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Die meisten Unternehmen machen beim Recruiting einen fundamentalen Fehler: Sie stellen für Skills ein, nicht für Wachstum. Das Ergebnis? Teams, die nach einem Jahr immer noch die gleichen Probleme haben wie am ersten Tag.

Wir haben in den letzten anderthalb Jahren über 170 ActiveCampaign-Projekte begleitet. Dabei haben wir gesehen: Die erfolgreichsten Marketing-Teams sind nicht die mit den besten Zeugnissen, sondern die mit der stärksten Lernbereitschaft.

Hier zeige ich dir, wie du beim Recruiting auf die richtigen Faktoren setzt – und warum das gerade im schnelllebigen Marketing-Bereich entscheidend ist.

1) Das Problem mit Skill-basiertem Recruiting

Der klassische Ansatz: Du suchst einen Performance Marketing Manager mit 3 Jahren Erfahrung in Google Ads und Facebook Ads. Im Interview fragst du nach spezifischen Kampagnen-Kennzahlen und Tool-Erfahrung.

Das funktioniert nicht mehr. Warum?

  • Marketing-Tools ändern sich ständig: Was heute bei Facebook Ads funktioniert, ist nächste Woche obsolet
  • Plattformen entwickeln sich weiter: iOS 14.5, GA4, Cookieless Tracking – die Spielregeln ändern sich permanent
  • Skills werden schnell irrelevant: Wer heute perfekt mit Universal Analytics umgehen kann, steht morgen vor GA4
  • Kreativität schlägt Technik: Die besten Marketer finden unkonventionelle Lösungen, die kein Tutorial lehrt

Das ist der Unterschied zwischen einem Experten und einem Growth-Mindset-Mitarbeiter: Der Experte kann heute alles perfekt. Der Growth-Mindset-Mitarbeiter kann sich morgen alles neu beibringen.

2) Was Growth Mindset wirklich bedeutet

Growth Mindset ist nicht nur ein Buzzword. Es ist eine messbare Eigenschaft, die du im Bewerbungsprozess erkennen kannst.

Growth Mindset bedeutet konkret:

  • Fehler als Lernchance sehen, nicht als persönliches Versagen
  • Aktiv nach Feedback suchen und es konstruktiv umsetzen
  • Sich in neue Tools und Methoden einarbeiten, ohne dass jemand dazu auffordert
  • Hypothesen aufstellen und systematisch testen
  • Bei Rückschlägen nach Ursachen suchen statt aufzugeben

In der Praxis sieht das so aus: Ein Growth-Mindset-Marketer testet eine neue ActiveCampaign-Automation, sie funktioniert nicht wie erwartet. Statt zu sagen "Das Tool taugt nichts", analysiert er die Daten, passt die Trigger-Bedingungen an und testet erneut.

Der Unterschied in der Marketing-Praxis

Wir haben das in unseren Projekten immer wieder beobachtet:

Skill-basierte Mitarbeiter: Können perfekt mit bestimmten Tools umgehen, aber strugglen bei neuen Herausforderungen. Wenn ActiveCampaign ein neues Feature launcht, warten sie auf Schulungen.

Growth-Mindset-Mitarbeiter: Experimentieren sofort mit neuen Features, testen verschiedene Ansätze und entwickeln eigene Workflows. Sie machen ActiveCampaign zu ihrem Werkzeug, nicht umgekehrt.

3) Die richtigen Fragen im Bewerbungsgespräch

Vergiss Standard-Fragen wie "Welche Tools kennen Sie?" oder "Wie lange arbeiten Sie schon mit Google Ads?". Diese Fragen verraten dir nichts über das Mindset.

Stelle stattdessen diese Fragen:

Frage 1: "Erzählen Sie von einem Marketing-Experiment, das komplett schiefgegangen ist"

Worauf du achtest:

  • Gibt der Kandidat ehrlich Fehler zu?
  • Analysiert er, was schiefgelaufen ist?
  • Hat er aus dem Fehler gelernt und etwas verändert?
  • Oder schiebt er die Schuld auf externe Faktoren?

Growth-Mindset-Antwort: "Ich habe eine E-Mail-Kampagne mit 30% Rabatt an alle Kontakte geschickt. Die Öffnungsrate war zwar gut, aber die Conversion miserabel. Ich hab dann analysiert und gemerkt: Die Segmentierung war schlecht. Seitdem segmentiere ich immer nach Kaufhistorie und Engagement-Level."

Frage 2: "Wie würden Sie sich in ein völlig neues Marketing-Tool einarbeiten?"

Growth-Mindset-Indikatoren:

  • Strukturiertes Vorgehen (erst Basics verstehen, dann experimentieren)
  • Verschiedene Lernquellen nutzen (Dokumentation, Community, Tests)
  • Kleine Experimente starten statt alles auf einmal wollen
  • Erfolgsmessung definieren

Frage 3: "Was war Ihr letztes großes Learning im Marketing?"

Diese Frage zeigt dir, ob der Kandidat sich aktiv weiterentwickelt. Growth-Mindset-Menschen können immer ein konkretes, aktuelles Learning nennen – und erklären, wie sie es umgesetzt haben.

4) Praktische Recruiting-Tests für Marketing-Positionen

Statt nach Zertifikaten zu fragen, gib praktische Aufgaben. Hier sind bewährte Tests aus unserer Agentur-Praxis:

Test 1: Die Kampagnen-Analyse

Aufgabe: "Hier sind die Daten einer E-Mail-Kampagne. Was würden Sie als nächstes testen?"

Gegeben:

  • Öffnungsrate: 22% (Branchenschnitt: 25%)
  • Klickrate: 2,1% (Branchenschnitt: 2,8%)
  • Conversion-Rate: 8% (Branchenschnitt: 3%)

Growth-Mindset-Antwort: Der Kandidat erkennt, dass die Conversion-Rate überdurchschnittlich ist, aber Öffnungs- und Klickrate Potenzial haben. Er schlägt vor, zuerst Betreffzeilen zu testen, dann CTAs zu optimieren.

Fixed-Mindset-Antwort: "Die Zahlen sind schlecht, wir brauchen eine neue Strategie" oder "Das liegt bestimmt an der Zielgruppe".

Test 2: Das Tool-Experiment

Aufgabe: "Sie sollen eine neue Automation in ActiveCampaign aufbauen. Sie kennen das Tool noch nicht. Wie gehen Sie vor?"

Bewertungskriterien:

  • Strukturierte Herangehensweise
  • Bereitschaft zum Experimentieren
  • Fragen stellen statt alles zu wissen vorgeben
  • Messbare Ziele definieren

5) Onboarding für Growth Mindset

Du hast die richtige Person gefunden? Jetzt kommt der wichtige Teil: Das Onboarding so gestalten, dass Growth Mindset gefördert wird.

Die ersten 30 Tage: Experimentier-Kultur schaffen

Woche 1-2: Verstehen vor Handeln

  • Lass den neuen Mitarbeiter erst das Unternehmen und die Zielgruppe verstehen
  • Zeig ihm bestehende Kampagnen und erkläre die Denkweise dahinter
  • Gib Zugang zu Analytics und ActiveCampaign, aber ohne Druck zu handeln

Woche 3-4: Erste kleine Experimente

  • Lass ihn eine E-Mail-Betreffzeile testen
  • Oder einen neuen Automation-Trigger ausprobieren
  • Wichtig: Kleine Tests, schnelle Learnings, keine großen Risiken

Das verändert alles: Neue Mitarbeiter lernen von Anfang an, dass Testen und Lernen wichtiger ist als perfekte Ergebnisse.

Feedback-Kultur etablieren

Growth Mindset braucht eine Umgebung, in der Feedback normal ist:

  • Wöchentliche Learning-Calls: Was hat funktioniert? Was nicht? Was testen wir als nächstes?
  • Failure-Sharing: Team-Meetings, wo über gescheiterte Tests gesprochen wird
  • Experiment-Dokumentation: Alle Tests werden strukturiert festgehalten
  • Cross-Training: Jeder lernt von den Experimenten der anderen

6) Growth Mindset in ActiveCampaign-Teams fördern

Marketing-Automation ist das perfekte Umfeld für Growth Mindset. ActiveCampaign bietet unendliche Möglichkeiten zum Experimentieren:

Experimentier-Framework für Marketing-Teams

Schritt 1: Hypothese aufstellen

  • "Wenn wir Lead Scoring einführen, dann steigt die Conversion-Rate, weil Sales bessere Leads bekommt"
  • "Wenn wir Site Tracking nutzen, dann können wir personalisierte E-Mails senden"

Schritt 2: Test definieren

  • Was testen wir genau?
  • Wie messen wir Erfolg?
  • Wie lange läuft der Test?
  • Was ist unser Erfolgs-Kriterium?

Schritt 3: Umsetzen und messen

  • ActiveCampaign-Automation aufbauen
  • Goals und Events tracking
  • Regelmäßige Datenauswertung

Schritt 4: Learnings dokumentieren

  • Was haben wir gelernt?
  • Was war überraschend?
  • Was testen wir als nächstes?

7) Die größten Recruiting-Fehler vermeiden

Aus unserer Erfahrung mit über 170 Projekten: Diese Fehler machen fast alle Unternehmen beim Marketing-Recruiting.

Fehler 1: Zu spezifische Tool-Anforderungen

Falsch: "3 Jahre Erfahrung mit ActiveCampaign erforderlich"

Besser: "Erfahrung mit Marketing-Automation-Tools, bereit sich in ActiveCampaign einzuarbeiten"

Warum? Ein guter Marketer lernt jedes Tool schnell. Ein ActiveCampaign-Experte ohne Growth Mindset bleibt bei seinen bisherigen Workflows.

Fehler 2: Perfektion im Interview erwarten

Kandidaten, die auf jede Frage die "perfekte" Antwort haben, sind oft die schlechteren Mitarbeiter. Growth Mindset bedeutet auch zu sagen: "Das weiß ich nicht, aber so würde ich es herausfinden."

Fehler 3: Nur auf Erfolgsgeschichten hören

Jeder kann dir erzählen, was gut gelaufen ist. Die interessanten Insights kommen aus Fehlern und gescheiterten Experimenten. Frag nach beidem.

8) Langfristige Entwicklung: Vom Junior zum Growth Leader

Growth Mindset ist nicht nur beim Einstieg wichtig. Es entscheidet über die langfristige Entwicklung deiner Marketing-Mitarbeiter.

Career-Path für Growth-Mindset-Marketer

Junior Marketing Manager (Monate 1-12):

  • Lernt Tool-Basics und führt erste Tests durch
  • Experimentiert mit verschiedenen Automation-Triggern
  • Dokumentiert Learnings strukturiert

Marketing Manager (Jahr 1-3):

  • Entwickelt eigene Test-Hypothesen
  • Führt komplexere Automation-Projekte durch
  • Beginnt andere zu mentorieren

Senior Marketing Manager/Lead (Jahr 3+):

  • Designt Experimentier-Frameworks für das Team
  • Identifiziert neue Growth-Opportunities
  • Baut Experimentier-Kultur im Unternehmen auf

9) Praxistipps für dein nächstes Marketing-Recruiting

Hier ist deine konkrete Checkliste für Growth-Mindset-Recruiting:

Stellenanzeige schreiben

  • Vermeide: Lange Listen von Tool-Anforderungen
  • Schreibe stattdessen: "Du experimentierst gerne und lernst schnell neue Tools"
  • Betone: Lernbereitschaft, Experimentierfreude, analytisches Denken
  • Erwähne: Dass Fehler und gescheiterte Tests zum Lernprozess gehören

Interview-Leitfaden

60% der Zeit für Mindset-Fragen verwenden:

  • Konkrete Beispiele für Experimente und Learnings
  • Umgang mit Fehlern und Rückschlägen
  • Selbstständige Weiterentwicklung
  • Analytisches Vorgehen bei Problemen

40% der Zeit für fachliche Kompetenz:

  • Grundverständnis für Marketing-Konzepte
  • Analytisches Denken anhand konkreter Cases
  • Kommunikationsfähigkeit

Probeaufgabe gestalten

Gib eine echte Herausforderung aus deinem Unternehmen:

  • Stelle Daten zur Verfügung, aber keine Lösung
  • Lass den Kandidaten Hypothesen entwickeln
  • Frag nach dem Vorgehen, nicht nur nach Ergebnissen
  • Bonus: Lass ihn erklären, was er als nächstes testen würde

Fazit: Recruiting für die Zukunft des Marketings

Marketing wird immer schnelllebiger. Neue Tools, Plattformen und Strategien entstehen permanent. Teams, die nur auf bestehende Skills setzen, werden schnell abgehängt.

Die erfolgreichsten Marketing-Teams, die wir begleiten, haben eine Gemeinsamkeit: Sie bestehen aus Menschen mit Growth Mindset. Menschen, die neugierig sind, gerne experimentieren und aus Fehlern lernen.

Das bedeutet für dein Recruiting:

  • Weniger Fokus auf aktuelle Tool-Kenntnisse
  • Mehr Fokus auf Lernbereitschaft und Experimentierfreude
  • Praktische Tests statt theoretische Fragen
  • Onboarding, das Growth Mindset fördert

Wenn du das nächste Mal einen Marketing-Mitarbeiter suchst, frag nicht: "Was kannst du?" Frag stattdessen: "Wie lernst du?"

Das macht den Unterschied zwischen einem Team, das heute funktioniert, und einem Team, das auch morgen noch wächst.

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