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Online-Shopping-Ängste abbauen: So gewinnst du unsichere Kunden für deinen Onlineshop

Tom
Tom
12. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

Kaufzögernde Online-Kunden zu gewinnen gelingt am besten, wenn du deren konkrete Hemmnisse kennst und sie gezielt adressierst – statt mit generischen Angebotsmails. Mit ActiveCampaign baust du Sequenzen auf, die Sicherheitsbedenken, Qualitätszweifel und Serviceunsicherheit Schritt für Schritt ausräumen, bevor jemand den Warenkorb verlässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaufhemmnisse im DACH-Onlinehandel hängen meistens an vier Feldern: Sicherheit, Produktqualität, Rückgabe und Kundenservice – nicht am Preis allein.
  • Eine mehrstufige Vertrauenssequenz räumt diese Felder systematisch ab, bevor der erste Kauf stattfindet.
  • Behavioral Tagging in ActiveCampaign erlaubt es, genau das Hemmnisfeld zu bespielen, das ein Kontakt durch sein Verhalten signalisiert.
  • Lead Scoring trennt aktive Zögerer von passiven Nicht-Käufern und bestimmt, wann ein Kaufanreiz sinnvoll ist.
  • Transparenz über Datenschutz, Zahlungsmethoden und Rückgabe funktioniert als Kaufargument – wenn sie konkret formuliert ist, nicht als Kleingedrucktes versteckt.

Welche Kaufhemmnisse im DACH-Onlinehandel tatsächlich bremsen

Nicht jeder, der nicht kauft, ist desinteressiert. Viele Besucher schlagen tatsächlich etwas vor – sie zögern nur. Im DACH-Raum spielen dabei historisch gewachsene Präferenzen eine Rolle: ein starkes Rechts- und Datenschutzbewusstsein, eine ausgeprägte Skepsis gegenüber unbekannten Anbietern und eine Gewöhnung an stationäre Beratung bei erklärungsbedürftigen Produkten.

Die vier häufigsten Hemmnisfelder, die in der E-Mail-Automatisierung adressiert werden müssen:

  • Datenschutz und Zahlungssicherheit: Viele Kunden möchten wissen, wo ihre Daten liegen, wer sie verarbeitet und was bei Zahlungsproblemen passiert. SSL-Siegel im Shop reichen nicht – sie müssen erklärt werden.
  • Produktqualität und -darstellung: Besonders bei Kleidung, Möbeln, Elektronik und höherpreisigen Artikeln entsteht Kaufangst durch die Unsicherheit, ob das Produkt wirklich so wirkt wie im Bild. Rückgabeoptionen helfen, aber sie müssen aktiv kommuniziert werden.
  • Kundenservice und Erreichbarkeit: Wer noch nie bei einem Anbieter gekauft hat, fragt sich, was passiert, wenn etwas schief geht. Ein anonymer Support-Button reicht nicht – der Anbieter muss sich als erreichbare Person zeigen.
  • Versteckte Kosten und unklarer Checkout: Versandkosten, Bearbeitungsgebühren oder komplizierte Zahlungsabläufe, die erst im letzten Schritt sichtbar werden, brechen Kaufentscheidungen oft im letzten Moment. Vorausgegangene E-Mail-Kommunikation kann das abfedern, indem sie den Ablauf erklärt, bevor der Kontakt den Checkout erreicht.

Ein fünftes Feld betrifft speziell unbekannte Anbieter: fehlende soziale Beweise. Wer bei großen Marktplätzen kauft, hat Tausende Bewertungen zur Verfügung. Beim ersten Kauf in einem unbekannten Shop fehlt diese Referenz – und genau hier hat E-Mail-Marketing seinen größten Hebel, weil du die Bewertungen und Vertrauenssignale direkt ins Postfach liefern kannst.

Wie eine Vertrauens-E-Mail-Sequenz aufgebaut ist

Eine Vertrauenssequenz unterscheidet sich von einer klassischen Willkommens-Sequence dadurch, dass sie nicht primär Produkte vorstellt, sondern Bedenken abbaut. Sie läuft parallel zur Produktkommunikation und spricht systematisch die oben genannten Hemmnisfelder an – jede E-Mail übernimmt dabei eine klare Aufgabe.

Die Phasen einer Vertrauenssequenz

Eine bewährte Struktur umfasst sechs bis acht E-Mails über zwei bis drei Wochen. Die Reihenfolge folgt der psychologischen Abfolge: zuerst die stärksten Hemmnisse aus dem Weg räumen, dann die differenzierenden Vorteile herausarbeiten, am Ende den konkreten Kaufanreiz setzen.

Phase 1 – Persönlichkeit zeigen (Tag 0–1): Die erste E-Mail stellt den Menschen hinter dem Shop vor. Kein Produktkatalog, kein Rabattcode. Name, Gesicht, Gründungsgeschichte, warum dieser Shop existiert. Diese E-Mail hat die höchste Öffnungsrate der gesamten Sequenz – und legt die Basis dafür, ob der Kontakt weitere E-Mails überhaupt öffnet.

Phase 2 – Sicherheit konkret erklären (Tag 2–3): Datenschutz, Zahlungsabwicklung, Zertifizierungen – nicht als technische Liste, sondern in der Sprache eines Kundengesprächs. „Deine Kreditkartendaten sehen wir nie – die Abwicklung läuft direkt über unseren Zahlungsdienstleister, der DSGVO-konform in Deutschland betrieben wird." So klingt eine E-Mail, die Vertrauen aufbaut. Eine Aufzählung von Gütesiegeln tut es nicht.

Phase 3 – Qualität greifbar machen (Tag 4–5): Fotos aus der Produktion, Erklärungen von Materialien, Hinweise auf Qualitätsprüfungen. Wenn möglich: Video-Content, der zeigt, wie das Produkt entsteht. Diese E-Mail spricht die Zielgruppe an, die hauptsächlich an Produktqualität zweifelt.

Phase 4 – Rückgabe als Kaufargument (Tag 6–7): Die meisten Shops kommunizieren ihr Rückgaberecht als Pflichtpunkt im Footer. Wer es aktiv in eine eigene E-Mail packt – „Du kannst 30 Tage lang testen. Kein Aufwand, keine Gebühr, kein Erklärungsbedarf" – macht es zum Verkaufsargument. Diese E-Mail senkt die wahrgenommene Kaufhürde deutlich, weil sie das Risiko des Erstversuchs explizit nimmt.

Phase 5 – Kundenservice erlebbar machen (Tag 8–9): Wer antwortet, wenn ich schreibe? Wie schnell? Durch welchen Kanal? Diese E-Mail beantwortet genau das. Wenn ein Teammitglied vorgestellt wird – mit Name, Foto und direkter Kontaktmöglichkeit – entsteht der Eindruck, dass hinter dem Shop echte Menschen stehen, nicht nur ein Ticket-System.

Phase 6 – Bewertungen mit Kontext (Tag 10–12): Nicht nur Sternebewertungen, sondern Zitate, die konkrete Erfahrungen beschreiben. Entscheidend ist, dass die Bewertungen real und auf überprüfbaren Plattformen nachlesbar sind – also mit Link zu Google Reviews, Trusted Shops oder ähnlichen Diensten. Die Verifikation macht den Unterschied zu Marketingaussagen.

Phase 7 – Kaufanreiz (Tag 14): Erst jetzt, nach sechs E-Mails mit Vertrauensaufbau, kommt ein konkreter Anreiz – ein Zeitangebot oder ein Einstiegsprodukt mit niedrigem Preis. Wer vorher die Hürden nicht abbaut, verschenkt hier Konversionen, weil der Kontakt bei einem unbekannten Anbieter ohnehin nicht kauft, egal wie attraktiv das Angebot ist.

So richtest du die Sequenz in ActiveCampaign ein

Die folgende Anleitung beschreibt die grundlegende Automation für neue Newsletter-Abonnenten ohne vorherigen Kauf. Das Ziel: Die Sequenz läuft nur für Erstkontakte und endet automatisch, sobald ein Kauf stattgefunden hat.

  1. Automation anlegen: Automationen → Neue Automation → Benutzerdefiniert → Trigger „Kontakt abonniert eine Liste" → deine Hauptliste auswählen.
  2. Bedingung für Erstkontakte: Direkt nach dem Trigger eine Bedingung einfügen: „Kontakt hat Tag X nicht" (X = dein Käufer-Tag, z.B. „Käufer"). So läuft die Sequenz nur für Nicht-Käufer.
  3. E-Mails als Aktionen hinzufügen: Aktionen → E-Mail senden → jeweilige E-Mail auswählen. Zwischen den E-Mails je eine Warte-Aktion einsetzen: Aktionen → Warten → „x Tage warten".
  4. Sequenz beim Kauf unterbrechen: An jedem Warteknoten eine Bedingung einfügen: „Kontakt hat Tag ‚Käufer'" → Ja → zur letzten Aktion springen (Ende der Automation). So werden Käufer sofort aus der Sequenz herausgenommen.
  5. Ziel setzen: Ziele → Bedingung: Kontakt hat Tag ‚Käufer' → als Ziel speichern. ActiveCampaign beendet die Automation automatisch, sobald das Ziel erfüllt ist – unabhängig davon, an welcher Stelle der Sequenz der Kontakt gerade steht.
  6. Versandzeitpunkt optimieren: Setze den Versand auf Werktage über Aktionen → Warten → „Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt warten" mit Wochentagsfilter. E-Mails, die montags bis donnerstags ankommen, erzielen in der Regel bessere Öffnungsraten als Sendungen am Freitagnachmittag oder Wochenende.
  7. Testen vor dem Freischalten: Automation auf „Inaktiv" belassen, Testkontakt anlegen, Kontakt zur Liste hinzufügen, Automationsprotokoll prüfen (Kontakt → Automationen → Verlauf). Erst wenn alle Schritte korrekt durchlaufen, Automation auf „Aktiv" stellen.

Ein häufiger Fehler beim Aufbau: Die Warte-Aktion wird direkt nach der E-Mail eingesetzt, aber ohne Wochentagsfilter. Das führt dazu, dass E-Mails zu zufälligen Zeitpunkten ankommen – auch nachts oder am Sonntag. Der Filter kostet keine zusätzliche Zeit im Setup und verbessert die Zustellung spürbar.

So segmentierst du gezielt nach Kaufhemmnis-Signal

Die Vertrauenssequenz deckt alle Hemmnisse grundsätzlich ab. Mit Behavioral Segmentierung kannst du zusätzlich gezielt reagieren: Wer welches Signal gibt, bekommt welchen Vertiefungsinhalt.

Tags nach Verhaltenssignal setzen

In ActiveCampaign vergibst du Tags über Site-Tracking-Automationen. Dafür muss das ActiveCampaign-Tracking-Skript auf deiner Website installiert sein. Dann legst du für jedes relevante Signal eine eigene Automation an:

  • Besuch der FAQ-, Impressum- oder Datenschutzseite: Tag „Hemmnis: Sicherheit" → zusätzliche E-Mail mit konkreten Datenschutz-Erklärungen und Zahlungsinfos.
  • Wiederholter Besuch einer Produktseite ohne Kauf: Tag „Hemmnis: Qualität" → Zusatz-E-Mail mit detaillierten Produktbildern, Herstellungshinweisen oder Testimonials speziell für dieses Produkt.
  • Warenkorbabbruch: Tag „Hemmnis: Kaufabbruch" → eigene Warenkorbabbruch-Sequenz mit direktem Rückgabehinweis und persönlichem Kontaktangebot.
  • Besuch der Kontakt- oder Support-Seite: Tag „Hemmnis: Service" → E-Mail, die explizit das Kundenservice-Team vorstellt und direkte Kontaktmöglichkeiten nennt.

Wichtig: Die Tags sollten nach einer definierten Zeitspanne wieder entfernt werden – zum Beispiel nach 60 Tagen – damit Kontakte nicht dauerhaft in einer Hemmnis-Sequenz laufen, die für ihren aktuellen Status nicht mehr passt. Das erledigst du über eine eigene Cleanup-Automation: Trigger „Tag wird hinzugefügt" → Warten → 60 Tage → Tag entfernen.

Separate Mini-Sequenzen für jedes Hemmnis

Für jedes Hemmnis-Tag baust du eine kurze Sequenz aus zwei bis drei E-Mails. Diese Sequenzen sind deutlich kürzer als die Hauptsequenz und laufen parallel. Wer Tag „Hemmnis: Sicherheit" bekommt, erhält innerhalb von fünf Tagen zwei zusätzliche E-Mails zur Datensicherheit – unabhängig davon, an welcher Stelle der Hauptsequenz er sich gerade befindet.

Das klingt nach viel Aufwand, lohnt sich aber: Ein Kontakt, der dreimal die FAQ-Seite besucht, gibt damit ein sehr klares Signal. Eine direkte Reaktion auf dieses Signal ist präziser als jede allgemeine Kampagne und erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass genau das Hemmnis adressiert wird, das den Kauf bisher verhindert hat.

Datenschutz und Zahlungssicherheit im DACH-Raum aktiv kommunizieren

Im deutschsprachigen Raum ist das Datenschutzbewusstsein ausgeprägter als in vielen anderen Märkten. Das ist kein Hindernis – es ist ein Vorteil, wenn du damit richtig umgehst. Wer Datenschutz offensiv kommuniziert, statt ihn im Footer zu verstecken, gewinnt Vertrauen bei genau den Kunden, die in anderen Shops abspringen.

Konkrete Formulierungen, die in E-Mails funktionieren:

  • „Wir speichern deine Zahlungsdaten nicht. Die Abwicklung übernimmt unser Zahlungsdienstleister, der nach PCI DSS zertifiziert ist und Server in Deutschland betreibt."
  • „Deine E-Mail-Adresse geben wir nicht weiter – nicht an Partner, nicht an Werbenetzwerke. Du kannst dich jederzeit mit einem Klick abmelden."
  • „Unsere Server stehen in Frankfurt. Keine Daten außerhalb der EU."

Diese Aussagen müssen stimmen und belegbar sein – sie sollten identisch auf deiner Datenschutzseite zu lesen sein, damit ein skeptischer Leser nachprüfen kann. Die E-Mail verlinkt am besten direkt auf die entsprechende Stelle in der Datenschutzerklärung, nicht nur auf die Hauptseite.

Beim Thema Zahlungsmethoden gilt für DACH: Kauf auf Rechnung und SEPA-Lastschrift sind für viele Kunden vertrauenswürdiger als Kreditkartenzahlung, weil die Zahlung erst nach Erhalt der Ware fällig wird oder die Kunden direktere Kontrolle über das Abbuchungsdatum haben. Wer diese Optionen anbietet, sollte sie in der E-Mail-Kommunikation aktiv erwähnen – und nicht erst beim Checkout sichtbar machen, wenn ein Kontakt längst abgesprungen ist.

Social Proof in E-Mails: Was trägt, was nicht

Bewertungen in E-Mails sind kein Selbstläufer. Wer einfach drei Fünf-Sterne-Wertungen zitiert, erzeugt wenig Wirkung – das ist ein Format, das Leser nach jahrelanger Erfahrung mit Marketingmails gelernt haben zu überfliegen. Bei kaufzögernden Kontakten ist die Skepsis noch ausgeprägter als beim Durchschnittskäufer.

Social Proof trägt, wenn er spezifisch ist und eine nachvollziehbare Situation beschreibt:

  • Bewertungen mit konkretem Kontext: Eine Aussage wie „Als ich das erste Mal hier bestellt habe, war ich unsicher wegen der Lieferzeit. Drei Tage später lag das Paket da – gut verpackt, genau wie beschrieben." überzeugt, weil sie einen konkreten Zweifel aufnimmt und löst. Allgemeine Lobpreisungen ohne Situation tun das nicht.
  • Verifizierbare Quellen: Bewertungen von Google Reviews oder Trusted Shops mit direktem Link zur Originalseite haben deutlich mehr Gewicht als anonym zitierte Stimmen ohne Quellenangabe. Der Link ermöglicht die Überprüfung – und das allein schafft Vertrauen.
  • Bewertungen passend zur Empfängergruppe: Wenn du verschiedene Zielgruppen hast, zeig Bewertungen von Kunden, die zur Empfängergruppe passen. Relevanz erhöht die Wirkung – eine Bewertung von jemandem in einer ähnlichen Lebenssituation überzeugt stärker als eine beliebige Fünf-Sterne-Aussage.

Was nicht funktioniert: anonyme Bewertungen ohne jede Verifikation, Sternebewertungen ohne Text, Zitate, die keine konkrete Situation beschreiben, und natürlich erfundene oder bearbeitete Rezensionen. Letzteres ist nicht nur kontraproduktiv, sondern wettbewerbsrechtlich problematisch.

In ActiveCampaign kannst du mit Segmentierung nach Produktinteresse steuern, welche Bewertungen jemand sieht. Wer sich für eine bestimmte Kategorie interessiert hat – erkennbar über Site-Tracking-Tags –, bekommt Bewertungen von Produkten aus genau dieser Kategorie. Das ist weniger Aufwand als es klingt, weil du dieselben E-Mail-Templates mit bedingten Inhaltsblöcken versenden kannst.

Wie Lead Scoring aktive Zögerer vom passiven Nicht-Käufer trennt

Lead Scoring hat im B2B-Umfeld eine lange Tradition. Im E-Commerce wird es seltener eingesetzt, obwohl es hier einen sehr konkreten Zweck erfüllt: zwischen aktiven Zögerern und passiven Nicht-Käufern zu unterscheiden.

Ein aktiver Zögerer öffnet E-Mails, besucht Produktseiten, legt vielleicht sogar Artikel in den Warenkorb – kauft aber nicht. Dieser Kontakt braucht nicht mehr Content, sondern den richtigen Impuls zur richtigen Zeit. Ein passiver Nicht-Käufer öffnet keine E-Mails mehr und reagiert nicht auf Interaktionsangebote. Für diesen Kontakt ist Kaufanreizwerbung verschwendetes Budget – und bei zu vielen solcher Aussendungen schadet es der Zustellbarkeit der gesamten Liste.

Ein einfaches Scoring-Modell für den E-Commerce, das du direkt in ActiveCampaign abbilden kannst:

  • E-Mail geöffnet: +5 Punkte
  • Link in E-Mail geklickt: +15 Punkte
  • Produktseite besucht (via Site Tracking): +25 Punkte
  • Artikel in Warenkorb gelegt: +50 Punkte
  • Warenkorb verlassen ohne Kauf: +30 Punkte (zusätzlich zum Warenkorb-Score)
  • Letzte drei E-Mails nicht geöffnet: −20 Punkte
  • Sieben Tage keine Seitenbesuche: −15 Punkte

Das Scoring richtest du in ActiveCampaign über das Lead-Scoring-Feature ein: Kontakt → Lead Scoring → neues Score-Modell anlegen. Aktionen wie „Kontakt besucht bestimmte URL" lassen sich direkt als Score-Regeln definieren. Wenn ein Kontakt einen definierten Schwellenwert erreicht – zum Beispiel 80 Punkte –, löst das eine Automation aus: die gezielte Kaufanreiz-E-Mail mit dem Zeitangebot.

Umgekehrt: Kontakte unter einem Mindestwert – zum Beispiel unter 20 Punkten nach vier Wochen – bekommen keine weiteren Kaufanreize, sondern eine Inaktivierungssequenz, die fragt, ob noch Interesse besteht. Das schont die Zustellbarkeit und verhindert, dass du kaufunwillige Empfänger mit Angeboten überlaggst. Den Aufbau eines vollständigen Scoring-Modells erklärt der Lead-Scoring-Leitfaden für ActiveCampaign im Detail.

Typische Fehler beim Vertrauensaufbau per E-Mail

Viele Shops scheitern beim E-Mail-Vertrauensaufbau nicht an der Strategie, sondern an der Ausführung. Hier sind die Fehler, die in der Praxis am häufigsten vorkommen – und was dagegen hilft.

Zu frühes Angebot: Wer in der dritten E-Mail einen Rabattcode schickt, bevor er irgendetwas über sein Produkt erklärt hat, gibt dem Kontakt das Signal: „Wir glauben selbst, du kaufst nur wenn es billiger ist." Das schwächt die wahrgenommene Qualität. Ein Kaufanreiz gehört ans Ende einer Vertrauenssequenz, nicht an den Anfang.

Generischer Social Proof: Sternebewertungen ohne Text, anonyme Zitate ohne Kontext und allgemeine Qualitätsversprechen haben kaum Wirkung auf kaufzögernde Kontakte. Diese Gruppe ist skeptischer als Durchschnittskäufer – sie braucht spezifische, nachprüfbare Belege, keine Marketingkommunikation im Bewertungsgewand.

E-Mails ohne erkennbaren Absender: „Kein Antworten" oder „noreply@" als Absenderadresse kommuniziert: „Wir möchten keine Kommunikation von dir." Das ist das Gegenteil von Vertrauensaufbau. Jede Vertrauens-E-Mail sollte von einer echten Adresse kommen, die tatsächlich antwortet – und das muss im Text auch so stehen.

Sequenz läuft nach dem Kauf weiter: Wer bereits gekauft hat und trotzdem noch Vertrauens-E-Mails bekommt, fragt sich, ob der Shop überhaupt weiß, wer er ist. Das ist technisch über Ziele in ActiveCampaign oder eine Tag-basierte Bedingung vermeidbar. Das Kaufsignal muss die Sequenz sofort stoppen.

Zu lange Abstände zwischen den E-Mails: Eine Vertrauenssequenz mit E-Mails alle zehn bis vierzehn Tage verliert den Kontakt, bevor die Sequenz greift. Zweifel lösen sich nicht von selbst – ohne regelmäßige Kommunikation verschieben Zögerer den Kauf auf unbestimmte Zeit. Abstände von zwei bis vier Tagen zwischen den ersten E-Mails sind sinnvoll; danach kann der Rhythmus nachlassen.

Fehlende Verbindung zwischen Inhalt und Empfänger: Eine Sequenz, die für alle Kontakte identisch ist – unabhängig davon, welche Produkte sie angesehen haben oder wie lange sie schon auf der Liste stehen –, vergibt den größten Effekt der Automatisierung: die Relevanz. Auch eine rudimentäre Segmentierung nach Interessensgebiet verbessert die Wirkung erheblich.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich eine Vertrauenssequenz für den Onlineshop?

Eine Vertrauenssequenz lohnt sich, sobald du regelmäßig neue E-Mail-Abonnenten gewinnst – auch wenn es zunächst nur wenige sind. Der Aufbau der Automation ist einmalige Arbeit, der Effekt skaliert mit jeder neuen Anmeldung. Besonders relevant wird sie bei höherpreisigen Produkten, bei erklärungsbedürftigen Dienstleistungen und bei Shops, die nicht über einen bekannten Markennamen verfügen und Erstkäufer erst überzeugen müssen.

Wie viele E-Mails sollte die Vertrauenssequenz umfassen?

Sechs bis acht E-Mails über zwei bis drei Wochen ist ein bewährter Rahmen. Weniger als fünf E-Mails reichen meistens nicht, um alle relevanten Hemmnisse abzudecken. Mehr als zehn E-Mails riskieren Abmeldungen, wenn der Abstand zur Erstanmeldung zu lang ist. Entscheidend ist, dass jede E-Mail eine klare Aufgabe hat – nicht, dass möglichst viele E-Mails verschickt werden.

Wie unterscheidet sich die Vertrauenssequenz von einer Warenkorbabbruch-Automation?

Die Vertrauenssequenz läuft vor dem ersten Kauf und baut systematisch Hemmnisse ab. Sie startet beim ersten Kontakt – oft der Newsletter-Anmeldung – und adressiert allgemeine Kaufbedenken. Die Warenkorbabbruch-Automation reagiert dagegen auf ein spezifisches Signal: jemand hat bereits Kaufabsicht gezeigt und ist im Prozess stecken geblieben. Beide Automationen ergänzen sich, adressieren aber unterschiedliche Phasen der Kaufentscheidung und sollten nicht vermischt werden.

Kann ich die Sequenz auch für wiederkehrende Kunden nutzen?

Die Vertrauenssequenz richtet sich an Erstkäufer. Für Bestandskunden braucht es andere Inhalte: Nutzungstipps, Cross-Sell-Impulse, Loyalitätsanreize. Wenn du die Automation sauber mit einem Käufer-Tag und einem Ziel in ActiveCampaign aufbaust, trennt das System diese Gruppen automatisch – Bestandskunden werden aus der Sequenz ausgeschlossen, sobald der Kauf erkannt wird.

Was ist der richtige Trigger für die Vertrauenssequenz?

Der häufigste Trigger ist die Anmeldung zu einer Liste – typischerweise der Hauptnewsletter. Alternativ funktioniert auch ein Seitenbesuch mit einer bestimmten Mindestverweildauer als Trigger, wenn du ActiveCampaign Site Tracking nutzt. Wer über ein Leadmagnet-Formular auf eine separate Nischenliste kommt, bekommt idealerweise eine themenspezifische Variante der Sequenz statt der allgemeinen Version.

Wer den Vertrauensaufbau per E-Mail in eine vollständige Funnel-Struktur einbetten möchte, findet im Beitrag über den E-Commerce-Sales-Funnel mit ActiveCampaign eine komplementäre Perspektive – wie sich Vertrauens-E-Mails in die übergeordnete Kundenreise einordnen und welche Automationen in welcher Phase greifen. Wer tiefer in die Gesamtstrategie des E-Mail-Marketings für Onlineshops einsteigen möchte, findet dort den nächsten logischen Schritt.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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