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E-Mail-Serien in ActiveCampaign: 5 Automationen aufbauen und einrichten

Tom
Tom
12. März 2026 · 15 Min. Lesezeit

Automatisierte E-Mail-Serien in ActiveCampaign reagieren auf Verhalten, Käufe oder Inaktivität – und laufen dann ohne manuellen Aufwand. Wer Welcome, Onboarding, Warenkorbabbruch, Reaktivierung und Bestandskunden-Aktivierung als eigene Automationen aufbaut, deckt die wichtigsten Kontaktpunkte ab und gibt jedem Kontakt genau die E-Mail, die zu seinem aktuellen Schritt im Kaufprozess passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • E-Mail-Serien starten durch Trigger (Anmeldung, Kauf, Inaktivität) und laufen vollautomatisch – sie ergänzen Newsletter, ersetzen sie aber nicht.
  • Die Welcome-Serie ist der Einstieg: Ohne sie geht Kaufinteresse verloren, das in den ersten Tagen nach der Anmeldung am höchsten ist.
  • Segmentierung entscheidet über Relevanz – wer alle Kontakte durch dieselbe Serie schickt, senkt Engagement und Zustellbarkeit.
  • Jede Automation braucht ein Goal, das sie beendet, wenn das Ziel erreicht ist. Ohne Goal schickt ActiveCampaign E-Mails weiter, obwohl der Kontakt bereits gekauft hat.
  • Drei gut aufgebaute Serien mit klaren Abschlussregeln übertreffen zehn halbfertige Automationen, die niemand auswertet.

E-Mail-Serie, Newsletter, Broadcast: Was gehört wohin?

Eine E-Mail-Serie schickt eine geplante Abfolge von Mails, die durch ein Ereignis ausgelöst wird und für jeden Empfänger zum Zeitpunkt seines eigenen Ereignisses startet. Ein Newsletter geht zu einem festen Termin an alle, die ihn abonniert haben. Ein Broadcast ist eine einmalige Sendung an ein Segment, ausgelöst von dir – nicht von einem Kontaktverhalten.

Der entscheidende Unterschied liegt im Timing. Jemand, der sich heute für deinen Newsletter anmeldet, bekommt die Welcome-Serie sofort – nicht erst beim nächsten regulären Versandtermin. Jemand, der gestern einen Warenkorb abgebrochen hat, bekommt seine Erinnerungs-Mail zwei Stunden später, nicht am nächsten Freitag mit dem regulären Newsletter.

ActiveCampaign behandelt beide Formate getrennt: Campaigns für klassische Rundsendungen, Automations für Serien. Du baust Serien ausschließlich im Automation Builder. Kampagnen und Serien konkurrieren um Aufmerksamkeit im Posteingang – wer beides parallel schickt, sollte sicherstellen, dass ein Kontakt in einer aktiven Welcome-Serie den wöchentlichen Newsletter pausiert bekommt, bis die Serie abgeschlossen ist.

Wann automatisierte Serien nicht das richtige Werkzeug sind

Serien setzen voraus, dass du weißt, welches Verhalten oder welcher Zeitpunkt als Trigger zählt. Fehlen dir diese Daten – weil dein Tracking nicht vollständig ist oder du keine klar definierte Customer Journey hast –, werden die Serien entweder zu früh, zu spät oder gar nicht starten.

Zu kleine Segmente: Wenn ein Segment weniger als 50 Kontakte enthält, ist der Testaufwand für Betreffzeilen und Inhalte nicht verhältnismäßig. Hier reichen manuelle Kampagnen. Eine Automation lohnt sich, wenn das Segment kontinuierlich wächst.

Ungeklärte Datenlage: Wer noch nicht weiß, warum Kontakte kaufen oder abwandern, baut Serien auf Vermutungen. Zuerst sollte das Tracking stehen – Site Tracking für Seitenbesuche und Event Tracking für Käufe –, dann folgt die Automation.

Fehlende Abschlussregeln: Jede Automation braucht eine klare Bedingung, unter der sie endet. Wer kein Goal definiert, schickt Kontakte, die bereits gekauft haben, trotzdem weiter durch die Warenkorbabbruch-Serie. Das untergräbt das Vertrauen in den Absender.

Die Welcome-Serie: Erster Kontakt, richtig aufgebaut

Welcome-Mails haben gegenüber regulären Newsletter-Kampagnen strukturell einen Vorteil: Der Empfänger hat sich gerade aktiv entschieden, von dir zu hören. Das Interesse ist in den ersten Stunden nach der Anmeldung am höchsten. Eine gut aufgebaute Welcome-Serie nutzt dieses Zeitfenster, ohne es mit Verkaufsdruck zu überladen.

Was die erste E-Mail leisten muss

Die erste Mail einer Welcome-Serie erfüllt eine einzige Aufgabe: Sie bestätigt, dass die Anmeldung eingegangen ist, und setzt die Erwartung, was als nächstes folgt. Keine Produktliste, kein Angebot, kein Gutschein in der ersten Mail. Wer sofort verkauft, riskiert das Vertrauen zu verspielen, das er gerade erst gewonnen hat.

Ein wirksamer Aufbau für Mail 1: Kurze Bestätigung der Anmeldung, eine Aussage darüber, welchen Nutzen der Empfänger durch die Kommunikation bekommt – nicht über das Unternehmen –, ein konkreter nächster Schritt. Dieser Schritt kann ein Download sein, eine Einladung zu einem Resource-Hub oder die Empfehlung eines besonders relevanten Beitrags.

Die Struktur einer 4-E-Mail-Welcome-Serie

Eine Serie mit vier Mails über sieben bis zehn Tage ist ein bewährter Ausgangspunkt. Die genaue Länge hängt davon ab, wie viel Vertrauen du aufbauen musst, bevor ein erstes Angebot Sinn ergibt.

  • Mail 1 (sofort nach Anmeldung): Ankunft bestätigen, Erwartung setzen. Kurz und klar.
  • Mail 2 (Tag 2 oder 3): Position klären – wer schreibt hier, welches Problem wird gelöst. Kein Unternehmensportrait, sondern ein konkreter Standpunkt zu einem für den Empfänger relevanten Thema.
  • Mail 3 (Tag 5 oder 6): Die nützlichste Ressource teilen, die der Kontakt für seinen nächsten Schritt braucht.
  • Mail 4 (Tag 8 oder 9): Weiches Angebot mit dem Fokus auf dem Nutzen für den Empfänger. Wer nach Mail 3 noch nicht bereit ist, wird durch einen zu direkten Verkaufspitch abgeschreckt.

Ein häufiger Irrtum: Welcome-Mails dürfen grundsätzlich nicht verkaufen. Das stimmt nicht. Der Unterschied liegt im Timing und in der Dosierung. Wer in Mail 1 bereits ein Angebot macht, schickt eine Botschaft: "Ich wollte eigentlich nur deine Adresse." Wer bis Mail 4 wartet, hat genug Kontext aufgebaut, damit das Angebot nachvollziehbar wirkt.

Einen detaillierten Aufbau für DACH-spezifische Welcome-Sequenzen einschließlich Varianten für unterschiedliche Lead-Magneten findest du im Beitrag zu Welcome-Sequenzen für DACH-Unternehmen in ActiveCampaign.

So richtest du die Welcome-Serie in ActiveCampaign ein – Schritt für Schritt

Ziel dieses Blocks: Eine vollständige Welcome-Automation mit Goal und Segmentierungs-Tags, die ab dem ersten Kontakt läuft.

  1. Gehe zu Automationen → Automation erstellen → Von Grund auf neu.
  2. Wähle als Trigger Abonniert eine Liste und wähle die passende Liste aus. Alternativ: Füllt ein Formular aus, wenn du nach Formular differenzierst.
  3. Füge als erste Aktion E-Mail senden hinzu und wähle deine vorbereitete Welcome-Mail 1.
  4. Füge nach der Mail eine Warten-Aktion ein: 2 Tage.
  5. Füge Mail 2 hinzu, dann wieder Warten: 3 Tage. Wiederhole das Muster für Mail 3 und Mail 4.
  6. Definiere ein Automation-Goal: zum Beispiel "Hat einen Kauf abgeschlossen" oder "Hat Formular X ausgefüllt". Platziere das Goal direkt nach dem Trigger, damit ActiveCampaign Kontakte dorthin vorspult, sobald sie das Ziel erreicht haben – auch mitten in der Serie.
  7. Füge am Ende der Serie eine Tag-Aktion hinzu: Tag "Welcome-Serie abgeschlossen". Das hilft bei der späteren Segmentierung.
  8. Aktiviere die Automation und prüfe mit einem Testkontakt, ob alle Schritte korrekt ausgeführt werden.

Wenn du verschiedene Lead-Magneten oder Anmeldeformulare für unterschiedliche Themen hast, baue für jedes Thema eine eigene Welcome-Serie. Ein einheitliches "Willkommen" für alle ist nur dann sinnvoll, wenn das Interesse der Anmeldenden homogen ist.

Die Onboarding-Serie: Neue Kunden zum ersten Erfolg führen

Onboarding-Serien setzen nach dem Kauf oder nach der Registrierung für ein Produkt an. Sie unterscheiden sich von der Welcome-Serie darin, dass ihr Ziel nicht das Kennenlernen, sondern die Aktivierung ist: Der Kontakt soll den ersten greifbaren Nutzen des Produkts erleben – schnell genug, damit er nicht abspringt.

Die kritische Phase in den ersten sieben Tagen

Ein Onboarding ist dann wirksam, wenn der Kontakt nach der ersten Mail eine konkrete Handlung ausführen kann, die ihm sofort etwas bringt. Das kann die Einrichtung einer ersten Automation, das Ausfüllen eines Profils oder das Anwenden einer Vorlage sein. Abstrakte Versprechen ("Bald wirst du Erfolge sehen") verfehlen dieses Ziel.

Wer ein digitales Produkt in den ersten sieben Tagen nicht genutzt hat, nutzt es häufig dauerhaft nicht. Onboarding-Mails dienen dazu, diese erste Nutzung aktiv herbeizuführen – mit konkreten Schritten, nicht mit Lobpreisungen des Produkts.

Aufbau einer 5-E-Mail-Onboarding-Serie

  • Mail 1 (Tag 0, sofort nach Kauf oder Registrierung): Zugangsdaten oder der direkte nächste Login-Schritt – klar und ohne Umschweife.
  • Mail 2 (Tag 1): Der erste Quick Win: eine konkrete Anleitung, die in weniger als zehn Minuten abgeschlossen ist. Kein Überblick über alle Features, nur der eine Schritt, der sofort Nutzen bringt.
  • Mail 3 (Tag 3): Ein Praxisbeispiel, wie ein typischer Nutzer dasselbe Problem gelöst hat – ohne Namensnennung, in allgemeiner Form. Konkrete Einblicke zeigen, was den Unterschied zwischen Theorie und Anwendung ausmacht.
  • Mail 4 (Tag 7): Die drei häufigsten Einsteigerfehler benennen und erklären, wie man sie vermeidet. Wer weiß, was andere falsch machen, fühlt sich kompetenter und bleibt länger dabei.
  • Mail 5 (Tag 14): Ausblick auf die nächste Stufe – nur, wenn der Kontakt das Basis-Produkt bereits genutzt hat. Kein Upgrade-Pitch für jemanden, der noch keinen Nutzen erlebt hat.

Meilensteine in ActiveCampaign tracken und als Goals nutzen

Im Automation Builder definierst du Goals basierend auf Custom Events. Wenn dein Produkt an ActiveCampaign angebunden ist, kannst du Ereignisse wie "Erste Automation erstellt" oder "Erstes Formular veröffentlicht" als Custom Events senden. Kontakte, die einen Meilenstein erreichen, verlassen die laufende Onboarding-Etappe und wechseln in die nächste – oder bekommen ein Tag, das sie für eine Cross-Sell-Serie qualifiziert.

Ohne diese Tracking-Anbindung arbeitest du mit Proxy-Metriken: Hat der Kontakt die Mail geöffnet? Hat er auf den Aktivierungs-Link geklickt? Das ist weniger präzise, aber besser als keine Unterscheidung zwischen aktiven und inaktiven neuen Kunden. Wo Custom Events nicht verfügbar sind, hilft ein Conditional Content-Block innerhalb der Automation, der unterschiedliche Inhalte liefert, je nachdem welches Tag der Kontakt trägt.

Warenkorbabbruch und Reaktivierung: Zwei Serien für den Rückgewinn

Warenkorbabbruch-Serien und Reaktivierungs-Serien verfolgen ein ähnliches Ziel – sie holen Kontakte zurück, die kurz davor waren, eine Aktion abzuschließen –, unterscheiden sich aber deutlich in Trigger, Tonalität und technischem Setup.

Die Warenkorbabbruch-Serie: Kaufinteresse aufgreifen

Wer einen Warenkorb befüllt und abbricht, hat Kaufinteresse signalisiert. Das ist ein stärkeres Signal als ein bloßer Seitenbesuch. Eine Warenkorbabbruch-Serie reagiert auf dieses Signal, ohne zu bedrängen.

Warenkorbabbrecher brechen aus unterschiedlichen Gründen ab: Unsicherheit über Versandkosten, unklares Rückgaberecht, Preisvergleich oder schlichte Ablenkung. Die erste E-Mail sollte deshalb keine Vergünstigung anbieten, sondern eine Erinnerung ohne Druck sein. Wer sofort mit einem Rabatt startet, trainiert sein Publikum dazu, Käufe absichtlich abzubrechen und auf den Rabatt zu warten.

  • E-Mail 1 (2–4 Stunden nach dem Abbruch): Einfache Erinnerung mit direktem Link zum Checkout. Keine Erklärungen, kein Druck.
  • E-Mail 2 (24 Stunden nach E-Mail 1): Häufige Bedenken ansprechen: Rückgabebedingungen, Lieferzeiten, Kundenmeinungen. Wahlweise ähnliche Produkte anzeigen, falls das ursprüngliche nicht das Richtige war.
  • E-Mail 3 (48 Stunden nach E-Mail 2, optional): Finaler Impuls. Ein zeitlich begrenzter Vorteil kann hier eingesetzt werden – aber nur, wenn er tatsächlich endet.

ActiveCampaign nutzt für Warenkorbabbruch-Automationen die tiefe Integration mit Shopify, WooCommerce oder BigCommerce. Das "Abandoned Cart"-Event steht dann als Trigger im Automation Builder zur Verfügung. Das Automation-Goal muss auf "Hat einen Kauf abgeschlossen" gesetzt werden, damit Käufer die Serie sofort verlassen. Für DSGVO-Konformität gilt: Warenkorbabbruch-Mails gehen ausschließlich an Kontakte, die bereits in der Liste eingetragen sind und deren Einwilligung für Marketing-E-Mails vorliegt.

Die Reaktivierungs-Serie: Inaktive Kontakte richtig ansprechen

Kontakte, die über mehrere Monate keine E-Mails geöffnet oder geklickt haben, belasten die Zustellbarkeit. E-Mail-Anbieter bewerten Engagement: Wer regelmäßig an Kontakte schickt, die nie reagieren, landet irgendwann im Spam-Ordner – auch bei aktiven Kontakten.

Eine Reaktivierungs-Serie hat zwei Ziele: Engagierte Kontakte identifizieren und halten. Dauerhaft inaktive Kontakte sauber aus der aktiven Liste nehmen. Für das Reaktivierungs-Segment in ActiveCampaign eignen sich folgende Kriterien: Letzte geöffnete E-Mail vor mehr als 90 Tagen, auf der Liste seit mindestens sechs Monaten, mindestens einmal geöffnet (damit du weißt, dass der Kontakt früher aktiv war).

  • E-Mail 1: Konkret benennen, was sich seit dem letzten Kontakt verändert hat – ein neues Produkt, ein Update, ein besonders hilfreicher Beitrag. Keine emotionalen Appelle wie "Wir vermissen dich."
  • E-Mail 2: Direkte Frage nach dem Grund für die Inaktivität. Angebot zur Präferenzanpassung: Häufigkeit reduzieren, Themen wechseln. Wer über diesen Link klickt, signalisiert Bereitschaft.
  • E-Mail 3 (optional, nach weiteren 7 Tagen): Letzte Aufforderung vor dem Austragen. Wer auch hier nicht reagiert, bekommt das Tag "Inaktiv" und verlässt die reguläre Liste.

Der Unterschied zwischen "aus der aktiven Liste nehmen" und "löschen" ist für DACH-Unternehmen relevant: Kontakte dürfen nur dann gelöscht werden, wenn keine rechtliche Grundlage mehr für die Datenspeicherung besteht. In den meisten Fällen reicht es, sie aus dem aktiven Segment zu entfernen. Was danach mit dauerhaft inaktiven Kontakten passiert, erklärt der Beitrag zu Reaktivierungs-E-Mails für inaktive Kontakte mit weiteren Vorlagen und Entscheidungsregeln.

Die Bestandskunden-Serie: Wiederkauf und Cross-Sell steuern

Wer bereits gekauft hat, kennt dich. Das senkt die Hemmschwelle für weitere Käufe. Gleichzeitig wissen Bestandskunden genau, was sie erwartet – und reagieren entsprechend, wenn die Kommunikation nicht zu ihrer Situation passt. Bestandskunden-Serien funktionieren deshalb nur dann, wenn sie auf tatsächlichem Kaufverhalten basieren, nicht auf pauschalen Nachfassmails.

Verhaltensbasierte Trigger für Wiederkäufer

In ActiveCampaign steht dir die Kaufhistorie als Grundlage für Trigger zur Verfügung, sofern dein E-Commerce-System angebunden ist. Typische Muster:

  • Ein Kontakt kauft regelmäßig alle 30 bis 45 Tage, aber seit 60 Tagen hat er nichts mehr bestellt: Trigger für eine Reaktivierungs-Mail mit einem Angebot aus seiner bisherigen Kaufkategorie.
  • Ein Kontakt hat dreimal Produkt A gekauft, aber noch nie Produkt B, das logisch ergänzend ist: Trigger für eine Cross-Sell-Serie mit direktem Bezug auf Produkt A.
  • Letzter Kauf vor mehr als 90 Tagen: Trigger für eine Win-back-Kampagne mit einem konkreten Anlass – saisonaler Aufhänger, neues Sortiment, relevantes Update.

Setup mit Date-basierten Automationen in ActiveCampaign

Für zeitbasierte Bestandskundenserien nutzt du Date-based Automations. Gehe zu Automationen → Erstellen → Datum-basiert und wähle als Trigger ein Custom Field, in dem du das Kaufdatum oder das Mitgliedschaftsanfangsdatum speicherst. ActiveCampaign prüft täglich, welche Kontakte das Datum-Kriterium erfüllen, und startet die Automation entsprechend.

Alternativ arbeitest du mit Conditional Content innerhalb einer laufenden Automation: Kontakte mit Tag "Käufer-Kategorie-A" bekommen einen anderen E-Mail-Inhalt als Kontakte mit Tag "Käufer-Kategorie-B", obwohl beide in derselben Automation stecken. Das reduziert die Zahl der Automationen und vereinfacht die Wartung erheblich.

Die 2-Stufen-Bestandskunden-Aktivierung nach dem Kauf

In der ersten Stufe (3 bis 5 Tage nach dem Kauf) steht ein einfacher Check-in im Mittelpunkt: "Wie läuft es mit dem Produkt?" Diese Mail öffnet eine Antwortmöglichkeit. Wer antwortet, gibt Feedback für Testimonials oder Produktentwicklung und signalisiert gleichzeitig hohes Engagement.

In der zweiten Stufe (14 bis 21 Tage nach dem Kauf) folgt ein Cross-Sell oder Upsell, der logisch aus dem Erstkauf hervorgeht. "Weil du X gekauft hast, könnte Y interessant sein" – mit konkreter Begründung – überzeugt deutlich besser als eine generische Produktempfehlung ohne Bezug auf das, was der Kontakt bereits kennt.

Welche der fünf Serientypen du wann priorisieren solltest, hängt von deinem Geschäftsmodell ab. Als grobe Orientierung: Die Welcome-Serie läuft bei nahezu jedem Business zuerst. Die Warenkorbabbruch-Serie ist beim E-Commerce sofort sinnvoll. Onboarding und Bestandskunden folgen, sobald die Basiskommunikation steht. Die Reaktivierungs-Serie lohnt sich, sobald die Liste über 1.000 aktive Kontakte hat.

Typische Fehler bei E-Mail-Serien – und was du dagegen tust

Kein Automation-Goal definiert

Kontakte, die das Ziel einer Automation bereits erreicht haben, erhalten weiterhin Mails – zum Beispiel läuft die Warenkorbabbruch-Serie weiter, obwohl der Kontakt längst gekauft hat. Das passiert, wenn kein Goal die Automation frühzeitig beendet. Gegenmittel: Jede Automation bekommt beim Aufbau ein klares Goal. Für die Warenkorbabbruch-Serie ist das "Hat einen Kauf abgeschlossen", für die Welcome-Serie kann es "Hat sich für ein Erstgespräch eingetragen" sein.

Zu viele parallele Serien für denselben Kontakt

Wenn ein Kontakt gleichzeitig in einer Welcome-Serie, einer Onboarding-Serie und dem wöchentlichen Newsletter steckt, erhält er täglich Mails – ohne Koordination. Das erhöht Abmelderaten und Spam-Beschwerden. Gegenmittel: Definiere Exklusivitätsregeln. Kontakte in der Welcome-Serie pausieren den Newsletter für die Dauer der Serie. In ActiveCampaign steuerst du das über Tags und Bedingungen in der Kampagnenplanung.

Betreffzeilen werden nie getestet

Serien, die von Anfang an schwache Betreffzeilen haben und nie getestet werden, verlieren kontinuierlich Öffnungen. Da Serien immer wieder neue Kontakte durchlaufen, ist der Verlust dauerhaft. Gegenmittel: Teste für jede Serie mindestens die Betreffzeile der ersten Mail, bevor die Automation dauerhaft aktiv ist. ActiveCampaign bietet Split-Testing direkt im Automation Builder an.

Keine Auswertung nach dem Einrichten

Eine Automation, die seit Monaten läuft, ohne dass jemand die Performance einzelner Mails ausgewertet hat, läuft oft an der Zielgruppe vorbei. Gegenmittel: Lege einen festen Rhythmus fest – einmal pro Quartal –, um die Öffnungsraten, Klickraten und Abmelderaten jeder aktiven Automation durchzugehen. Kontrolliere besonders, an welchem Punkt in der Serie die meisten Kontakte abmelden. Das ist der Hinweis, wo der Inhalt nicht mehr trägt.

Serie ohne klares Ende

Manche Automationen haben kein Schlussszenario: Sie enden einfach, ohne dass klar ist, was mit dem Kontakt danach passiert. Wer die Welcome-Serie durchlaufen hat, sollte danach automatisch einem Segment oder einer Liste zugewiesen werden, das seine Interessen widerspiegelt. Ohne diese Weiterleitung fällt er in ein Kommunikationsloch – bis er irgendwann den nächsten Newsletter bekommt, ohne dass der Absender weiß, wo dieser Kontakt in seiner Journey steht.

Häufige Fragen

Wie viele E-Mails sollte eine automatisierte Sequenz haben?

Das hängt vom Ziel ab. Welcome-Serien funktionieren gut mit drei bis fünf Mails. Onboarding-Serien für komplexere Produkte können sieben bis zehn Mails haben, wenn jede Mail ein eigenes Thema bearbeitet. Mehr Mails sind kein Qualitätsmerkmal – besser wenige Mails mit klarem Ziel als viele Mails, die dasselbe wiederholen. Wer unsicher ist, startet mit einer kürzeren Serie und erweitert sie, sobald er sieht, an welcher Stelle Kontakte noch mehr Informationen gebraucht hätten.

Kann ich in ActiveCampaign verschiedene Serien für unterschiedliche Zielgruppen aufbauen?

Ja, und das ist empfehlenswert. Wenn du verschiedene Buyer Personas oder Produktlinien bedienst, braucht jede ihre eigene Welcome- und Onboarding-Serie. ActiveCampaign erlaubt es, den Trigger einer Automation auf ein bestimmtes Tag oder eine bestimmte Liste zu beschränken, so dass nur die passende Zielgruppe in die jeweilige Serie eintritt. Eine Automation ohne Zugangsbeschränkung würde jeden neuen Kontakt durchlaufen lassen, unabhängig davon, ob der Inhalt zu ihm passt.

Wie gehe ich mit DSGVO und E-Mail-Serien in Deutschland um?

E-Mail-Serien senden ausschließlich an Kontakte, für die eine gültige Einwilligung vorliegt – in Deutschland in der Regel durch Double-Opt-in. Das gilt auch für Warenkorbabbruch-Mails an Bestandskunden: Eine bestehende Geschäftsbeziehung erlaubt unter Umständen transaktionale Mails, ist aber keine pauschale Grundlage für Marketing-Automationen. Wer sich nicht sicher ist, ob die vorliegenden Einwilligungen ausreichen, sollte das mit einem auf Datenschutz spezialisierten Anwalt klären, bevor er die Automation aktiviert.

Was passiert, wenn ein Kontakt die Automation verlässt, bevor er alle Mails bekommen hat?

In ActiveCampaign bleibt der Kontakt an der Stelle in der Automation, an der er aufgehört hat – er verlässt die Automation nicht von selbst, außer er hat ein Goal erreicht, wurde manuell entfernt oder hat sich abgemeldet. Ein Kontakt, der sich abmeldet, verlässt die Automation und die Liste gleichzeitig. Ein Kontakt, der lediglich nicht öffnet, bleibt in der Automation, bis er alle Schritte durchlaufen hat. Das ist der Standard-Modus; du kannst ihn mit Bedingungen anpassen.

Welche Metriken zeigen, ob eine E-Mail-Serie tatsächlich funktioniert?

Öffnungsrate und Klickrate sind Anhaltspunkte, aber nicht die entscheidende Metrik. Die Zielmetrik ist das, was das Automation-Goal misst: Wie viele Kontakte schließen das Ziel der Automation ab? Bei der Welcome-Serie kann das der Erstkauf oder die Anmeldung für ein Gespräch sein. Bei der Onboarding-Serie ist es die erste Nutzung eines Features. Diese Zahl lässt sich in ActiveCampaign direkt im Automation-Bericht ablesen, wenn das Goal sauber definiert ist. Alles andere ist Proxy-Metrik.

Wer die technische Grundlage für all diese Serien verstehen will – von Triggern über Wartezeiten bis hin zu verschachtelten Bedingungen – findet den vollständigen Aufbau im Leitfaden zu ActiveCampaign-Automationen: Trigger, Actions und Bedingungen.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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