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Account-Based Marketing (ABM) Kampagnen: Der Praxis-Leitfaden für präzise B2B-Kundengewinnung

Tom
Tom
12. März 2026 · 13 Min. Lesezeit

ABM-Kampagnen legen die Zielunternehmen fest, bevor eine einzige E-Mail verschickt wird – und richten jeden Kanal darauf aus. Das Gegenteil von Streuung: Statt auf Masse zu hoffen, definierst du zuerst, wen du gewinnen willst, und baust dann Inhalte, Automationen und Sales-Aktivitäten gezielt für genau diese Accounts auf. Dieser Leitfaden zeigt, wie das in der Praxis aussieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • ABM kennt drei Tier-Stufen: 1:1 für Schlüsselaccounts, 1:Few für Branchencluster, 1:Many für ein klar definiertes Zielsegment – jede Stufe braucht eine andere Ressourcentiefe.
  • Ein Ideal Customer Profile ist die Voraussetzung; ohne klare Account-Kriterien zerfließt die Personalisierung in unspezifischen Inhalten.
  • Sales und Marketing müssen dieselbe Account-Liste führen – zwei getrennte Prioritätenlisten sabotieren ABM von innen.
  • ActiveCampaign bildet den ABM-Kern ab: Accounts, Deals, Automationen, Lead Scoring und Site Tracking greifen ineinander.

Was ABM von klassischem B2B-Marketing unterscheidet

Im klassischen B2B-Marketing definierst du eine Zielgruppe und bespielst sie mit Inhalten – in der Hoffnung, dass die richtigen Unternehmen im richtigen Moment darauf stoßen. ABM dreht die Reihenfolge um: Zuerst kommen die konkreten Unternehmen, dann der Inhalt. Nicht „Mittelständler mit Logistikbedarf”, sondern dreißig namentlich bekannte Speditionen, deren Ansprechpartner du kennst und deren aktuelle Situation du recherchiert hast.

Der praktische Unterschied liegt in der Messung. Klassisches Marketing misst Leads, Klicks, Öffnungsraten. ABM misst Account-Engagement: Wie viele Personen aus dem Zielunternehmen haben sich mit deinen Inhalten befasst? Hat sich das Account in Richtung Deal bewegt? Wurde ein Termin vereinbart? Die Granularität ist eine andere – was auch eine andere Datenbasis erfordert.

ABM verlangt außerdem eine enge Kopplung zwischen Marketing und Sales. Wo in einem klassischen Funnel Marketing Leads generiert und übergibt, führen beide Teams bei ABM gemeinsam eine Account-Liste und arbeiten auf dieselben Zielunternehmen hin. Das klingt selbstverständlich, ist aber in der Praxis oft der erste Knackpunkt – und der häufigste Grund, warum ABM-Initiativen im ersten Quartal einschlafen.

Warum ABM im DACH-B2B besonders gut funktioniert

Entscheidungsprozesse im deutschen Mittelstand laufen selten über eine Person. Kaufentscheidungen für Software, Dienstleistungen oder Investitionsgüter binden oft fünf bis acht Personen ein – Fachbereich, IT, Controlling, Geschäftsführung. ABM ist für genau diesen mehrstufigen Kaufprozess gebaut: Du identifizierst alle relevanten Personen im Zielunternehmen und bespielst jeden auf der für ihn relevanten Ebene.

Dazu kommt der Beziehungscharakter im DACH-Markt. Eine E-Mail, die zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast – der aktuelle Jahresbericht, eine neue Niederlassung, ein laufendes Projekt – wird gelesen. Eine generische Broschüre landet im Papierkorb. Das ist kein kulturelles Klischee, sondern eine praktische Beobachtung aus B2B-Projekten im deutschsprachigen Raum.

Die drei ABM-Typen: Wann du 1:1, 1:Few oder 1:Many einsetzt

Die ABM-Literatur unterscheidet drei Stufen, die sich in Ressourcenaufwand und Personalisierungstiefe deutlich unterscheiden. Die Wahl des richtigen Typs entscheidet darüber, ob ABM bei dir skalierbar bleibt oder im Ressourcenengpass versinkt.

1:1 – Strategic ABM für Schlüsselaccounts

1:1-ABM richtet sich an einzelne Unternehmen, die allein den Aufwand einer vollständig individualisierten Kampagne rechtfertigen. In der Praxis sind das Accounts mit einem erwartbaren Vertragswert, der deutlich über dem Durchschnitt liegt. Du erstellst für jeden Account eine eigene Landingpage, eigene Inhalte, eine eigene E-Mail-Abfolge und ein individuell vorbereitetes Sales-Playbook. Marketing und Sales arbeiten den Account gemeinsam durch.

Bei einem Account, der über mehrere Jahre sechs- oder siebenstellige Umsätze bringen kann, ist ein Aufwand von mehreren Manntagen für die Vorbereitung gerechtfertigt. 1:1-ABM ist keine Skalierungsstrategie – es ist eine Investitionsentscheidung, die du pro Account bewusst triffst. Die maximale Listengröße für echtes 1:1 liegt bei fünf bis fünfzehn Accounts pro Sales-Person.

1:Few – ABM für Branchencluster

1:Few bündelt ähnliche Accounts zu Gruppen von fünf bis fünfzehn Unternehmen, die dieselben Herausforderungen teilen. Ein Automotive-Cluster, eine Gruppe von Pharmaunternehmen mit ähnlichem Tech-Stack, mittelständische Hersteller in einer bestimmten Region. Inhalte sind branchenspezifisch, aber nicht unternehmensindividuell. Diese Stufe ist für die meisten B2B-Teams der realistische Einstieg in ABM.

Der Produktionsaufwand für 1:Few ist deutlich überschaubar: eine branchenspezifische Landingpage, eine Sequenz mit fünf bis sieben E-Mails, die relevante Herausforderungen der Branche adressieren, und ein Sales-Playbook für das erste Gespräch. Das reicht für einen sauberen Test mit messbaren Ergebnissen nach zwei bis drei Monaten.

1:Many – Programmatisches ABM

1:Many skaliert ABM-Prinzipien auf hundert bis mehrere hundert Accounts. Die Personalisierung ist deutlich gröber – Branchenzugehörigkeit, Unternehmensgröße, geografische Region. Dafür funktioniert dieser Ansatz auch mit kleinerem Team und weniger Content-Aufwand. In ActiveCampaign nutzt du dafür Segment-Automationen, die auf Firmendaten-Feldern basieren.

1:Many eignet sich als flankierende Schicht, nicht als alleiniger Einstieg: Du arbeitest die Top-Accounts 1:1 oder 1:Few durch, und 1:Many hält parallel das breitere Feld warm, aus dem sich neue Top-Account-Kandidaten ergeben. Wer nur 1:Many betreibt, unterscheidet sich in der Praxis kaum von einer gut segmentierten Massenmail-Strategie.

Ein Ideal Customer Profile aufbauen, das trägt

Das Ideal Customer Profile (ICP) ist der Filter, durch den deine Account-Liste laufen muss. Ohne scharfen Filter bekommst du eine heterogene Sammlung von Unternehmen, die sich nicht sinnvoll gemeinsam bespielen lassen. Ein ICP auf Ebene „mittelständische Unternehmen mit 50 bis 200 Mitarbeitern” ist zu unspezifisch, um Inhalte daran auszurichten.

Ein tragfähiges ICP enthält sechs Dimensionen:

  • Branche und Geschäftsmodell: nicht „Industrie”, sondern „Hersteller von Präzisionsteilen für die Luftfahrt, Jahresumsatz über 20 Mio. Euro”
  • Unternehmensgröße nach Umsatz und Mitarbeiterzahl – beide Kennzahlen, weil sie unterschiedliche Rückschlüsse auf Budgets und Entscheidungsprozesse erlauben
  • Technologie-Stack: Welche CRM-, ERP- oder Marketing-Plattformen sind im Einsatz? Das zeigt, ob dein Angebot integrierbar ist und wie groß die Wechselbereitschaft ist.
  • Reife des Kaufprozesses: Gibt es bereits ein Budget für die Kategorie, oder ist Awareness noch aufzubauen?
  • Geografische Eingrenzung: DACH-weit, nur Deutschland, eine bestimmte Region?
  • Schmerzpunkte, die dein Angebot löst – formuliert so konkret, dass ein Vertriebler damit im ersten Gespräch punkten kann

Das ICP entsteht am besten aus deinen zehn bis fünfzehn besten Bestandskunden. Welche Gemeinsamkeiten haben sie? Welche Merkmale treffen auf alle zu? Welche Kunden hatten den reibungslosesten Einstieg? Aus dieser Analyse baut sich das ICP fast von selbst – ergänzt um Merkmale der Kunden, bei denen die Zusammenarbeit am produktivsten war.

Von ICP zur konkreten Account-Liste

Wenn das ICP steht, folgt die Account-Recherche. Für DACH-Märkte funktionieren diese Quellen zuverlässig: LinkedIn Sales Navigator für Unternehmensfilter nach Branche, Größe und Region; Hoppenstedt-Datenbank und Wer-liefert-was für B2B-Firmendaten; Branchenverbände und Messekataloge für Zielgruppen mit spezifischem Profil. Für den Start reichen zwanzig bis dreißig Accounts – lieber wenige gründlich bearbeiten als viele oberflächlich.

Für jeden Account auf der Liste brauchst du drei bis fünf konkrete Ansprechpartner. Wer ist für die Entscheidung zuständig? Wer hat technischen Einfluss? Wer ist Endnutzer des Angebots? LinkedIn zeigt Funktion, Dauer der Betriebszugehörigkeit und oft aktuelle Projekte – das sind die Ansatzpunkte für personalisierte Kommunikation, die sich von generischen Mails abhebt.

ABM-Kampagne mit ActiveCampaign einrichten – Schritt für Schritt

ActiveCampaign bringt alle Features mit, die du für den ABM-Aufbau brauchst: Accounts als Unternehmensebene, Deals für den Sales-Prozess, benutzerdefinierte Felder für ABM-Daten, Automationen für Nurturing-Sequenzen und Site Tracking für Website-Aktivität. Das Folgende zeigt den Aufbau von Grund auf in sieben Schritten.

  1. Account-Datensätze anlegen: Navigiere zu Kontakte → Accounts → Neuen Account hinzufügen. Lege für jeden Account deiner Liste einen Datensatz an. Pflichtfelder: Unternehmensname, Website, Branche. Wie du Konten strukturiert aufbaust und welche Felder sinnvoll sind, erklärt der Artikel zu den ActiveCampaign-Konten im Sales CRM.
  2. Custom Fields für ABM-Daten einrichten: Kontakte → Felder verwalten → Neues Feld erstellen. Erstelle Felder wie „ABM-Tier” (Auswahlfeld: Tier 1 / Tier 2 / Tier 3), „ICP-Match” (Ja/Nein) und „Nächster Schritt Sales” (Freitext). Diese Felder steuern später die Automationen und helfen Sales beim täglichen Überblick.
  3. Tags für ABM-Kontakte vergeben: Ein konsistentes Tag-System ist die Basis für saubere Automationssteuerung. Empfohlen: „abm-tier1”, „abm-tier2”, „abm-tier3” und „abm-aktiv”. Tags vergibst du über Kontakte → Kontakt öffnen → Tags bearbeiten, oder im Bulk über gefilterte Listenansichten.
  4. Kontakte den Accounts zuordnen: In der Kontaktansicht öffnest du den Eintrag und verknüpfst ihn über das Account-Feld mit dem richtigen Unternehmens-Datensatz. ActiveCampaign aggregiert dann Account-Engagement-Daten über alle zugeordneten Kontakte – so siehst du auf Account-Ebene, wer sich wie verhalten hat.
  5. ABM-Automation aufbauen: Automationen → Erstellen → Trigger „Kontakt erhält Tag: abm-tier1”. Ein einfacher Tier-1-Flow sieht so aus: erste personalisierte E-Mail 24 Stunden nach Trigger, Wartezeit drei Tage, zweite E-Mail mit einem branchenspezifischen Fallbeispiel, If/Else-Bedingung (Hat Kontakt die E-Mail geöffnet?), dann zwei Äste für engaged vs. not engaged mit unterschiedlichen Folgeaktionen.
  6. Site Tracking aktivieren: Einstellungen → Tracking → Site Tracking → Tracking-Code generieren und auf der Website einbinden. Danach siehst du in jedem Kontaktdatensatz, welche Seiten die Person besucht hat – und welche Seiten Kontakte aus einem Zielaccount aufgerufen haben. Das ist der Ausgangspunkt für zeitlich präzises Follow-Up durch Sales.
  7. Lead Scoring für ABM konfigurieren: Richte Account-Level-Scoring ein: Punkte für geöffnete E-Mails, Website-Besuche auf Produktseiten, Content-Downloads, gebuchte Termine. Ab einem definierten Schwellenwert löst eine Automation automatisch eine Sales-Benachrichtigung aus. Wie du das Scoring-Modell konkret aufbaust, erklärt der Leitfaden zum Lead Scoring in ActiveCampaign.

Typische Fehler bei ABM-Kampagnen – und wie du sie vermeidest

In der Praxis scheitern viele ABM-Ansätze nicht an der Strategie, sondern an der Umsetzung. Drei Muster tauchen dabei fast immer auf.

Die Account-Liste ist zu groß

Der häufigste Fehler: Du startest mit hundert oder mehr Accounts und versuchst, alle gleichzeitig zu bespielen. Das Ergebnis ist keine tiefe Personalisierung, sondern eine etwas segmentiertere Version des klassischen Newsletters. ABM braucht Konzentration. Mit zwanzig bis dreißig Accounts im ersten Quartal kannst du genug Tiefe aufbauen, um echte Erkenntnisse zu gewinnen. Mit hundert verlierst du die Kontrolle über Content-Qualität und Account-Entwicklung gleichzeitig.

Die Gegenstrategie: Teile deine Account-Liste explizit in Tier-1-Accounts (intensive Bearbeitung, maximal zehn bis fünfzehn), Tier-2-Accounts (mittlere Tiefe, dreißig bis fünfzig) und eine Watchlist (beobachten, nicht aktiv bespielen). Nur Tier 1 bekommt echte 1:1-Arbeit. Die Tier-Einstufung überprüfst du einmal im Quartal anhand der tatsächlichen Account-Entwicklung.

Marketing und Sales haben getrennte Listen

ABM funktioniert nur, wenn beide Teams dieselben Accounts priorisieren. In der Praxis passiert oft folgendes: Marketing hat eine ABM-Kampagne für dreißig Accounts aufgebaut, Sales verfolgt gleichzeitig fünfzig andere Unternehmen. Das Ergebnis: Ein Kontakt aus einem Marketing-Account bekommt eine personalisierte Nurturing-Sequenz, während ein Sales-Kollege ihn gleichzeitig mit einem generischen Outbound-Pitch anschreibt. Der Kontakt merkt die Inkohärenz – und das beschädigt das Vertrauen, das die Personalisierung gerade aufzubauen versucht hat.

Die Lösung ist organisatorisch, nicht technisch. Ein monatliches Abstimmungsformat, in dem Sales und Marketing gemeinsam die Account-Liste durchgehen, ist wichtiger als jedes Tool. In ActiveCampaign können beide Teams auf dieselben Account-Datensätze und Deals zugreifen, wenn die Benutzerrollen entsprechend eingerichtet sind. Die gemeinsame Datenbasis macht den Abstimmungsaufwand geringer, ersetzt das Format aber nicht.

Personalisierung bleibt an der Oberfläche

Der Name des Unternehmens im Betreff oder eine branchenspezifische Formulierung sind ein Anfang, aber kein Personalisierungskonzept. Echte Personalisierung bedeutet, dass der Inhalt einer E-Mail für eine Person außerhalb des Zielunternehmens keinen Sinn ergeben würde. Du referenzierst ein konkretes Projekt des Unternehmens, ein regulatorisches Thema, das gerade die Branche beschäftigt, oder eine Information aus dem letzten Gespräch.

Dazu brauchst du Recherche – mindestens zehn bis fünfzehn Minuten pro Kontakt: LinkedIn-Profil, Unternehmenswebsite, aktuelle Pressemitteilungen, falls verfügbar der letzte Jahresbericht. Das kostet Zeit und ist deshalb ein direktes Argument dafür, die Account-Liste klein zu halten. Tiefe Personalisierung bei zwanzig Accounts ist möglich. Bei zweihundert ist sie eine Illusion.

Wann ABM nicht die richtige Wahl ist

ABM ist kein universelles Modell. Es gibt Situationen, in denen klassisches Inbound-Marketing oder Performance-Kampagnen mehr leisten – und wo ABM-Ressourcen wirkungslos bleiben würden.

ABM passt nicht, wenn dein durchschnittlicher Kundenwert unter einem bestimmten Schwellenwert liegt. Die Faustregel: Der erwartbare Jahresumsatz pro Account sollte den Aufwand einer personalisierten Kampagne wirtschaftlich rechtfertigen. Bei einem Produkt mit einem durchschnittlichen Jahresvertragswert unter dreitausend Euro wird 1:1-ABM kaum sinnvoll sein. 1:Many kann noch funktionieren, aber auch das braucht einen Mindestwert, damit die Selektivität einen Vorteil gegenüber Breitenmarketing erzeugt.

ABM passt nicht, wenn der Markt zu groß und zu homogen ist. Wenn deine potenzielle Kundenbasis aus zehntausend ähnlichen Unternehmen besteht, die alle denselben Bedarf haben und ähnlich kaufen, ist eine breit angelegte Inbound-Strategie effizienter als der Versuch, jeden Account individuell zu bearbeiten. ABM ist für klar abgegrenzte, wertvoll einzuschätzende Zielkunden gedacht.

ABM passt nicht, wenn Sales und Marketing strukturell getrennt arbeiten und keine gemeinsame Priorisierung realisierbar ist. Das Modell setzt organisatorische Voraussetzungen voraus, die technisch nicht zu ersetzen sind. Wenn ein gemeinsames Abstimmungsformat nicht etabliert werden kann, wird ABM in der Ausführung unkoordiniert – und kostet mehr, als es bringt.

Erfolgsmessung: Welche Kennzahlen bei ABM wirklich zählen

Standard-Marketing-KPIs greifen bei ABM zu kurz. Die Öffnungsrate einer E-Mail sagt wenig darüber aus, wie weit sich ein Account in Richtung Kaufentscheidung bewegt hat. Du brauchst Kennzahlen, die den Account als Einheit abbilden, nicht den einzelnen Kontakt.

Die zentralen ABM-Kennzahlen

Account Engagement Rate misst, wie viele Personen in einem Zielunternehmen mit deinen Inhalten interagiert haben – nicht einzelne Kontakte, sondern das Account als Ganzes. Ein einzelner Klick erzeugt eine andere Signalstärke als drei Personen aus demselben Unternehmen, die verschiedene Inhalte in derselben Woche konsumieren. In ActiveCampaign aggregierst du das über Account-Datensätze und verknüpfte Deal-Aktivitäten.

Contact Coverage zeigt, wie viele relevante Funktionen im Account du bereits erreichst. Bei einer Kaufentscheidung mit sieben Beteiligten bedeutet ein einzelner Kontakt im Account noch keinen Zugang zum Entscheidungsprozess. Ziel ist, mindestens drei bis vier der relevanten Funktionen im Account aktiv zu bespielen, bevor Sales einen Abschlussdruck aufbaut.

Pipeline Velocity misst, wie schnell sich Accounts durch den Sales-Funnel bewegen, verglichen mit nicht-ABM-Leads. Wenn ABM-Accounts schneller zu Opportunities werden und schneller schließen, zeigt das den direkten Effekt der Fokussierung. Deal-Reports in ActiveCampaign lassen sich nach ABM-Tags filtern, um diesen Vergleich sauber zu ziehen.

Deal Size im Vergleich: Schließen ABM-Accounts mit höheren Vertragswerten als unbearbeitete Inbound-Leads? Das ist das zentrale wirtschaftliche Argument für ABM – der Aufwand muss sich in größeren Deals oder längeren Kundenbeziehungen niederschlagen, sonst rechnet sich das Modell nicht.

Den monatlichen ABM-Review strukturieren

Ein festes monatliches Format für Sales und Marketing bewährt sich als Rahmen, in dem ABM-Kampagnen justiert werden. Eine funktionierende Agenda: Account-Health-Check (welche Accounts sind heiß, welche kalt?), Pipeline-Review (was bewegt sich, was stockt?), Content-Performance (welche Inhalte haben die stärksten Reaktionen ausgelöst?), Kanal-Analyse (über welche Kanäle kamen die wertvollen Interaktionen?), Tier-Überprüfung (muss ein Account hoch- oder herabgestuft werden?). Daraus entstehen konkrete Todos für die nächsten vier Wochen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis eine ABM-Kampagne messbare Ergebnisse zeigt?

B2B-Kaufentscheidungen im DACH-Markt laufen selten in unter drei Monaten ab. Realistische erste Signale – Meetings, qualifizierte Pipeline-Einträge, Opportunities – entstehen nach drei bis sechs Monaten. Erste Abschlüsse aus ABM-Kampagnen liegen oft bei sechs bis zwölf Monaten nach dem Kampagnenstart. Das macht ABM zu einer Investition mit mittlerer Laufzeit. Wer nach vier Wochen Ergebnisse erwartet, misst ABM mit dem falschen Maßstab.

Wie viele Accounts kann ein B2B-Marketer gleichzeitig sauber bearbeiten?

Als Anhaltspunkt gilt: Ein Marketer kann fünfzehn bis dreißig 1:Few-Accounts gleichzeitig aktiv halten – vorausgesetzt, Inhalte und Automationen sind vorbereitet. Für 1:1-Accounts, bei denen jede Kommunikation individuell vorbereitet werden muss, liegt die Kapazitätsgrenze deutlich niedriger: fünf bis zehn Accounts. Ein Sales-Kollege schafft bei intensiver Betreuung zehn bis fünfzehn Tier-1-Accounts parallel. Werden diese Grenzen überschritten, leidet die Qualität – und damit der Unterschied zu klassischem Marketing.

Wie gehe ich mit DSGVO-Anforderungen bei ABM im DACH-Raum um?

ABM-Kampagnen an gewerbliche Ansprechpartner – Geschäfts-E-Mail, berufliche Funktion – sind auf Basis des berechtigten Interesses nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO zulässig, wenn ein echter Sachbezug zwischen deinem Angebot und der Tätigkeit des Empfängers besteht. Voraussetzungen: Die Interessenabwägung muss dokumentiert sein, jede Kommunikation muss eine Opt-out-Möglichkeit enthalten, und die Kontaktdaten müssen aus legitimen Quellen stammen. Bei Unsicherheiten zur konkreten Umsetzung ist eine auf Datenschutzrecht spezialisierte Beratung der richtige Ansprechpartner.

Was unterscheidet ABM im Mittelstand von Enterprise-ABM?

Im Mittelstand sind Kaufentscheidungseinheiten oft kleiner und Entscheider direkter zugänglich. Ein Geschäftsführer eines Unternehmens mit fünfzig Mitarbeitern ist per LinkedIn erreichbar, während ein Procurement-Team eines Konzerns über formale Buying-Prozesse läuft. Das vereinfacht Mittelstands-ABM in mancher Hinsicht: weniger Stakeholder, kürzere Entscheidungswege. Der Nachteil: Budgets sind kleiner, was den Deal-Wert pro Account begrenzt und die Wirtschaftlichkeit von 1:1-ABM erschwert. 1:Few ist für den DACH-Mittelstand häufig der skalierbarere Einstieg.

Kann ich ABM parallel zu einem laufenden Inbound-Programm betreiben?

Ja, und das ist die häufigste Einstiegsform. ABM läuft als parallele Schicht, die einen Teil der Marketing-Ressourcen auf definierte Zielaccounts konzentriert, während das Inbound-Programm weiterläuft und Leads im oberen Funnel erzeugt. Der entscheidende Moment ist, wenn ein Inbound-Lead aus einem Zielaccount eintrifft – dann wechselt die Bearbeitung in den personalisierten ABM-Modus. In ActiveCampaign lässt sich dieser Wechsel über eine Automationsregel steuern: Trifft ein Kontakt ein, dessen Account-Datensatz als ABM-Tier-1 markiert ist, wechselt er automatisch in die ABM-Automation.

Nach dem ersten Quartal liegt genug Datenmaterial vor, um ABM-Kampagnen fundiert zu justieren: Welche Accounts haben sich bewegt, welche nicht? Welche Inhalte haben Reaktionen ausgelöst? Welche Kanäle haben Account-Kontakte tatsächlich genutzt? Diese Fragen beantwortest du im monatlichen Review mit Sales – nicht einmal, sondern als festes Format. ABM entwickelt sich durch Iteration, nicht durch einmaligen Aufbau.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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