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E-Mail-Engagement steigern: 8 bewährte Strategien für nachhaltige Erfolge

Tom
Tom
12. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

E-Mail-Engagement steigt, wenn drei Dinge zusammenkommen: Die richtigen Inhalte landen beim richtigen Segment zur richtigen Zeit. Wer alle Kontakte identisch bespielt, verliert Aufmerksamkeit nicht durch schlechte Betreffzeilen, sondern durch fehlende Relevanz. Dieser Beitrag zeigt, welche Stellschrauben in ActiveCampaign tatsächlich wirken – von der Segmentierung nach Verhalten über verhaltensbasierte Trigger-Sequenzen bis zur Sunset-Strategie für dauerhaft inaktive Kontakte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Öffnungsraten sind seit Apples Mail Privacy Protection kein verlässlicher Engagement-Indikator mehr – Klickrate, Antwortrate und Conversion Rate zeigen tatsächliches Verhalten.
  • Segmentierung nach Verhalten (geklickte Links, besuchte Seiten, Kaufhistorie) erzeugt mehr Relevanz als demografische Merkmale und ist der stärkste Einzelhebel für Klickraten.
  • Konsistenz bei Sendefrequenz und Absendernamen schlägt die Suche nach dem vermeintlich perfekten Versandzeitpunkt.
  • Inaktive Kontakte zu reaktivieren lohnt sich bis zu einem klar definierten Punkt – danach schadet eine aufgeblähte Liste durch schlechte Absender-Reputation mehr, als sie nützt.
  • ActiveCampaign bildet alle hier beschriebenen Mechanismen nativ ab: Engagement-Tags, Lead Scoring, dynamischer Content und Site Tracking lassen sich in denselben Automationen kombinieren.

Metriken neu denken: Was nach Apples Mail Privacy Protection als Engagement-Signal zählt

Mit iOS 15 und macOS Monterey hat Apple im Herbst 2021 die Mail Privacy Protection eingeführt. Die Funktion lädt E-Mail-Inhalte – einschließlich Tracking-Pixel – automatisch vor, unabhängig davon, ob der Empfänger die Nachricht tatsächlich öffnet. Je nach Anteil der Apple-Mail-Nutzer in deiner Liste sind die ausgewiesenen Öffnungsraten seitdem strukturell überhöht. Als absoluter Schwellenwert – „unter 20 % ist ein Problem“ – taugen sie nicht mehr.

Das bedeutet nicht, dass Öffnungsraten wertlos sind. Sie zeigen Trends innerhalb derselben Liste: Sinkt die Rate über einen Monat deutlich, ist das ein relevantes Signal, auch wenn der absolute Wert überhöht ist. Für Benchmarks mit anderen Listen oder Branchen sind sie dagegen unbrauchbar – dort vergleichst du strukturell überhöhte Zahlen miteinander. Für operative Versandentscheidungen brauchst du andere Größen.

Die Metriken, die tatsächlich Verhalten abbilden:

  • Klickrate: Nur wer klickt, hat wirklich reagiert. Diese Zahl ist von Mail Privacy Protection nicht betroffen und gibt direktes Feedback darüber, ob der Call-to-Action in deiner E-Mail funktioniert.
  • Antwortrate: Direkte Antworten auf E-Mails gelten bei E-Mail-Providern als starkes positives Signal. Sie landen in deinem Postfach und geben qualitatives Feedback darüber, was deine Liste wirklich beschäftigt.
  • Conversion Rate: Wie viele Empfänger haben nach der E-Mail die gewünschte Aktion ausgeführt? Das ist die Zahl, die Umsatz erklärt und die einzige Metrik, die direkt auf Geschäftsergebnisse einzahlt.
  • Unsubscribe Rate und Spam-Beschwerden: Negative Signale, die Zustellbarkeit direkt beeinflussen. Schon kleine Anstiege über Wochen können die Inbox-Platzierung spürbar verschlechtern.

ActiveCampaign trackt Klicks auf alle Links nativ und zeigt die Klickrate je Kampagne und je Link. Mit Site Tracking kannst du darüber hinaus messen, welche Seiten ein Kontakt nach dem Klick besucht – das gibt dir ein vollständigeres Bild von der Interessensbekundung bis zur Kaufentscheidung.

Das 4-Stufen-Engagement-Modell – und wie du es in ActiveCampaign abbildest

Die häufigste Ursache für sinkendes Engagement ist nicht schlechter Content, sondern fehlende Differenzierung: Wer Champions und Passive mit denselben E-Mails bespielt, behandelt beide schlecht. Ein Engagement-Modell, das auf tatsächlichem Verhalten basiert, schafft die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen – Trigger-Sequenzen, Re-Engagement-Kampagnen und Sunset-Regeln setzen alle voraus, dass du weißt, wer aktiv ist und wer nicht.

Ein praxisnahes 4-Stufen-Modell unterteilt die Liste nach tatsächlichem Klickverhalten:

  • Champions: Klicken regelmäßig, antworten gelegentlich, konvertieren. Diese Kontakte vertragen höhere Sendefrequenz und reagieren gut auf exklusive Inhalte oder frühen Zugang zu neuen Themen.
  • Aktive: Klicken in einem nennenswerten Anteil der Sendungen, konvertieren seltener. Sie sind prinzipiell interessiert, aber noch nicht im richtigen Moment mit dem richtigen Angebot angesprochen worden.
  • Passive: Kein Klick in den letzten 60 Tagen, aber keine aktiven Abmeldungen oder Beschwerden. Die größte Gruppe in den meisten Listen – und der Bereich mit dem größten Reaktivierungspotenzial.
  • Inaktive: Kein nachvollziehbares Engagement seit 90 Tagen oder mehr. Hier setzt die Sunset-Entscheidung an.

Setup in ActiveCampaign: Lead Scoring und Tags kombinieren

ActiveCampaign bietet keine vordefinierte Segmentierung in diese vier Stufen, aber alle Zutaten dafür sind vorhanden. Du kombinierst Lead Scoring mit Tags und Automationen:

  1. Lead Scoring konfigurieren: Vergib positive Punkte für Link-Klicks und negative Punkte für Zeiträume ohne Aktivität. Automationen → Lead Scoring → Regeln bearbeiten. Beispielregel: +5 Punkte je Klick, −2 Punkte je Woche ohne Klick. Der Score nähert sich nach einigen Wochen organisch dem echten Engagement-Niveau des Kontakts an.
  2. Score-Schwellen in Tags umwandeln: Erstelle eine Automation, die den Tag „Engagement: Champion“ setzt, sobald der Score eine definierte Schwelle übersteigt, und ihn entfernt, sobald er darunter fällt. Gleiches Prinzip für alle anderen Stufen. Die Tags bleiben dadurch dynamisch aktuell.
  3. Segmente auf Basis der Tags bauen: Kontakte → Segmente → Neu erstellen. Jede Kampagne kann dann auf ein Segment eingeschränkt werden, statt an die gesamte Liste zu gehen.
  4. Automation bei Stufenwechsel einrichten: Eine Automation, die beim Tag-Wechsel auslöst, ermöglicht automatische Konsequenzen: Wer von Aktiv auf Passiv wechselt, tritt automatisch in eine Re-Engagement-Sequenz ein, ohne manuellen Eingriff.

Lead Scoring ist in ActiveCampaign ab dem Plus-Plan verfügbar. Wer noch nicht dort ist, kann dasselbe Prinzip mit Tags auf Basis von „Link-Klick in den letzten 30 Tagen: Ja/Nein“ umsetzen – weniger granular, aber als Ausgangspunkt wirksam.

Mehr zur Konfiguration des Scoring-Modells findest du im Beitrag zu Lead Scoring in ActiveCampaign.

Frequenz, Content und Interaktion: drei Hebel, die zusammenwirken

Engagement ist kein Zufallsergebnis einer Einzelkampagne. Es entsteht aus dem Muster, das deine Liste über Wochen von dir bekommt: wie oft, mit welchen Inhalten, und ob der Empfänger eine Handlung ausführen kann oder nur konsumiert. Diese drei Stellschrauben hängen zusammen – wer nur eine optimiert, kommt nicht weit.

Frequenz testen, ohne zu raten

Die Frage nach der richtigen Versandfrequenz ist keine reine Optimierungsaufgabe, sondern eine Frage des Versprechens: Was erwartet jemand, wenn er sich einträgt? Wer bei der Anmeldung „wöchentlicher Newsletter“ versprochen hat, sollte nicht plötzlich täglich senden. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität gehört zu den häufig unterschätzten Ursachen für steigende Abmelderaten.

B2B-Listen mit Entscheidungsthemen vertragen ein bis zwei E-Mails pro Woche gut. E-Commerce-Listen mit aktuellem Angebotsbezug können höhere Frequenzen tragen, solange die Inhalte direkt mit Kaufanlässen zusammenhängen. Onboarding-Sequenzen für neue Abonnenten vertragen die höchste Frequenz in den ersten zwei Wochen – das Interesse ist frisch, die Erwartungshaltung aktiv. Danach sollte die Frequenz sinken, wenn kein Kauf stattgefunden hat.

Ein sauberer Frequenz-Test funktioniert nicht mit einem einmaligen A/B-Versand, sondern über vier bis sechs Wochen: Zwei stabile Segmente, eines mit wöchentlichen und eines mit zweiwöchentlichen E-Mails. Danach Klickrate, Abmelderate und – wenn messbar – Conversion Rate vergleichen. Öffnungsraten lässt du bei diesem Test außen vor. Wichtig: Teste dabei nur die Frequenz, nicht gleichzeitig das Thema oder Format. ActiveCampaign-A/B-Tests innerhalb einer Kampagne testen Betreffzeilen und Inhalte, keine Frequenzmuster – für den Frequenz-Test brauchst du zwei separate Segmente mit manuell gestaffelten Sends.

E-Mails, die Antworten provozieren

Eine E-Mail, die gelesen und geschlossen wird, hat kein Engagement erzeugt – sie hat Aufmerksamkeit konsumiert. E-Mail-Provider werten direkte Antworten als starkes positives Signal: Wenn jemand antwortet, hat er nicht nur geöffnet, sondern aktiv reagiert. Gleichzeitig bekommst du qualitatives Feedback, das dir zeigt, welche Themen wirklich brennen.

Die Technik ist direkt: Schließe E-Mails mit einer niedrigschwelligen Frage ab, die keine lange Antwort erfordert. Nicht „Was hältst du generell von E-Mail-Automation?“ – das ist zu weit. Besser: „Was ist gerade dein größtes Problem beim Aufbau von Segmenten in ActiveCampaign?“ – das zieht nur jene an, die das Problem tatsächlich haben.

Aktivierungsfragen, die in der Praxis Antworten erzeugen:

  • „Klick Reply und schreib mir ein Wort: Was blockiert dich gerade am stärksten beim E-Mail-Marketing?“
  • „Welche Automation läuft bei dir gut, welche macht Probleme? Ich bin neugierig.“
  • „Ich schreibe gerade über [spezifisches Thema] – stimmt das mit deiner Erfahrung überein? Antwort dauert 30 Sekunden.“

Wer auf Antworten reagiert – auch kurz –, baut eine Beziehung auf, die bei allen späteren E-Mails zu höherem Engagement führt. Gleichzeitig lernst du, welche Themen tatsächlich brennen und welche du in Zukunft kürzer behandeln kannst.

Personalisierung und Behavioral Triggering in ActiveCampaign

Den Vornamen in der Betreffzeile zu verwenden ist kein Engagement-Hebel mehr – es ist ein Minimum, das fast jeder einsetzt und das die meisten Empfänger registrieren, ohne dadurch zu klicken. Echte Personalisierung bedeutet, dass die Inhalte einer E-Mail auf das tatsächliche Verhalten des Empfängers eingehen: was er angeklickt hat, welche Seiten er besucht hat, was er bisher gekauft oder beauftragt hat.

Vier Datenpunkte, die in ActiveCampaign für verhaltensbasierte Personalisierung genutzt werden können:

  • Angeklickte Links aus früheren E-Mails: Wer in mehreren aufeinanderfolgenden E-Mails auf Beiträge zu Automationen geklickt hat, interessiert sich für Automationen. Das ist einen Tag wert, der den Content der nächsten E-Mails steuert.
  • Besuchte Seiten per Site Tracking: ActiveCampaign ordnet Seitenbesuche bekannten Kontakten zu. Wer die Preisseite besucht hat, aber noch nicht angefragt hat, gehört in ein anderes Segment als jemand, der ausschließlich Blogartikel liest.
  • Kaufhistorie über Integrationen: E-Commerce-Daten aus Shopify oder WooCommerce fließen direkt in ActiveCampaign ein. Wer Produkt A gekauft hat, bekommt andere E-Mails als jemand, der noch in der kostenlosen Testphase ist.
  • Antwortsignale aus früheren Sequenzen: Wer auf eine Frage geantwortet und einen entsprechenden Tag erhalten hat, bekommt anderen Content als jemand, der nie reagiert hat.

In ActiveCampaign Professional ist dynamischer Content nativ verfügbar: Innerhalb einer E-Mail-Vorlage können Textblöcke oder ganze Abschnitte ein- oder ausgeblendet werden, abhängig von Kontaktfeldern, Tags oder Listenzugehörigkeit. Statt fünf verschiedene E-Mail-Varianten zu erstellen, erstellst du eine E-Mail mit fünf dynamischen Blöcken – eine erhebliche Zeitersparnis, sobald die Segmente erst einmal stabil laufen.

So richtest du eine verhaltensbasierte Trigger-Sequenz ein

Eine Behavioral-Trigger-Sequenz reagiert auf konkrete Aktionen, nicht auf Zeitpläne. Statt „Donnerstag 10 Uhr“ löst sie aus, wenn jemand einen Link klickt, eine Seite besucht oder ein Formular abschickt – genau dann, wenn das Interesse aktiv ist. Konkretes Beispiel: Ein Kontakt klickt auf einen Link zu deiner Seite über E-Mail-Segmentierung. Du willst ihm innerhalb von 24 Stunden eine vertiefende E-Mail schicken.

  1. Site Tracking aktivieren: Automationen → Einstellungen → Site Tracking. Den Tracking-Code auf der Zielseite einbinden. Einmal eingebunden, erkennt ActiveCampaign, welcher bekannte Kontakt welche Seite besucht.
  2. Automation mit Eintrittspunkt „Seitenbesuch“ erstellen: Automationen → Neu erstellen → Eintrittspunkt: „Kontakt besucht eine URL“. Als URL gibst du die exakte Seite an oder ein URL-Muster – zum Beispiel alle Seiten mit /wissen/ im Pfad.
  3. Wartezeit einbauen und Bedingung prüfen: Füge nach dem Eintrittspunkt eine Wartezeit von einer Stunde ein. Danach Bedingung: „Hat Seite in den letzten zwei Stunden besucht: Ja.“ Wer die Bedingung nicht erfüllt, verlässt die Automation ohne E-Mail – das filtert reine Zufalls-Klicker heraus.
  4. E-Mail senden: Der Inhalt greift direkt das Thema der besuchten Seite auf – keine generische Newsletter-E-Mail, sondern eine konkrete Vertiefung des gezeigten Interesses.
  5. Tag setzen: Nach dem Versand: Tag „Interesse: Segmentierung“ setzen. Das speichert das Signal für spätere Kampagnen und verhindert, dass dieselbe Automation beim nächsten Besuch erneut auslöst.

Diese Sequenz lässt sich auf beliebig viele Seiten und Themen ausweiten. Wer sie systematisch aufbaut, erhält nach einigen Monaten ein klares Bild, welche Inhaltsthemen bei welchen Kontakten resonieren – und kann zukünftige Kampagnen entsprechend ausrichten, statt auf Annahmen zu bauen.

Inaktive Kontakte reaktivieren – und wann Löschen die bessere Wahl ist

Inaktive Kontakte kosten Geld durch Listengebühren, senken die Klickrate des Accounts strukturell und können die Zustellbarkeit verschlechtern, wenn ihr Anteil hoch wird. Gleichzeitig ist ein Reaktivierungsversuch sinnvoll, bevor Kontakte aus der aktiven Liste entfernt werden – ein Teil lässt sich zurückgewinnen, wenn der Ansatz direkt und nicht werblich ist.

Eine Re-Engagement-Sequenz mit vier E-Mails, zwischen denen je vier bis fünf Tage liegen:

  1. E-Mail 1 – direkte Ansprache: Kein empathischer Opener. Konkret: „Du hast in den letzten drei Monaten keine meiner E-Mails angeklickt. Ich möchte wissen, ob das Thema [X] noch relevant für dich ist.“ Kurz, kein Verkauf.
  2. E-Mail 2 – konkreter Wert: Ein isolierter, praktisch verwertbarer Inhalt – ein bisher nicht versendeter Leitfaden oder eine konkrete Praxis-Einschätzung zu einem spezifischen Problem. Der Inhalt muss eigenständig funktionieren, ohne dass der Empfänger vorher etwas lesen muss.
  3. E-Mail 3 – letzte Ressource mit transparentem Hinweis: Nochmal konkreter Inhalt, diesmal mit explizitem Hinweis: „Das ist meine letzte E-Mail, bevor ich dich aus meiner aktiven Liste nehme. Falls du lieber seltener hörst, antworte mir kurz.“
  4. E-Mail 4 – Abschluss: „Ich werde dir keine weiteren E-Mails schicken. Falls du wieder hören willst, kannst du dich jederzeit erneut eintragen.“ Link zur Neuanmeldung oder zu einem Präferenz-Center.

Die Sunset-Strategie automatisch in ActiveCampaign umsetzen

Kontakte, die nach der Re-Engagement-Sequenz weiterhin inaktiv sind, sollten nicht auf der aktiven Liste bleiben. Du hast zwei DSGVO-konforme Optionen: den Kontakt aus der Liste entfernen oder in ActiveCampaign supprimieren. Supprimierung bedeutet, dass der Kontakt in der Datenbank bleibt, aber keine Marketing-E-Mails mehr empfängt. Das ist die sichere Wahl, wenn du die Daten für spätere CRM-Zwecke benötigst. Listenentfernung ist die sauberere Option, wenn kein weiterer Verwendungszweck besteht.

Eine automatische Sunset-Automation in ActiveCampaign: Eintrittspunkt „Kein E-Mail-Klick in den letzten 90 Tagen“ und Bedingung „Ist kein Mitglied der Re-Engagement-Automation: Wahr“ → Kontakt supprimieren. Diese Automation läuft täglich und hält die Liste ohne manuellen Aufwand sauber. Kontakte, die noch in der Re-Engagement-Sequenz sind, werden durch die Bedingung ausgeschlossen und nicht vorzeitig supprimiert.

Aus DSGVO-Sicht entspricht das Supprimieren oder Löschen inaktiver Kontakte dem Grundsatz der Datensparsamkeit, sofern kein anderer Verarbeitungszweck besteht. In der letzten Re-Engagement-E-Mail auf die bevorstehende Deaktivierung hinzuweisen, reicht als Transparenz gegenüber dem Kontakt aus.

Typische Fehler, die das Engagement systematisch senken

Engagement-Probleme entstehen selten durch einen einzelnen schlechten Versand. Sie entstehen durch Muster, die sich über Wochen einschleichen und die Liste abnutzen, ohne dass ein konkreter Auslöser sichtbar wird.

Zu viele Links pro E-Mail. Drei Links auf drei unterschiedliche Ziele teilen die Aufmerksamkeit. Der Empfänger klickt auf keines, weil er keine klare Richtung bekommt. Gegenmittel: eine E-Mail, ein Ziel, ein Link. Wenn mehrere Themen relevant sind, schick mehrere E-Mails statt eine überladene.

Betreffzeilen, die überversprechen. „Die beste Automation, die du je eingerichtet hast“ erzeugt vielleicht eine Öffnung – aber wenn der Inhalt nicht liefert, sinkt das Vertrauen dauerhaft. Langfristiges Engagement hängt an Glaubwürdigkeit. Betreffzeilen, die den Inhalt korrekt beschreiben, bauen über Zeit eine Liste auf, die tatsächlich klickt, weil sie weiß, was sie bekommt.

Inkonsistenter Absendername. Wer abwechselnd unter dem eigenen Namen, dem Firmennamen und „Das Team“ sendet, schwächt den Wiedererkennungseffekt im Postfach. Empfänger entscheiden in Sekundenbrüchen, ob sie eine E-Mail öffnen oder ignorieren – der Absendername ist das erste Signal. Einmal festlegen, konsequent beibehalten.

Lange Texte ohne erkennbaren Aufbau. E-Mails sind kein Blogartikel. Wer 800 Wörter ohne Gliederung schreibt, verliert den Leser nach dem dritten Absatz. Kurze Absätze, ein klarer roter Faden und ein erkennbarer Endpunkt: Auch ausführliche E-Mails brauchen Struktur, damit Leser den Call-to-Action überhaupt erreichen.

Kampagnenpausen über mehrere Wochen. Eine Liste, die zwei Monate lang nichts gehört hat, hat den Absender vergessen. Die erste E-Mail nach einer langen Pause erzeugt überproportional viele Spam-Beschwerden und Abmeldungen – auch wenn der Inhalt gut ist. Wer regelmäßig sendet, auch in ruhigeren Geschäftsphasen, hält die Beziehung warm und vermeidet diesen Reset-Effekt.

Segmente definiert, aber nicht konsequent genutzt. Segmentierungslogik ist aufgebaut, aber Kampagnen gehen trotzdem an die gesamte Liste, weil ein Segment fehlt oder der Schritt übersprungen wird. Eine kurze interne Checkliste vor jedem Versand, die die Zielgruppe als Pflichtfeld abfragt, verhindert das zuverlässig.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis eine Re-Engagement-Kampagne erste Ergebnisse zeigt?

Eine vollständige Re-Engagement-Sequenz mit vier E-Mails und je vier bis fünf Tagen Abstand dauert etwa drei Wochen bis zum Abschluss. Erste Reaktionen zeigen sich oft schon bei der zweiten E-Mail. Wie viele Kontakte sich reaktivieren lassen, hängt stark davon ab, wie lang die Inaktivitätsphase bereits war: Kontakte, die seit sechs Monaten inaktiv sind, reagieren seltener als solche, die erst seit 90 Tagen nichts angeklickt haben.

Was tun, wenn die Klickrate trotz Segmentierung niedrig bleibt?

Niedrige Klickraten nach korrekter Segmentierung deuten meist auf ein Content- oder CTA-Problem hin. Prüfe: Gibt es in der E-Mail einen einzigen klaren nächsten Schritt? Ist der Link sichtbar platziert und nicht als Textverlinkung in einem langen Absatz versteckt? Beschreibt die Betreffzeile den Klickanlass direkt, statt nur das Thema zu nennen? Oft liegt die Ursache in zu vielen Handlungsoptionen oder zu viel erklärendem Text vor dem eigentlichen Angebot.

Sollte ich Öffnungsraten nach Mail Privacy Protection komplett ignorieren?

Nein – aber du solltest sie nicht isoliert bewerten. Öffnungsraten zeigen Trends innerhalb derselben Liste im Zeitverlauf noch zuverlässig: Sinkt die Rate über einen Monat deutlich, ist das ein relevantes Signal, auch wenn der absolute Wert überhöht ist. Für absolute Benchmarks oder Vergleiche mit anderen Listen sind sie dagegen unbrauchbar. Priorisiere Klick- und Antwortraten für operative Versandentscheidungen.

Ab welcher Listengröße lohnt sich das Engagement-Scoring?

Die Segmentierungslogik ist technisch unabhängig von der Listengröße. Unter etwa 500 Kontakten ist die Stichprobengröße je Segment zu klein, um statistisch belastbare Unterschiede in Klickraten zu beobachten. Das Modell lohnt sich dennoch, weil es die Grundlage für Re-Engagement-Automationen und Sunset-Regeln legt – diese wirken unabhängig von der Listengröße und halten die Qualität der Liste von Beginn an hoch.

Wie viele Engagement-Segmente sind in der Praxis noch handhabbar?

Drei bis vier Engagement-Stufen und zwei bis drei Interessens-Tags decken die relevantesten Unterschiede ab, ohne den operativen Aufwand überproportional zu erhöhen. Weitere Segmente lohnen sich erst, wenn ein klares Verhaltensmuster zeigt, dass ein Teilsegment auf spezifischen Content deutlich anders reagiert als der Rest – das sieht man erst nach einigen Monaten konsistenter Auswertung.

Der sinnvollste Einstiegspunkt, wenn du E-Mail-Engagement in ActiveCampaign systematisch angehen willst, ist das Engagement-Scoring: Erst wenn du weißt, wer aktiv ist und wer nicht, können Trigger-Sequenzen, dynamischer Content und Sunset-Regeln sauber darauf aufbauen. Wer dabei konkrete Unterstützung sucht, findet bei uns Begleitung für ActiveCampaign-Projekte im deutschsprachigen Raum.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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