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Account-Based Marketing für B2B-Unternehmen: Der Leitfaden für den DACH-Markt

Tom
Tom
12. März 2026 · 13 Min. Lesezeit

Account-Based Marketing wählt zuerst Zielunternehmen aus und entwickelt dann personalisierte Kampagnen für genau diese Accounts – nicht umgekehrt. Dieser Ansatz eignet sich für B2B-Anbieter mit hohen Auftragswerten, langen Verkaufszyklen und mehreren Entscheidern. Wie du ABM für den DACH-Markt strukturierst und in ActiveCampaign operativ umsetzt, zeigt dieser Leitfaden Schritt für Schritt.

Das Wichtigste in Kürze

  • ABM eignet sich für B2B-Anbieter mit hohen Auftragswerten und langen Verkaufszyklen – bei kleinen, transaktionalen Deals lohnt der Aufwand nicht.
  • Es gibt drei ABM-Modelle: Strategic (1:1 für 5–20 Accounts), ABM Lite (1:Wenige, bis 50 Accounts) und Programmatic (1:Viele, über 100 Accounts). Der Einstieg gelingt am besten mit dem 1:1-Modell.
  • Das Fundament ist ein präzises Ideal Customer Profile mit firmografischen, technografischen und situativen Kriterien – ohne klares ICP bleibt ABM ein teures Experiment.
  • ABM erfordert von Beginn an eine enge Abstimmung zwischen Marketing und Vertrieb. Wer ABM als Marketing-Projekt startet, ohne Sales einzubinden, erntet meistens Frustration statt Deals.
  • ActiveCampaign bildet ABM über Custom Fields, Account-Tags, Deal-Pipelines und getriggerte Automationen ab – ohne separates ABM-Tool notwendig zu haben.

Was ABM von klassischer Lead-Generierung unterscheidet

Im klassischen Inbound-Modell baust du Reichweite auf, qualifizierst die eingehenden Leads und übergibst die vielversprechendsten an den Vertrieb. Der Trichter ist breit oben, eng unten. ABM dreht diese Logik um: Du beginnst mit einer kuratierten Liste von Unternehmen, die als Kunden passen würden, und richtest alle Marketing- und Vertriebsaktivitäten auf genau diese Accounts aus.

Der wesentliche Unterschied liegt nicht in der Technologie oder den Kanälen, sondern in der Ausgangsfrage. Inbound fragt: "Wer kommt zu uns?" ABM fragt: "Wen wollen wir als Kunden gewinnen, und wie kommen wir gezielt dorthin?"

Dimension

Klassische Lead-Generierung

Account-Based Marketing

Ausgangspunkt

Persona-Definition, dann Reichweite aufbauen

Konkrete Account-Liste, dann Kampagne entwickeln

Personalisierung

Segment-basiert, skalierbar

Account-spezifisch, ressourcenintensiv

Messung

Lead-Volumen, CPL, MQL

Account Engagement, Pipeline-Wert, Win Rate

Sales-Marketing-Verhältnis

Sequenziell: Marketing übergibt an Sales

Parallel: Marketing und Sales planen gemeinsam

Geeignet für

Kurze Zyklen, viele Deals, breiter Markt

Hohe Auftragswerte, wenige, große Deals

Beide Ansätze schließen sich nicht aus. Viele B2B-Unternehmen betreiben ABM parallel zu Inbound-Marketing: ABM für die wichtigsten Ziel-Accounts, Inbound für den Rest des Marktes.

Die drei ABM-Modelle – welches passt zu dir?

ABM ist kein einzelnes Vorgehen, sondern ein Spektrum. Die drei Modelle unterscheiden sich darin, wie viele Accounts du bearbeitest und wie tief du personalisierst. Die richtige Wahl hängt von deinen Ressourcen und deinem Markt ab.

1:1 – Strategic ABM

Im 1:1-Modell bearbeitest du 5 bis 20 Accounts mit einer vollständig individualisierten Strategie pro Unternehmen. Jeder Account bekommt eigene Inhalte, einen eigenen Kommunikationsplan und ein eigenes Budget. Das ist das ressourcenintensivste Modell, liefert aber die höchste Konversionsrate bei den Ziel-Accounts. Es lohnt sich, wenn ein einzelner Abschluss sehr hohe Vertragswerte hat und die Account-Landschaft klar abzugrenzen ist.

1:Wenige – ABM Lite

Das 1:Wenige-Modell gruppiert 10 bis 50 Accounts nach gemeinsamen Merkmalen – zum Beispiel nach Branche, Unternehmensgröße oder Technologie-Stack – und entwickelt für jede Gruppe eine eigene Kampagne. Die Personalisierung ist weniger tief als im 1:1-Modell, aber deutlich gezielter als breites Inbound-Marketing. Für die meisten mittelständischen B2B-Anbieter im DACH-Raum ist dieses Modell der sinnvolle Einstieg.

1:Viele – Programmatic ABM

Das 1:Viele-Modell setzt auf Technologie und Daten, um Hunderte von Accounts mit automatisiert personalisierten Botschaften zu erreichen. Hier kommen Intent-Data-Plattformen, dynamische Werbung und automatisierte Personalisierung auf Landing Pages zum Einsatz. Dieses Modell erfordert eine robustere Marketing-Technologie-Infrastruktur und liefert weniger tiefe Personalisierung – dafür deutlich mehr Reichweite als die anderen Modelle.

Wann ABM passt – und wann du lieber bei Inbound bleibst

ABM wird häufig als Allheilmittel für B2B-Marketing dargestellt. Das ist es nicht. Es ist ein Ansatz, der unter bestimmten Bedingungen sehr gut funktioniert – und unter anderen schlecht oder gar nicht.

ABM lohnt sich, wenn folgende Bedingungen zutreffen

  • Der durchschnittliche Auftragswert liegt deutlich über 50.000 EUR – sonst ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis ungünstig.
  • Der Verkaufszyklus dauert mindestens drei Monate und umfasst mehrere Entscheider und Influencer pro Deal.
  • Du kannst eine klare Liste von Wunschkunden benennen – entweder aus Mustern bestehender Kunden oder aus strategischen Überlegungen.
  • Marketing und Vertrieb können und wollen gemeinsam planen und regelmäßig abstimmen.
  • Du hast mindestens sechs bis zwölf Monate Zeit und Budget, um erste Ergebnisse zu sehen.

ABM passt eher nicht, wenn

  • Dein Markt sehr groß und heterogen ist und du kein klares ICP formulieren kannst.
  • Dein durchschnittlicher Deal-Wert niedrig ist und du hohes Lead-Volumen brauchst, um profitabel zu wachsen.
  • Sales und Marketing bisher kaum miteinander arbeiten – dann ist Alignment die wichtigere Hausaufgabe.
  • Du schnelle Ergebnisse in kurzen Entscheidungszyklen brauchst.

Das Ideal Customer Profile für den DACH-Markt definieren

Das ICP ist die Grundlage aller ABM-Aktivitäten. Ohne ein klares ICP bearbeitest du die falschen Accounts. Im DACH-Markt kommen zu den üblichen ICP-Kriterien einige Besonderheiten hinzu, die in amerikanischen ABM-Playbooks kaum vorkommen.

Firmografische Kriterien

Diese Ebene beschreibt das Unternehmen als solches: Branche (zum Beispiel Maschinenbau, Software, Pharmaindustrie), Umsatzgröße, Mitarbeiterzahl, Unternehmensform und Standort. Im DACH-Kontext spielt die Unternehmensform eine größere Rolle als in anderen Märkten: Ein familiengeführtes Mittelstandsunternehmen mit 300 Mitarbeitern tickt anders als ein börsennotierter Konzern derselben Größe – das betrifft Entscheidungswege, Budgetzyklen und Ansprache gleichermaßen.

Technografische Kriterien

Der bestehende Tech-Stack eines Unternehmens verrät viel über seine Reife und seine Entscheidungsprozesse. Wer bereits ein modernes CRM-System betreibt, denkt anders über Marketing-Automatisierung als jemand, der noch mit Excel-Listen arbeitet. Für ABM-Projekte mit ActiveCampaign-Fokus ist es besonders relevant, ob das Unternehmen bereits eine Marketing-Automation-Lösung einsetzt oder nicht. Diesen Tech-Stack kannst du über Tools wie BuiltWith oder LinkedIn Sales Navigator recherchieren.

Verhaltensbasierte Kriterien

Frühere Interaktionen mit deinen Inhalten sind starke Qualifizierungssignale: Web-Besuche, heruntergeladene Whitepaper, besuchte Events oder Webinare. Diese Signale erfasst du in ActiveCampaign über Site Tracking und Event-Tracking und beziehst sie in deine Account-Bewertung ein. Ein Unternehmen, das drei Mitarbeitende auf deine Website schickt, ist näher als eines, das du noch nie gehört hat.

Situative Kriterien – DACH-spezifisch

Der DACH-Markt hat Signale, die in US-amerikanischen ABM-Playbooks kaum vorkommen. Verbandsmitgliedschaften – etwa im VDMA (Maschinenbau), im BITKOM (IT) oder im BDI – geben Hinweise auf Branchenzugehörigkeit und Netzwerke. Zertifizierungen wie ISO 9001 oder branchenspezifische Standards wie TISAX in der Automobilindustrie zeigen, wie ein Unternehmen intern strukturiert ist. Aktive Stellenausschreibungen – besonders in Marketing, Digitalisierung oder IT – signalisieren laufende Initiativen und verfügbare Budgets, die ABM-Initiativen begünstigen.

Erstelle aus diesen Kriterien einen ICP-Score-Rahmen: Je mehr Punkte ein potenzieller Account in den relevanten Kategorien sammelt, desto höher priorisierst du ihn als Target-Account. So bleibt die Auswahl nachvollziehbar und wiederholbar.

ABM-Taktiken, die im DACH-Markt funktionieren

Der DACH-Markt unterscheidet sich vom US-amerikanischen Markt in mehreren Punkten: Geschäftsbeziehungen sind langfristiger angelegt, die formelle Ansprache dominiert in der ersten Kontaktphase, und Entscheidungen werden gründlicher abgewogen. ABM-Taktiken, die in den USA gängig sind, müssen für DACH angepasst werden.

Personalisierte Direktansprache

Eine Direktansprache – per Post oder E-Mail – funktioniert im DACH-Markt gut, wenn sie zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast. Schreib nicht über das, was du anbietest, sondern über eine konkrete Herausforderung des Unternehmens. Die Qualität dieser Vorbereitung entscheidet über den Unterschied zwischen "landet im Papierkorb" und "wird weitergegeben". Investiere mindestens 60 bis 90 Minuten Research pro Account, bevor du die erste Nachricht schreibst.

LinkedIn- und XING-Targeting auf Account-Ebene

LinkedIn erlaubt über die Unternehmens-Targeting-Funktion, Anzeigen gezielt an Mitarbeitende bestimmter Unternehmen auszuspielen. Im DACH-Mittelstand ist XING noch immer aktiv genutzt – besonders bei Entscheidern in traditionellen Branchen wie Maschinenbau, Handwerk oder Logistik. Nutze beide Plattformen komplementär: LinkedIn für überregionale Konzerne und Tech-Unternehmen, XING für DACH-Mittelstand mit starkem regionalen Bezug.

Branchenspezifischer Content

Generische Whitepapers öffnen im B2B keine Türen mehr. Was funktioniert, ist tiefes, branchenspezifisches Wissen: ein Leitfaden zu Compliance-Herausforderungen im Pharmasektor, eine Analyse zu Digitalisierungsengpässen im Maschinenbau, eine Fallstudie aus der Zuliefererindustrie. Dieser Content muss so konkret sein, dass ein Entscheider der Zielbranche sofort erkennt, dass du ihre Welt kennst – und nicht nur allgemeine Marketing-Begriffe verwendest.

Fachmessen und Events gezielt nutzen

Fachmessen sind im DACH-Markt noch immer wichtige Touchpoints. Bei ABM nutzt du diese Veranstaltungen nicht, um zufällig Kontakte zu knüpfen, sondern als Anlass für vorher geplante Begegnungen. Du weißt, welche deiner Target-Accounts dort vertreten sind, vereinbarst im Vorfeld Gespräche und nutzt die Messe als Kontext für einen persönlichen Austausch, der sonst schwer zu initiieren wäre. Direkt nach der Messe startest du in ActiveCampaign automatisierte Follow-up-Sequenzen basierend auf den gesammelten Informationen.

Executive Briefings für Entscheider

C-Level-Entscheider in DACH-Unternehmen wollen strategisch denken, nicht nur Produkte einkaufen. Ein geschlossenes Executive Briefing – ein Abendessen oder ein halbtägiges Meeting mit externem Referenten zu einem strategischen Trend – positioniert dich als Thought-Leadership-Partner statt als Verkäufer. Diese Formate eignen sich besonders für das 1:1-ABM-Modell mit sehr wenigen, sehr werthaltigen Accounts.

ABM mit ActiveCampaign aufbauen – Schritt für Schritt

ActiveCampaign hat alle Bausteine, die du für ein ABM-Setup brauchst: CRM-Felder für Account-Daten, Tagging für Segmentierung, Deal-Pipelines für Sales-Prozesse und Automationen für die Kampagnen-Steuerung. Hier ist, wie du es konkret aufbaust.

  1. Custom Fields für Accounts anlegen: Gehe zu Kontakte → Felder verwalten und lege folgende Felder an: "Account-Name" (Text), "ICP-Score" (Zahl, 1–10), "Account-Stage" (Dropdown: Identifiziert, Recherche, Engagement, Qualifiziert, Deal), "Geschätzter Deal-Wert" (Zahl). Diese Felder hängen an jedem Kontakt aus einem Target-Account.
  2. Account-Tags strukturieren: Lege ein einheitliches Tag-Schema an: "ABM:Target", "ABM:Warm", "ABM:Deal-aktiv", "ABM:Gewonnen", "ABM:Verloren". Das Tag "ABM:Target" wird der Eintrittspunkt für alle ABM-Automationen.
  3. ABM-Deal-Pipeline einrichten: Erstelle in Deals → Pipelines eine eigene ABM-Pipeline mit den Stufen: Entdeckt, Erstkontakt, Engagement aktiv, Qualifiziert, Angebot, Verhandlung, Abgeschlossen. Diese Pipeline bleibt getrennt von deiner regulären Sales-Pipeline, damit du ABM-Kennzahlen sauber auswerten kannst.
  4. Site Tracking aktivieren und konfigurieren: Aktiviere Site Tracking unter Einstellungen → Tracking. So siehst du, welche Mitarbeitenden von Target-Account-Domains deine Website besuchen. Richte Benachrichtigungen ein: Wenn ein Kontakt einer bestimmten Domain drei oder mehr Seiten in einer Woche besucht, erhält der zuständige Account Manager automatisch eine Aufgabe.
  5. ABM-Automation für den Eintrittspunkt bauen: Gehe zu Automationen → Erstellen → Bei Tag-Hinzufügung starten → Tag "ABM:Target". Definiere dann die Abfolge: Wartezeit 2 Tage → personalisierte E-Mail 1 → Warten auf Reaktion oder 7 Tage → personalisierte E-Mail 2 → bei Klick: Account-Stage auf "Engagement" setzen und Account Manager benachrichtigen.
  6. Lead Scoring auf Account-Engagement ausrichten: Unter Kontakte → Lead Scoring definierst du Punkte für ABM-relevante Aktionen: E-Mail geöffnet (+2), Link geklickt (+5), Seite besucht (+3), Deal-Stage-Fortschritt (+10). Ab einem definierten Score startet automatisch eine Deal-Erstellungs-Automation und das Vertriebsteam wird informiert.
  7. Reporting-Segmente für den Überblick anlegen: Erstelle gespeicherte Suchen für alle Kontakte mit Tag "ABM:Target", nach Account-Stage gefiltert. So hast du jederzeit Überblick, in welcher Phase sich welche Accounts befinden, ohne jedes Mal neu zu filtern.

Dieses Setup lässt sich in zwei bis drei Arbeitstagen aufbauen, wenn die Grundstruktur deines ActiveCampaign-Accounts sauber ist. Wie du CRM-Felder und Pipelines in ActiveCampaign optimal für den Vertrieb aufbaust, zeigt der Beitrag zu ActiveCampaign als CRM für den Vertrieb.

Typische ABM-Fehler und wie du sie vermeidest

Die meisten ABM-Initiativen scheitern nicht an fehlender Technologie, sondern an denselben strukturellen Fehlern. Hier sind die häufigsten Ursachen und die jeweiligen Gegenmittel.

Zu viele Accounts auf einmal

Wer mit 80 oder 100 Target-Accounts startet, betreibt kein ABM mehr, sondern schlecht personalisiertes E-Mail-Marketing. Die Tiefe der Personalisierung leidet, die Qualität sinkt, und die Ergebnisse enttäuschen. Gegenmittel: Starte mit maximal 15 bis 20 Accounts im 1:1-Modell. Lerne, was funktioniert und was nicht, und skaliere erst dann – auf Basis echter Erkenntnisse, nicht auf Basis von Bauchgefühl.

ABM ohne Sales-Einbindung starten

ABM wird manchmal als Marketing-Projekt gestartet, ohne den Vertrieb von Anfang an einzubinden. Das Ergebnis: Marketing betreibt Kampagnen auf Accounts, die Sales nicht priorisiert, oder Sales weiß nicht, was Marketing bereits aufgebaut hat und kontaktiert Accounts mit der falschen Botschaft. Gegenmittel: Führe noch vor dem ersten Kampagnen-Start ein gemeinsames Meeting durch, in dem Sales und Marketing gemeinsam die Account-Liste erstellen und die Rollen klar definieren.

Erfolg an Lead-Volumina messen

Wer ABM mit klassischen Lead-Metriken bewertet, sieht zunächst immer schlechtere Zahlen als beim Inbound-Marketing – weil ABM nicht auf Volumen ausgelegt ist. Das führt zu vorzeitigem Abbruch, obwohl die Qualität der Pipeline deutlich besser ist. Gegenmittel: Definiere vor dem Start die ABM-spezifischen KPIs – Account Engagement Rate, Pipeline-Wert ABM-beeinflusst, Win Rate bei ABM-Accounts – und kommuniziere das klar nach innen.

Personalisierung ohne ausreichende Research

Eine E-Mail, die nur den Namen des Unternehmens nennt, ist keine Personalisierung – Entscheider erkennen das sofort. Echte Personalisierung zeigt, dass du die aktuelle Situation des Unternehmens kennst: eine laufende Initiative, eine jüngst veröffentlichte Pressemitteilung, eine spezifische Herausforderung der Branche. Gegenmittel: Investiere 60 bis 120 Minuten Research pro Account in Jahresberichte, LinkedIn-Posts der Entscheider, Stellenausschreibungen und aktuelle News.

Amerikanische Taktiken 1:1 übertragen

Viele ABM-Ressourcen stammen aus dem US-Markt, wo ein direkterer Kommunikationsstil und ein schnellerer Entscheidungsprozess normal sind. Im DACH-Markt wirken diese Taktiken schnell aufdringlich oder unseriös. Gegenmittel: In der Erstansprache formell siezen – außer bei Start-ups und etabliertem Kontakt. Den Ton sachlicher und faktenbasierter halten. DSGVO-Konformität bei Datenfragen aktiv ansprechen statt zu vermeiden.

Welche KPIs bei ABM wirklich zählen

Lead-Zahlen und Kosten pro Lead sind bei ABM die falschen Metriken. ABM wird auf Account-Ebene gemessen, nicht auf Lead-Ebene. Diese Kennzahlen zeigen den tatsächlichen Fortschritt.

Account Engagement Rate

Wie viele Personen innerhalb eines Target-Accounts haben aktiv mit deinen Inhalten interagiert? Ein Account, bei dem nur ein Kontakt gelegentlich E-Mails öffnet, ist weniger weit als einer, bei dem vier verschiedene Personen über mehrere Kanäle aktiv sind. In ActiveCampaign siehst du das über Kontaktlisten gefiltert nach Domain und Account-Tag – kombiniert mit dem Engagement-Score aus dem Lead-Scoring.

Account Progression Rate

Wie schnell bewegen sich Accounts durch deine ABM-Pipeline? Wenn Accounts über Monate in derselben Stage verweilen, ist das ein Signal, dass entweder die Ansprache nicht passt oder Sales nicht aktiv genug eingreift. Miss die durchschnittliche Zeit pro Stage und vergleiche sie über Quartale – so erkennst du Engpässe systematisch statt erst nach einem verlorenen Deal.

Pipeline-Wert ABM-beeinflusst

Welchen Anteil am gesamten Pipeline-Wert haben ABM-Accounts? Diese Zahl zeigt, ob ABM als Akquisekanal relevant genug ist, um den Aufwand zu rechtfertigen. Tracke sie in deiner ABM-Deal-Pipeline in ActiveCampaign und vergleiche den Wert mit dem der regulären Pipeline.

Win Rate bei ABM-Accounts im Vergleich

Schließt du Deals bei ABM-bearbeiteten Accounts häufiger ab als bei nicht-ABM-Accounts? Diese Vergleichszahl ist einer der überzeugendsten Belege für den Wert des Ansatzes. Um sie zu berechnen, brauchst du eine saubere Trennung zwischen ABM-Deals und Nicht-ABM-Deals in deiner Pipeline – was ein weiterer Grund dafür ist, die ABM-Pipeline von Beginn an separat zu halten.

Häufige Fragen

Wie viele Target-Accounts sollte ich zu Beginn bearbeiten?

Für einen validen Einstieg in das 1:1-Modell empfehlen sich 10 bis 20 Accounts. Das ist genug, um belastbare Erfahrungen zu sammeln und das Vorgehen zu verfeinern – aber überschaubar genug, um die nötige Tiefe bei jedem Account zu halten. Wer mehr Accounts auf die Liste setzt als er Kapazität hat, betreibt kein echtes ABM mehr und sollte direkt mit dem 1:Wenige-Modell starten.

Wie unterscheidet sich ABM von Demand Generation?

Demand Generation zielt darauf ab, generellen Marktbedarf zu erzeugen und breite Awareness aufzubauen – typischerweise über Content, SEO und Paid Channels. ABM ist gezielter: Du weißt bereits, welche Accounts du willst, und bespielst genau diese. Beide Ansätze können parallel betrieben werden, messen Erfolg aber nach sehr unterschiedlichen Metriken. Der Beitrag zum B2B-Demand-Generation-Funnel erklärt die Abgrenzung und die Einsatzbedingungen im Detail.

Wie gehe ich mit DSGVO-Anforderungen bei ABM im DACH-Markt um?

ABM-spezifische Datenverarbeitung – etwa IP-basiertes Account-Tracking oder Intent-Data-Nutzung – muss DSGVO-konform umgesetzt werden. Das bedeutet: nur personenbezogene Daten verarbeiten, für die eine Rechtsgrundlage vorliegt (berechtigtes Interesse, Einwilligung oder Vertragserfüllung). Bei Anzeigen auf LinkedIn und XING greift die Datenverarbeitung der jeweiligen Plattform, was separate Datenschutzhinweise erfordert. Bei Unsicherheit lohnt sich die Rücksprache mit einem Datenschutzbeauftragten vor dem Kampagnen-Start.

Wie lange dauert es, bis ABM messbare Ergebnisse liefert?

ABM-Zyklen sind länger als die meisten Marketing-Taktiken. Erste Signale – Account-Engagement, Response-Raten, Pipeline-Einträge – siehst du nach zwei bis drei Monaten. Erste Abschlüsse in B2B-Märkten mit langen Zyklen entstehen typischerweise nach sechs bis zwölf Monaten. Plane das Budget entsprechend und kommuniziere die Erwartungen intern klar, bevor die Initiative startet.

Brauche ich spezielle ABM-Software oder reicht ActiveCampaign?

Für den Einstieg in das 1:1-Modell mit bis zu 20 Accounts reichen ActiveCampaign, ein sauber gepflegtes CRM und LinkedIn Sales Navigator. Spezialisierte ABM-Plattformen wie 6sense oder Demandbase kommen erst ins Spiel, wenn du das Programmatic-Modell mit Hunderten von Accounts skalierst und Intent-Daten in Echtzeit in die Kampagnen-Steuerung einbeziehen willst. Was bei der Tool-Auswahl für ABM zu beachten ist, fasst der Beitrag zu ABM-Tools und ihren Auswahlkriterien zusammen.

ABM ist keine Marketing-Taktik, sondern eine Entscheidung über die Akquisestrategie: gezielt statt breit, tief statt skalierbar, gemeinsam mit Sales statt nach. Wenn dein Markt überschaubar ist, deine Deals groß genug sind und du Marketing und Vertrieb synchronisieren kannst, ist es einer der präzisesten Wege im DACH-B2B. Der erste sinnvolle Schritt ist oft kein Tool-Kauf, sondern eine halbtägige Arbeitsession mit Sales und Marketing, in der ihr gemeinsam eine Liste von 20 Wunschkunden erstellt und die ersten ICP-Kriterien formuliert.

Tom Wenk, Gründer der Advertal GmbH

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