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Account-Based Marketing mit PPC: B2B-Kampagnen auf Zielkonten ausrichten

Tom
Tom
13. März 2026 · 14 Min. Lesezeit

Account-Based Marketing mit PPC funktioniert dann, wenn Anzeigen nicht für Zielgruppen, sondern für konkrete Unternehmen geschaltet werden. Statt demografischer Filter steht die Account-Liste am Anfang jedes Kampagnen-Setups. Wer das konsequent umsetzt, sieht weniger Streuung und mehr Gespräche mit Entscheidern aus genau den Unternehmen, die zum eigenen Angebot passen.

Das Wichtigste in Kürze

  • ABM-PPC-Kampagnen beginnen mit einer Account-Liste aus dem CRM, nicht mit einem Interessenfilter.
  • LinkedIn Matched Audiences und Google Customer Match sind die zwei tragfähigsten Kanäle für account-genaues Targeting.
  • Ohne UTM-Tracking und CRM-Integration lässt sich der Weg vom Klick zum Deal nicht schließen.
  • Frequency Capping ist bei kleinen ABM-Audiences keine Option, sondern Pflicht – sonst verbrennt die Audience in wenigen Tagen.
  • ABM mit PPC lohnt sich erst ab einem klar abgegrenzten Zielkonto-Pool und einem Angebot mit nachvollziehbarem Unternehmensbezug.

Warum eine Account-Liste vor jeder Anzeige stehen sollte

Klassisches PPC beginnt mit Keywords oder Interessen und hofft, dass die richtigen Personen suchen. ABM-PPC dreht das um: Du weißt vorher, welche Unternehmen dich interessieren, und baust die Kampagne rückwärts von dieser Liste. Das ist kein Formulierungsunterschied, sondern ein anderes Arbeitsprinzip mit anderen Konsequenzen für Budget, Creative und Messung.

Eine brauchbare Account-Liste entsteht aus drei Quellen. Erstens: das eigene CRM mit den Daten bestehender Kunden – sie definieren, welche Profile bisher zu einem Abschluss geführt haben. Zweitens: das Sales-Team mit seinen aktiven Wunschkunden, die noch kein Angebot gesehen haben. Drittens: ein Firmographic-Filter, der Branche, Unternehmensgröße und Standort kombiniert und den theoretischen Markt auf einen bearbeitbaren Pool einschränkt. Diese drei Quellen erzeugen unterschiedliche Kaufbereitschaftsstufen – eine einheitliche Audience aus allen dreien zu mischen ist ein häufiger Fehler, weil die Kampagnenauswertung danach keine belastbaren Schlüsse zulässt.

In der Praxis bedeutet das: Bestandskunden-Lookalikes laufen als eigene Kampagne, aktive Sales-Prospects bekommen Retargeting-Anzeigen mit einem anderen Message-Frame, und der firmografische Pool bekommt Awareness-Content. Wer alle drei in eine Audience wirft, sieht Zahlen, die nichts erklären – zu viele verschiedene Kaufbereitschaftsstufen überlagern sich.

Was ein Ideal Customer Profile für das Targeting operativ liefert

Ein Ideal Customer Profile ist für ABM-PPC kein strategisches Dokument, sondern eine operative Liste von Kriterien, die direkt in den Targeting-Einstellungen landen. Relevante Dimensionen im B2B: Mitarbeiterzahl, Jahresumsatz, Branche auf Ebene der Subbranche (nicht "Industrie", sondern "Maschinenbau für Automotive"), geografische Eingrenzung auf DACH oder einzelne Länder und – wenn vorhanden – bekannte Technologien aus dem Stack des Zielkontos (CRM, ERP, Marketing-Automation). LinkedIn lässt viele dieser Kriterien direkt als Filter zu; Google erfordert den Umweg über hochgeladene E-Mail-Listen.

Einblick in Projekte bei Advertal zeigt: ICPs, die breiter als 500 Zielunternehmen sind, liefern selten die erwarteten Ergebnisse – nicht weil die Plattformen schlecht sind, sondern weil die Botschaft zwangsläufig unspezifischer wird. Je enger der ICP, desto spezifischer kann das Creative sein, und desto höher die Relevanz für den Empfänger. Ein detaillierter Rahmen für die Account-Auswahl findet sich im ABM-Leitfaden für B2B im DACH-Raum.

LinkedIn Matched Audiences: Welche Targeting-Optionen in der Praxis tragen

LinkedIn ist für ABM-PPC der direkteste Kanal, weil sich Unternehmen und Jobtitel kombinieren lassen. Drei Funktionen sind dabei relevant: Company Targeting, Contact Targeting und Website Retargeting. Jede hat ein eigenes Einsatzgebiet und eigene Mindestanforderungen, die vor dem Kampagnenstart bekannt sein müssen.

Company Targeting nach Unternehmensnamen

Company Targeting erlaubt es, Anzeigen nur den Mitarbeitern bestimmter Unternehmen auszuspielen. Du lädst eine Liste mit Unternehmensnamen hoch; LinkedIn matcht sie gegen seine Datenbank. Die Herausforderung liegt in der Namensnormalisierung: "KPMG", "KPMG AG" und "KPMG Deutschland" werden nicht automatisch als dasselbe erkannt. Bevor die Liste hochgeladen wird, sollten Unternehmensnamen so geschrieben sein, wie sie auf der jeweiligen LinkedIn-Unternehmensseite stehen.

Die Mindestgröße für Company-Targeting-Listen liegt bei 300 gematchten Unternehmen. Wer weniger Zielkonten hat, kann Einzelunternehmen direkt in der Kampagnen-Zielgruppe suchen und auswählen – das ist flexibler, aber manuell aufwendiger und eignet sich besser für Named-Account-Kampagnen mit bis zu 20 bis 30 konkreten Unternehmen.

Contact Targeting mit E-Mail-Listen aus dem CRM

Beim Contact Targeting lädst du E-Mail-Adressen hoch; LinkedIn matcht sie gegen die hinterlegten Profil-E-Mails. Die Match-Rate ist selten vollständig: Viele Nutzer haben ihre private E-Mail-Adresse bei LinkedIn hinterlegt, nicht die berufliche. Das senkt den Anteil der gematchten Kontakte spürbar. Für ABM empfiehlt es sich daher, neben beruflichen alle bekannten E-Mail-Varianten zu exportieren und als kombinierte Liste hochzuladen.

Der Vorteil dieses Ansatzes: Du kannst exakt die Kontakte ansprechen, die dein Sales-Team bereits kennt, die aber noch nicht reagiert haben. Das ist ein anderes Signal als Kaltakquise – und rechtfertigt eine andere Botschaft in den Anzeigen. Statt Awareness-Content funktioniert hier eher ein konkretes Angebot oder eine Case Study mit direktem Branchenbezug. Wichtig dabei: Contact-Targeting-Listen lassen sich in ActiveCampaign über gespeicherte Segmente automatisch aktualisieren, sodass du nicht jede Woche manuell exportieren musst, wenn neue Prospects ins CRM eingetragen werden.

Website Retargeting nach Unternehmensherkunft

Der LinkedIn Insight Tag ermöglicht es, Website-Besucher nach Unternehmensherkunft zu segmentieren. Du siehst nicht, wer die Person ist – aber du siehst, aus welchem Unternehmen jemand kam, wenn das Unternehmen im LinkedIn-Netzwerk registriert ist. Diese Daten lassen sich direkt als Retargeting-Audience nutzen: Alle Besucher deiner Preisseite aus Unternehmen, die zu deinem ICP passen, bekommen eine Anzeige mit einem konkreten nächsten Schritt.

Diese Kombination – firmografisches Retargeting statt cookiebasiertem Retargeting – ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen klassischem PPC-Retargeting und ABM-Retargeting. Die Audience ist kleiner, aber deutlich besser qualifiziert. Mehr zu LinkedIn-spezifischen Kampagnenformaten und Bidding-Strategien für B2B findet sich in der LinkedIn Ads Strategie für B2B im DACH-Raum.

Welche Creative-Formate bei kleinen ABM-Audiences tragen

Single Image Ads sind der Einstieg, aber für ABM-Kampagnen mit enger Zielgruppe tragen Document Ads und Conversation Ads häufig besser. Document Ads erlauben es, einen kurzen Leitfaden oder eine Branchenübersicht direkt in der LinkedIn-Timeline zu teilen, ohne dass jemand auf eine Landing Page klicken muss. Das senkt die Einstiegsschwelle und liefert gleichzeitig Daten darüber, wer den Inhalt wie weit gelesen hat – ein Signal, das sich direkt für die Nachfassstrategie nutzen lässt.

Conversation Ads simulieren eine direkte Nachricht mit mehreren Antwortoptionen – dadurch entstehen qualifiziertere Klicks als bei Standard-Anzeigen, weil der Nutzer aktiv eine Option wählt. Für ABM-Kampagnen gilt bei Creative-Tests dieselbe Einschränkung wie bei der Audience: Zu viele Varianten gleichzeitig zu testen erzeugt bei kleinen Audiences keine verwertbaren Signale. Beschränke dich auf zwei Creatives pro Kampagnenphase und tausch erst aus, wenn beide mindestens zwei Wochen gelaufen sind.

Wie du Zielkonten über Google Search, Display und YouTube erreichst

Google ergänzt LinkedIn dort, wo LinkedIn nicht hinkommt: bei Suchanfragen, auf YouTube und im Display-Netzwerk. Beide Plattformen haben unterschiedliche Stärken im ABM-Einsatz; welchen Kanal du priorisierst, hängt davon ab, wo deine Zielkonto-Mitarbeiter ihre Kaufsignale am stärksten zeigen.

Kriterium

LinkedIn Ads

Google Ads

Targeting-Basis

Jobtitel, Unternehmen, Branche direkt filterbar

E-Mail-Liste über Customer Match

Jobtitel-Filter kombinierbar

Ja

Nein

Kanalabdeckung

LinkedIn Feed und Message Ads

Search, Display, YouTube

Retargeting nach Firmenherkunft

Über Insight Tag möglich

Nicht verfügbar

Suchsignal nutzbar

Nein

Ja – Customer Match auf Search

Typischer ABM-Einsatz

Primärkanal für Awareness und Entscheider-Targeting

Ergänzender Kanal für Late-Stage und Search-Intent

Customer Match: Setup und rechtliche Voraussetzungen im DACH-Raum

Um Customer Match in Google Ads zu nutzen, braucht dein Konto eine bestimmte Mindesthistorie ohne Policy-Verstöße. Im DACH-Raum ist außerdem sicherzustellen, dass die hochgeladenen Daten unter die Einwilligung deiner Kontakte fallen: Nur Kontakte hochladen, die aktiv in Marketing-Kommunikation eingewilligt haben, weil die Verarbeitung der E-Mail-Adressen für Werbe-Matching als Direktmarketing gilt und damit unter die Anforderungen der DSGVO fällt.

Der Export aus ActiveCampaign läuft über Kontakte, gefiltert nach dem gewünschten Segment (z.B. Tag "Zielkonto" und Status "Prospect"), dann Export als CSV und Upload in Google Ads unter Zielgruppen > Kundendaten. Google hasht die E-Mail-Adressen serverseitig. Alternativ lässt sich der Import über die Google Ads API automatisieren, wenn ein entsprechendes Integrations-Tool zwischengeschaltet wird. Wie diese Integration technisch funktioniert, ist in der Anleitung zur Google Ads und ActiveCampaign Integration beschrieben.

Wann Search, wann Display, wann YouTube

Search-Anzeigen mit Customer Match sind am stärksten bei Kontakten, die aktiv im Beschaffungsprozess sind – also bei Prospects im späten Sales-Prozess. Du bietest auf relevante Keywords, aber deine Anzeige erscheint nur, wenn jemand aus einem Zielkonto sucht. Display-Anzeigen eignen sich für Awareness-Phasen: Du bleibst im Sichtfeld von Zielkonto-Mitarbeitern, ohne auf ein konkretes Suchsignal angewiesen zu sein. YouTube kommt für erklärungsbedürftige Angebote infrage, bei denen ein kurzes Format die Kernbotschaft besser transportiert als ein Banner.

Ein häufiges Missverständnis: ABM auf Google bedeutet nicht automatisch Brand-Keyword-Bidding. Das Gebot auf den eigenen Markennamen schützt gegen Wettbewerber, ist aber kein ABM-Instrument. ABM auf Google heißt: Keyword-Intent-Signale mit Customer-Match-Audiences verbinden, damit Anzeigen nur dann ausgespielt werden, wenn jemand aus einem Zielkonto nach einem relevanten Begriff sucht. Das setzt eine ausreichend große Audience voraus und funktioniert nicht, wenn die Zielkonto-Liste weniger als einige Hundert Personen enthält.

Retargeting im ABM: So arbeitet das System mit warmen Signalen

Retargeting ist im ABM-Kontext kein einfaches Pixel-basiertes Nachfassen, sondern ein mehrstufiges System, das zwischen Funnel-Stufe, Unternehmensherkunft und bisherigem Verhalten unterscheidet. Wer Retargeting als homogene Audience behandelt, verliert den Informationsvorsprung, den ABM gegenüber klassischem PPC hat.

Segmentierung nach besuchten Seiten und Verweildauer

Die aussagekräftigsten Retargeting-Segmente entstehen aus der Kombination von besuchter Seite und Verweildauer. Jemand, der 90 Sekunden auf deiner Preisseite war und danach die Seite verlassen hat, befindet sich in einer anderen Entscheidungsphase als jemand, der nur die Startseite angesteuert hat. Für das erste Segment eignet sich ein direktes Angebot – Beratungsgespräch oder Demo; für das zweite eher ein erklärungsstarker Content-Lead wie eine Case Study oder ein branchenspezifischer Leitfaden.

ActiveCampaign Site Tracking liefert diese Daten parallel in dein CRM: Du siehst auf Kontaktebene, welche Seiten ein bekannter Kontakt besucht hat. Das ermöglicht es, Retargeting-Anzeigen und E-Mail-Automationen zu synchronisieren – wer die Preisseite besucht, bekommt sowohl eine Retargeting-Anzeige als auch eine automatisierte E-Mail, die auf dasselbe Angebot einzahlt. Beide Kanäle sprechen in demselben Moment und mit derselben Botschaft.

Frequency Capping als Pflichteinstellung bei kleinen Audiences

ABM-Audiences sind klein. Eine Account-Liste mit 50 Zielunternehmen bedeutet auf LinkedIn vielleicht 200 bis 400 erreichbare Personen. Ohne Frequency Cap sehen dieselben Personen deine Anzeige täglich oder mehrfach pro Tag – das erzeugt ab einem gewissen Punkt keinen zusätzlichen Effekt, kostet Budget und schadet der Markenwahrnehmung beim Zielkonto.

Richtwert für ABM-LinkedIn-Kampagnen: maximal zwei bis drei Impressionen pro Person und Woche. Für Google Display ist der Richtwert ähnlich; bei Search-Anzeigen mit Customer Match ist Frequency Capping weniger kritisch, weil die Auslieferung vom Suchsignal abhängt. Überprüfe die Frequency-Daten wöchentlich: Wenn ein Nutzer in einer Woche mehr als fünf Impressionen derselben Anzeige gesehen hat, ist das ein Signal, dass die Audience zu klein oder das Creative zu statisch ist.

Creative-Rotation verhindert Audience-Ermüdung

Bei kleinen ABM-Audiences reichen zwei bis drei Creatives pro Kampagne nicht aus, um Ermüdungseffekte über mehrere Wochen zu vermeiden. Empfehlenswert ist eine geplante Rotation: Woche eins und zwei laufen mit Awareness-Content – ein relevanter Leitfaden oder eine präzise Frage, die das Kernproblem des Segments benennt. Woche drei und vier folgen mit Social Proof – eine Referenz aus der Branche des Zielkontos. Danach kommt ein direktes Angebot. Wenn ein Kontakt nach diesem Zyklus immer noch nicht reagiert hat, sollte das Creative-Set erneuert oder die Audience pausiert werden – weiterlaufen lassen erzeugt keinen neuen Informationswert.

So richtest du das technische Setup ein – von der Account-Liste bis zum Deal

Das technische Fundament eines ABM-PPC-Setups besteht aus vier Komponenten: einer einheitlichen UTM-Struktur, einer Integration zwischen Anzeigen-Plattformen und dem CRM, einer Tag-Logik in ActiveCampaign und einem Lead-Scoring-Modell, das PPC-Leads von organischen Leads unterscheidet. Alle vier müssen vor dem Start der ersten Kampagne stehen.

  1. UTM-Struktur festlegen: Jede Kampagne erhält ein einheitliches Schema. Beispiel: utm_source=linkedin, utm_medium=paid-social, utm_campaign=abm-q3-saas, utm_content=case-study-retail. Das Schema muss für alle Kampagnen gleich sein, weil spätere Auswertungen in ActiveCampaign und Google Analytics sonst keine sauberen Vergleiche ermöglichen. Sonderzeichen und Leerzeichen im UTM-Wert führen zu Tracking-Lücken.
  2. Landing Pages mit versteckten Feldern: Jede ABM-Kampagne führt auf eine dedizierte Landing Page. Das ActiveCampaign-Formular auf dieser Seite enthält versteckte Felder, die UTM-Parameter automatisch erfassen. Beim Formularabsenden liest ActiveCampaign diese Felder aus und trägt sie als Custom Fields in den Kontakt ein. So weißt du auf Kontaktebene, über welche Kampagne und welches Creative jemand konvertiert ist.
  3. Tag-Logik aufbauen: Jeder PPC-Kontakt erhält automatisch einen Tag, der Kanal und Segment kodiert – z.B. "PPC-LinkedIn-ABM-Q3" oder "PPC-Google-CustomerMatch-SaaS". Diese Tags sind die Basis für segmentierte Follow-up-Automationen und für das spätere Reporting. Ohne saubere Tags lässt sich später nicht auswerten, welche Kampagne welchen Lead erzeugt hat.
  4. Lead Scoring für PPC-Kontakte getrennt definieren: PPC-Leads starten mit einem anderen Basis-Score als organische Kontakte, weil das Verhalten unterschiedlich ist. Jemand, der auf eine Direct-Response-Anzeige klickt und ein Formular ausfüllt, zeigt ein anderes Kaufsignal als jemand, der sich über einen Blogartikel einträgt. Definiere die Score-Punkte für PPC-Aktionen – Klick auf Preisseite, Formularabsatz, E-Mail-Öffnung – separat von organischen Signalen.
  5. Follow-up-Automation aufsetzen: Für jede Eintrittskombination aus Kanal und Segment gibt es eine eigene Automation in ActiveCampaign. Die Automation startet mit dem Tag-Trigger und durchläuft eine Sequenz von drei bis fünf E-Mails, deren Intervalle mit dem Retargeting-Rhythmus der Anzeigen synchronisiert sind. Wenn jemand eine E-Mail öffnet oder auf einen Link klickt, pausiert das Retargeting für 48 Stunden – um zu verhindern, dass derselbe Kontakt gleichzeitig eine E-Mail und eine LinkedIn-Anzeige zu demselben Thema sieht.

Der letzte Schritt ist das Schließen des Kreislaufs: Wenn ein Deal gewonnen wird, trägt der Vertrieb die ursprüngliche Kampagnenquelle nach. Nur so lässt sich später auswerten, welche ABM-Kampagnen tatsächlich zu Umsatz geführt haben – und nicht nur zu Leads, die danach im Pipeline-Nirvana verschwunden sind. Ohne dieses Closing-the-Loop fehlt die Grundlage für jede Budget-Entscheidung in der nächsten Kampagnenrunde.

Wann ABM mit PPC nicht funktioniert

ABM mit PPC ist kein universeller Ansatz. Es gibt Konstellationen, in denen der Aufwand des Setups und die Mindestkosten der Plattformen nicht im Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis stehen. Wer das Modell kennt, kann einschätzen, wann ein anderer Ansatz wirtschaftlicher ist.

Typische Fehler, die auch bei richtigem Ansatz scheitern lassen

Der häufigste Fehler ist ein ICP, der zu breit definiert ist. Wenn deine Zielkonto-Liste 2.000 Unternehmen umfasst, ist es kein ABM mehr – es ist normales PPC mit Firmographic-Filter. ABM bedeutet, dass du die Unternehmen namentlich kennst und gezielt bearbeitest. Ohne diese Spezifizität verlierst du den wesentlichen Hebel des Ansatzes: die personalisierte Botschaft, die auf das Segment zugeschnitten ist.

Ein weiterer häufiger Fehler: kein Sales-Alignment vor dem Kampagnenstart. ABM-PPC erzeugt Sichtbarkeit bei Zielkonten – aber wenn der Vertrieb nicht weiß, welche Unternehmen gerade angesprochen werden, kann er die ausgelösten Signale nicht einordnen. Leads, die durch die Kampagne entstehen, werden dann nicht schnell genug nachgefasst, weil der Zusammenhang zum laufenden PPC-Einsatz fehlt.

Drei weitere Fehlerquellen, die das Setup untergraben:

  • Audiences werden nicht nach Funnel-Stufe getrennt, sodass Awareness-Botschaften bei Kontakten landen, die schon in einer aktiven Demo-Phase sind – und umgekehrt.
  • Frequency Capping wird nicht eingestellt, die Audience verbrennt innerhalb von zwei Wochen, und die Kampagne läuft mit sinkenden Ergebnissen weiter, weil kein Monitoring stattfindet.
  • UTM-Parameter sind inkonsistent benannt, sodass die Quelldaten im CRM nicht auswertbar sind und das Abschluss-Reporting auf Schätzungen beruht.

Situationen, in denen das Modell grundsätzlich nicht passt

ABM mit PPC setzt einen Mindest-Deal-Value voraus. CPM-Werte auf LinkedIn im B2B-Segment sind deutlich höher als auf Consumer-Kanälen. Wenn der durchschnittliche Auftragswert diesen Aufwand nicht rechtfertigt, ist ein breiterer PPC-Ansatz mit anschließender CRM-Qualifizierung wirtschaftlicher. Als grober Orientierungsrahmen: Bei Angeboten unter einem Auftragswert von einigen Tausend Euro ist der Break-even für eine sauber aufgesetzte ABM-PPC-Kampagne schwer zu erreichen.

Das Modell passt außerdem nicht, wenn das Angebot keinen klaren Unternehmensbezug hat. ABM funktioniert, weil die Botschaft spezifisch für ein Segment oder ein Unternehmen formuliert werden kann. Wenn das Angebot so generisch ist, dass keine unternehmensspezifische Anzeige entsteht, fällt der wesentliche Hebel weg. Gleiches gilt für Angebote, die primär vom Endkonsumenten und nicht von einem Unternehmens-Entscheider beschafft werden – dort fehlt die Entscheider-Dimension, auf der ABM aufbaut.

Häufige Fragen

Welche Mindest-Audience-Größe brauche ich für LinkedIn Matched Audiences?

LinkedIn gibt für Matched Audiences eine Mindestgröße von 300 Personen bei Contact Targeting und 300 gematchten Unternehmen bei Company Targeting an. In der Praxis solltest du deutlich darüber planen: Eine Audience nahe am Minimum schränkt die Auslieferung ein und macht Frequency-Capping-Probleme wahrscheinlicher. Plane mit mindestens 500 bis 800 Personen oder 400 bis 500 Unternehmen, bevor du eine Kampagne live schaltest.

Wie exportiere ich Segmente aus ActiveCampaign für Google Customer Match?

In ActiveCampaign gehst du zu Kontakte, filterst nach dem gewünschten Segment – z.B. Tag "Zielkonto" – wählst alle gefilterten Kontakte aus und exportierst als CSV. Diese Datei lädst du in Google Ads unter Zielgruppen > Kundendaten hoch. Google akzeptiert E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Anschriften und hasht die Daten serverseitig. Lade nur Kontakte hoch, die aktiv in Marketing-Kommunikation eingewilligt haben.

Brauche ich für jede ABM-Kampagne eine eigene Landing Page?

Mindestens eine pro Segment. Eine Landing Page, die auf alle Zielkonto-Profile gleich eingeht, verfehlt den wesentlichen Vorteil von ABM: die Spezifizität. Wenn du SaaS-Unternehmen und Industriebetriebe in derselben Kampagne ansprichst, brauchen sie unterschiedliche Seiten mit unterschiedlichem Social Proof und unterschiedlicher Formulierung. Gemeinsame Landing Pages sind akzeptabel, wenn das Segment intern homogen ist und dieselbe Botschaft für alle Mitglieder gilt.

Wie lange sollte eine ABM-PPC-Kampagne laufen, bevor ich auswerte?

Mindestens acht Wochen, besser zwölf. ABM-Audiences sind klein, die statistischen Fallzahlen wachsen langsam. Nach vier Wochen hast du in der Regel zu wenig Daten für verlässliche Entscheidungen – außer du siehst klare Ausreißer wie eine Frequency weit über dem Richtwert oder eine Click-through-Rate nahe null. Erste belastbare Optimierungsschlüsse sind nach acht Wochen möglich; vollständige Kampagnen-Reviews sinnvoll nach einem vollen Quartal.

Kann ich ABM mit PPC auch ohne LinkedIn und nur über Google Ads umsetzen?

Ja, aber mit Einschränkungen. Google Customer Match ermöglicht account-genaues Targeting auf Search, Display und YouTube, wenn du die E-Mail-Adressen der Zielkonto-Mitarbeiter kennst. Was fehlt, ist die Jobtitel-Dimension: Google lässt keine Kombination aus Unternehmensmatch und Jobtitel-Filter zu. Für Kampagnen, bei denen ein bestimmter Entscheider-Typ und nicht die Gesamtbelegschaft angesprochen werden soll, ist LinkedIn als ergänzender Kanal sinnvoll.

Wer ABM mit PPC konsequent aufbaut, braucht Zeit für das initiale Setup – aber das System arbeitet danach mit einem Präzisionsvorteil, den klassisches PPC strukturell nicht erreichen kann. Der Ausgangspunkt ist immer die Account-Liste: Wer in ihr nicht sauber zwischen Bestandskunden-Lookalikes, aktiven Prospects und firmografischem Pool unterscheidet, hat die Arbeit von der falschen Seite begonnen. Den Einstieg in die Segmentierungslogik – welche Kriterien ein ICP braucht, wie du Account-Listen aus dem CRM aufbaust und wie Sales und Marketing dabei zusammenarbeiten – solltest du klären, bevor die erste Kampagne live geht.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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