abs. 3 E-Mail-Werbung ohne ausdrückliche Einwilligung, wenn vier Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Erstens hat der Händler die E-Mail-Adresse im Rahmen eines Kaufvorgangs erhalten – ein Warenkorbabbruch, bei dem der Kontakt bereits seine Adresse eingegeben hat, fällt darunter. Zweitens bewirbt die E-Mail ähnliche Waren oder Dienstleistungen wie die im Warenkorb. Drittens hat der Empfänger bei der Erhebung der Adresse nicht der E-Mail-Nutzung widersprochen. Viertens enthält jede E-Mail einen deutlichen Hinweis auf die Möglichkeit, der weiteren Nutzung zu widersprechen.

Für die Praxis: Eine Warenkorbabbrecher-E-Mail ist in Deutschland ohne Opt-in zulässig, wenn der Kontakt seine Adresse im Checkout eingegeben hat, das beworbene Produkt dem abgebrochenen Warenkorb entspricht und jede E-Mail einen funktionierenden Abmeldelink enthält.

Diese Maßnahmen gehören trotzdem in dein Setup

Auch wenn kein Opt-in gesetzlich erforderlich ist, reduzieren diese Maßnahmen Beschwerden und Datenschutzprobleme erheblich:

  • Ein kurzer Hinweis im Checkout – zum Beispiel in der Nähe des E-Mail-Feldes – informiert Nutzer darüber, dass sie bei einer Warenkorbeingabe möglicherweise eine Erinnerungs-E-Mail erhalten und schafft Transparenz, bevor die Sequenz überhaupt ausgelöst wird.
  • Die Datenschutzerklärung muss die Verarbeitung von Warenkorb-Daten für E-Mail-Erinnerungen dokumentieren; fehlende Einträge sind ein häufiger Befund bei Datenschutzprüfungen durch Aufsichtsbehörden.
  • Wer über die Warenkorbabbrecher-Sequenz hinaus weitere Werbemails versenden will, braucht eine ausdrückliche Einwilligung – zum Beispiel über einen Opt-in-Checkbox im Checkout, der separat bestätigt werden muss.

Typische Fehler, die den Effekt der Sequenz halbieren

Die häufigsten Probleme entstehen nicht beim technischen Aufbau der Automation, sondern bei Entscheidungen über Timing, Inhalt und Rabatt – oft aus nachvollziehbaren Gründen, die sich aber in der Rückgewinnungsrate niederschlagen.

Wer in der ersten E-Mail Rabatt gibt, trainiert Käufer zum Abbrechen

Ein sofortiger Rabatt in der ersten E-Mail funktioniert kurzfristig, hat aber eine strukturelle Nebenwirkung: Kunden lernen, dass Abbrechen sich lohnt. Wer einmal bemerkt hat, dass nach dem Abbruch ein günstigerer Preis kommt, bricht bewusst öfter ab. Das ist ein Problem, das sich nicht E-Mail für E-Mail messen lässt, aber im Kaufverhalten der Stammkundschaft sichtbar wird. Der Rabatt gehört ans Ende der Sequenz – als letztes Mittel, wenn die Erinnerung allein nicht gewirkt hat.

Zu lange warten kostet die stärksten Rückgewinnungschancen

Wer die erste E-Mail erst nach zwölf oder 24 Stunden schickt, verpasst das Zeitfenster mit der stärksten Kaufabsicht. Nach zwei bis vier Stunden ist der Kontext für den Abbrecher noch frisch: Er erinnert sich ans Produkt, an die Website, an den Grund, warum er es wollte. Je länger du wartest, desto mehr Reibung entsteht – der Empfänger muss sich erst wieder in den Kontext hineinfinden, bevor er überhaupt klickt.

Automation ohne Kaufbedingung läuft nach der Conversion weiter

Fehlende Kaufprüfungen zwischen den E-Mails sind ein klassischer Einrichtungsfehler. Der Kontakt kauft nach der ersten E-Mail – und bekommt zwei Tage später dennoch die zweite mit "Wir vermissen dich". Das wirkt nicht nur inkompetent, sondern führt zu Abmeldungen aus einer Zielgruppe, die gerade zu Käufern geworden ist. Die Bedingung "Hat seit dem Abbruch gekauft – ja – Automation beenden" muss vor jeder weiteren E-Mail in der Sequenz stehen.

Ohne Produktbild und Produktname fehlt der wichtigste Kontext

Eine Warenkorbabbrecher-E-Mail ohne das konkrete Produkt ist kaum besser als generische Werbung. Viele Abbrecher erinnern sich einige Stunden später nicht mehr genau, was sie in den Warenkorb gelegt hatten; ein Bild schafft sofort den Kontext, ohne dass der Empfänger aktiv nachdenken muss. Wer die Deep Data Integration nicht korrekt eingerichtet hat, kann diese Felder nicht befüllen. Das ist ein technisches Problem, das vor dem Start der Automation gelöst sein muss – nicht nachträglich, wenn die ersten E-Mails bereits ohne Produktdaten versendet wurden.

Nur die Gesamtperformance zu tracken verhindert sinnvolle Optimierung

Wer ausschließlich misst, wie viele Abbrecher am Ende der Sequenz gekauft haben, sieht nicht, wo die Sequenz an Wirkung verliert. Wenn die erste E-Mail viele Öffnungen erzeugt, aber kaum Klicks, liegt das Problem im Inhalt oder beim CTA. Wenn die dritte E-Mail hohe Abmeldezahlen verursacht, sind Ton oder Häufigkeit das Problem. ActiveCampaign zeigt die Performance pro E-Mail in der Automationsübersicht; diesen Blick gezielt zu nutzen, ist der Ausgangspunkt jeder Verbesserung.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich der Aufwand für eine Warenkorbabbrecher-Sequenz?

Sobald du regelmäßig Besucher hast, die E-Mail-Adressen im Checkout eingeben, und der durchschnittliche Warenkorbwert über zwanzig Euro liegt, rechnet sich die Einmalinvestition in die Automation. Die Sequenz läuft danach vollständig automatisch; der Aufwand fällt einmalig beim Einrichten an und gelegentlich beim Optimieren. Shops mit sehr niedrigem Bestellvolumen oder B2B-Kaufprozessen mit langen Entscheidungszyklen sollten die Sequenz auf ihren spezifischen Kontext anpassen – ein dritter E-Mail-Kontakt nach fünf Tagen passt nicht zu jedem Produkt.

Wie viele E-Mails sollte die Sequenz haben?

Drei E-Mails über fünf bis sieben Tage sind für die meisten Shops der richtige Rahmen. Mehr als drei E-Mails erhöhen das Risiko von Abmeldungen und Spam-Markierungen, ohne proportional mehr Conversions zu bringen. Shops mit sehr hochpreisigen Produkten oder langen Kaufentscheidungszyklen – Möbel, B2B-Software, Investitionsgüter – können eine vierte E-Mail testen, die nach ein bis zwei Wochen folgt und den Fokus auf persönliche Beratung legt statt auf weiteren Preisnachlass.

Darf ich Warenkorbabbrecher-E-Mails ohne Einwilligung versenden?

In Deutschland ist das unter den Bedingungen des § 7 Abs. 3 UWG möglich: Die Adresse wurde im Rahmen eines Kaufvorgangs erhoben, das beworbene Produkt entspricht dem abgebrochenen Warenkorb, und jede E-Mail enthält eine Abmeldemöglichkeit. Für E-Mails, die über diesen Zweck hinausgehen – allgemeine Newsletter oder Werbung für andere Produkte –, ist eine ausdrückliche Einwilligung erforderlich. Die Datenschutzerklärung muss die Verarbeitung für diesen Zweck dokumentieren.

Wann sollte ich keinen Rabatt in die Sequenz einbauen?

Ein Rabatt lohnt sich nicht, wenn deine Marge eng ist und die Sequenz ohne Nachlass gut konvertiert – dann gibst du Deckungsbeitrag ab, ohne etwas dafür zu gewinnen. Außerdem solltest du keinen Rabatt anbieten, wenn du stark preiselastische Produkte verkaufst und eine Stammkundschaft hast: Sie könnte systematisch abbrechen, um beim nächsten Kauf den Code zu bekommen. Wer die Entscheidung an Zahlen festmachen will, testet zwei Varianten der dritten E-Mail – mit und ohne Rabatt – und vergleicht Conversion Rate und Deckungsbeitrag über mehrere Wochen.

Welche technischen Voraussetzungen brauche ich für ActiveCampaign?

Du brauchst einen ActiveCampaign-Plan, der die Automationsfunktion und die Deep Data Integration enthält – das sind die Pläne ab Plus. Außerdem muss dein Shopsystem eine der unterstützten Integrationen anbieten: Shopify, WooCommerce, BigCommerce und Magento sind direkt verfügbar; eigenentwickelte Systeme lassen sich über die ActiveCampaign-API anbinden, erfordern aber mehr Einrichtungsaufwand. Die Automation selbst ist in der Regel in wenigen Stunden lauffähig, sobald die Integration Daten überträgt.

Wer Warenkorbabbrecher-E-Mails als Teil eines breiteren Automationsansatzes aufbauen will – von der Willkommenssequenz über Post-Purchase-E-Mails bis zur Rückgewinnung inaktiver Kontakte –, findet in unserem Beitrag zu E-Commerce-Automatisierungen, die direkt Umsatz bringen, die nächsten konkreten Schritte.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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