ActiveCampaigns Customer Advisory Board (CAB) ist ein festes Gremium ausgewählter Kunden und Partner, die regelmäßig direkt mit dem Produktteam arbeiten. Im ersten Jahr entstanden Hunderte Produktverbesserungen daraus – Features, die heute von Hunderttausenden Nutzern täglich verwendet werden. Das Programm läuft inzwischen in seinem dritten Jahr und zeigt, wie strukturiertes Kundenfeedback Produktentwicklung präziser macht als jede interne Planungsrunde.
Das Wichtigste in Kürze
- Das CAB ist kein Beta-Programm, sondern ein Gremium mit festen Mitgliedern, die regelmäßig in die Produktroadmap eingebunden sind – mit konkreter Agenda und dokumentierten Ergebnissen.
- Hunderte ActiveCampaign-Features gehen auf direktes CAB-Feedback zurück, darunter Verbesserungen am Site Tracking, den CRM-Pipeline-Automationen und der kombinierten Segmentierung.
- Tom Wenk von Advertal ist Mitglied im Customer Advisory Board von ActiveCampaign und bringt dabei die Perspektive des DACH-Markts in die Produktentwicklung ein.
- Den CAB-Ansatz kannst du auch ohne Software-Produkt nutzen: Als strukturiertes Feedback-System für deine Marketing-Strategie liefert er Impulse, die aus keiner Umfrage entstehen.
- Das System funktioniert nur, wenn Feedback tatsächlich umgesetzt wird – und wenn du den Teilnehmern sichtbar rückmeldest, was du daraus gemacht hast.
Was das Customer Advisory Board von ActiveCampaign konkret leistet
Ein Customer Advisory Board ist weder ein Kundenbeirat im rechtlichen Sinne noch ein erweitertes Testprogramm. Es ist ein Gremium mit festen Mitgliedern aus verschiedenen Branchen, das regelmäßig mit dem Produktteam zusammenkommt – strukturiert, mit Agenda, mit Nachverfolgung. Bei ActiveCampaign umfasst das CAB rund 18 Mitglieder, die Agenturen, E-Commerce, B2B-Services, Bildungsanbieter und weitere Bereiche abdecken.
Der strukturelle Unterschied zu klassischen Feedback-Kanälen wie Support-Tickets oder NPS-Umfragen liegt in der Tiefe: CAB-Mitglieder kennen das Produkt im Betriebsalltag, denken in Roadmap-Zyklen und sprechen direkt mit den Personen, die Produktentscheidungen treffen – nicht mit dem Support. Sie bringen Anforderungen aus echten Kampagnen mit, keine theoretischen Wunschlisten.
Seit dem zweiten Jahr gibt es zusätzlich einen Partner Advisory Subcommittee – einen eigenen Kanal für ActiveCampaign-Partner, die speziell zur Partner-Infrastruktur, zu Supportprozessen und zur technischen Dokumentation Feedback einbringen. Das trennt die Perspektive der Endkunden sauber von der der Agenturpartner.
Welche Features aus dem CAB entstanden sind
ActiveCampaign gibt keine vollständige Liste bekannt, welches Feature auf welches CAB-Gespräch zurückgeht. Was sich aber aus der Nutzung in DACH-Projekten ableiten lässt: Die Bereiche, die besonders granular und praxisnah umgesetzt sind, zeigen die Handschrift von Anwender-Feedback.
Site Tracking und verhaltensbasierte Trigger
Das Website-Tracking in ActiveCampaign löst Automationen nicht nur nach E-Mail-Verhalten aus, sondern nach konkretem Seitenverhalten: Wie oft hat jemand die Pricing-Seite besucht? Hat er einen bestimmten Artikel gelesen, aber nie das Kontaktformular geöffnet? Diese Granularität entsteht nicht aus technischer Theorie – sie folgt Anforderungen, die echte Nutzer aus realen Kampagnen eingebracht haben.
CRM-Pipeline-Automationen
ActiveCampaigns Deal-Automationen sind im Vergleich zu einfachen CRM-Werkzeugen deutlich flexibler: Du kannst Deal-Stages automatisch wechseln, wenn ein Kontakt eine E-Mail öffnet, ein Formular ausfüllt oder eine bestimmte Seite besucht. Vertriebsteams aus verschiedenen Branchen haben diese Use Cases direkt in den Entwicklungsprozess eingebracht, und das ist in der Nutztiefe spürbar. Aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich zeigt der Artikel zu den ActiveCampaign Automation Updates.
Kombinierte Segmentierung
Die Segmentierungsmöglichkeiten in ActiveCampaign verbinden Tags, benutzerdefinierte Felder, verhaltensbasierte Scores und CRM-Daten zu einem gemeinsamen Filter. Im DACH-Markt ist das besonders relevant, weil B2B-Entscheidungen oft von mehreren Faktoren gleichzeitig abhängen – Branche, Engagement, Position im Kaufprozess, Unternehmensgröße. Diese Kombinierbarkeit ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis von Feedback aus genau diesen Kontexten.
Wie das CAB aufgebaut ist und wer darin sitzt
Mitglieder werden gezielt ausgewählt, nicht auf Basis ihrer Lautstärke in Community-Foren, sondern nach Nutzungstiefe, Branchenvielfalt und der Fähigkeit, konkrete Szenarien zu beschreiben. Das CAB soll nicht bestehende Überzeugungen bestätigen, sondern blinde Flecken im Produkt aufdecken.
Für den Jahreszyklus 2025 gehören unter anderem Kay Peacey (Slick Business), Bas Roosen (MailBlue), Jovana Vujnic (Bumper Leads), Jenna Carelli (Email Marketing Automations) und weitere Experten aus verschiedenen Regionen und Anwendungsfeldern zu den Mitgliedern. Tom Wenk von Advertal bringt dabei die Sicht des deutschsprachigen ActiveCampaign-Markts ein – ein Ausschnitt, der sich in Kaufzyklen, Datenschutzanforderungen und E-Mail-Kultur vom angloamerikanischen Raum deutlich unterscheidet.
Die Meetings folgen einer festen Struktur: Was aus dem letzten Feedback umgesetzt wurde, was aktuell auf der Roadmap steht und wo Mitglieder konkrete Lücken sehen. Zwischen den Terminen können Mitglieder neue Features testen, bevor sie veröffentlicht werden. Das beschleunigt den Feedback-Loop und reduziert den Abstand zwischen Entwicklungsentscheidung und Nutzerrealität.
So richtest du ein eigenes Kundenfeedback-System in ActiveCampaign ein
Du brauchst kein Software-Unternehmen, um dieses Modell anzuwenden. Der CAB-Ansatz funktioniert genauso für eine Marketing-Automation-Strategie: Du fragst nicht nach einem Produkt, sondern nach deiner Kommunikation – welche Inhalte treffen, welche Sequenzen zu lang sind, an welchem Punkt im Funnel Kontakte abbrechen.
- Kandidaten aus ActiveCampaign herausfiltern. Gehe in dein ActiveCampaign-Konto und erstelle ein Segment mit folgenden Kriterien: Engagement-Score über 70, mindestens zwei Transaktionen, E-Mail-Aktivität in den letzten 90 Tagen. Ziel sind 15–20 Kontakte aus verschiedenen Kundensegmenten – nicht nur die loyalsten, sondern auch solche, die das Produkt kritisch aber konstruktiv beurteilen.
- Eine persönliche Einladungs-E-Mail erstellen. Kein Newsletter-Template, kein Massenversand. Ein persönlicher Text, der den Zeitaufwand transparent kommuniziert (zwei Stunden pro Quartal), den Mehrwert für den Eingeladenen benennt (frühzeitiger Einblick, direkter Einfluss) und konkret benennt, worüber du sprechen willst. Follow-up nach sieben Tagen für Nicht-Antworten per ActiveCampaign-Automation einrichten.
- Das erste Meeting mit fester Agenda vorbereiten. Drei bis fünf konkrete Fragen zu aktuellen Kampagnen formulieren. Kein freies Gespräch. Typische Startfragen: Welche E-Mails von uns öffnest du immer, welche nie? Wo im Kaufprozess brauchst du mehr Information? Was würde deinen Alltag erleichtern, das du bisher nicht bekommst? Meeting-Zusammenfassung per E-Mail innerhalb von 24 Stunden an alle Teilnehmer.
- Feedback in ActiveCampaign übersetzen. Jedes verwertbare Feedback bekommt ein Tag oder ein benutzerdefiniertes Feld als Markierung. Das macht es auswertbar und zeigt dir über Zeit, welche Punkte sich häufen. Wenn drei Mitglieder dasselbe Thema nennen, ist das ein Signal für Priorität.
- Umsetzung sichtbar machen. Nach spätestens vier Wochen eine kurze E-Mail an alle Teilnehmer: Was wurde umgesetzt, was nicht – und warum. Dieser Schritt entscheidet darüber, ob die nächste Einladung angenommen wird. Ohne sichtbaren Rücklauf schläft das System nach dem zweiten Meeting ein.
Was beim Advisory-Ansatz häufig schiefläuft
Die meisten Feedback-Systeme scheitern nicht am fehlenden Interesse der Kunden, sondern an strukturellen Fehlern im Aufbau. Das sind die Muster, die in der Praxis regelmäßig auftauchen.
Nur zufriedene Kunden einladen
Wer ausschließlich seine loyalsten Fans fragt, bekommt Bestätigung – keine Verbesserungsimpulse. Die interessanteren Einschätzungen kommen von Kunden, die das Produkt intensiv nutzen und trotzdem Punkte sehen, die nicht funktionieren. Kritische Stimmen zeigen Lücken, die zufriedene Nutzer schon längst in ihr Arbeiten eingebaut und damit unsichtbar gemacht haben.
Die Gruppe zu groß machen
Ab einer Gruppe von mehr als zehn Personen kippt die Dynamik. Meinungen werden vorsichtiger, konkrete Beobachtungen bleiben unausgesprochen, weil niemand als Einziger etwas Negatives sagen will. Sechs bis acht Teilnehmer pro Runde ist die sinnvolle Obergrenze. Wenn du mehrere Segmente abdecken willst, arbeitest du besser mit mehreren kleineren Gruppen als mit einer großen heterogenen Runde.
Feedback dokumentieren, aber nicht rückmelden
Das ist der häufigste Grund, warum Advisory-Systeme einschlafen. Teilnehmer geben Zeit, bekommen aber keine Rückmeldung, was mit ihrem Input passiert ist. Nach spätestens vier Wochen muss klar sein, was umgesetzt wurde, was nicht – und warum. Dieser Loop ist das, was aus einem einmaligen Gespräch ein funktionierendes System macht.
Meetings ohne Struktur führen
Ohne Agenda werden Advisory-Meetings zu angenehmen Gesprächen ohne Ergebnis. Konkrete Fragen vorbereiten, konkrete Punkte dokumentieren, konkrete nächste Schritte benennen. Die Zusammenfassung muss innerhalb eines Tages raus – an alle Teilnehmer. In ActiveCampaign lässt sich das als automatisierter Follow-up nach einem Meeting-Trigger abbilden, wenn du ein Tag oder ein Formular als Auslöser verwendest.
Implizites Feedback in ActiveCampaign ignorieren
Nicht alle Kontakte füllen Umfragen aus oder nehmen an Calls teil. Aber ihr Verhalten in ActiveCampaign ist selbst Feedback: Welche E-Mails werden geöffnet, welche übersprungen? Auf welchen Seiten bleiben Besucher, wo springen sie ab? Welche Deal-Phasen dauern zu lang? Diese Signale liegen im Account vor – sie müssen aktiv ausgelesen werden, warten aber nicht darauf.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich das CAB von einer regulären Kundenbefragung?
Eine Kundenbefragung liefert quantitative Signale aus einer breiten Masse – Öffnungsraten, NPS-Werte, Umfrage-Antworten. Ein Customer Advisory Board ist ein Gremium mit festen Mitgliedern, das regelmäßig in strategische Entscheidungen eingebunden ist. Der Unterschied liegt in der Tiefe und im Einfluss: CAB-Mitglieder denken in Szenarien, bringen Roadmap-Perspektiven mit und ihr Feedback fließt direkt in Entwicklungsentscheidungen ein – nicht in eine Auswertungsdatei.
Warum ist die DACH-Perspektive im ActiveCampaign CAB relevant?
Der deutschsprachige Markt unterscheidet sich in mehreren Punkten vom angloamerikanischen: strengere Datenschutzanforderungen durch die DSGVO, längere B2B-Entscheidungszyklen und andere Erwartungen an E-Mail-Kommunikation. Features, die in US-Kampagnen funktionieren, brauchen oft Anpassungen für den DACH-Kontext – und dieses Feedback kommt nicht automatisch in den Entwicklungsprozess, wenn keine entsprechende Stimme im Gremium sitzt.
Wie groß sollte ein eigenes Advisory-Gremium sein?
ActiveCampaign arbeitet mit rund 18 Mitgliedern auf globaler Ebene, aufgeteilt in verschiedene Subgruppen. Für ein Unternehmen im DACH-Mittelstand sind sechs bis zehn Teilnehmer pro Runde sinnvoll. Mehrere kleinere Gruppen für verschiedene Kundensegmente sind effektiver als eine große, heterogene Runde – sie ermöglichen spezifischere Fragen und konkretere Antworten.
Wie oft sollte ein Advisory Board zusammenkommen?
Quartalsweise Meetings sind der Standardrhythmus für strategisches Feedback. Zwischen den Terminen können kurze asynchrone Abfragen per E-Mail-Automation sinnvoll sein – für schnelle Einschätzungen zu konkreten Kampagnen oder neuen Inhalten. Der Gesamtaufwand für Teilnehmer sollte zwei bis drei Stunden pro Quartal nicht überschreiten, sonst sinkt die Bereitschaft zur weiteren Teilnahme deutlich.
Was hat ActiveCampaigns Übernahme von Feedback Intelligence mit dem CAB zu tun?
ActiveCampaign hat Feedback Intelligence übernommen, ein Unternehmen, das auf die Analyse von Kundenfeedback spezialisiert ist. Das zeigt, wie zentral strukturiertes Kundenfeedback in der Produktstrategie geworden ist – nicht mehr nur als CAB-Prozess, sondern als technische Infrastruktur. Was das für die Plattform bedeutet, beschreibt der Beitrag zur Übernahme von Feedback Intelligence durch ActiveCampaign.
Wer strukturiertes Kundenfeedback in eine laufende ActiveCampaign-Strategie integrieren will, braucht dafür kein neues Werkzeug – ActiveCampaign selbst bietet die nötige Infrastruktur: Segmentierung nach Engagement, automatisierte Follow-up-Sequenzen, Tagging nach Antwortverhalten. Der Aufbau beginnt damit, die richtigen Kontakte aus dem bestehenden Account zu identifizieren und in einen strukturierten Austausch einzuladen. Was danach passiert, hängt davon ab, wie konsequent das Feedback umgesetzt wird – und wie sichtbar das den Teilnehmern rückgemeldet wird.


