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SaaS Funnel Audit: So findest du die größten Lecks in deinem Marketing-Funnel

Tom
Tom
12. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

Ein SaaS-Funnel-Audit benennt die Stufe mit dem größten Abbruchverlust, bevor du Zeit und Budget in mehr Traffic investierst. Du berechnest die Conversion-Rate zwischen jeder Stufe, zerlegst sie nach Kanal und Nutzersegment und priorisierst, wo eine Verbesserung die größte wirtschaftliche Wirkung hat. Voraussetzung ist funktionierendes Tracking, das jeden Schritt vom ersten Seitenaufruf bis zur Zahlung aufzeichnet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Berechne die Conversion-Rate jeder einzelnen Funnel-Stufe separat – erst dann siehst du, wo das Leck wirklich liegt, nicht nur wo du Symptome vermuten würdest.
  • Segmentiere deine Daten nach Traffic-Quelle, bevor du Schlüsse ziehst: Ein Abbruchmuster bei Paid-Traffic gilt nicht zwingend für organische Besucher.
  • Die meisten Lecks liegen nicht am Produkt, sondern an fehlender Orientierung: Nutzer wissen nicht, was als nächstes zu tun ist.
  • ActiveCampaign Site Tracking und Event Tracking liefern Verhaltensdaten direkt aus E-Mail- und Onboarding-Strecken, ohne zusätzliche Drittsysteme.
  • Ein Audit endet mit einer Prioritätenliste: Die Stufe mit dem größten absoluten Verlust kommt zuerst, nicht die mit dem geringsten Aufwand.

Woran du erkennst, dass ein Funnel-Leck strukturell ist

Hoher Traffic ohne entsprechende Anmeldezahlen ist das offensichtlichste Signal – aber Funnel-Lecks zeigen sich häufig subtiler. Wenn Trial-Nutzer das Produkt starten und nach wenigen Tagen nicht zurückkommen, wenn Demo-Anfragen nicht zu Gesprächen führen oder wenn Paid-Kunden nach dem ersten Abrechnungszeitraum nicht verlängern, liegt in allen drei Fällen ein Leck vor. Jedes dieser Muster hat jedoch eine andere Ursache und braucht einen anderen Eingriff.

Ein Leck gilt als strukturell, wenn es reproduzierbar ist: wenn es bei verschiedenen Kampagnen, Zeiträumen und Traffic-Quellen ähnlich auftritt. Einmalige Ausreißer – ein fehlerhaftes Formular, ein abgelaufener Gutschein, ein technischer Fehler – sind keine strukturellen Probleme. Der Audit unterscheidet diese beiden Kategorien systematisch, bevor er Maßnahmen empfiehlt. Wer direkt mit Optimierungsmaßnahmen beginnt, ohne diese Unterscheidung zu machen, löst möglicherweise das falsche Problem.

Typische Anzeichen für ein strukturelles Leck:

  • Die Conversion-Rate zwischen zwei bestimmten Stufen liegt konstant unter dem, was du in früheren Vergleichszeiträumen gemessen hast.
  • Bestimmte Nutzersegmente brechen an exakt derselben Stelle ab – etwa Mobile-Besucher beim Anmeldeformular oder Nutzer aus einer bestimmten Kampagne nach der ersten Onboarding-E-Mail.
  • Support-Tickets häufen sich um dieselben Fragen, was auf einen fehlenden Erklärungsschritt in der Nutzerkommunikation hinweist.
  • Abmeldungen aus einer E-Mail-Sequenz steigen nach einer bestimmten Nachricht sprunghaft an – ein direktes Signal, dass diese E-Mail etwas Falsches auslöst.

Welche Funnel-Ebenen du systematisch prüfst

Ein SaaS-Funnel hat meistens mehr Stufen als die übliche AIDA-Darstellung vermuten lässt. Für den Audit ist es sinnvoll, jede Übergabe zwischen zwei Zuständen als eigene Stufe zu definieren. Nur so siehst du, wo der Verlust tatsächlich stattfindet – und nicht nur, wo du ihn vermutest.

Von Traffic zur Anmeldung

Auf dieser Stufe prüfst du, wie viele Besucher eine Seite verlassen, ohne irgendeine Aktion auszulösen. Relevante Metriken sind die Absprungrate je Landingpage, die Scrolltiefe und – wenn du Sessiondaten hast – an welchem Punkt Nutzer aufhören, mit der Seite zu interagieren. Die häufigste Ursache für ein Leck auf dieser Stufe: Das Versprechen in der Überschrift passt nicht zum Suchergebnis oder zur Anzeige, die den Besucher gebracht hat. Jemand landet mit falschen Erwartungen auf der Seite und verlässt sie sofort.

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Seiten mit ähnlichem Traffic, aber deutlich unterschiedlichen Anmeldequoten. Wenn eine Seite dreimal mehr Anmeldungen generiert als eine vergleichbare Seite bei gleichem Besuchervolumen, lohnt die qualitative Analyse: Was erklärt die erste Seite deutlicher? Was macht das Anmeldeformular zugänglicher? Wo liegt das Versprechen näher am tatsächlichen Nutzen?

Von der Anmeldung zum ersten aktiven Tag

Diese Stufe wird von SaaS-Unternehmen unterschätzt. Wer sich anmeldet, hat Absicht gezeigt – wer nach dem ersten Login nicht zurückkommt, hat beim ersten Kontakt mit dem Produkt keinen Grund gefunden, weiterzumachen. Der Audit schaut hier auf zwei Dinge: den Onboarding-Pfad und die Time-to-Value.

Time-to-Value ist die Zeit, die ein neuer Nutzer braucht, um zum ersten Mal den konkreten Nutzen des Produkts zu erleben – den sogenannten Aha-Moment. Je länger dieser Weg dauert, desto mehr Nutzer verlierst du davor. Wenn der Aha-Moment erst nach dem vierten Login erreichbar ist und das Onboarding diesen Weg nicht aktiv verkürzt, werden viele Nutzer die Plattform nach dem ersten Besuch nicht mehr öffnen. Ein Beitrag zu SaaS-Onboarding und Trial-Aktivierung geht auf diesen Schritt ausführlich ein.

Von Free Trial zum zahlenden Kunden

Die Trial-to-Paid-Conversion ist die wirtschaftlich entscheidende Stufe. Hier hilft eine Segmentierung nach Aktivierungsgrad: Nutzer, die mindestens eine Kernfunktion des Produkts tatsächlich genutzt haben, konvertieren deutlich häufiger als solche, die sich nur angemeldet haben. Wenn du diesen Unterschied in deinen Daten klar siehst, weißt du, dass das Onboarding das primäre Problem ist – nicht das Pricing oder das Produkt.

Auf dieser Stufe zeigt sich außerdem die Qualität des Lead-Nurturings. Eine Nurturing-Sequenz, die auf den tatsächlichen Fortschritt des Nutzers eingeht – statt zeitgesteuert dieselben Inhalte an alle zu senden –, verringert die Abbruchquote ohne Produktänderung. Eine nach Aktivierungsgrad segmentierte Nurturing-Strecke lässt sich in ActiveCampaign mit Event-basierten Triggers und bedingten Verzweigungen umsetzen.

So berechnest du die Abbruchquote je Stufe – Schritt für Schritt

Bevor du Hypothesen aufstellst, brauchst du eine saubere Zahlenbasis. Das folgende Vorgehen gibt dir in einem halben Tag einen klaren Überblick über alle Funnel-Stufen, ohne dass du dafür teure Analytics-Tools oder externe Berater brauchst.

  1. Funnel-Stufen konkret definieren: Schreib alle Übergaben auf, die ein Nutzer durchläuft – von der ersten Seitenansicht bis zur ersten Zahlung. Typisch für SaaS: Websitebesuch → Anmeldung → erstes Login → Kernfunktion genutzt → Upgrade-Seite aufgerufen → Zahlung abgeschlossen. Je nach Produkt kommen Zwischenstufen hinzu (Team eingeladen, Integration eingerichtet, Demo gebucht).
  2. Absolutes Volumen je Stufe erfassen: Trag für jede Stufe die absolute Zahl der Nutzer oder Ereignisse ein, die sie erreicht haben. Nutze dafür GA4, ActiveCampaign-Reports und dein CRM-System. Wichtig: gleicher Auswertungszeitraum, gleiche Datenbasis. Unterschiedliche Zeiträume oder Systeme mit leicht abweichender Zählweise erzeugen Scheinabweichungen.
  3. Conversion-Rate je Stufe berechnen: Teile das Volumen der nachgelagerten Stufe durch das Volumen der vorgelagerten. Das Ergebnis ist die Conversion-Rate dieser konkreten Übergabe. Berechne das für jede Stufe separat – die Gesamtconversion von Besuch zu Zahlung verbirgt, wo das Leck liegt.
  4. Absoluten Verlust berechnen: Ziehe das Volumen der nachgelagerten Stufe vom Volumen der vorgelagerten ab. Das ist die absolute Zahl der Nutzer, die du an dieser Stelle verlierst. Der absolute Verlust ist häufig aussagekräftiger als die Conversion-Rate allein: Eine hohe Rate bei kleinem Volumen hat weniger Wirkung als eine mittelhohe Rate bei großem Volumen – daher ist der absolute Verlust der entscheidende Vergleichswert.
  5. Nach Kanal segmentieren: Wiederhole die Berechnung getrennt für organischen Traffic, Paid-Traffic, Direktzugriff und Referral. Häufig zeigt sich, dass ein einzelner Kanal die Gesamtrate stark verzerrt und ein isoliertes Problem hat, das in der Aggregation unsichtbar bleibt.
  6. Engpass identifizieren: Die Stufe mit dem größten absoluten Verlust ist dein primärer Engpass. Wenn du zwei Stufen mit ähnlichem absolutem Verlust findest, priorisiere die, die weiter oben im Funnel liegt – dort löst jede Verbesserung einen Ketteneffekt aus, der sich durch alle nachgelagerten Stufen zieht.
  7. Hypothese formulieren: Schreib für den primären Engpass mindestens zwei mögliche Ursachen auf, bevor du mit qualitativer Analyse oder Maßnahmen beginnst. Wer sofort optimiert, sucht meist nur nach Bestätigung für eine vorgefasste Meinung – und übersieht die tatsächliche Ursache.

Die häufigsten Ursachen für Funnel-Lecks

Ein Funnel-Audit zeigt, wo ein Leck ist – nicht automatisch, warum es dort ist. Die Ursache musst du durch eine Kombination aus quantitativer und qualitativer Analyse herausarbeiten. Hier sind die Muster, die sich in der Praxis am häufigsten zeigen.

Fehlende Orientierung im Onboarding

Wenn Nutzer nach der Anmeldung vor einem leeren Dashboard oder einer Übersicht mit zu vielen Einstiegspunkten stehen, ist die häufigste Reaktion nicht Erkundung, sondern Abbruch. Der Audit zeigt dir das als hohe Abbruchrate nach dem ersten Login. Die qualitative Bestätigung bekommst du durch kurze Interviews mit Nutzern, die die Trial-Phase nicht abgeschlossen haben. Die entscheidende Frage in diesen Gesprächen ist nicht „Warum haben Sie nicht gekauft?", sondern „An welchem Moment waren Sie das erste Mal unsicher, was als nächstes zu tun ist?"

Halbfertige Onboarding-Strecken – ein Willkommens-E-Mail, das auf das Dashboard verweist, aber nicht erklärt, was dort zuerst getan werden sollte – sehen wir fast überall, wo die Trial-to-Paid-Conversion niedrig ist. Der Aha-Moment muss aktiv herbeigeführt werden, nicht nur ermöglicht.

Missmatch zwischen Traffic-Quelle und Landingpage-Versprechen

Paid-Traffic, der auf eine generische Startseite geleitet wird, bricht früher ab als organischer Traffic auf themenspezifische Inhaltsseiten. Das liegt daran, dass jemand, der auf eine Anzeige geklickt hat, ein konkretes Versprechen erwartet – und dieses Versprechen genau auf der Landingpage einlösen muss, auf der er landet. Wenn dein Audit zeigt, dass eine bestimmte Kanal-Stufen-Kombination besonders schlechte Conversion-Raten hat, ist der erste Schritt nicht das Überarbeiten der Seite, sondern das Überprüfen, ob Targeting und Seiteninhalt überhaupt zusammenpassen.

Zu frühe Kaufaufforderung vor dem ersten Produkterlebnis

Wer Leads direkt nach der Anmeldung mit Upgrade-Angeboten konfrontiert, bevor sie den Produktwert erlebt haben, erzeugt Ablehnung. Das Upgrade-Angebot zum falschen Zeitpunkt ist eine häufige Ursache für hohe Abmeldequoten aus Welcome-Sequenzen. In ActiveCampaign siehst du das als deutlichen Anstieg der Abmelderate nach einer bestimmten Automation-E-Mail – ein klares Signal, dass diese Nachricht den Erwartungen der Nutzer widerspricht.

Die Konsequenz: Upgrade-Kommunikation gehört in den Funnel, nachdem der Nutzer den Aha-Moment erlebt hat. Wer noch keine Kernfunktion genutzt hat, braucht zunächst Hilfe dabei, nicht eine Kaufaufforderung.

Formularreibung als unterschätztes Leck

Jedes nicht notwendige Pflichtfeld in einem Anmeldeformular erhöht die Abbruchquote. Das gilt besonders für Felder, die für den initialen Wert für den Nutzer irrelevant sind – Firmengröße, Telefonnummer, Unternehmenswebsite, Anzahl der Mitarbeiter. Alle diese Angaben kannst du später in ActiveCampaign über Progressive Profiling oder manuelle Ergänzung nacherfassen, wenn der Nutzer bereits Vertrauen aufgebaut hat.

Wenn der Audit auf dieser Stufe ein Leck zeigt, ist ein A/B-Test mit reduzierter Feldanzahl eine der schnellsten und günstigsten Maßnahmen, die du testen kannst. Auch Mobile gesondert prüfen: Auf kleinen Displays bricht die Formular-Usability oft früher ein als auf Desktop.

Fehlende Segmentierung im Lead-Nurturing

Eine einheitliche E-Mail-Sequenz für alle Leads behandelt B2B-Entscheider genauso wie Freelancer, die eine persönliche Produktivitätslösung suchen. Wenn beide dieselben Inhalte bekommen, sind die Inhalte für niemanden optimal relevant. Der Audit zeigt dieses Leck als niedrige Klickraten kombiniert mit hohen Abmelderaten innerhalb der Nurturing-Sequenz – besonders wenn diese Raten nach den ersten zwei bis drei E-Mails plötzlich ansteigen.

Die Lösung ist keine vollständig individuelle Kommunikation für jeden Kontakt, sondern sinnvolle Segmentierung nach wenigen zentralen Merkmalen: Unternehmenstyp, Nutzungsverhalten im Produkt, Quelle der Anmeldung. Schon zwei bis drei Segmente mit leicht unterschiedlichen Inhalten und Timings können die Relevanz messbar verbessern.

Typische Fehler beim Funnel-Audit

Wer einen Funnel-Audit zum ersten Mal strukturiert durchführt, macht erfahrungsgemäß dieselben Fehler – unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße. Die folgende Liste stammt aus der Praxis.

  • Gesamtconversion statt Stufenconversion messen: Die Gesamtconversion von Besuch zu Zahlung zeigt nicht, wo das Leck ist. Erst die stufenweise Berechnung macht den Engpass sichtbar. Wer nur die Gesamtzahl kennt, optimiert meistens an der letzten Stufe, weil sie am nächsten an der Zahlung liegt – das ist selten der richtige Ansatzpunkt.
  • Erste Hypothese sofort umsetzen: Wer nach der Datenanalyse direkt mit Optimierungen beginnt, ohne qualitativ zu validieren, löst möglicherweise das falsche Problem. Der Schritt zwischen Daten und Maßnahme ist die Hypothesenformulierung und Überprüfung.
  • Nur einen einzigen Zeitraum auswerten: Saisonale Effekte, Kampagnenphasen und Produktupdates verzerren Einzelwerte erheblich. Mindestens drei Monate konsistente Daten und ein Vergleich mit einem Vorjahreszeitraum oder einem anderen Quartal geben ein realistisches Bild.
  • Traffic-Quellen nicht trennen: Ein Kanal mit schlechter Conversion kann einen gut konvertierenden Kanal in der Gesamtbetrachtung überlagern und falsche Alarme erzeugen. Kanaltrennung ist kein optionaler Schritt, sondern Voraussetzung für valide Aussagen.
  • Mobile separat prüfen vergessen: Auf mobilen Geräten brechen Formulare, Ladezeiten und Navigation an anderen Punkten ein als auf Desktop. Ein Audit ohne Gerätesegmentierung übersieht diese Kategorie und empfiehlt unter Umständen Maßnahmen, die das eigentliche Geräteproblem nicht beheben.

Funnel-Lecks mit ActiveCampaign eingrenzen

ActiveCampaign bietet mehrere Funktionen, die gezielt für die Verhaltensanalyse in E-Mail- und Onboarding-Strecken eingesetzt werden können, ohne dass dafür zusätzliche Tracking-Systeme angebunden werden müssen. Der folgende Überblick zeigt, wie die einzelnen Funktionen in den Audit-Prozess integriert werden.

Site Tracking: Seitenbesuche den Kontakten zuordnen

Mit Site Tracking zeichnet ActiveCampaign auf, welche Seiten ein Kontakt besucht und wann. Das erlaubt dir, Kontakte nach konkretem Verhalten zu segmentieren: Wer die Pricing-Seite mehrfach aufgerufen hat, zeigt Kaufabsicht und braucht andere Inhalte als jemand, der nur Blogartikel liest. Im Funnel-Audit hilft Site Tracking dabei, den Moment zu identifizieren, an dem ein Kontakt die Plattform verlässt, ohne zu konvertieren – und ob das regelmäßig nach bestimmten Seiten oder Seitenkombinationen passiert.

Das Setup für Site Tracking in ActiveCampaign – Tracking-Skript einbinden, Events konfigurieren – ist direkt in der Plattform dokumentiert und lässt sich für die meisten SaaS-Produkte in unter einer Stunde einrichten. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du im Beitrag zu Site Tracking in ActiveCampaign.

Event Tracking: Produktnutzung sichtbar machen

Wenn du Events aus deiner SaaS-Applikation an ActiveCampaign sendest – zum Beispiel „Kernfunktion genutzt", „Projekt erstellt", „Team-Mitglied eingeladen" –, kannst du Automationen direkt an den Produktnutzungsstatus des Kontakts knüpfen. Wer nach fünf Tagen die Kernfunktion noch nicht genutzt hat, bekommt eine andere Nachricht als wer sie bereits täglich einsetzt. Das ist qualitativ präzisere Steuerung als rein zeitbasierte Sequenzen, die ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Fortschritt des Nutzers auslösen.

Events werden über die ActiveCampaign-API gesendet: Kontakte → API-Zugang → Event Tracking. Jedes Event wird einem Kontakt zugeordnet, sofern die E-Mail-Adresse bekannt ist. Im Funnel-Audit zeigen dir die Events, an welchem Produktschritt Nutzer aufhören – das ist präziser als ein reiner Login-Zeitstempel.

Lead Scoring: Abbruchmuster erkennen

Ein Score-Modell, das positive Aktionen (Seite besucht, E-Mail geöffnet, Feature genutzt, Antwort auf eine E-Mail) und negative Signale (Inaktivität über mehrere Tage, Abmeldung aus einer Sequenz) gleichzeitig erfasst, macht Abbruchmuster sichtbar. Du erkennst, bei welchem Score-Schwellenwert Kontakte stagnieren oder abbrechen – und welche Aktionen typischerweise kurz davor stattgefunden haben.

Das gibt dir ein indirektes Bild davon, welcher Funnel-Schritt den Unterschied zwischen Conversion und Abbruch macht. Lead Scoring richtest du in ActiveCampaign unter Kontakte → Lead Score ein; Regeln für Score-Erhöhungen und Score-Abzüge werden dort einzeln konfiguriert und können direkt als Automation-Trigger verwendet werden.

Automations-Berichte und Kontakt-Verläufe auswerten

Jede aktive Automation in ActiveCampaign zeigt in der Berichtsansicht, wie viele Kontakte sich an welcher Stelle befinden und wie viele die Automation abgeschlossen haben. Wenn eine auffällig große Zahl von Kontakten an einer bestimmten Wartebedingung oder Verzweigung steckt, ist das ein direktes Signal: Entweder wird eine Bedingung selten erfüllt, weil Nutzer nie die erwartete Aktion ausführen, oder eine Bedingung ist falsch konfiguriert. Beides ist ein Funnel-Leck in der Automation, das sich ohne Audit-Blick leicht übersehen lässt.

Wann ein Funnel-Audit nicht weiterhilft

Ein Audit setzt voraus, dass ausreichend Daten vorhanden sind, um Muster zu erkennen. Bei weniger als 200 bis 300 monatlichen Websitebesuchern sind die Zahlen je Funnel-Stufe zu klein für aussagekräftige Muster. In diesem Fall ist Ursachenforschung durch direkte Nutzergespräche deutlich zielführender als eine quantitative Stufenanalyse.

Außerdem: Ein Funnel-Audit diagnostiziert, an welchen Stellen Nutzer aussteigen – nicht, ob das Produkt grundsätzlich den richtigen Markt anspricht. Wenn Trial-Nutzer das Produkt aktiv nutzen, aber nicht bezahlen wollen, weil der Preis im Verhältnis zum wahrgenommenen Wert nicht stimmt, ist das kein Funnel-Problem, sondern ein Positioning- oder Pricing-Problem. Der Audit zeigt das Symptom – hohe Abbruchrate nach der Preisseite –, nicht die strategische Ursache dahinter.

Ein Funnel-Audit ist auch kein Ersatz für einen A/B-Test. Er formuliert Hypothesen über mögliche Ursachen, aber er testet sie nicht. Nach dem Audit weißt du, wo du einen Test anlegen solltest – den Test und die Auswertung musst du separat planen. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit Audit-Ergebnisse nicht direkt als Begründung für weitreichende Änderungen verwendet werden, die eigentlich noch zu validieren wären.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich einen Funnel-Audit durchführen?

Ein vollständiger Audit mit qualitativer Analyse lohnt sich nach größeren Produktänderungen, nach der Einführung neuer Kampagnen oder wenn eine Kernmetrik sich deutlich verändert, ohne dass du den Grund kennst. Für das laufende Monitoring reicht ein monatlicher Blick auf die Stufenconversions aus. Ein vollständiger Audit braucht mehr Aufwand und ist eher quartalsweise sinnvoll – seltener führt dazu, dass Lecks zu lange unentdeckt bleiben.

Welche Daten brauche ich mindestens für einen aussagekräftigen Audit?

Du brauchst Traffic-Zahlen je Seite und Kanal, Anmeldezahlen, Login-Daten, Aktivierungsereignisse aus dem Produkt und Zahlungsdaten – alles für denselben Zeitraum. ActiveCampaign-Kontaktreports und Automation-Statistiken liefern den E-Mail-Teil. Für den Produktnutzungs-Teil brauchst du entweder Event-Tracking oder exportierte Daten aus deiner Applikation. Der Mindestzeitraum für belastbare Muster liegt bei drei Monaten konsistenter Datenerhebung.

Was ist der Unterschied zwischen Funnel-Audit und Conversion-Rate-Optimierung?

Der Audit ist der Diagnoseschritt: Er identifiziert, wo Verluste entstehen, und formuliert Hypothesen über mögliche Ursachen. Conversion-Rate-Optimierung ist der Behandlungsschritt: Sie testet und implementiert Maßnahmen auf Basis dieser Hypothesen. Wer mit CRO beginnt, ohne vorher einen strukturierten Audit durchgeführt zu haben, optimiert häufig an der falschen Stelle – weil die sichtbarste Stufe nicht zwingend die mit dem größten Optimierungspotenzial ist.

Kann ich einen Funnel-Audit ohne Heatmap-Tool durchführen?

Ja. Heatmaps sind hilfreich für die Analyse auf Seitenebene, aber für den strukturellen Audit sind Conversion-Daten je Stufe ausreichend. Ein Heatmap-Tool ergänzt die Analyse sinnvoll, wenn du bereits weißt, dass das Leck auf einer bestimmten Seite liegt, und verstehen willst, wo auf dieser Seite Nutzer abbrechen. Als Einstieg in den Audit reichen GA4-Daten und ActiveCampaign-Reports vollständig aus.

Wie gehe ich vor, wenn mehrere Funnel-Stufen gleichzeitig schlecht performen?

Berechne den absoluten Verlust je Stufe und fange mit der an, die den größten absoluten Verlust zeigt. Wenn du mehrere Stufen gleichzeitig optimierst, kannst du nach dem Test nicht mehr zuordnen, welche Maßnahme welchen Effekt hatte. Serielles Vorgehen – eine Stufe nach der anderen – liefert klarere Lernergebnisse, auch wenn es länger dauert. Bei sehr kleinen absoluten Verlusten je Stufe ist die Gesamtzahl der Besucher möglicherweise noch zu gering für einen strukturellen Audit.

Wer nach dem Audit die E-Mail- und Onboarding-Strecke konkret optimieren will und dabei Unterstützung sucht, findet im Rahmen unserer ActiveCampaign-Betreuung einen direkten Anknüpfungspunkt. Der Audit bestimmt die Richtung – die Umsetzung beginnt mit der Stufe, die den größten Verlust verursacht.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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