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Mobile App Analytics für deutsche Unternehmen: Der komplette Guide für bessere App-Performance

Tom
Tom
12. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

Mobile App Analytics erfasst, wie Nutzer deine App finden, nutzen und wieder verlassen. Wer nur Installationen zählt, sieht einen kleinen Ausschnitt. Das vollständige Bild ergibt sich, wenn Installations-, Nutzungs- und Kaufdaten zusammenlaufen und zeigen, wo Nutzer aktiv bleiben, wo sie abbrechen und welche Gruppen du verlierst – bevor du es merkst.

Das Wichtigste in Kürze

  • App-Analytics misst vier Ebenen: Herkunft der Nutzer, ihr Verhalten in der App, Conversions und Wiederkehrrate – erst im Zusammenspiel entsteht ein vollständiges Bild.
  • Im DACH-Raum erfordert jedes Tracking eine aktive Einwilligung, Datensparsamkeit und die Möglichkeit zur Datenlöschung – das lässt sich von Beginn an korrekt aufsetzen.
  • App-Events an ActiveCampaign zu senden verwandelt Nutzungsverhalten in Marketing-Signale: inaktive Nutzer erkennst du früh genug, um sie gezielt erneut anzusprechen.
  • Metriken wie Download-Zahlen allein erzählen nichts über Geschäftswert – die relevanten KPIs beginnen dort, wo Nutzer auf Kernfunktionen treffen.
  • DSGVO-konformes First-Party-Tracking liefert in den meisten Fällen ausreichend Daten; Third-Party-Tools mit US-Serverstandort bringen rechtliche Risiken, die häufig keinen entsprechenden Mehrwert rechtfertigen.

Was Mobile App Analytics von Web-Analytics unterscheidet

Apps laufen nicht im Browser. Das klingt banal, hat aber direkte Konsequenzen für den Messaufbau. Cookies, die im Web als universelles Tracking-Instrument gelten, existieren in Apps nicht. Stattdessen arbeiten Analytics-SDKs mit installierten Sessions, app-spezifischen Nutzer-IDs und betriebssystemseitigen Einwilligungsdialogen – ein grundlegend anderer technischer Ausgangspunkt.

Auf iOS verlangt Apples App-Tracking-Transparency-Framework seit iOS 14 eine explizite Nutzererlaubnis, bevor eine App auf den geräteeigenen Identifier (IDFA) zugreifen darf. Viele Nutzer verweigern diese Erlaubnis. Android verhält sich ähnlich restriktiv. Das bedeutet: Wer Mobile Analytics mit einer Web-Analytics-Logik aufzubauen versucht, erhält lückenhafte Daten und zieht falsche Schlüsse.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Sitzungsstruktur. Eine Web-Session endet typischerweise nach 30 Minuten Inaktivität. In Apps wird eine Session durch das Verlassen der App definiert – was Nutzer tun, die kurz auf eine andere App wechseln und sofort zurückkommen, sieht auf den ersten Blick nach mehreren Sessions aus. Ohne das genaue Verständnis des Session-Modells deines Analytics-Tools interpretierst du Engagement-Daten systematisch falsch.

Schließlich unterscheiden sich die Plattformen: Eine App läuft gleichzeitig auf iOS und Android, mit unterschiedlichen OS-Versionen, Bildschirmgrößen und Nutzungsgewohnheiten. Web-Analytics fasst alles unter einem Dach zusammen. App-Analytics muss beide Plattformen getrennt und im Vergleich auswerten – andernfalls übersehen plattformspezifische Fehler die jeweils andere Seite.

Die vier Messebenen, die ein vollständiges Bild ergeben

Ein solides App-Analytics-Setup arbeitet auf vier Ebenen gleichzeitig. Jede liefert Antworten auf andere Fragen; erst in der Kombination erkennst du Muster, die aus einer einzigen Perspektive unsichtbar bleiben.

Acquisition: Woher kommen Nutzer, die wirklich bleiben?

Acquisition-Analytics beantwortet, welche Kanäle dir welche Art von Nutzern bringen. Downloads aus einer Paid-Kampagne können günstiger aussehen als organische Downloads – bis du schaust, wie viele davon nach sieben Tagen noch aktiv sind. Wer nur die Installationsquelle auswertet, optimiert auf den falschen Trichterausgang.

Die relevanten Metriken auf dieser Ebene sind die Installationsquelle (App Store Search, Paid Ads, Direktlink, Social Media), die Kosten pro Installation pro Kanal und – entscheidend – die Qualität dieser Installationen. Qualität bedeutet: Öffnet der Nutzer die App am zweiten Tag nochmal? Schließt er den Onboarding-Prozess ab? Erreicht er die Kernfunktion?

Für Attribution auf App-Ebene sind spezialisierte Tools wie Adjust oder AppsFlyer sinnvoll, weil sie Deep Links und die Verbindung zwischen Paid-Kampagnen und App-Verhalten in einer plattformübergreifenden Ansicht zusammenführen – etwas, das ein reines In-App-Analytics-Tool allein nicht leistet.

Engagement: Was passiert nach dem Download?

Engagement-Analytics zeigt, wie Nutzer die App tatsächlich verwenden. Das ist die Ebene, auf der die meisten App-Betreiber die größten Wissenslücken haben. Ohne sie weißt du nicht, welche Features genutzt werden, welcher Bildschirm den Abbruch verursacht oder wie sich verschiedene Nutzergruppen voneinander unterscheiden.

Die wichtigsten Signale auf dieser Ebene:

  • Session-Dauer und Anzahl der Sessions pro Woche – zeigen das Grundengagement und signalisieren, ob die App in den Alltag integriert ist
  • Screen Flow – der tatsächlich beschrittene Weg durch die App, nicht der geplante
  • Feature-Nutzungsrate – welcher Anteil der Nutzer öffnet jede Kernfunktion überhaupt?
  • Abbruchpunkte im Onboarding – wo verlässt ein Neunutzer die App beim ersten Versuch?
  • Crash Rate nach OS-Version und Gerät – technische Probleme, die Engagement direkt senken

Wenn du diese Daten mit ActiveCampaign verknüpfst, entsteht eine Segmentierung, die auf echtem Verhalten beruht: Nutzer, die seit einer Woche kein Feature mehr geöffnet haben, erhalten eine andere E-Mail-Serie als Nutzer, die täglich aktiv sind.

Conversion: Wo entsteht Wert in der App?

Jede App hat eine Kernhandlung, auf die sie hinarbeitet: ein Kauf, ein gebuchtes Gespräch, eine abgeschlossene Registrierung, eine abgegebene Bewertung. Conversion-Analytics misst, welcher Anteil der Nutzer diese Handlung ausführt – und aus welchen Schritten der Weg dorthin besteht.

Funnel-Visualisierungen sind auf dieser Ebene das wichtigste Werkzeug. Du definierst den idealen Weg (App öffnen → Produkt ansehen → in Warenkorb legen → kaufen) und siehst, wo der größte Anteil der Nutzer abspringt. Dann testest du Änderungen gezielt an dieser Stelle – nicht an einem anderen Schritt, bei dem der Abbruch geringer ist.

Relevant ist auch die Conversion Rate nach Nutzersegment. Nutzer aus organischer Suche kaufen möglicherweise seltener als Nutzer aus E-Mail-Kampagnen – oder umgekehrt. Ohne Segmentierung siehst du einen Durchschnitt, der bei der Ursachenanalyse nicht hilft. Welche App-Kennzahlen rund um Conversion Rate in verschiedenen App-Typen tatsächlich tragen, baut auf diesem Fundament auf.

Retention: Kommen Nutzer nach einer Woche zurück?

Retention ist die Messebene, die am stärksten mit dem langfristigen Geschäftswert einer App korreliert. Eine App, die viele Downloads verzeichnet, aber wenig Wiederkehrnutzer produziert, hat ein Produktproblem – kein Marketingproblem. Das ist eine wichtige Unterscheidung, weil die Lösung bei einem Produktproblem nicht in mehr Marketingbudget liegt.

Das Standardmaß ist die Day-1-, Day-7- und Day-30-Retention: Wie viele der Nutzer, die die App an Tag 0 installiert haben, öffnen sie am nächsten Tag, nach einer Woche und nach einem Monat noch? Cohort-Analysen helfen dabei, diesen Wert für verschiedene Nutzergruppen zu trennen. Wenn die Day-7-Retention bei Nutzern, die durch eine bestimmte Kampagne gekommen sind, deutlich unter dem Durchschnitt liegt, ist das ein klares Signal: Diese Kampagne bringt die falsche Zielgruppe.

Churn Prevention durch Marketing Automation greift auf dieser Ebene an: Du erkennst das Abwanderungs-Signal (keine App-Öffnung in sieben Tagen), triggerst eine Re-Engagement-E-Mail und misst, wie viele Nutzer dadurch zurückkommen. Der Beitrag zu Customer Retention mit Marketing Automation geht tiefer auf die Automationslogik dahinter ein.

DSGVO-konforme Datenerfassung – was das im Konkreten verlangt

DSGVO-Konformität bei App-Analytics bedeutet nicht, weniger zu messen. Es bedeutet, eine andere Infrastruktur aufzubauen als US-amerikanische Apps, die nach dem Opt-out-Prinzip arbeiten. Im DACH-Raum gilt das Opt-in-Prinzip: Ohne aktive Zustimmung darf nicht getrackt werden.

Die vier Anforderungen, die du vor dem Go-Live deines Analytics-Setups erfüllen musst:

  1. Explizite Einwilligung vor jedem Tracking. Das bedeutet einen Consent-Dialog beim ersten App-Start, der klar und verständlich erklärt, was erfasst wird – keine vorausgewählten Checkboxen, keine Dark Patterns, kein Vergraben der Ablehnoption.
  2. Datensparsamkeit: Erhebe nur, was du für konkrete Geschäftsentscheidungen brauchst. Wer sechzig Ereignisse trackt, weil es technisch möglich ist, hat meist zehn davon wirklich genutzt. Die restlichen fünfzig sind Datenschutzrisiko ohne Gegenleistung.
  3. Transparenz in der Datenschutzerklärung: Welche Daten, für welchen Zweck, wie lange, auf welchen Servern. Wenn dein Analytics-Tool Daten in die USA überträgt, braucht das eine Rechtsgrundlage – Standard Contractual Clauses und ein Transfer Impact Assessment.
  4. Recht auf Löschung: Nutzer müssen alle Analytics-Daten löschen lassen können. Das erfordert ein technisches System, das Nutzer-IDs über alle Datenpunkte hinweg findet und löscht – nicht nur aus dem Profil, sondern auch aus aggregierten Ereignistabellen, sofern diese personenbezogene Identifier enthalten.

Ein Self-hosted Analytics-System wie Matomo erfüllt diese Anforderungen am einfachsten, weil alle Daten auf deinen eigenen Servern verbleiben. Firebase und ähnliche Cloud-Lösungen sind möglich, erfordern aber eine sorgfältige Konfiguration der Datenstandorte, Auftragsverarbeitungsverträge mit dem Anbieter und eine Prüfung, ob eine Datenübertragung in Drittstaaten nach Art. 46 DSGVO abgedeckt ist. Das ist lösbar, aber es ist Arbeit – und diese Arbeit muss vor dem ersten Tracking-Aufruf erledigt sein, nicht danach.

Tool-Vergleich: Welches Analytics-System passt zu welchem Anwendungsfall

Es gibt kein Tool, das für alle App-Typen und alle Unternehmensgrößen gleich gut passt. Die folgende Übersicht zeigt die gebräuchlichsten Systeme im Markt, ihren Schwerpunkt und ihre Eignung für den DACH-Markt:

Tool

Schwerpunkt

DSGVO-Eignung

ActiveCampaign-Integration

Firebase / Google Analytics

Allgemein, Event-Tracking, Crashlytics

Komplex: EU-Server wählbar, aber Datenweitergabe an Google prüfen

Über Webhook oder Zapier möglich

Mixpanel

Nutzerzentrisches Event-Tracking, Funnels, Cohorts

EU-Region verfügbar, gute AVV-Dokumentation

Über API oder Segment

Amplitude

Behavioral Analytics, Produktteam-Fokus

EU-Hosting möglich, kostenfreies Tier vorhanden

Über Segment oder direkte API

Matomo (On-Premise)

Volle Datenkontrolle, DSGVO-nativ

Sehr hoch bei Self-Hosting auf eigener Infrastruktur

Über Webhook

Adjust

Paid-Attribution, Fraud-Prävention

EU-Datenzentrum, gute AVV-Prozesse

Über Callback-URLs und Postback

AppsFlyer

Attribution, Multi-Touch-Analyse

EU-Region, DSGVO-Modul verfügbar

Über Data Locker oder API

Für die meisten deutschen Mittelständler mit einer App im B2C- oder B2B-Bereich ist eine Kombination sinnvoll: ein ereignisbasiertes Tool wie Mixpanel oder Amplitude für die Verhaltensanalyse, kombiniert mit ActiveCampaign für Marketing-Automation. Wer auch Paid-Kanäle für App-Akquise nutzt, fügt Adjust oder AppsFlyer für die Attribution hinzu. Wer maximale Datenkontrolle ohne Cloud-Abhängigkeit braucht, wählt Matomo – nimmt dafür aber weniger native Mobile-Features in Kauf.

So verbindest du App-Events mit ActiveCampaign – Schritt für Schritt

Die technische Verbindung zwischen deiner App und ActiveCampaign läuft über das ActiveCampaign Event Tracking. Damit sendest du benutzerdefinierte Ereignisse aus der App an ActiveCampaign und kannst diese als Automations-Trigger verwenden. Das Ergebnis: Nutzungsverhalten in der App löst direkt E-Mail-Kampagnen aus. Was ActiveCampaign SiteTracking für Websites leistet, übernimmt das Event Tracking für Apps – das zugrundeliegende Konzept ist dasselbe.

Die Integration erfordert diese Schritte:

  1. Ereignis-Architektur festlegen. Definiere vor der Implementierung, welche App-Ereignisse für dein Marketing relevant sind. Typische Kandidaten: App-Install-abgeschlossen, Onboarding-Schritt-1-abgeschlossen, Onboarding-abgeschlossen, erste-Kernfunktion-genutzt, Inaktivität-7-Tage (vom Backend gesendet), Kauf-abgeschlossen. Halte die Liste auf das Wesentliche beschränkt – zwanzig Ereignisse, von denen du fünfzehn nie auswertest, erhöhen nur die Komplexität.
  2. ActiveCampaign Event Tracking API einbinden. In deiner App rufst du den API-Endpunkt des ActiveCampaign Event Tracking auf. Du benötigst deinen Account-Key (aus dem Bereich Einstellungen → Entwickler) und einen Event-Key. Jedes Ereignis überträgst du mit einem eindeutigen Kontakt-Identifier, der mit der E-Mail-Adresse in ActiveCampaign übereinstimmt – meistens die Nutzer-E-Mail, die bei der Registrierung hinterlegt wurde.
  3. Events in Automationen referenzieren. Im Automation Builder unter Automationen → Erstellen wählst du als Eintrittspunkt den Trigger „Eigenes Ereignis” und wählst das entsprechende Event aus. So baust du beispielsweise eine Re-Engagement-Sequenz, die startet, wenn das Ereignis „Inaktivität-7-Tage” eintrifft.
  4. Tags für App-Segmentierung setzen. Nutze den Schritt „Tag hinzufügen” in jeder Automation, um Kontakten App-spezifische Tags zuzuweisen. Das erlaubt es, spätere Kampagnen gezielt an App-Nutzer zu senden – und App-Nutzer von reinen E-Mail-Kontakten ohne App-Account zu unterscheiden.
  5. Testlauf vor dem Live-Gang. Vor dem Launch der App oder einer neuen Automation überprüfst du im ActiveCampaign-Dashboard unter Kontakte → Ereignisse, ob Events ankommen und ob die Kontakt-IDs korrekt zugeordnet werden. Häufigster Fehler: Die E-Mail-Adresse in der App unterscheidet sich durch Groß- oder Kleinschreibung vom Kontakt in ActiveCampaign.

Wenn die Verbindung steht, baust du typischerweise vier Automationstypen auf: eine Onboarding-Sequenz für neue Installationen, eine Re-Engagement-Sequenz für Inaktive, eine Upsell-Sequenz für Power-User, die regelmäßig Kernfunktionen nutzen, und eine Churn-Prevention-Sequenz für Nutzer mit sinkender Aktivität. Diese vier Sequenzen decken die wichtigsten Phasen des App-Nutzungszyklus ab.

Typische Fehler beim Aufbau – und warum sie entstehen

Einige Fehler tauchen bei App-Analytics-Projekten so regelmäßig auf, dass sie sich als Muster beschreiben lassen. Die meisten entstehen nicht aus Unkenntnis, sondern aus Zeit- und Kostendruck beim Launch.

Analytics-Setup erst nach dem Launch

Der häufigste und folgenreichste Fehler. Wer Analytics nach dem App-Start implementiert, verliert die Baseline-Daten aus der Einführungsphase – genau die Daten, die zeigen, ob das Onboarding funktioniert. Das nachträgliche Einbauen eines SDKs erfordert außerdem ein App-Update, das alle vorhandenen Nutzer erst installieren müssen, bevor du vollständige Daten erhältst. Das kann Wochen dauern. Ursache: Analytics wird als Reporting-Werkzeug betrachtet, nicht als Produktentwicklungs-Grundlage. Gegenmittel: Analytics-Setup vor dem ersten Testflight-Build, nicht danach.

Zu viele Ereignisse, zu wenig Auswertung

Entwickler tracken gerne alles, weil Tracking technisch günstig ist. Das Ergebnis ist ein Datendschungel, in dem niemand mehr den Überblick hat. Dreißig Events, von denen fünfzehn nie in einer Automation oder einem Dashboard auftauchen, erzeugen Storage-Kosten, DSGVO-Risiken und Verwirrung im Team. Gegenmittel: Bevor du ein Ereignis implementierst, benenne die konkrete Entscheidung, die du auf Basis dieses Ereignisses treffen wirst. Wenn du keine Antwort hast, lass das Ereignis weg.

Vanity-Metriken als Erfolgsmaß

Download-Zahlen, Gesamtinstallationen, Store-Bewertungsdurchschnitte – diese Zahlen sind sichtbar und klingen gut in Präsentationen. Sie sagen aber wenig über Geschäftswert aus. Eine App mit zehntausend Downloads und dreißig täglich aktiven Nutzern ist geschäftlich weniger wertvoll als eine mit dreitausend Downloads und zweitausend täglich aktiven Nutzern. Gegenmittel: Definiere vor dem Launch eine North-Star-Metric – die eine Kennzahl, die deinen Kern-Wertbeitrag abbildet. Alle anderen KPIs sind Input- oder Output-Metriken dieser einen Zahl.

App-Analytics ohne CRM-Verbindung

Analytics-Daten in einem isolierten Tool zu belassen bedeutet, dass ein Kundengespräch, das dein Vertriebsteam führt, keine App-Nutzungsdaten im Hintergrund hat. Und dass ein Nutzer, der die App seit zehn Tagen nicht geöffnet hat, trotzdem eine Standard-Newsletter-E-Mail bekommt statt einer gezielten Re-Engagement-Nachricht. Die Verbindung zwischen App-Daten und CRM ist keine Luxus-Integration; sie ist die Grundlage für personalisierte Kommunikation, die auf tatsächlichem Verhalten basiert.

DSGVO-Anforderungen zu spät angehen

Das Nachrüsten von Datenschutz nach dem Launch ist technisch aufwendig und rechtlich riskant. Wer den Consent-Dialog erst nach dem ersten App-Store-Review einbaut, hat in der Zwischenzeit Daten ohne gültige Rechtsgrundlage erhoben. Gegenmittel: Datenschutz-Anforderungen in das Architektur-Briefing aufnehmen, bevor Entwickler Code schreiben. Das kostet in der Planungsphase eine Stunde; nachträglich kostet es Wochen.

Wann Mobile App Analytics nicht das richtige Werkzeug ist

Mobile App Analytics ist sinnvoll, wenn du eine installierte native App betreibst und verstehen willst, wie Nutzer sie verwenden. Es ist nicht das richtige Werkzeug in diesen Situationen:

Wenn dein Ziel eine Progressive Web App (PWA) ist, arbeitest du im Browser – dort gelten Web-Analytics-Methoden. PWAs haben keinen App-Store-Installationsprozess, keine nativen SDK-Integration und verhalten sich im Tracking wie eine Website. App-Analytics-Tools greifen hier ins Leere.

Wenn deine App als geschlossenes Unternehmens-Tool für interne Nutzer dient, ist klassisches App-Analytics oft überdesigned. Business-Intelligence-Systeme, die Nutzungsprotokolle auf Server-Ebene auswerten, lösen das Problem schneller und mit weniger Datenschutzkomplexität – weil die Nutzer Mitarbeiter sind, keine anonymen Endkonsumenten.

Wenn du noch keine klaren Geschäftsziele für deine App formuliert hast, bringt Analytics keine Orientierung – sondern mehr offene Fragen. Das Fundament ist die Frage: Was soll ein Nutzer in der App tun, damit sie für dein Unternehmen Wert erzeugt? Erst wenn die Antwort konkret ist, ergibt der Messaufbau Sinn. Analytics kann keine Strategie ersetzen; es kann eine vorhandene Strategie präzisieren.

Häufige Fragen

Welche Retention Rate ist für eine B2B-App realistisch?

Das hängt stark von der App-Kategorie und dem natürlichen Nutzungsrhythmus ab. Eine Tool-App, die täglich gebraucht wird, sollte eine deutlich höhere Day-7-Retention erreichen als eine App, die nur für quartalsweise Berichte geöffnet wird. Wichtiger als ein absoluter Benchmark ist der Trend: Verbessert oder verschlechtert sich die Retention nach einem Feature-Release? Und unterscheidet sich die Retention zwischen Nutzern, die das Onboarding abgeschlossen haben, und solchen, die abgebrochen haben? Der interne Vergleich führt schneller zu Erkenntnissen als externe Branchenzahlen.

Wie viele Ereignisse sollte ich von Beginn an tracken?

In der Praxis reichen für die meisten Apps fünf bis zehn klar definierte Ereignisse, um die wesentlichen Fragen zu beantworten: App geöffnet, Onboarding abgeschlossen, Kernfunktion erstmals genutzt, Kauf abgeschlossen, sieben Tage ohne App-Öffnung (Backend-Event). Beginne mit diesen, beobachte vier bis sechs Wochen lang und füge dann die Ereignisse hinzu, bei denen sich konkrete Wissenslücken gezeigt haben – nicht vorher. Ein schlankes Setup, das konsequent ausgewertet wird, liefert mehr als ein umfassendes Setup, das niemand durchschaut.

Kann ich Firebase für eine DSGVO-konforme App nutzen?

Firebase ist möglich, aber nicht trivial. Du musst sicherstellen, dass Daten auf EU-Servern verarbeitet werden, einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google abschließen und prüfen, ob ein Datentransfer in die USA durch Standard Contractual Clauses und ein Transfer Impact Assessment nach Art. 46 DSGVO abgedeckt ist. Außerdem musst du bestimmte Firebase-Funktionen, die personenbezogene Daten an Google zur Werbeoptimierung weitergeben, explizit deaktivieren. Das ist lösbar, erfordert aber sorgfältige Dokumentation und idealerweise eine rechtliche Prüfung.

Wie erkenne ich, ob mein Onboarding ein Problem hat?

Schau auf zwei Signale: erstens die Rate, mit der Neunutzer den Onboarding-Prozess bis zum Ende abschließen, und zweitens die Day-1-Retention. Wenn viele Nutzer die App am ersten Tag wieder verlassen, ohne die Kernfunktion zu erreichen, liegt das Problem meist nicht an der Kernfunktion selbst, sondern an den Schritten davor. Eine Funnel-Analyse des Onboarding-Pfads zeigt dir den genauen Abbruchpunkt – häufig ist es ein Formularfeld, eine Berechtigungsabfrage oder ein unklarer Schritt, der Nutzer aufhält.

Wann macht es Sinn, ein separates Attribution-Tool wie Adjust einzubinden?

Sobald du gezielt Paid-Kampagnen für die App-Akquise schaltest – Google App Campaigns, Meta App Install Ads, Kampagnen mit Deep Links. Ein reines In-App-Analytics-Tool kann den Ursprung einer Installation dann nicht mehr zuverlässig bestimmen, weil der Klick auf die Anzeige außerhalb der App stattfindet. Attribution-Tools schließen diese Lücke durch probabilistisches oder deterministisches Matching zwischen Werbe-Klick und App-Installation. Für rein organische Akquise ohne Paid-Kanäle ist ein separates Attribution-Tool dagegen nicht notwendig.

Der nächste sinnvolle Schritt nach dem Lesen ist, die eigene Ereignis-Architektur auf Papier zu bringen: Was soll ein Nutzer tun, was soll das auslösen, und welche Events brauchst du dafür? Wer ActiveCampaign bereits einsetzt und die Verbindung zu seiner App konkret aufbauen will, kann als offizieller ActiveCampaign-Partner Advertal dabei einbeziehen.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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