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Kohortenanalyse im E-Mail-Marketing: Wie du die wahren Conversion-Treiber aufdeckst

Tom
Tom
12. März 2026 · 13 Min. Lesezeit

Kohortenanalyse gruppiert Kontakte nach ihrem Einstiegszeitpunkt oder Anmeldekanal und verfolgt deren Verhalten über Wochen und Monate. So erkennst du, welche Akquisitionsquellen langfristig kaufende Kunden liefern, wann Engagement systematisch einbricht und warum zwei scheinbar gleiche Kampagnen auf unterschiedlichen Kohorten gegensätzliche Ergebnisse erzielen. Das vollständige Setup läuft in ActiveCampaign über Tags, Custom Fields und Automationen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kohortenanalyse betrachtet Nutzergruppen über einen definierten Zeitraum — keine Momentaufnahmen, sondern Verhaltensentwicklung.
  • Der entscheidende Unterschied zu A/B-Tests: Du siehst Langzeitverhalten, nicht nur kurzfristige Klick- und Öffnungsdaten.
  • Vier Kohorten-Typen tragen besonders im E-Mail-Marketing: Anmeldequellen, Zeitperioden, Engagement-Niveau und Customer-Journey-Stufe.
  • Das technische Setup in ActiveCampaign besteht aus drei Bausteinen: Custom Fields für Zeitstempel, Tags für Kohortenzugehörigkeit und Automationen für automatisches Tagging.
  • Kohortenanalyse braucht mindestens drei Monate Daten, bevor die ersten belastbaren Muster erkennbar werden — und mindestens sechs Monate, um strategische Entscheidungen darauf zu stützen.

Was Kohortenanalyse zeigt, das A/B-Tests nicht sehen können

Eine Kohorte ist eine Gruppe von Kontakten, die dasselbe Ereignis im selben Zeitfenster erlebt haben — zum Beispiel alle, die sich im selben Monat über organische Suche angemeldet haben, oder alle, die nach einer bestimmten Kampagne einen ersten Kauf getätigt haben. Kohortenanalyse bedeutet: Du verfolgst diese Gruppen über Zeit und beobachtest, wie sich ihr Verhalten entwickelt und wo es auseinanderläuft.

Das unterscheidet sie grundlegend von einem A/B-Test. Ein A/B-Test beantwortet die Frage: „Welche Betreffzeile hat heute besser konvertiert?“ Die Kohortenanalyse beantwortet: „Welcher Anmeldekanal liefert Kontakte, die nach sechs Monaten noch aktiv sind?“ Beide Methoden sind komplementär, nicht konkurrierend — du brauchst beide für unterschiedliche Entscheidungsebenen.

Warum der Zeithorizont den entscheidenden Unterschied macht

A/B-Tests messen einen Moment. Kohortenanalyse misst Entwicklung. Ein Kontakt, der im ersten Monat jede E-Mail öffnet, kann im dritten Monat vollständig inaktiv sein. Und umgekehrt gibt es Kohorten, die langsam anlaufen, dann aber zu den treuesten Käufern werden. Wer nur Öffnungsraten-Snapshots betrachtet, sieht diese Muster schlicht nicht.

Konkretes Beispiel: Angenommen, zwei Anmeldequellen liefern im ersten Monat ähnliche Öffnungsraten. Die Kohortenanalyse zeigt nach vier Monaten, dass Quelle A das Engagement hält, während Quelle B stark abfällt. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Quelle A liefert langfristig engagiertere Kontakte — unabhängig davon, was die kurzfristigen Metriken nahegelegt hätten. Das ändert, wie du Budget auf Akquisitionskanäle verteilst.

Was Kohortenanalyse nicht ist

Kohortenanalyse ist keine Segmentierung, auch wenn beides mit Kontaktgruppen arbeitet. Segmentierung fragt: Wer sind meine Kontakte jetzt, und wen erreiche ich mit welcher Botschaft? Die Einteilung ist dynamisch — ein Kontakt wechselt das Segment, wenn sich sein Verhalten oder seine Attribute ändern. Kohortenanalyse fragt: Wie hat sich eine bestimmte Einstiegsgruppe über Zeit entwickelt? Die Kohortenzugehörigkeit bleibt unveränderlich. Du kannst beides kombinieren — und solltest es. Mehr dazu im Abschnitt zur Abgrenzung weiter unten.

Die vier Kohorten-Typen, die im E-Mail-Marketing verwertbare Muster liefern

Nicht jede Kohortendefinition ist gleich nützlich. Im E-Mail-Marketing haben sich vier Typen bewährt, die regelmäßig handlungsrelevante Erkenntnisse produzieren:

Anmeldequellen-Kohorten

Du gruppierst Kontakte nach dem Kanal, über den sie in deine Liste gelangt sind: organische Suche, Google Ads, Social Media, Partnerwebseiten, Empfehlungen, Webinare oder Freebie-Downloads. Diese Kohorten zeigen dir, welche Kanäle langfristig engagierte Kontakte liefern — und nicht nur hohe Anmeldezahlen, die nach zwei Wochen inaktiv werden.

In der Praxis läuft die Unterscheidung über Tags, die beim ersten Kontakt gesetzt werden. Jeder Kanal bekommt einen eigenen Tag, der unveränderlich bleibt — auch wenn der Kontakt später andere Interessen signalisiert. So bleibt der historische Vergleich sauber und nachvollziehbar.

Zeitbasierte Kohorten

Alle Kontakte eines Kalendermonats bilden eine Kohorte. Du beobachtest, wie sich verschiedene Monatskohorten über Zeit entwickeln. Das deckt saisonale Muster auf: Kontakte, die sich im Dezember anmelden, verhalten sich möglicherweise anders als Kontakte aus dem März — weil die externe Ausgangslage eine andere ist. Wer das nicht berücksichtigt, zieht falsche Schlüsse über die eigene Marketing-Qualität.

Zeitbasierte Kohorten helfen außerdem, die Wirkung von Änderungen an deinem Onboarding-Flow zu messen. Hast du im Mai deinen Willkommensprozess umgestellt? Dann vergleichst du die Mai-Kohorte mit der April-Kohorte und siehst nach drei Monaten, ob die Änderung das Langzeit-Engagement verbessert hat. Das ist ein belastbareres Signal als die reine Öffnungsrate der neuen Willkommens-E-Mail.

Verhaltensbasierte Kohorten

Du gruppierst Kontakte nach ihrem tatsächlichen Verhalten in den ersten Wochen nach der Anmeldung: Wer hat die ersten drei E-Mails geöffnet? Wer hat geklickt? Wer hat in Woche eins nichts geöffnet? Diese frühe Einstufung ist ein starker Prädiktor dafür, wie der Kontakt sich langfristig verhält — und welche Reaktivierungsmaßnahmen wann einsetzen sollten.

Verhaltensbasierte Kohorten sind besonders nützlich, um Reaktivierungsschwellen zu bestimmen: Ab welchem Inaktivitätspunkt ist ein Kontakt kaum noch zu reaktivieren? Welche Inaktivitätsmuster gehen einem Abmeldestoß voraus? Das sind Erkenntnisse, die deine Listenhygiene-Entscheidungen erheblich präziser machen.

Customer-Journey-Kohorten

Hier gruppierst du nach der Stufe, auf der sich Kontakte bei ihrem ersten Eintritt in dein System befanden: Waren sie reine Newsletter-Abonnenten ohne Produktinteresse, haben sie ein kostenloses Webinar besucht, oder hatten sie bereits konkrete Kaufabsichten signalisiert? Diese Kohorten zeigen, welche Einstiegspunkte in den Funnel am schnellsten und zuverlässigsten zu Conversions führen — und welche Einstiegspunkte zwar viele Kontakte liefern, aber kaum Käufer produzieren.

In ActiveCampaign lässt sich das über Pipeline-Stages und Deal-Zuordnungen abbilden, wenn du die CRM-Funktionen aktiv nutzt. Kontakte, die als Deal in einer bestimmten Stage eintreten, bekommen automatisch den passenden Journey-Kohorte-Tag.

Kohortentracking in ActiveCampaign einrichten — Schritt für Schritt

Das vollständige Setup besteht aus fünf Bausteinen. Danach läuft die Kohortenzuordnung automatisch für alle neuen Kontakte, ohne manuellen Aufwand.

  1. Custom Fields anlegen: Gehe zu Kontakte → Custom Fields und lege ein Date-Feld „Anmeldedatum-Kohorte“ an. Dieses Feld wird beim ersten Kontakteintrag gesetzt und danach nicht mehr verändert. Lege außerdem ein Text-Feld „Anmeldequelle-Kohorte“ an. Trage dort den Kanal ein — zum Beispiel „google-ads“, „webinar-2026-q1“ oder „freebie-checkliste“. Nutze Kleinschreibung und Bindestriche für konsistente Filterbarkeit beim späteren Export.
  2. Tag-Namenskonvention festlegen: Bevor du Tags erstellst, lege die Namenskonvention fest. Empfohlen: „kohorte-[typ]-[wert]“, also zum Beispiel „kohorte-quelle-google-ads“, „kohorte-monat-2026-03“ oder „kohorte-verhalten-tag7-geoeffnet“. Konventionen jetzt zu definieren spart erheblichen Aufwand beim späteren Bereinigen inkonsistenter Tag-Benennungen.
  3. Automatische Tagging-Automation aufbauen: Gehe zu Automationen → Erstellen → Auslöser „Kontakt abonniert Liste“. Füge als erste Aktionen hinzu: Custom Field „Anmeldedatum-Kohorte“ mit aktuellem Datum setzen, und Tag „kohorte-monat-[Monat-Jahr]“ hinzufügen. Für quellenbasiertes Tagging nutzt du UTM-Parameter aus dem Formular oder separate Formulare pro Kanal — jede Formularquelle bekommt ihre eigene Automation, die den passenden Quellen-Tag setzt.
  4. Verhaltens-Tracking-Automation einrichten: Eine zweite Automation beobachtet Kontakte in den ersten 30 Tagen nach Anmeldung. Nutze Warte-Schritte und Bedingungen: „Hat E-Mail [Willkommens-Mail] geöffnet — ja/nein?“ → Tag setzen. Wiederhole das für Tag 3, Tag 7 und Tag 30. Nach 30 Tagen hast du für jeden Kontakt ein Früh-Engagement-Profil als Tags hinterlegt.
  5. Reporting und Auswertung: In ActiveCampaign filterst du unter Kontakte → Suche nach Tags und betrachtst so jede Kohorte isoliert. Für Zeitreihenauswertungen exportierst du gefilterte Kontaktlisten monatlich und berechnest Engagement-Kurven: Öffnungsrate Monat 1, Monat 2, Monat 3 je Kohorte. Erst dieser Monats-über-Monats-Vergleich macht die Unterschiede zwischen Kohorten sichtbar.

Ein wichtiger Hinweis zum historischen Datenbestand: Tags für Kohorten rückwirkend zu setzen ist aufwändig, aber für bestehende Listen möglich. Nutze dazu die erweiterte Suche in ActiveCampaign, filtere nach Anmeldedatum-Bereich und Quelle, und weise die Tags manuell per Massenbearbeitung zu. Das lohnt sich, weil du sonst sechs bis zwölf Monate warten musst, bis neue Kohorten erste belastbare Muster zeigen.

Die vier Metriken, die bei der Kohortenanalyse wirklich entscheiden

Kohortenanalyse produziert viele Datenpunkte. Diese vier Metriken liefern die verwendbarsten Erkenntnisse für konkrete Entscheidungen im E-Mail-Marketing:

Retention-Rate über Zeit

Wie viele Kontakte einer Kohorte sind nach drei, sechs und zwölf Monaten noch als aktiv einzustufen — also mit mindestens einer Öffnung oder einem Klick im betrachteten Zeitraum? Diese Kurve ist der wichtigste Ausgangspunkt jeder Kohortenanalyse, weil sie zeigt, wie stark verschiedene Einstiegsquellen und Onboarding-Qualitäten das Langzeit-Engagement beeinflussen.

Eine fallende Retention-Rate ist normal und kein Problem an sich. Interessant ist der Vergleich zwischen Kohorten: Welche Quelle produziert eine flachere Abfallkurve? Welche Kohorte verliert Kontakte früh, stabilisiert sich dann aber? Wo gibt es einen steilen Einbruch nach einem bestimmten Monat — der auf einen konkreten Onboarding-Fehler oder eine problematische Kampagne hinweist? Das sind handlungsrelevante Muster.

Engagement-Entwicklung je Kampagnentyp

Unterteile deine Kohorten weiter danach, wie sie auf verschiedene E-Mail-Typen reagieren: Newsletters, Produktankündigungen, Edukations-E-Mails, Angebots-E-Mails. Manche Kohorten engagieren sich stark auf Content, brechen aber bei Verkaufs-E-Mails ein. Andere reagieren umgekehrt — sie ignorieren Content, aber kaufen, wenn ein Angebot kommt.

Dieses Wissen erlaubt dir, den Kampagnenmix kohortenspezifisch zu gestalten. Eine Quelle, die primär inhaltlich interessierte Kontakte liefert, braucht eine andere Nurturing-Sequenz als eine Quelle mit kaufbereiten Interessenten. Wer alle Kohorten mit demselben Versand-Rhythmus und Kampagnen-Mix bedient, verschenkt erhebliches Potenzial.

Time-to-Conversion je Kohorte

Wie lange dauert es, bis Kontakte einer bestimmten Kohorte ihren ersten Kauf tätigen? Kontakte aus organischen Suchquellen, die nach einer informativen Seite ankamen, brauchen typischerweise mehr Vertrauen und eine längere Nurturing-Phase als Kontakte, die über eine direkte Produktseite gekommen sind. Wer das weiß, kann Angebots-E-Mails kohortengerecht timen — und vermeidet, zu früh zu verkaufen, bevor das Vertrauen aufgebaut ist.

In der Praxis siehst du bei dieser Metrik oft deutliche Unterschiede zwischen Kanälen. Das hat direkte Konsequenzen für deine Budgetplanung: Ein Kanal mit langer Time-to-Conversion ist nicht automatisch schwächer — er braucht nur eine längere Beurteilungsphase, bevor du seine Profitabilität einschätzen kannst.

Umsatzbeitrag nach Kohorte

Wenn du in ActiveCampaign die CRM-Funktionen und Deal-Tracking nutzt, kannst du den generierten Umsatz je Kontakt den Kohorten zuordnen. Das zeigt, welcher Akquisitionskanal langfristig die profitabelsten Kunden bringt — eine Erkenntnis, die kurzfristige Conversion-Metriken alleine niemals liefern können. Ein Kanal mit niedrigen initialen Conversion-Kosten kann über zwölf Monate deutlich weniger Umsatz pro Kontakt liefern als ein teurer Kanal mit treuen Käufern.

Wer das Lead-Scoring-System in ActiveCampaign bereits nutzt, kann die Score-Entwicklung je Kohorte als Frühindikator für den späteren Umsatzbeitrag verwenden — lange bevor tatsächliche Käufe vorliegen.

Typische Fehler bei der Kohortenanalyse — Ursachen und Gegenmittel

Fehler: Kohorten zu klein schneiden

Wer fünf oder zehn unterschiedliche Kohorten mit jeweils zwanzig Kontakten bildet, bekommt keine belastbaren Muster. Zufallsschwankungen dominieren das Bild und führen zu falschen Schlüssen. Als praktische Untergrenze gilt: Eine Kohorte sollte groß genug sein, dass selbst wenn ein signifikanter Teil inaktiv wird, noch genügend aktive Kontakte für eine aussagekräftige Auswertung übrig bleiben. Das konkrete Minimum hängt von deiner Liste ab — auf einer Liste mit tausend Kontakten sind andere Kohorten sinnvoll als auf einer mit zehntausend.

Gegenmittel: Fange mit weniger, aber klar definierten Kohorten an. Zwei bis drei Anmeldequellen-Kohorten zu beobachten ist wertvoller als zehn Kohorten mit statistisch bedeutungslosen Größen.

Fehler: Beobachtungszeitraum zu kurz wählen

Dreißig-Tage-Auswertungen zeigen in der Kohortenanalyse kaum etwas Verwertbares. Kaufzyklen, saisonale Schwankungen und Vertrauensaufbau brauchen Zeit. Für B2C-Produkte mit kurzen Kaufzyklen sind sechs Monate ein sinnvoller Mindesthorizont. Für B2B-Produkte mit langen Entscheidungszyklen sind zwölf Monate oft notwendig, bevor belastbare Kohortenunterschiede sichtbar werden und Entscheidungen tragen.

Fehler: Externe Faktoren nicht berücksichtigen

Eine Dezember-Kohorte verhält sich anders als eine Juni-Kohorte — nicht zwingend wegen deiner Marketing-Aktionen, sondern weil saisonale externe Faktoren das Nutzerverhalten beeinflussen. Wer das ignoriert, schreibt saisonale Effekte fälschlicherweise dem eigenen Marketing zu. Das Gegenmittel: Zeitbasierte Kohorten immer im Jahresvergleich betrachten — Dezember 2025 versus Dezember 2026 — nicht nur im direkten Monatsvergleich.

Fehler: Nur auf Durchschnittswerte schauen

Durchschnittswerte können extreme Unterschiede innerhalb einer Kohorte verschleiern. Eine Kohorte mit wenigen sehr aktiven und vielen inaktiven Kontakten kann dieselbe Durchschnittsöffnungsrate haben wie eine Kohorte mit durchgängig mäßig aktiven Kontakten — aber das Optimierungspotenzial ist ein völlig anderes. Schaue zusätzlich immer auf die Verteilung und frage: Was haben die Top-Performer einer Kohorte gemeinsam? Das liefert oft nützlichere Erkenntnisse als der Durchschnittswert.

Fehler: Daten sammeln, aber keine Aktionen ableiten

Kohortenanalyse ist kein Selbstzweck. Sie erzeugt Wert erst, wenn die Erkenntnisse zu konkreten Maßnahmen führen. Eine Kohorte, die nach drei Monaten deutlich früher inaktiv wird als andere, braucht eine spezifische Reaktivierungssequenz — nicht nur eine Notiz im Dashboard. Plane deshalb von Beginn an, welche Mindesterkenntnisse welche Maßnahme auslösen. Zum Beispiel: Fällt die Retention einer Kohorte nach Monat zwei unter einen bestimmten Schwellenwert, richten wir eine kohortenspezifische Nurturing-Sequenz ein.

Abgrenzung: Kohortenanalyse, Segmentierung und A/B-Test im Vergleich

Alle drei Methoden arbeiten mit Kontaktgruppen, verfolgen aber unterschiedliche Ziele — und werden in der Praxis häufig verwechselt oder gegeneinander ausgespielt.

Segmentierung fragt: Wer sind meine Kontakte jetzt, und wen erreiche ich mit welcher Botschaft? Die Einteilung ist dynamisch — ein Kontakt wechselt das Segment, wenn sich sein Verhalten oder seine Attribute ändern. Segmentierung ist das operative Werkzeug für den täglichen Versand und die Personalisierung.

A/B-Test fragt: Welche Variante erzielt bei einer vergleichbaren Kontaktgruppe in diesem Moment bessere Ergebnisse? Der Zeithorizont ist kurz und die Frage auf einen Entscheidungsmoment konzentriert. A/B-Tests sind das Werkzeug für inkrementelle, taktische Optimierung. Wer wissen will, wie man A/B-Tests in ActiveCampaign methodisch sauber aufbaut, findet dafür einen eigenen Leitfaden zu A/B-Tests im E-Mail-Marketing.

Kohortenanalyse fragt: Wie hat sich eine definierte Einstiegsgruppe über Monate entwickelt? Die Kohortenzugehörigkeit ist unveränderlich — wer in Kohorte A ist, bleibt dort, unabhängig von späterem Verhalten. Kohortenanalyse ist das Werkzeug für strategische Entscheidungen über Kanäle, Onboarding-Qualität und Langzeit-Engagement.

In der Praxis ergänzen sich alle drei: Du segmentierst für den täglichen Versand, verbesserst mit A/B-Tests inkrementell einzelne Elemente, und leitest strategische Kanal- und Onboarding-Entscheidungen aus der Kohortenanalyse ab.

Wann Kohortenanalyse nicht das richtige Werkzeug ist

Kohortenanalyse setzt ausreichende Datenmenge und einen langen Beobachtungszeitraum voraus. In diesen Situationen greifst du besser zu anderen Methoden:

  • Wenn deine Liste noch klein ist und Kohorten entsprechend winzig würden: Beginne mit A/B-Tests, die auch mit kleineren Gruppen funktionieren. Baue aber parallel schon das Tagging-System auf, damit du später Kohorten-Auswertungen fahren kannst, ohne historische Daten verloren zu haben.
  • Wenn du eine Entscheidung innerhalb weniger Tage brauchst: Kohortenanalyse liefert keine validen Signale in diesem Zeitfenster. Nutze für schnelle Entscheidungen A/B-Tests mit klar definierten Abbruchkriterien.
  • Wenn alle deine Kontakte über denselben Kanal kommen: Es fehlt der Vergleichspunkt. Kohortenanalyse erzeugt Wert durch den Vergleich unterschiedlicher Gruppen. Arbeite erst daran, mehrere Akquisitionskanäle zu diversifizieren, bevor du Kohorten-Vergleiche aufbaust.
  • Wenn du keine saubere Tagging-Infrastruktur hast: Kohortenanalyse ohne verlässliche Kohortenzuordnung liefert nur Rauschen. Setze erst das technische Fundament, dann die Analyse.

Häufige Fragen

Wie richtest du Kohortenanalyse in ActiveCampaign ein, wenn es keine nativen Kohorten-Reports gibt?

ActiveCampaign bietet keine fertigen Kohorten-Dashboards. Das technische Fundament sind Tags für Kohortenzugehörigkeit und Custom Fields für Zeitstempel. Auswertungen baust du, indem du Kontakte nach Kohorten-Tags filterst, die Ergebnisliste exportierst und in einem Tabellenkalkulationsprogramm Engagement-Kurven über Zeit berechnest. Mit einem monatlichen Export-Rhythmus hast du innerhalb von sechs Monaten ausreichend Datenpunkte für belastbare Vergleiche.

Wie lange solltest du eine Kohorte beobachten, bevor du Entscheidungen ableitest?

Das hängt vom Produkt und Kaufzyklus ab. Als Untergrenze gilt: mindestens drei Monate, um erste Muster zu sehen; mindestens sechs Monate, um Entscheidungen über Akquisitionskanäle zu treffen. Im B2B mit langen Entscheidungszyklen sind zwölf Monate oft notwendig. Wer früher entscheiden muss, nutzt die ersten drei Monate als Frühindikator — aber mit dem Bewusstsein, dass frühe Muster sich noch verändern können.

Macht Kohortenanalyse A/B-Tests überflüssig?

Nein. A/B-Tests und Kohortenanalyse beantworten unterschiedliche Fragen. A/B-Tests optimieren kurzfristige taktische Entscheidungen: Betreffzeile, Versandzeitpunkt, Call-to-Action. Kohortenanalyse beantwortet strategische Fragen über Kanalqualität, Onboarding-Wirkung und Langzeit-Engagement. Du brauchst beides — der A/B-Test verbessert einzelne Elemente, die Kohortenanalyse zeigt, ob dein gesamtes System die richtigen Kontakte anzieht und hält.

Was tust du, wenn deine Kohorten zu wenige Kontakte enthalten?

Fasse Kohorten zusammen. Statt zwölf Monatskohorten betrachte vier Quartalskohorten. Statt sieben Anmeldequellen fasse ähnliche Quellen zusammen — zum Beispiel alle Paid-Channels als eine Kohorte und alle organischen Quellen als eine andere. Weniger, aber statistisch belastbare Kohorten liefern mehr verwertbare Erkenntnisse als viele Kohorten mit zu wenig Kontakten.

Welcher ist der erste sinnvolle Schritt, wenn du heute mit Kohortenanalyse beginnen willst?

Richte zuerst das Custom Field „Anmeldedatum-Kohorte“ und eine Automation ein, die neuen Kontakten automatisch einen Monats-Tag und einen Quellen-Tag zuweist. Das kostet weniger als eine Stunde Einrichtungszeit und stellt sicher, dass ab sofort alle neuen Kontakte korrekt einer Kohorte zugeordnet werden. Warte dann drei Monate und starte die erste Auswertung.

Der nächste praktische Schritt liegt im Setup — in ActiveCampaign das Custom Field anlegen und die erste Tagging-Automation aktivieren, bevor weitere Kontakte ohne Kohortenzuordnung ankommen. Wer mit der technischen Infrastruktur für Kontaktgruppen in ActiveCampaign noch nicht vertraut ist, findet in den Segmentierungs-Features von ActiveCampaign eine sinnvolle Grundlage dafür.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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