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E-Mail-Marketing für Online-Shops richtig starten: Die perfekte Reihenfolge für nachhaltigen Erfolg

Tom
Tom
17. Oktober 2025 · 14 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Warum Flows vor Kampagnen kommen
  3. Die vier Basis-Flows: Aufbau und Logik
  4. Welcome Flow: Der erste Eindruck zählt doppelt
  5. Abandoned Cart Flow: Abgebrochene Käufe systematisch zurückholen
  6. Post-Purchase Flow: Bestandskunden sind deine günstigsten Kunden
  7. Browse Abandonment Flow: Besucher ansprechen, bevor der Warenkorb kommt
  8. So richtest du den Abandoned-Cart-Flow in ActiveCampaign ein
  9. Deliverability: Was du vor dem ersten Versand regeln musst
  10. Typische Fehler beim Einstieg – Ursachen und Gegenmittel
  11. Fehler 1: Mit Kampagnen starten statt mit Flows
  12. Fehler 2: Die Sender-Reputation von Beginn an überlasten
  13. Fehler 3: Alle Kontakte gleich behandeln
  14. Fehler 4: Öffnungsrate als primäre Kennzahl
  15. Fehler 5: Den Post-Purchase Flow dauerhaft auf später verschieben
  16. Fehler 6: Segmentierung für später aufheben
  17. Häufige Fragen
  18. Wie viele E-Mails gehören in einen Welcome Flow für Online-Shops?
  19. Sollte ich im Abandoned-Cart-Flow immer einen Rabatt anbieten?
  20. Ab welcher Listengröße lohnen sich automatisierte E-Mail-Flows?
  21. Wie messe ich, ob mein Abandoned-Cart-Flow Ergebnisse bringt?
  22. Was ist der Unterschied zwischen Abandoned Cart und Browse Abandonment?
  23. Brauche ich ActiveCampaign oder reicht ein günstigeres Tool?

Wer im E-Mail-Marketing für einen Online-Shop startet, macht häufig denselben Fehler: zuerst eine Kampagne rausschicken, dann irgendwann Flows hinterherschieben. Das Ergebnis ist mittelmäßig, weil die ertragreichsten Momente – die ersten Minuten nach einer Anmeldung, der Stunde nach einem Warenkorbabbruch – ungenutzt bleiben. Baue zuerst vier Automationen auf: Welcome, Abandoned Cart, Post-Purchase und Browse Abandonment. Diese vier decken die wichtigsten Kaufmomente dauerhaft ab. Wöchentliche Kampagnen kommen danach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die vier Basis-Flows (Welcome, Abandoned Cart, Post-Purchase, Browse Abandonment) sollten vor deinen ersten Kampagnen fertig sein – sie laufen automatisch und treffen den Kaufmoment genau, ohne wöchentlichen Aufwand.
  • Domain-Authentifizierung über SPF, DKIM und DMARC ist keine optionale Einstellung, sondern die technische Voraussetzung dafür, dass deine E-Mails überhaupt den Posteingang erreichen.
  • Segmentiere nach Engagement von Anfang an: Aktive Kontakte bekommen mehr Frequenz, Inaktive deutlich weniger – das schützt deine Sender-Reputation und damit die Zustellquote aller deiner E-Mails.
  • Bewerte Flows nach Klickrate und Umsatz pro Empfänger, nicht nach Öffnungsrate. Öffnungsdaten sind seit den Änderungen im Apple Mail-Client unzuverlässig als Vergleichsgröße.
  • Der Post-Purchase Flow wird am häufigsten vernachlässigt und ist dabei einer der ertragreichsten, weil die Aufmerksamkeit nach einem Kauf am höchsten ist und Bestandskunden günstiger zu reaktivieren sind als Neukunden.

Warum Flows vor Kampagnen kommen

E-Mail-Kampagnen sind Zeitarbeit: Jede neue Sendung braucht Konzept, Text, Test und Terminierung. Automationen arbeiten einmal aufgesetzt dauerhaft im Hintergrund – ohne wöchentlichen Aufwand. Das bedeutet in der Praxis: Die Investition in einen gut strukturierten Flow zahlt sich über Monate zurück, während eine einzelne Kampagne in einer Woche vergessen ist.

Noch wichtiger ist das Timing. Flows reagieren auf Verhalten – auf eine Anmeldung, einen verlassenen Warenkorb, einen abgeschlossenen Kauf. Das sind die Momente, in denen Kontakte wirklich empfänglich sind. Eine wöchentliche Kampagne trifft diesen Moment per Zufall oder gar nicht. Wer mit Flows startet, holt das Potenzial aus genau den richtigen Sekunden, bevor sie ungenutzt verfallen.

Die Reihenfolge der vier Basis-Flows richtet sich nach dem Hebelpunkt: Welcome zuerst, weil jede neue Anmeldung durch diesen Flow läuft. Abandoned Cart als zweites, weil verlassene Warenkörbe direkten Umsatzverlust darstellen, der sich mit einer strukturierten E-Mail-Sequenz teilweise zurückgewinnen lässt. Post-Purchase danach, weil Bestandskunden die günstigsten Kunden sind und nach dem ersten Kauf oft wochenlang kein weiterer Kontakt stattfindet. Browse Abandonment zuletzt, weil dieser Flow Verhaltens-Daten aus dem Shop benötigt, die erst nach einigen Wochen in ausreichender Menge vorliegen.

Kampagnen – wöchentliche Newsletter, saisonale Aktionen, Produktneuheiten – ergänzen das System. Sie setzen auf eine Basis auf, die durch die Flows bereits angelegt ist: eine Liste, die gepflegt ist, Kontakte, die Öffnungen und Klicks zeigen, und eine Sender-Reputation, die aufgebaut wurde.

Die vier Basis-Flows: Aufbau und Logik

Welcome Flow: Der erste Eindruck zählt doppelt

Der Welcome Flow ist der ertragreichste Punkt in deinem E-Mail-Marketing – nicht weil er der komplexeste ist, sondern weil er jeden neuen Kontakt genau dann trifft, wenn die Aufmerksamkeit am höchsten ist. Wer sich gerade für deinen Newsletter angemeldet hat, hat aktiv Interesse signalisiert. Dieses Zeitfenster schließt sich innerhalb von Stunden.

Ein funktionierender Welcome Flow für Online-Shops umfasst in der Regel vier bis fünf E-Mails über sieben Tage. Die erste E-Mail geht innerhalb von fünf Minuten nach der Anmeldung raus – nicht nach einer Stunde, nicht am nächsten Tag. Wenn du einen Willkommensrabatt versprichst, muss er in dieser ersten Mail stehen, klar formuliert und ohne Reibungspunkte beim Einlösen. Ein Code, der nur auf bestimmte Kategorien gilt oder Mindestbestellwerte hat, die nirgends sichtbar sind, kostet Vertrauen.

Die folgenden E-Mails bauen Vertrauen auf: eine kurze Markenstory – wofür steht der Shop, was unterscheidet ihn von anderen Anbietern –, konkrete Produktinspiration für häufige Kaufanlässe, dann zwei bis drei Reminder-Mails für Kontakte, die den Rabatt noch nicht eingelöst haben. Wer auf den Link geklickt, aber nicht gekauft hat, bekommt idealerweise eine leicht andere Variante der letzten Reminder-Mail als jemand, der die E-Mails gar nicht geöffnet hat. Beides lässt sich in ActiveCampaign über Wenn/Dann-Bedingungen innerhalb der Automation steuern.

Mehr zum Aufbau und zu konkreten Timing-Regeln, die sich in der Praxis für DACH-Shops bewährt haben, findest du im Beitrag zu Welcome-Sequenzen für den deutschsprachigen E-Commerce.

Abandoned Cart Flow: Abgebrochene Käufe systematisch zurückholen

Warenkorbabbrüche sind in fast jedem Online-Shop die größte sichtbare Umsatzlücke. Ein erheblicher Teil aller Nutzer verlässt den Shop, bevor der Kauf abgeschlossen ist – oft nicht weil das Interesse fehlt, sondern weil etwas abgelenkt hat, eine Frage offen blieb oder der Checkout-Prozess einen Moment zu lang war. Ein Abandoned-Cart-Flow gibt diesen Kontakten eine zweite Chance, ohne dass du manuell eingreifst.

Die Standardstruktur sind drei E-Mails in 48 Stunden. Die erste geht nach 45 bis 60 Minuten raus – als einfache Erinnerung, ohne Rabatt. Wer in dieser kurzen Zeitspanne nochmals angesprochen wird, kauft häufig, weil er tatsächlich nur abgelenkt war. Die zweite Mail folgt nach 24 Stunden und kann einen Preisanreiz enthalten: einen Rabattcode, kostenlosen Versand oder ein Bundle. Die dritte Mail nach weiteren 24 Stunden versucht, Kaufhürden zu verstehen – eine direkte Frage nach dem Grund reicht, und die Antworten liefern wertvolle Informationen für Sortiment, Preispolitik und Checkout-Optimierung.

Ein häufiger Fehler in diesem Flow: generische E-Mails ohne konkreten Produktbezug. Wer einen Warenkorb abbricht, weiß, was er fast gekauft hat. Zeige genau dieses Produkt mit Bild, Preis und dem direkten Link zurück in den Warenkorb. ActiveCampaign unterstützt das über personalisierte Inhaltsblöcke, die sich mit den Produkt-Daten aus deiner Shop-Integration befüllen lassen.

Post-Purchase Flow: Bestandskunden sind deine günstigsten Kunden

Der Post-Purchase Flow beginnt nach einem abgeschlossenen Kauf – und sollte nach der Lieferung triggern, nicht nach der Bestellung. Wer sein Paket gerade erhalten hat, befindet sich in einer anderen emotionalen Lage als kurz nach dem Klick auf „Jetzt kaufen“. Die Lieferung ist der Moment, in dem sich Vorfreude bestätigt oder enttäuscht wird. Genau hier hat eine E-Mail den größten Hebel.

Ein vollständiger Post-Purchase Flow umfasst drei bis fünf E-Mails. Die Bestellbestätigung läuft meist automatisch über den Shop-Anbieter. Was danach fehlt, ist die Markenkommunikation: eine kurze E-Mail mit Tipps zur Nutzung des Produkts – bei Supplements, Kosmetik oder Geräten besonders relevant –, dann eine mit ergänzenden Produkten, die zum Kauf passen, und schließlich eine Einladung zur Bewertung. Reviews sind für Online-Shops so wichtig für den Social Proof, dass du aktiv danach fragen solltest. In der Praxis kommen Bewertungen ohne explizite Aufforderung selten.

Die Zeitabstände richten sich nach dem Produkt. Bei einem Supplement, das 30 Tage reicht, macht ein Nachkauf-Reminder nach 25 Tagen mehr Sinn als nach sieben. Passe den Flow an den tatsächlichen Verbrauchszyklus deiner Produkte an – das erhöht die Relevanz der E-Mail und damit die Wahrscheinlichkeit, dass der Kontakt wieder kauft.

Viele Shops setzen den Post-Purchase Flow zuletzt auf, weil der Fokus zuerst auf Neukundengewinnung liegt. Das ist ein Fehler: Bestandskunden haben in der Regel niedrigere Akquisitionskosten als Neukunden. Jede Woche ohne Post-Purchase Flow bedeutet, dass Kunden nach dem Erstkauf nichts mehr hören und abwandern, ohne dass du es merkst.

Browse Abandonment Flow: Besucher ansprechen, bevor der Warenkorb kommt

Der Browse Abandonment Flow spricht Kontakte an, die sich Produkte angesehen, aber nichts in den Warenkorb gelegt haben. Er setzt früher an als der Abandoned Cart Flow und eignet sich besonders für erklärungsbedürftige oder höherpreisige Produkte, bei denen die Kaufentscheidung länger dauert und ein weiterer Impuls helfen kann.

Wichtig ist der Ton. Eine direkte „Du hast dieses Produkt angesehen“-Formulierung wirkt aufdringlich und führt zu Abmeldungen. Besser ist ein subtiler Impuls, der das Interesse aufgreift, ohne es offen zu benennen: Inspiration aus der Kollektion, ähnliche Produkte, ergänzende Empfehlungen. Das funktioniert besser als der zu offensichtliche Fingerzeig, weil es dem Kontakt das Gefühl gibt, Auswahl zu haben, statt beobachtet zu werden.

Für Browse Abandonment reichen ein bis zwei E-Mails. Mehr lohnt sich selten, weil die Kaufabsicht in dieser Gruppe weniger klar ist als bei Warenkorbabbrüchen. Sende die erste Mail drei bis sechs Stunden nach dem Produktbesuch, die zweite – wenn überhaupt – nach 24 Stunden. Kontakte, die zwischendurch kaufen, werden über eine Bedingung aus dem Flow herausgeleitet, damit sie keine Inspiration-Mail erhalten, während ihr Paket bereits unterwegs ist.

So richtest du den Abandoned-Cart-Flow in ActiveCampaign ein

Bevor du den Flow erstellst, verbinde deinen Shop mit ActiveCampaign. Für Shopify gibt es eine native Integration, für WooCommerce und andere Systeme entweder fertige Plugins oder den Weg über Webhook und Drittanbieter. Die Integration muss drei Basis-Events an ActiveCampaign übergeben: „Produkt in Warenkorb gelegt“, „Kauf abgeschlossen“ und das daraus abgeleitete „Warenkorb verlassen“. Ohne diese Events kann der Flow nicht triggern.

  1. Wähle in ActiveCampaign unter Automationen die Option Erstellen und setze als Einstiegspunkt den Auslöser „E-Commerce: Warenkorb verlassen“. Stelle sicher, dass deine Shop-Integration als Datenquelle ausgewählt ist.
  2. Füge direkt nach dem Trigger eine Wartezeit von 45 bis 60 Minuten ein. In dieser Zeit kaufen einige Kontakte noch ohne Erinnerung – ein zu früher Kontakt ist nicht nur überflüssig, sondern wirkt aufdringlich.
  3. Füge eine Wenn/Dann-Bedingung ein: Hat der Kontakt in den letzten 60 Minuten einen Kauf abgeschlossen? Wenn ja, Automation beenden. Wenn nein, erste E-Mail senden.
  4. Gestalte die erste E-Mail mit personalisierten Inhaltsblöcken: Produktbild, Produktname, Preis und direkter Link zurück in den Warenkorb. Kein Rabatt in dieser Mail – nur die Erinnerung.
  5. Setze nach der ersten E-Mail eine weitere Wartezeit von 24 Stunden, erneut gefolgt von einer Bedingungsprüfung ob ein Kauf stattgefunden hat. Wenn nicht, sende die zweite E-Mail mit einem Preisanreiz – Rabattcode, kostenlosen Versand oder ein Paketangebot.
  6. Nach weiteren 24 Stunden und erneuter Bedingungsprüfung folgt die dritte E-Mail. Diese enthält keine weiteren Rabatte, sondern eine kurze Frage nach dem Abbruchgrund – wahlweise als direkter Text oder als Link zu einer Ein-Fragen-Umfrage.

Kontakte, die nach der dritten E-Mail immer noch nicht gekauft haben, verlassen den Flow. Füge sie in ein Segment für spätere Reaktivierungskampagnen ein, aber überschreite die drei E-Mails nicht innerhalb dieses Flows – mehr schadet der Sender-Reputation und produziert Abmeldungen.

Deliverability: Was du vor dem ersten Versand regeln musst

Alle vier Flows bringen nichts, wenn deine E-Mails den Posteingang nicht erreichen. Deliverability ist keine Fortgeschrittenen-Frage – sie ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut. Wer das vernachlässigt, kann noch so gute Texte schreiben und landet trotzdem im Spam-Ordner.

Die technischen Anforderungen sind klar definiert. Du brauchst SPF (Sender Policy Framework), DKIM (DomainKeys Identified Mail) und DMARC für deine Versandomain. Alle drei Einträge werden im DNS deiner Domain hinterlegt. ActiveCampaign führt dich durch die Einrichtung einer Custom Sending Domain mit den nötigen DNS-Einträgen. Ohne diese Konfiguration sendest du über eine geteilte IP – das bedeutet, das Verhalten anderer Absender auf derselben IP beeinflusst deine Zustellquote direkt, ohne dass du Einfluss hast.

Neben der technischen Basis ist das Engagement-Management entscheidend. Sende häufiger an Kontakte, die regelmäßig klicken. Für Kontakte, die seit mehr als 90 Tagen keine Interaktion gezeigt haben, reduziere die Frequenz. Wer Bounces und Spam-Beschwerden in der Liste aufbaut, ohne sie zu bereinigen, beschädigt seine Sender-Reputation dauerhaft. Lege in ActiveCampaign von Anfang an ein Ausschluss-Segment an: Hard Bounces, Spam-Beschwerden und Kontakte mit sehr langer Inaktivität werden aus regulären Flows und Kampagnen herausgefiltert.

Für deutsche und österreichische E-Mail-Provider – t-online.de, web.de, gmx.de – gibt es historisch bekannte Filterregeln, die auf Engagement-Signale besonders stark reagieren. Eine hohe Klickrate bei bekannten deutschen Providern verbessert die Inbox-Placement-Rate auch bei unbekannten Empfänger-Domains. Wie du die Zustellbarkeit in ActiveCampaign systematisch aufbaust und welche Metriken dabei wirklich zählen, zeigt der Beitrag zur E-Mail-Zustellbarkeit in ActiveCampaign.

Starte außerdem mit einem Warm-up, wenn du eine neue Versanddomain verwendest. Sende in den ersten zwei bis vier Wochen nur an die engagiertesten Kontakte und erhöhe Frequenz und Listengröße schrittweise. Eine neue Domain ist bei E-Mail-Providern unbekannt – wer sofort an eine große Liste sendet, riskiert, als Spam eingestuft zu werden, bevor er überhaupt eine Chance hatte, Vertrauen aufzubauen.

Typische Fehler beim Einstieg – Ursachen und Gegenmittel

Fehler 1: Mit Kampagnen starten statt mit Flows

Wer sofort wöchentliche Newsletter rausschickt, ohne die vier Basis-Flows eingerichtet zu haben, verschenkt den ertragreichsten Teil. Jede Neuanmeldung läuft in einen leeren Trichter, weil kein Welcome Flow existiert. Jeder Warenkorbabbruch bleibt unbeantwortet. Das Gegenmittel: Setze die vier Flows auf, bevor du die erste Kampagne planst. Eine Kampagne kann warten; ein verlassener Warenkorb nicht.

Fehler 2: Die Sender-Reputation von Beginn an überlasten

Wenn du eine neue Versanddomain verwendest, ist ihre Reputation bei E-Mail-Providern unbekannt. Wer sofort an eine große Liste sendet, riskiert, dass E-Mails massenhaft in Spam-Ordner landen. Das Gegenmittel: Starte mit den engagiertesten Kontakten – die, die sich zuletzt angemeldet oder zuletzt geklickt haben – und erhöhe Listengröße und Frequenz über zwei bis vier Wochen schrittweise. Dieses Warm-up ist kein Komfort, sondern eine technische Notwendigkeit für neue Domains.

Fehler 3: Alle Kontakte gleich behandeln

Eine Liste, die alle Kontakte mit denselben E-Mails in derselben Frequenz beschickt, schadet sich selbst. Inaktive Kontakte reagieren nicht, drücken aber die Engagement-Rate der gesamten Liste und damit die Sender-Reputation. Das Gegenmittel: Trenne aktive von inaktiven Kontakten. Aktive – die in den letzten 60 Tagen geklickt haben – bekommen volle Frequenz. Kontakte, die seit 90 Tagen nichts getan haben, bekommen maximal eine E-Mail pro Monat. Ab 120 Tagen Inaktivität folgt eine Reaktivierungskampagne oder die Entfernung aus der aktiven Liste.

Fehler 4: Öffnungsrate als primäre Kennzahl

Seit Apple mit iOS 15 das Mail Privacy Protection eingeführt hat, werden viele E-Mails als „geöffnet“ markiert, auch wenn niemand sie gelesen hat. Die Öffnungsrate ist damit als Vergleichsgröße über Zeit oder zwischen Segmenten ungeeignet. Das Gegenmittel: Messe Flows nach Klickrate und Umsatz pro Empfänger. Diese Werte lassen sich nicht durch clientseitige Einstellungen verfälschen und zeigen tatsächliches Verhalten.

Fehler 5: Den Post-Purchase Flow dauerhaft auf später verschieben

Viele Shops setzen Welcome und Abandoned Cart auf und schieben Post-Purchase auf ein „sobald das System läuft“. Das System läuft nie perfekt. Jeder Monat ohne Post-Purchase Flow ist ein Monat, in dem Bestandskunden nach dem Erstkauf nichts mehr hören und abwandern. Das Gegenmittel: Setze auch einen vereinfachten Post-Purchase Flow auf – drei E-Mails ohne großes Setup reichen als Anfang. Ausbauen kannst du ihn danach, wenn die Daten zeigen, was funktioniert.

Fehler 6: Segmentierung für später aufheben

Wer alle Flows ohne Segmentierung startet und plant, das später zu verfeinern, sammelt ab dem ersten Tag Daten ohne Struktur. Je länger gewartet wird, desto schwieriger ist die Nachstrukturierung. Das Gegenmittel: Lege von Anfang an grundlegende Tags und Custom Fields an – Anmeldequelle, Produktkategorie des ersten Kaufs, Engagement-Status. Das kostet beim Setup wenige Minuten und macht spätere Segmentierung erheblich einfacher. Welche Segmentierungs-Kriterien in der Praxis den größten Unterschied machen, zeigen die Segmentierungs-Features von ActiveCampaign im Detail.

Häufige Fragen

Wie viele E-Mails gehören in einen Welcome Flow für Online-Shops?

Vier bis fünf E-Mails über sieben Tage sind für die meisten Online-Shops ein guter Rahmen. Die erste Mail geht innerhalb von fünf Minuten nach der Anmeldung raus, die zweite nach einem Tag, dann ein bis zwei Mails in den folgenden Tagen, abgeschlossen durch ein bis zwei Reminder für Kontakte, die den Rabatt noch nicht eingelöst haben. Kontakte, die zwischendurch kaufen, sollten über eine Bedingung aus dem Welcome Flow in den Post-Purchase Flow übergehen, ohne doppelte Nachrichten zu bekommen.

Sollte ich im Abandoned-Cart-Flow immer einen Rabatt anbieten?

Nicht in der ersten E-Mail. Wer sofort mit einem Rabatt reagiert, trainiert Käufer darin, Warenkörbe absichtlich zu verlassen, um auf den Code zu warten. Schicke die erste Erinnerung ohne Anreiz – als reine Erinnerung. Wenn der Kontakt nach 24 Stunden immer noch nicht gekauft hat, ist ein Preisanreiz sinnvoll. Bei Shops mit sehr niedrigen Margen kann kostenloser Versand wirksamer sein als ein prozentualer Rabatt, weil er die Marge weniger belastet und für viele Käufer dennoch ein klarer Kaufimpuls ist.

Ab welcher Listengröße lohnen sich automatisierte E-Mail-Flows?

Von der ersten Anmeldung an. Flows sind keine Skalierungs-Strategie für große Listen – sie sind die Basis, die vom ersten Kontakt an laufen sollte. Wer wartet, bis die Liste 1.000 Kontakte hat, verschenkt in der Zwischenzeit jeden neuen Kontakt. Außerdem: Eine kleine Liste mit sauber eingerichteten Flows hat in der Regel höhere Engagement-Raten als eine große Liste ohne Struktur, was sich direkt auf die Sender-Reputation auswirkt.

Wie messe ich, ob mein Abandoned-Cart-Flow Ergebnisse bringt?

Die relevanten Kennzahlen sind Klickrate pro E-Mail und Umsatz, der dem Flow zugeordnet wird – also Käufe, die innerhalb einer definierten Frist nach einer Flow-E-Mail stattgefunden haben. Öffnungsraten sind als Vergleichsgröße ungeeignet. Teste einzelne Bestandteile gegeneinander – Betreffzeile, Angebotszeitpunkt, Rabatthöhe – sobald der Flow in einem Zeitraum von vier Wochen mindestens 100 Eintritte pro Variante generiert. Kleinere Stichproben liefern keine auswertbaren Unterschiede.

Was ist der Unterschied zwischen Abandoned Cart und Browse Abandonment?

Der Abandoned-Cart-Flow spricht Kontakte an, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt, aber nicht gekauft haben. Die Kaufabsicht ist klar signalisiert. Browse Abandonment greift früher: Der Kontakt hat Produkte angesehen, ohne den nächsten Schritt zu machen. Die Kaufabsicht ist weniger sicher, deshalb ist der Ton im Browse-Abandonment-Flow subtiler und die Anzahl der E-Mails geringer. Für die meisten Shops gilt als Reihenfolge: Abandoned Cart zuerst aufsetzen, Browse Abandonment danach – weil der direkte Umsatzrückgewinn beim Warenkorbabbruch in der Regel größer ist.

Brauche ich ActiveCampaign oder reicht ein günstigeres Tool?

Für die vier Basis-Flows reichen viele E-Mail-Tools aus. Der Unterschied zeigt sich, sobald du Segmentierung, Shop-Daten und Klick-Verhalten kombinieren willst – zum Beispiel, um eine dritte Abandoned-Cart-Mail nur an Kontakte zu schicken, die schon früher bei dir gekauft haben, aber jetzt nicht. ActiveCampaign unterstützt diese Art von bedingter Logik innerhalb einer Automation nativ. Tools, die nur einfache Sequenzen ohne Bedingungsverzweigungen bieten, stoßen spätestens dann an Grenzen, wenn du die Flows feiner abstimmen willst.

Wer die vier Basis-Flows aufgesetzt, die Deliverability technisch sauber geregelt und grundlegende Segmentierungsregeln hinterlegt hat, besitzt eine Grundlage, die sich in den folgenden Monaten schrittweise ausbauen lässt: wöchentliche Kampagnen, A/B-Tests in einzelnen Flow-E-Mails, Produktempfehlungen auf Basis der Kaufhistorie. Der Aufwand für das initiale Setup ist einmalig; was danach läuft, arbeitet dauerhaft ohne deinen täglichen Einsatz.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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